Archiv für ‘Studien’

Die Übermütter

Thursday, June 26th, 2008 von Barbara

(c) Flickr Mütter wollen die Chefinnen der Abteilung Babybetreuung sein. Das zumindest könnte man einer Studie der Universität von Ohio nachsagen.

When a mother criticized her partner’s child-care efforts, it often caused him to lose confidence, and even withdraw from caring for the baby. But when a mom praised dad’s efforts, he took a more active parenting role.

Ein Grund dafür sei der große Druck, der auf den Müttern laste, erklärte Co-Autorin Sarah Schoppe-Sullivan von der Ohio State University. Wenn Mütter eh schon für alles verantwortlich gemacht werden, dann möchten sie auch die Verantwortung für alles tragen. Für die Studie wurden 97 Paare beobachtet; ihre Vorstellung über die Aufteilung der Babybetreuung wurde ab dem letzten Drittel der Schwangerschaft abgefragt - und die Realisierung dann drei, vier Monate nach der Geburt des Kindes überprüft. Dass “Vater von Mutters Gnaden” abhänge, wie Focus die Studie beurteilt, ist eine Fehlinterpretation der Ergebnisse. Besser ist eine Neuverteilung der Verantwortung, die Beschreitung des vielleicht nicht so gewohnten und bequemen Wegs. Das meint auch Father-Forscher und Autor Jeremy Adam Smith in seinem Blog:

“Men are evolving, but society, business, and government still drag their collective feet. This breeds unhappiness as well as lawsuits–but perhaps one day we will have the policies that will help us to be the fathers we need and want to be.”

Gezeichnete Sexbomben

Wednesday, May 28th, 2008 von Barbara

Zwei Drittel männlich, ein Drittel weiblich, mit langen Beinen, Wespentaille und dickem Busen. So lautet das Ergebnis einer Studie des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) und der Stiftung Prix Jeunesse, die mehr als 30.000 Charaktere in Trickfilmen und -serien für Kinder aus 24 Ländern untersucht hat.

Geht man davon aus, dass das Fernsehen auch die Entwicklung von Identität beeinflusst, eine traurige Bilanz. Aber selbst in meiner eigenen Kindheit war das schon so: Die Freunde von Biene Maja heißen Willi und Flip, Puck, Max und Alexander. Freundinnen hatte sie wenige; und die anderen Frauenfiguren waren Lehrerin Kassandra oder Spinne Thekla. Doch wenigstens sieht Maja mehr aus wie ein Kind und nicht wie eine sexy Barbiepuppe.

Das Bild hat Claudia Kaiser gezeichnet.

Die neuen Paare

Wednesday, May 14th, 2008 von Susanne

Heute Morgen stellte Familienministerin Ursula von der Leyen eine Studie der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft vor. Diese hat gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung 25 Paaremit Kindern ausführlich interviewt, bei denen beide Elternteile beruflich erfolgreich sind. Parallel dazu wurden über 1.000 Paare per Telefon befragt. Titel der Studie: “Kinder und Karrieren: Die neuen Paare.”

Und darum geht es den Forschern:

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, wie Doppelkarrierepaare mit Kindern die erfolgreiche Vereinbarung ihrer Karrieren mit Kindern bewältigen, welche Erfolgsstrategien sie entwickelt haben und auf welche Widerstände sie gestoßen sind. Auf der Grundlage der Ergebnisse wurden Handlungsempfehlungen für Politik, Unternehmen und Paare entwickelt.

Die gesamte Studie erscheint im Verlag der Bertelsmann Stiftung: “Kinder und Karrieren: Die neuen Paare” von Kathrin Walther und Helga Lukoschat.

Nachtrag:
Online wurden jetzt die wichtigsten Punkte veröffentlicht. Die da sind:

  • Doppelkarrierepaare mit Kindern sind Multiplikatoren für eine familienfreundliche Unternehmenskultur. 75 Prozent der weiblichen und 79 Prozent der männlichen Führungskräfte sagen, dass ihr Verständnis für Kolleginnen und Kollegen mit Familie gewachsen ist.
  • Wichtige Voraussetzung für eine gelungene Vereinbarkeit sind familien-freundliche Arbeitsbedingungen.
  • Eine ausgewogene Aufteilung familienbezogener Tätigkeiten führt zu mehr Zufriedenheit. 76 Prozent der Befragten streben eine gleiche Rollenverteilung unter den Partnern an.
  • Die Organisation der Kinderbetreuung und das Management des Haushalts werden als größte Herausforderungen gesehen.

