Einträge mit dem Tag ‘Medienkritik’


Wer schweigt, stimmt zu. Notizen zur Bundestagswahl.

25. September 2017 von Charlott

„Wer schweigt, stimmt zu! Gegen die Normalisierung des Hasses“. Anti-AfD Kundgebung vor deren Wahlparty in Berlin, 24.09.2017.

Mit 12,6% ist gestern die AfD als drittstärkste Partei in den Bundestag eingezogen. Daran lässt sich Nichts schön reden und nein, es ist nun wahrlich nicht die Zeit für aufbauende Memes, in denen es heißt, dass 87% der Wähler_innen nicht diese Nazipartei gewählt haben. Zum einen haben die übrigen Prozent nun auch nicht unbedingt für emanzipatorische, anti-rassistische Politik gestimmt (CDU/CSU 33,0; SPD 20,5; FDP 10,7; Linke 9,2; Grüne 8,9), zum anderen sind 12,6% genau 12,6% zu viel.

Eine vollständige Analyse der Wahl und politischen Gesamtsituation kann und möchte ich hier heute Vormittag gar nicht leisten (letzteres erschließt sich ja auch eigentlich durch die Gesamtheit der Beiträge hier im Blog, nicht erst seit gestern). Stattdessen gibt es hier – wie bereits vor vier Jahren – einige Gedankensplitter zur Wahl und dem gestrigen Abend.

  • Die Wahlbeteiligung lag etwa 5 Prozentpunkte höher als bei der letzten Bundestagswahl. Die Partei aber, die (im Verhältnis zu den Stimmen, die sie insgesamt erhielt) am meisten Nichtwähler_innen mobilisieren konnte, war die AfD. Ein Phänomen, wie es auch bereits bei den letzten Landtagswahlen zu beobachten war. Hohe/ Höhere Wahlbeteiligung an sich ist also – wie unüberraschend – kein Garant gegen Rechte. „Wenn mehr Leute wählen, hat die AfD weniger Prozent!“, stellt sich wie zuvor als falsch heraus. Der Umkehrschluss sollte natürlich nicht sein „Ja dann lieber alle nicht wählen gehen“, aber politische Diskussionen dürfen nicht bei „Geh wählen“ aufhören.
  • Bei all dem Gerede von einer Zäsur und Nazis im Bundestag, sollten wir unsere Blicke schärfen für Kontinuitäten. Mit der AfD ziehen nicht erstmals seit 1949 Nazis in den Bundestag. Bei Wikipedia gibt es eine handliche Übersichtstabelle mit ehemaligen NSDAP-Mitgliedern, die nach 1945 politisch aktiv waren – zum Beispiel bei der CDU/ CSU, SPD und FDP. Dass es aber eine gesamte Partei mit klar völkischem, rechten Programm in den Bundestag schafft, ist neu. Dies hat ganz spezifische Auswirkungen, denn nicht nur beeinflusst das den politischen Diskurs, auch gibt es ganz handfest Geld für Nazistrukturen und eine Fülle an Jobs für Rechte.
  • In den letzten Tagen war häufig zu lesen, dass die AfD nun die Masken fallen lassen würde. Dies war natürlich Hohn für all jene, die seit Gründung der Partei gegen diese anreden, denn versteckt haben sie sich nun wahrlich nicht. Nach der Bekanntgabe der ersten Prognose, knüpfte ADFler Gauland direkt und unverblümt an: „Wir werden sie jagen, Angela Merkel oder wen auch immer, und wir werden uns unser Land zurückholen.“
  • Gauland war (je nach dem welchen Sender man verfolgte) gleich die erste Stimme, die es nach der Bekanntgabe zu hören gab. Rechte Hetze auf dem besten Sendeplatz. Vor vier Jahren schrieb ich hier an dieser Stelle: „Das politische Klima ist eindeutig rechts-konservativ. Dass dabei im Fernsehen bei der Wahlberichterstattung vollkommen neutral über den möglichen Einzug der AfD gesprochen wird, spiegelt dies vielleicht auch einfach nur perfekt wieder.“ Die Normalisierung der AfD und ihrer Positionen hat auch unter Unterstützung vieler Medien (auch wenn diese bei der AfD-Anhängerschaft ja eher unbeliebt sind) stattgefunden. Unter dem Mantel der „Entzauberung“ wurde der AfD der rote Teppich zur Aufmerksamkeits-Bühne ausgerollt. Über „Themen, die die Bürger_innen bewegten“ wird so gesprochen, als seien diese naturgegeben und nicht auch mitbeeinflusst von medialer Berichterstattung und Themensetzung. Auch am gestrigen Abend wurden Politiker_innen vieler Parteien zunächst gefragt, ob sie nicht besser der AfD hätten ihre Themen abnehmen können. Eine Journalistin bei Phoenix sagte zur Linken: „Die AfD macht ihnen ja das Thema soziale Gerechtigkeit streitig.“ Gauland hingegen wurde gefragt, ob sie weiter mit dem „Stilmittel“ der „gezielten Provokation“ arbeiten werden.
  • Erkärungen zum Wahlerfolg der AfD wurden gestern auch gleich einige geliefert, doch Konzepte wie Rassismus, Antisemitismus, Hetero_Cis_Sexismus und Ableismus waren abwesend. Dies ist nicht zufällig so, müssten sich sonst doch auch strukturellere, gesamtgesellschaftliche Fragen gestellt werden und könnte die „Schuld“ nicht an einen „unzufriedenen“, rechten Rand geschoben werden, der äußerst wenig mit einer als nicht rassistischen, liberal wahrgenommenen „Mitte“ zu tun hat. Wenig überraschend, aber trotzdem nicht weniger erwähnenswert, dass die AfD in weitaus größerem Maße von Männern gewählt wurde. Das Gender-Gap ist bei keiner anderen in den Bundestag gewählten Partei so groß.
  • „Wir haben verstanden, dass wir die rechte Flanke schließen müssen“, kommentierte Alexander Dobrindt das CSU-Ergebnis. Menschen müssten schneller abgeschoben werden, hieß es ebenfalls. Das erinnert nicht nur daran, wie allgemein eh schon in der letzten Zeit agiert wurde, sondern auch ganz stark an die 1990er als die Antwort auf Gewalt gegen Geflüchtete die de facto Abschaffung des Asylrechts war. Ganz ohne AfD übrigens. Auch aus diesem Grund ist ein Feiern der 87% vollkommen unangebracht, denn menschenfeindliche Politik wird nicht nur von einer Partei allein gemacht. In Sachsen, wo seit langem vor allem von der CDU der rechte Flügel weit offen gehalten wird um „besorgte Büger_innen“ abzuholen, ist die AfD nun die mit 27% die stärkste Partei. In Bayern, wo die CSU gern über „Obergrenzen“ spricht und auch sonst nicht zurück hält mit rassistisch-motivierten Politiken ist die AfD so stark wie in keinem anderen anderen alten Bundesland. Eigentlich wäre nun mal Zeit den Ängsten jener zuzuhören, die geflüchtet sind, die Rassismus und Antisemitismus erfahren, die durch Behindertenfeindlichkeit eingeschränkt werden, deren reproduktive Rechte beschnitten werden, die mit Hartz4 leben müssen, deren körperliche Selbstbestimmung verletzt wird.
  • Richtig feiern konnte gestern die FDP. „Ab jetzt gibt es wieder eine Fraktion der Freiheit“, jubelte Lindner, so als wäre nicht gerade eine rechte Partei mit zweistelliger Prozentzahl in den Bundestag eingezogen. Aber gut, stilecht fand die Wahlparty ja auch in der Parteizentrale, die nach einem ehemaligen NSDAP-Mitglied benannt ist. #Kontinuitäten
  • Die SPD hat gestern direkt angekündigt, dass sie in die Opposition gehen wird. Damit wäre sie die stärkste Partei in der Opposition und die Oppositionsführung läge nicht etwa bei der AfD. In seiner ersten Rede nach der Hochrechnung bezeichnete Schulz die AfD konkret als rechtsextreme Partei, der sich mit aller Kraft entgegengesetzt werden muss. Hoffen wir, dass davon viel in der Praxis ab heute zu sehen sein wird.
  • Gegen den AfD-Wahlerfolg und das gesamte politische Klima gingen gestern direkt – in verschiedenen Städten – Menschen auf die Straße, ob mit Demozügen oder Protestveranstaltungen direkt vor den AfD-Wahlpartys. Dieser sichtbare Widerstand war gestern wichtig (war immer wichtig) und wird in Zukunft wichtig bleiben. Die Reaktionen auf die Proteste aber erinnerten auch direkt daran, dass wir es mit einer rechts-konservativen Gesamtlange zu tun haben und nicht unerklärlichen Ausreißern. Oftmals wird linker Protest als zu laut, zu falsch, zu gewaltvoll (?), zu radikal wahrgenommen, eingordnet, dargestellt. Linker Aktivismus wird immer wieder illegalisiert (zuletzt fallen da G20 und linksunten ein. Menschen, die sich gern als „gute Mitte“ inszenieren und rein gar nichts mit rechten Gedankengut zu tun haben wollen, sind sehr schnell dabei sich von Linken ebenfalls zu distanzieren. „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda.“, skandierten gestern die Demonstrand_innen in Berlin und das sollte doch der mindeste Mindestkonsens sein.

Die Kommentare hier sind offen für eure ersten Analysen, Ängste und Ideen zum Widerstand.


Facebook | |


#BlackLivesMatter, erzwungene Sterilisation und Gerüchte über Geflüchtete – kurz verlinkt

27. Juli 2016 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 322 von 365 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links
Vielfältige, empowernde Spielzeuge und Bücher gibt’s bei Diversity Spielzeug.

Junge Frauen in ihrem gesellschaftlichen und politischen Engagement zu stärken und bei ihrer beruflichen Orientierung zu unterstützen – das ist das Ziel von  It´s Our Turn! Teilnehmen können Mädchen und junge Frauen zwischen 16 und 20 Jahren. Die Hälfte der Plätze ist für junge Frauen mit Fluchtgeschichte reserviert.

Mit dem Anne-Klein-Frauenpreis ehrt die Heinrich-Böll-Stiftung Frauen, die mutig und hartnäckig für Menschenrechte, Gleichberechtigung und sexuelle Selbstbestimmung eintreten. Bis zum 15. September können Kandidatinnen vorgeschlagen werden.