Arbeit in Zukunft: Digital. Flexibel. Individuell.

Monday, May 12th, 2008 von Susanne

Zeit Online und Tagesspiegel.de berichten über die Empfehlung von Bevölkerungsexperten, wie die Mittelschicht zu “retten” sei und beziehen sich dabei auf die Studie der Deutschen Bank:

Mehr Frauen - auch Mütter - müssten in anspruchsvollere Berufe gelangen. Die Gestaltung der Arbeitsplätze, Karrierechancen und Bezahlung müssten dies unterstützen. (…) Das Schlüsselwort der Zukunft lautet “Projektwirtschaft”. Neue, flexible Formen der Zusammenarbeit, digital unterstützte Arbeitsplätze, mehr Teilzeitarbeit, ein gleitender Wechsel zwischen Beruf und Privatleben werden vor allem den Interessen berufstätiger Frauen entgegenkommen.

Spannend an dieser Veröffentlichung ist vor allem (abgesehen davon, dass sich die Daten nicht so grauenvoll naiv lesen wie in der Originalstudie), dass hier mal das klassische Modell eines erfolgreichen Berufslebens beiseite gelassen wird. Sonst ist das ja die Grundlage jeglicher Diskussionen über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Einstieg in den Beruf mit Mitte, Ende Zwanzig, dann die Karriereleiter Schritt für Schritt hoch und zwischendurch Kinder kriegen und aus dem Karrierezug aussteigen oder eben auf Kinder verzichten.

Tatsächlich zeichnet sich ja aber schon heute in unserer Generation ab, dass Karrieren nicht mehr so linear verlaufen werden und dass wir auch etwas ganz anderes unter “Karriere” verstehen: mehr Selbstverwirklichung von eigenen Ideen, weniger Maloche für ein Großunternehmen. Und das ist nicht nur bei den Frauen so, sondern auch unter Männern ändert sich der Karrierebegriff. Profitieren wird davon vor allem das Familienleben.

Hurra, die Chefs finden Elternzeit super!

Thursday, May 8th, 2008 von Susanne

Mensch, momentan jagen sich die guten Nachrichten aus der Wirtschaft ja beinahe täglich. Gerade noch sagte uns eine Untersuchung der Deutschen Bank die rosigste aller rosigen Zukünfte voraus, jetzt legt Familienministerin Ursula von der Leyen nach und verkündet:

“Elterngeld in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft voll akzeptiert” - Allensbach-Umfrage belegt große Unterstützung der Personalverantwortlichen für Männer, die Vätermonate und Elternzeit nehmen

Die Kurzzusammenfassung liest sich dann so:

  • Mehr als 80 Prozent der Personalverantwortlichen halten das Elterngeld für eine gute Sache - vor seiner Einführung im Jahr 2006 waren es 61 Prozent.
  • 61 Prozent befürworten die Unterbrechung der Berufstätigkeit durch Väter - gegenüber 48 Prozent vor zwei Jahren. 65 Prozent bewerten die Verringerung der Arbeitszeit durch Väter positiv - gegenüber 59 Prozent vor zwei Jahren.
  • 71 Prozent sind davon überzeugt, dass sie eine Mitverantwortung haben, ihren Beschäftigten die Entscheidung für Kinder zu erleichtern.
  • In rund 40 Prozent der Betriebe, in denen Mitarbeiter nach Einführung des Elterngeldes Vater geworden sind, haben Väter ihre Berufstätigkeit unterbrochen. 37 Prozent der Unternehmensverantwortlichen erwarten, dass in Zukunft mehr Männer Elternzeit beanspruchen.

Sowas nannte der Soziologe Ulrich Beck mal sehr schön “verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre”.