Seitdem Sharon Dodua Otoo den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen hat, ist sie viellerorts in den Medien präsent und gibt wunderbare Interviews. Beim boersenblatt sprach sie über das Vorlesen in Klagenfurt, Schreibpläne und die Nicht-Existtenz von apolitischer Kunst. „Wir können sprachlich viel mutiger sein“, sagt sie zu dem in einem wirklich schönem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau über emanzipatorische und diskriminierende Sprachformen, den Literaturbetrieb und die Rolle von Aktivismus.

Tove Tovesson schreibt beim Missy Magazine über „die Frage nach einem transfreundlichen Leben in einer transfeindlichen Welt„.

Gerüchte über Geflüchtete gibt es an jeder Straßenecke oder aber auch in Reden von Politikern wie Thomas de Maizière. Der Bayrische Rundfunk sprach mit Medienpädagogin Dr. Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung und Karolin Schwarz von hoaxmap über die Enttstehung dieser Gerüchte, wie diese gezielt zur Stimmungsmache eingesetzt werden und mit welchen Folgen.

Magda Albrecht stellt in ihrem Instagram-Account die Broschüre „Wir stehen alleine da“, eine Infobroschüre, die sich mit antisemitischen Ideologien und Alltagserlebnissen befasst, vor.

Noch bis zum Ende der Woche kann sich auf den Nachwuchsförderpreis des Ökonominnen-Netzwerks efas beworben werden.

englischsprachige Links

In der letzten Woche fand in Berlin eine weitere #BlackLivesMatter-Demonstration statt. ADEFRA veröffentlicht Prof. Maisha Auma Eggers Statement, in dem sie unter anderem daran erinnert, dass die Gründer_innen der #BlackLivesMatter Bewegung drei queere Schwarze Frauen sind: „We must stop erasing that! We must stop erasing crucial parts of Ours and Each others Lives! If any of Us Black Folks is not free, then we are all not free.“

Autostraddle stellt zehn Frauen mit Behinderung und deren Aktivismus vor.

Für Kunstliebhaber_innen und solche, die es werden wollen, lohnt sich ein Blick auf den Twitter-Account womens art, auf dem mehrfach täglich Künstlerinnen und ihre Werke vorgestellt werden.

AlJazeera berichtet über ein Theaterstück, in dem Roma Frauen über Erfahrungen mit erzwungener Sterilisation sprechen.

Long Read, der die investierte Zeit sehr lohnt: Kwe Today schreibt über koloniale Rechtstraditionen, Federal Missing and Murdered Indigenous Women and Girls Inquiry, Sexarbeit, indigene feministische Rechtstheorie und mehr.

Termine

Vor zwei Tagen startete die „Women in Exile-Sommerbustour durch Deutschland„. Die nächsten Termine sind: 28.07 in Leipzig, 29. und 30.07. in Nürnberg, 31.07. in Frankfurt/Oberursel, 01.08. Oberursel und 02./03.08. in Köln.

01.08. in Berlin: Das nächste Treffen des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung findet statt.

06.08. in Berlin: Eröffnung der Ausstellung „WELCOME TO FUTURISTAN„. (FB-Link)

25.-27.08. in Berlin: Unter dem Jahresmotto #hegemoniehacken findet die diesjährige Linke Medienakademie mit besonderem Fokus auf Gender und Medien statt.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


Facebook | |


Gina-Lisa Lohfink: Wenn ein „Hör auf“ nichts mehr wert ist

6. Juni 2016 von Nadia

Triggerwarnung. Für alles.

Was ist das „Nein“ einer Frau wert? Was sind – wenn eine Frau vergewaltigt, die Tat gefilmt, das Video im Internet hochgeladen wird – alle „Neins“ dieser Welt wert? Darf eine Frau leben und arbeiten und sich kleiden wie sie möchte, oder beeinflusst das den Wert einer Frau, den Wert ihres Körpers, ihr Recht auf Unversehrtheit und Schutz in jeder Hinsicht?

Wenn man verfolgt hat, wie Gina-Lisa Lohfinks Vergewaltigung in den Medien seit Tagen bagatellisiert wird, kennt man die Antworten: Nichts. Nichts. Nein. Ja.

Gina-Lisa Lohfink (via Neue Presse)

Gina-Lisa Lohfink (via Neue Presse)

Sexuelle Gewalt wird ausgeübt, wird gefilmt, wird im Internet hochgeladen. Konsens wird verletzt, wird verletzt, wird verletzt. Interessiert aber keinen, denn was Konsens heißt versteht man in Deutschland wahrscheinlich immer noch nicht, auch nicht nach den Vorfällen in Köln an Silvester, obschon die uns ja angeblich zur Antisexismus-Nation Nummer 1 gemacht haben. (mehr …)


Facebook | |


Arabisch und nordafrikanisch aussehende Menschen™

8. Januar 2016 von Nadia

Vorab: Ich hatte ein sehr schönes Silvester, und insgesamt auch sehr angenehme Feiertage, danke der Nachfrage. Da ich ein arabisch aussehender™ Mensch bin, mit arabischen Namen (der für manche Kartoffeln eher persisch klingt, aber dazu später vielleicht mehr), ließ es sich in meinem Fall nicht vermeiden die Feiertage mit anderen arabisch aussehenden™ Menschen zu verbringen. Auch Männer (unter anderem bspw. mein Vater, der je nach Tagesform aber auch mal aussieht wie Adriano Celentano, also wie ein Italiener, aber dazu später vielleicht mehr) waren dabei, also, arabisch aussehende Männer™, von denen man ja jetzt viel in der Zeitung liest. Es geschah, auweiah auweiah, ebenfalls, dass mir arabisch und/oder nordafrikanisch™ aussehende männliche Freunde ein frohes neues Jahr wünschten.

Arabisch aussehender Mensch™ mit Raclette-Pfanne bewaffnet. Dieses Bild wurde an Silvester, jedoch nicht in Köln aufgenommen.

Als arabisch aussehender Mensch™ bin ich (wie viele andere arabisch aussehenden Menschen™) auch mit anderen arabisch und/oder nordafrikanisch aussehenden Menschen™ befreundet, wobei das nicht bedeuten muss, dass all diese Menschen zwangsläufig etwas mit irgendeinem „Arabien“™ zu tun haben – manche sind auch einfach nur türkisch, kurdisch, afghanisch oder pakistanisch, zum Beispiel. (mehr …)


Facebook | |


Hetenserien, „queere“ Serien und das widerständige Potenzial von Tumblr.

8. September 2015 von Nadine
Dieser Text ist Teil 22 von 35 der Serie Die Feministische Videothek

Ich liebe Serien. Vor allem straighte. Heten, die sich durch erfundene Geschichten wurschteln und bei der es die meiste Zeit um Typen, Sex/Beziehungen mit Typen, Attraktivitätslevel und male gaze geht, obwohl das eigentlich gar nicht im Vordergrund stehen soll, sondern übernatürliche Phänomene, nicht-menschliche Figuren, Highschool/Coming of Age Geschichten, Luxusprobleme weißer, hetiger, middle- und upper class Leute. Ich liebe diese Serien aus hauptsächlich zwei Gründen: 1.) sie bieten perfektes Studienmaterial über eine privilegierte Parallelgesellschaft und ihre fragilen psychosozialen Dynamiken. 2.) Ich bin Außenstehende, die Hetenserien für ihre eigenen Konsumbedürfnisse nutzt. Weil ich nicht als Zuschauerin gedacht werde, meine Lebenswelt darin (fast) nicht vorkommt, kann ich mit diesen Serien ziemlich gut abschalten, wenn es mir körperlich und mental schlecht geht. Angstzustände lösen sich auf, Verzweiflungsmomente schieben sich in den Hintergrund und mein rebellierender Körper hat für kurze Zeit weniger Priorität. In Hetenserien suche ich häufig Zuflucht, wenn der einzige Impuls in mir ist, die Augen zu schließen und alles wegzuschlafen, was auf mich einprasselt an Erfahrungen und Erwartungen.

Bis auf L-Word und Orange Is the New Black konnte ich mich bisher weniger für queere (in den verschiedenen historischen und ahistorischen Bezugnahmen und Bedeutungen des Begriffs) Serien begeistern, weil die Darstellung von Identität, Begehren, Sexualität und Beziehungen in diesen oft klischeebehaftet und für ein hetiges und anderweitig privilegiertes Publikum gemacht ist. Ja, auch L-Word zählt mitunter dazu, aber als die Serie vor genau zehn Jahren auf Pro7 in deutscher Synchronisation anlief, war es genau das, was mein von Homophobie und Kleinstadt-Mief und ausschließlich von Heten geprägtes Herz begehrte: Das Gefühl von Identifikation. Dennoch müssen sich Begehren, Sexualität und Beziehungen in Serien mit „LGBT-Fokus“ in ein hetiges, zweigenderkonformes, rassifiziertes, ableisiertes, klassenprivilegiertes Körper- und Performancebild einpassen, weil die „Masse“ der Zuschauer_innen in der Film- und Fernsehwelt als eine solche definiert wird. Umfassend privilegierte Menschen scheinen die Mehrheit der Weltbevölkerung und damit Zuschauer_innen zu stellen, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Außerdem geht es häufig um ökonomische Ausbeutung und Verwertbarkeit queerer/widerständiger Körper und Geschichten für ein umfassend privilegiertes Publikum und je höher die angenommene oder tatsächliche Kaufkraft des antizipierten „Masse“-Publikums, desto vermarktbarer und diskriminierender die Figuren und Erzählungen.



Quelle: fyeahcarolineforbes.tumblr.com

Manche queeren Serien sind so konzipiert, dass sie den hetigen ZuschauerInnen das Gefühl geben, modern, edgy und tolerant zu sein, „transparent“ nehme ich z.B. so wahr. Obwohl ich den Plot an sich spannend finde, möchte ich einfach nicht permanent mit transdiskriminierenden, cis_hetero_sexistischen Familienaufstellungen konfrontiert werden, in denen die ständige Arbeit der diskriminierten Personen, das soziale Umfeld um Anerkennung zu bitten oder Anerkennung innerhalb sozialer Gefüge für die eigene Identität und Lebensverhältnisse her(zu)stellen (zu wollen) als Normalität inszeniert wird. In denen diese Überlebens- und Carearbeit nicht als solche benannt wird geschweige denn der Umstand an sich kritisiert wird, dass es immer die Betroffenen selbst sind, die unter erschwerten Bedingungen noch für Harmonie zu sorgen haben (respectability politics is showing). Gefühle und Perspektiven nicht-betroffener, z.T. nicht diskriminierungssensibler Figuren nehmen für mich zu viel Raum ein. Wenn diese Serien so konzipiert sind, geben sie mir kein gutes Gefühl, auch wenn sie „realistisch“ in der Erzählung sein mögen, weil es nun mal so ist, dass Verwandtschaft oft keinen Support bietet oder Gewalt ausübt und privilegierte Gefühlswelten umsorgt werden wollen.