Wie Frauen in Zukunft arbeiten

Monday, May 5th, 2008 von Susanne

Die Deutsche Bank hat eine große Studie veröffentlicht, mit Prognosen für die weibliche Zukunft im Berufsleben: Sie verdienen im Jahr 2020 mehr Geld, besetzen Spitzenjobs, können Familie und Beruf perfekt vereinbaren. Das Interessante an der Studie: Der Prognose zufolge kommt der Wandel fast von alleine.

Gründe für diesen Optimismus sind laut Studie:

  • Demografischer Wandel: Weil immer mehr Arbeitskräfte benötigt werden, können die Unternehmen gar nicht anders, als verstärkt auf Frauen zu setzen.
  • Virtuelle Vernetzung: Wissensbasierte Tätigkeiten werden immer häufiger in Projektarbeit erledigt. Dies führt zur Verbreitung flexibler Arbeitszeitmodelle.
  • Soft Skills: Soziale Kompetenzen wie Kooperation und Kreativität gewinnen an Bedeutung.
  • Mentalitätswandel: Über die Jahre hinweg wird es immer normaler, dass Männer ihre Kinder betreuen - und Frauen in Spitzenpositionen arbeiten.

In acht Punkte zusammengefasst, würden wir im Jahr 2020 so leben:

  • Beruf und Familie lassen sich besser miteinander vereinbaren.
  • Mehr Frauen, vor allem Mütter, sind berufstätig.
  • Männer und Frauen teilen bezahlte und unbezahlte Arbeit gleichmäßiger untereinander auf.
  • Die Telearbeit zuhause boomt. Die Unternehmen sparen dadurch Kosten, zum Beispiel bei der Büromiete.
  • Die Geburtenrate steigt.
  • Frauen studieren zunehmend naturwissenschaftliche und technische Fächer.
  • Die Reallöhne von Frauen nähern sich denen der Männer an.
  • Der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht sich.

Na dann.

“Goodbye Märchenprinz!”

Tuesday, April 29th, 2008 von Susanne

So ist der dritte Teil der großen Brigitte-Studie überschrieben, der sich mit den Vorstellungen und Wünschen junger Frauen in Sachen Liebe und Beziehungen beschäftigt. Hier mal auf die interessanten Stellen für euch zusammengedampft:

  • Einen öden Typen heiraten, nur um abgesichert zu sein? Das lehnen Frauen heute dankend ab.
  • Die alten Männerbilder verblassen. Der Versorger, der Beschützer, der Göttergatte, dem die Frauen ihr Leben unterordnen? Das war einmal. 97 Prozent finden, dass ein ausgewogenes Verhältnis von Geben und Nehmen eine gute Beziehung bestimmt.
  • “Was Männer und Frauen von einer guten Beziehung erwarten, ist nahezu deckungsgleich”, hat Prof. Jutta Allmendinger durch eine Vergleichsstudie mit Männern herausgefunden. Kampf der Geschlechter? Den gibt’s eigentlich nur noch auf dem Papier. Bleibt die Frage, warum es in Partnerschaften so oft nicht klappt. Vielleicht, weil trotz der Übereinstimmung der Wünsche so viele Missverständnisse über das andere Geschlecht existieren.
  • Wie groß die Macht der Stereotype ist, hat selbst Expertin Jutta Allmendinger überrascht.
  • Männer reden nicht über ihre Gefühle! Das sagen mehr als 80 Prozent. Sie halten Männer für sexgierig und desinteressiert an verantwortungsbewussten Beziehungen. Dabei ist das falsch, die Untersuchungen belegen etwas ganz anderes: Partnerschaft ist für Männer sogar wichtiger als für Frauen!
  • Der Irrtum ist, dass Frauen und Männer zu wissen glauben, was das andere Geschlecht bewegt. Ihre Fehleinschätzungen überprüfen sie nur selten an der Wirklichkeit.
  • Ob im Beruf oder in den Medien - überall fehlen runderneuerte positive Männervorbilder.
  • Die Frauen erwarten, dass sich etwas ändert, ihr Märchenprinz ist nicht länger der Karrieretyp oder der Versorger. Der Traummann der Zukunft übernimmt vor allem Verantwortung fürs gemeinsame Kind. Nur als Väter sind Männer noch Helden.