Ich finde es trotzdem wichtig, dass Diskriminierung thematisiert wird, wenn marginalisierte Identitäten verhandelt werden. Allerdings wird häufig nur ein Teil der Diskriminierung gespiegelt, die z.B. Trans*Personen täglich erfahren (und das zum Teil immer wieder extrem grafisch – also für ein Publikum, dem die unterschiedlichen Formen, die Gewalt annehmen kann, nicht bekannt zu sein scheint). Und es gelingt nur einem kleinen Teil von kommerziell erfolgreichen Serien, Lebensrealitäten differenziert hinsichtlich Gewalt darzustellen und trotzdem ausreichend Empowerment, Utopien, gelebte alternative Communitys, Räume, Politiken bereit zu stellen, die nicht wie in L-Word zu einem Abziehbild eines white cis homonationalist pride rainbow gaga Universums verkommen. Auch hier scheint das Mantra zu sein, dass Empowerment für Betroffene von Diskriminierung konsumierbar, nachvollziehbar und wünschenswert für die umfassend privilegierten ZuschauerInnen sein muss. Befreiung und Emanzipation nach Regeln, die nicht Betroffene aufstellen.

Das ist für mich schmerzhafter, ärgerlicher und aufwühlender, als super Privilegierten in ihrer Parallelgesellschaft beim Leben, Erfolg haben und Scheitern zuzuschauen, in der Diskriminierung höchstens auf der Ebene von schnöder neoliberaler Diversity verhandelt wird. Ich stelle keine Erwartungen an diese Serien, habe nicht den Wunsch, Identifikationspotenzial darin zu finden. Ich kann Performances und Darstellungen finden (von Femininität und Solidarität unter Frauen z.B.) die widerspruchbehaftet und komplex und (deshalb) ziemlich cool sind. In klassischen Hetenserien wie Vampire Diaries, O.C. California, Gossip Girl und Downton Abbey finden sich Frauen-Figuren, deren Charaktere liebevoll und differenziert ausgearbeitet sind, die sich verändern innerhalb der Staffeln, die unterschiedliche Rollen einnehmen, die supportend mit- und untereinander agieren und für mich diese Serien maßgeblich prägen.


Quelle: meine unerschöpfliche Blair Waldorf Gif-Sammlung

Es gibt Momente und Darstellungen von Charakteren in Hetenserien, die für verschiedene feministische Themen, Kämpfe und Insider stehen, auch wenn ich weiß, dass dies in der Regel ungewollte Effekte sind, die vielleicht nur für mich Sinn ergeben. Die Tumblrs über einzelne Serienfiguren, die gefüllt sind mit bewegten Bildern (GIFs), sagen mir jedoch, dass auch andere diese Momente, Charaktere und Darstellungen lieben. Wir mögen vielleicht unterschiedliche Beweggründe für unsere Wertschätzung und Affirmation haben, aber letztlich finden wir dieselben Szenen und Darstellungen toll. Hinzu kommt, dass die meistgeklickten Appreciation&Worshipping Gif-Tumblr über hetige Frauenfiguren aus hetigen Serien fast ausschließlich von Frauen, Lesben und Trans* initiiert und befüllt werden. Logisch, werden sich viele nun denken, sollen die meisten Hetenserien in erster Linie ein „weibliches“ (sic!) Publikum ansprechen. Dennoch finde ich es ziemlich cool, wenn Leute ihre Photoshop- und Social-Media Skills nutzen, um sich gegen (internalisierte[n]) Hetero_Cis_Sexismus und Femininitätsfeindlichkeit zu positionieren (und ab und zu ein bisschen Misandrie zu droppen). Keine bitchy comments über die „dumme Schlampe“, „wie konnte sie ihn nur betrügen?“ oder „in dem Outfit sieht sie [insert fat-/slutshaming here] aus“.

Während sich die Serien häufig um Hetenpaare und hetige Beziehung(sdynamik)en in ihrer primitivsten_privilegiertesten Form (und damit auch immer um privilegierte Typen) drehen, finden Frauen, Lesben und Trans* Zuschauer_innen Frauen-Figuren faszinierend und wenden sich ihnen zu, ehren sie über die Dauer vieler oder aller Staffeln hinweg mit aufwendig kuratierten Gif-Ausstellungen, Fotos, Zitaten (auch von_über die Darstellerinnen). Es entspinnen sich liebevolle queere Beziehungen und Bezugnahmen ausgehend von einer Hetenserie. Absurd. Aber schön.


Quelle: knopetastic.tumblr.com

PS: Wer das Gif-Meme in diesem Beitrag erkennt, ist mein_e Freund_in.


Facebook | |


Suruç, heteronormative Asylpolitk und Zwangsregistrierung für Sexarbeit_innen – kurz verlinkt

22. Juli 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 289 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die ZEIT veröffentlichte den Schlussvortrag der Rechtsanwälte Ernst Freiherr von Münchhausen, Onur Özata und Dr. Mehmet Gürcan Daimagüler im Strafverfahren gegen Oskar Groening am 14. Juli 2015.

„Auf dem Weg in eine gerechtere Gesellschaft kann wohl kaum mehr falsch gemacht werden als damit, Väter in ihrer bisherigen Interpretation ihrer Vaterrolle zu bestärken.“ – Jochen König kritisiert den Familienbericht 2015 für den Berliner Senat.

Im August findet in Helmarshausen das Bundestreffen der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland statt. Dafür kann auch noch gespendet werden, um Menschen, die wenig Geld haben, die Teilnahme zu ermöglichen.

Seit Montag gibt es eine Online-Meldestelle (deutsch- und englischsprachig) für antisemitische Äußerungen_Angriffe in Berlin. Das Projekt, das unter anderem von der Amadeu-Antonio-Stiftung gefördert wird, hat auch zum Ziel, auf Antisemitismus im Alltag aufmerksam zu machen.

„Aggressive für Deutschland“ – das LOTTA-Magazin analysiert den Machtwechsel innerhalb der „Alternative für Deutschland“ (AfD).

„Frauen, die lange Haare haben und „weiblich“ wirken, wird ihr Lesbischsein häufig nicht geglaubt; genausowenig Frauen, die Kinder haben.“  – in einem Interview mit dem Tagesspiegel berichtet LesMigras-Mitarbeiterin Saideh Saadat-Lendle über die Situation lesbischer und schwuler Geflüchteter in Deutschland.

„Die Zwangsregistrierung für Prostituierte gab es zuletzt 1939.“: Bereits im Juni hat die Jungle World ein Interview mit Juanita Henning, Vorsitzende der Organisation Doña Carmen, zum geplanten und perfide betitelten Prostitutiertenschutzgesetz geführt.

Dr. Jamie Pax Abad hat einen Erfahrungsbericht und weitere Informationen zur Vornamensänderung in ausschließlich geschlechtsneutrale Vornamen nach dem Namensänderungsgesetz für Personen, die sich ausserhalb der binären Geschlechterkategorien identifizieren, zusammengestellt (PDF).

Noah Sows „Deutschland Schwarz Weiss“ ist seit gestern auch in neuester, überarbeiteter Version als E-Book erhältlich.

Englischsprachige Beiträge

Bei einem Bombenanschlag in der türkischen Grenzstadt Suruç wurden am Montag mindestens 32 Aktivist_innen, die einen Hilfseinsatz in Kobane (Syrien) geplant hatten, getötet und über 100 Menschen verletzt. Die New York Times, Neues Deutschland und Publikative.Org berichten über die Geschehnisse und Hintergründe. Trauer- und Protestdemonstrationen wurden derweil in der Türkei massiv von der Polizei angegriffen.

Über die spezifische Rolle weißer Frauen bei der Aufrechterhaltung von Rassismus schreibt der Atlanta Black Star.

„Vier Dinge, die du deinen Kindern genau jetzt zu Rassismus beibringen solltest“: Black Girl Dangerous listet sie auf.

BBC News berichtet über die britische Politikerin Liz Kendall, die sich gegen das Boulevard-Blatt Mail on Sunday wehrt, das sie nach ihrem Gewicht fragte: „Can you imagine the Mail on Sunday asking the weight of the prime minister, George Osborne or any other leading politician?“

Termin in Göttingen

31.07. in Göttingen: SchwarzRund liest im Kabale: Quasi, Schwarzer Frost und Poesie (Facebook-Link).


Facebook | |


Merch in großen Größen, Panel ohne Frauen und Darkmatter auf Europatour – kurz verlinkt

28. Mai 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 283 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links

Der Verband alleinerziehender Mütter und Väter fordert den Entlastungsbetrag für Alleinerziehende nach § 24b Einkommenssteuergesetz deutlich anzuheben und regelmäßig anzupassen. Mehr Informationen zu der Forderung (und die Möglichkeit mitzuzeichnen) gibt es auf der Verbandsseite. Ebenfalls dort gibt es eine Stellungnahme zur öffentlichen Anhörung am 20. Mai 2015 im Finanzausschuss des Bundestages zum „Familienpaket“.

“Dick ist kein Schimpfwort” ist ein Beratungsangebot der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung e.V. in Berlin für alle, die aufgrund ihres Gewichts diskriminiert werden oder sich für die gesellschaftliche Akzeptanz dicker Menschen einsetzen möchten.

Englischsprachige Links

Auch feministische Bands denken häufig nicht mit, dass nicht alle Menschen in T-Shirts mit Größe XL oder kleiner reinpassen. Für mehr großen Merch! Ein Erfahrungsbericht auf shakesville.com.

Panel über „Women in Comics“ abhalten und nur mit Typen besetzen? So tatsächlich bei der Denver ComicCon passiert, schreibt ComicsAlliance.

„Some folks have that distance advantage. They pick a topic that they’re vaguely interested in yet not effected by, and write about it. But I’ve got skin in the game.“ – Reni Eddo-Lodge über das Schreiben zu Rassismus, ‚Argumente‘ aus der Distanz und welche News-Stories als skandalös gelten.

Toby Morris hat ein Comic gezeichnet, der Klassenunterschiede und all die kleinen Dinge, die sich aufsummieren im Leben, illustriert.

„In fact, I think that sick girls will outlive everyone in the coming zombie apocalypse.“ – Kelly Davio schreibt bei The Butter über chronische Krankheiten und Skills, die jede Zombiapokalypse überleben lassen werden, auch wenn dies in den üblichen popkulturellen Darstellungen leider nie durchdacht wird.