Weniger Rechte als ein Kind

Wednesday, April 23rd, 2008 von Susanne

In einem aktuellen Report von Human Rights Watch kommt die Autorin Farida Deif zu dem Schluss, dass saudi-arabische Frauen weniger Rechte haben als Kinder in westlichen Ländern. Denn Frauen müssen sich für jede einzelne Entscheidung in ihrem Leben die Erlaubnis eines Mannes einholen und bei jedem Schritt, den sie tun, eine männliche Begleitung dabeihaben. Farida Deif sagt: “Für saudische Frauen bringt das Erwachsenenleben keinerlei Rechte mit sich, nur Pflichten.”

So bleibt den Frauen der Zugang zum öffentlichen Leben weitestgehend verwehrt. Human Rights Watch empfiehlt deshalb dringende Reformen, unter anderem in Bezug auf die Rechte von Frauen im Gesundheitssystem, auf Bildung und auf Zugang zu öffentlichen Gebäuden.

Hausarbeit statt Aufschwung

Thursday, April 10th, 2008 von Katrin

Hausfrau und Mutter

Der neue OECD-Bericht für Deutschland in Schulnoten:

  • Gesellschaftliches Fortkommen: 5
  • Geschlechterdemokratie bei der Erwerbsarbeit: 6
  • Bildungssystem: 6
  • Lehrerbildung: 6
  • Beschäftigung im Alter: 3

Die OECD kritisiert scharf, dass Frauen in Deutschland im Schnitt immer noch unter 30 Stunden/Woche arbeiten. OECD-Generalsekretär Ángel Gurría spricht von einer „ungehobenen Talentreserve“, Deutschland laufe Gefahr, „sich als Gesellschaft selbst zu verleugnen.“

==> mehr im Taz-Artikel vom 10.04.08

Sind Männer ein bisschen beschränkt?

Wednesday, April 2nd, 2008 von Katrin

Oder sind es die Wissenschaften? Oder die Medien?

Flirt als Holzschnitt
Frauen glauben gerne, dass Männer Freundlichkeit und sexuelles Interesse oft nicht auseinander halten können – im Gegensatz zu ihnen, natürlich. US-ForscherInnen haben dieses Problem in einer psychologischen Studie mit 280 StudentInnen untersucht. Die Seite wissenschaft.de berichtet davon und fragt nach dem Ursprung dieses Phänomens:

„Entweder liegt bei Männern die Schwelle, ab der eine Verhaltensweise als eindeutig sexuell eingestuft wird, tatsächlich niedriger als bei Frauen, oder aber Männer sind grundsätzlich nicht so sensibel für die Art der Signale, die eine Frau aussendet und können demnach sexuelle Hinweise nicht gut von anderen unterscheiden.“

Das Thema an sich ist ganz interessant und spannend, doch so richtig gefallen will mir der Artikel von Ilka Lehnen-Beyel nicht. JedeR der/die sich ein bisschen mit empirischer Sozialforschung auskennt, weiß, dass 280 Personen noch keine Basis für eine repräsentative Studie bilden können, zudem handelte es sich nur um StudentInnen – ein ausgewählter Personenkreis. Über die Rückschlüsse auf alle Menschen kann (muss) man wirklich streiten. Außerdem liegen die Unterschiede bei den verschiedenen Tests sehr nah beieinander:
So

„interpretierten die Männer eine freundliche Frau in 12,1 Prozent der Fälle fälschlich als sexuell interessiert, während die weiblichen Probanden nur bei 8,6 Prozent falsch lagen.“

Und

„umgekehrt übersahen die Männer auch immerhin in 38 Prozent der Fälle ein echtes sexuelles Interesse, wohingegen die Frauen nur etwa 32 Prozent fehlinterpretierten“

Bei so einer kleinen Zahl von untersuchten Personen sind Unterschiede von 4-6 Prozent kein eindeutiger Hinweis auf einen signifikanten Trend. Das sollte vielleicht erwähnt und dann noch einmal gründlich über den Titel: „Warum Männer Frauen so häufig missverstehen“ nachgedacht werden. Der Einleitende Teaser ist auch nicht gerade nett:

„Männer seien schlicht und einfach weniger sensibel gegenüber Gefühlen und können sie schlechter allein anhand der Körpersprache unterscheiden als Frauen.“