Termine in Berlin und Bochum

19. Juni in Berlin: Spoken Word Abend mit Darkmatter, Moona Moon, Sarah Mouwani, Azadê und Babiche Papaya. (FB-Link)

21. Juni in Berlin: Spoken Word & Hip Hop mit BadKat, Darkmatter, MSOKE a.k.a NAMUSOKE und SchwarzRund. (FB-Link)

23. Juni in Bochum: AK Sisterhood #2: Wie ist ein solidarischer Feminismus möglich? (FB-Link)


Facebook | |


Studien zu „Übergewicht“, Rassismus in Kitas und Universitäten, Game of rape culture Thrones – kurz verlinkt

20. Mai 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 281 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Links:

Die Beratungsstelle für Opfer rassistischer, antisemitischer und rechtsextremer Gewalt in Berlin – ReachOut – hat eine Broschüre herausgegeben: „Grundlagen für eine diskriminierungsfreie Pädagogik im Kindergarten“.

Es wir derzeit eine Publikation über die letzten 30 Jahre ISD/jüngere Schwarze Bewegung in Deutschland vorbereitet. Für ein Kapitel zu „Black & Queer“ gibt es eine Umfrage, um so viele Erfahrungen wie möglich abzubilden.

Vice interviewt einige der Mitglieder von Rawiya, einem Kollektiv von Dokumentar-Forografinnen aus verschiedenen arabischen/ nord-afrikanischen Ländern.

Der Tagesspiegel berichtet von der Veranstaltung mit Angela Davis und Gina Dent in der Werkstatt der Kulturen. Auch die Aktivist_innen vom Oranienplatz haben ein Statement zum Besuch der beiden Aktivistinnen in Berlin geschrieben. Die Geflüchtetenbewegung sei die soziale Bewegung des 21. Jahrhunderts, sagt Davis in nachfolgendem Interview:

Kennt ihr eigentlich schon das Portal lesbengeschichte.org? Die mehrsprachige Webseite stellt lesbische Geschichte, Kultur, Biographien, Filme… vor.

Bei der Grassroots Akademie ist ein Statement von Kien Nghi Ha nachzulesen zu rassistischen Strukturen im deutschen Unibetrieb.

Folter und Misshandlungen durch die Bundespolizei – deckten Mitwisser den Täter?„, fragt ProAsyl.

Englischsprachige Links:

[Spoiler für Game of Thrones] The Mary Sue erklärt, warum sie nicht weiter für Game of Thrones werben werden.

„Overlooking these women’s contributions doesn’t just misrepresent the era, it’s also helped solidify philosophy’s status as a white men’s club.“ – The Atlantic schreibt über das Projekt Vox, bei dem Wissenschaftler_innen und Student_innen Texte und Übersetzungen von Philosophinnen aus dem 17. Jahrhundert zusammenstellen und Vorschläge für ein Curriculum erstellen.

Schlechte Filmideen überall: Disney will tatsächlich die Geschichte eines weißen, us-amerikanischen Vaters verfilmen, der im Sudan eine Flagge in den Boden rammte um seiner Tochter ein Königreich zu geben (just like colonialism never happened), schreibt Madame Noire. Janet Mock wirft außerdem einen Blick auf den neuen Film ‚Aloha‘ und der Tradition von Aneignung und Unsichtbarmachung von Kanaka Maoli (den Native Hawaiians) im us-amerikanischen Film.

Fünf Gründe, warum die omnipräsenten Studien zur „Übergewichts-Epidemie“ die Existenz einer solchen „Epidemie“ nicht wirklich beweisen, nennt Melissa A. Fabello bei eveydayfeminism.

Die Studentin Emma Sulkowicz wurde durch einen Kommilitonen vergewaltigt. Daraufhin trug sie auf ihren Wegen über den Campus monatelang eine Matratze mit sich, um ein visuelles Statement auch gegen den Umgang ihrer Uni mit dem Vorfall zu setzen. Nun hat Sulkowicz ihr Studium beendet – und die Matratze war auch in der Abschlusszeremonie dabei, berichtet Mashable.

Termine in Wien, Göttingen und Berlin

23. Mai, Berlin: Fett voll feiern – eine fette Party im So36.

5./6. Juni, Wien: Femcamp, eine Konferenz mit feministischen Perspektiven, die von den Beiträgen ihrer Teilnehmer_innen lebt

12./13. Juni, Göttingen: Das Antifee Festival startet in die nächste Runde

22. Juni, Berlin: Fachtagung zum Thema Postkolonialismus, die sich intensiv mit der kolonialen Geschichte Berlins und deren Aufarbeitung zu beschäftigen wird


Facebook | |


Bereute Mutterschaft, beredeter Widerstand und beeindruckende Schlagzeugerinnen – kurz verlinkt

9. April 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 277 von 365 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Radio-Feature mit drei Aktivistinnen zum Anhören: Riots not Diets? Fettaktivismus zwischen Intervention und Schutzraum.

Frauen, die ihren beruflichen Werdegang wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen unterbrochen haben, sich neu orientieren oder auf einen Wiedereinstieg vorbereiten möchten, können im Rahmen des Berliner Projekts „Medienkompetenz und Work-Life Balance – Wiedereinstieg für Frauen“ an einem Einzel-Coaching teilnehmen.

„„So genau wollten wir das gar nicht wissen“ – Geschlecht, Schuld und Abwehr in der Berichterstattung über Beate Zschäpe“ untersucht Charlie Kaufhold beim Feministischen Institut Hamburg.

Nicht jede Mutter ist glücklich mit ihrer Rolle und manche würden – wenn sie denn die Zeit zurückdrehen könnten – sich gegen Mutterschaft entscheiden, doch darüber sprechen ist gesellschaftlich nicht akzeptiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über ein Studie der Soziologin Orna Donath.

dieStandard porträtiert Irma Schwager, eine Wiener Kommunistin, die als Teil der französischen Widerstandsbewegung Wehrmachtsoldaten durch Gespräche und Flugblätter von der Falschheit des Krieges zu überzeugen versuchte und damit ihr Leben auf das Spiel setzte.

englischsprachige Links

Charles Onyango-Obbo kommentiert in der New York Times al-Shabaabs Terrorangriff auf die Garissa-Universität in Kenya, bei der 148 Menschen getötet wurden. Bei Twitter erinnern unter dem Hashtag #147NotJustANumber (bezugnehmend auf die zuerst veröffentlichte Anzahl Ermordeter) Familien, Freund_innen und Kommiliton_innen an die Opfer.

„I’m thinking about the fat people who were able to show love to themselves and in turn, show me how to love myself“: queering the game of life plädiert für dicke_fettes, queeres Self-Empowerment und Sichtbarkeit als Protestzeichen gegen öffentlich zelebrierte Dickenfeindlichkeit.

Purvi Patel wurde nach einer Fehlgeburt zu insgesamt 41 Jahren Haftstrafe wegen Fetizids und Kindesmisshandlung verurteilt. Bei RH Reality Check findet ihr Hintergründe zu diesem Fall und könnt eine Protestpetition unterschreiben.

Bei TheToast trägt Cate Burlington Dinge zusammen, die Kollegen (in ihrem Tech Umfeld) zu ihr sagten, und kommentiert diese. Die Sprüche sind wie zu erwarten eine Ansammlung hetero_sexistischer Klischees, aber Burlingtons Anmerkungen sind so pefekt, dass man sie sofort gern zur neuen besten Freundin hätte.

Magda fragte hier bei der Mädchenmannschaft einmal „Wie viele Schlagzeugerinnen kennst du?„, für alle, die da immer noch lange überlegen müssen, gibt es nun den richtigen Artikel bei Grimy Goods: „The 20 Best Female Drummers — by all means, badass„.

Qualifizierst du dich für den „Fat Bitches Club„? Dances With Fat hat eine Liste erstellt.

französischsprachige Links

Am 8. März wurden in Peking neun feministische und LGBT-Aktivist_innen festgenommen, weil sie bei einer Aktion auf sexualisierte Übergriffe aufmerksam machen wollten. Fünf sind immer noch im Gefängnis, berichtet Yagg.

Termine in Berlin

10.-12. April, Berlin: Specs On – International Feminist Art Music Festival.

18. April, Berlin: Pempamsie: Ein Workshop für Schwarze Mütter mit Sharon Dodua Otoo (mit Anmeldung).


Facebook | |


Beratung für Frauen mit Behinderung, Zwangsheterosexualisierung, Björk und Musik-Biz-Sexismus – kurz verlinkt

28. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 270 von 365 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links
Mädchen und Frauen mit Behinderungen erfahren besonders häufig Gewalt. Aus diesem Grund wird gerade die Internetplattform suse-hilft.de aufgebaut, auf der – möglichst barrierefrei – nach Informationen und Ansprechpersonen recherchiert werden soll: „Wo finde ich bei mir in der Nähe eine Therapeutin, die Gebärdensprache oder Leichte Sprache kann? Wo finde ich eine Anwältin, die sich mit dem Thema auskennt? Welche Selbstbehauptungstrainerin in der Nähe macht Kurse auch für behinderte Frauen?“ Das Projekt benötigt noch Geld und kann über betterplace.org unterstützt werden.

Das Oberlandesgericht in Celle hat abgelehnt, dass in einer Geburtsurkunde der Eintrag „inter“ oder „divers“ geführt werden kann.

Homofeindlichkeit und Zwangsheterosexualisierung in der Therapie, Fall 472136127: Nun zog ein Betroffener vor Gericht, berichtet die taz.

Noch bis zum 01. März können bei filia. die frauenstiftung Projektideen zur Mädchenförderung eingereicht werden, um Gelder von bis zu 5000€ zu erhalten.

Der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde hat einen Offenen Brief zur M-Straße in Berlin, Dieter Hallervorden und kolonialrassistischen Kontinuitäten verfasst.

Das LOTTA-Magazin gibt „Stichworte zur Gründungsgeschichte“ der NPD, die 2015 im 50. Jahr besteht.

englischsprachige Links

Wenn Schauspieler die gleichen nervigen Fragen beantworten müssten wie Schauspielerinnen (Kleid, Haar, Make-Up, Gewichtsabnahme…), dann würden die sich wundern: Kevin Spacey hat sich gewundert.

Als Geologen in den 1950ern anfingen den Meeresboden des Atlantiks mit Sonargeräten zu vermessen, durften Frauen nicht mit auf die Boote (weil sie natürlich Unglück brächten). Aus dem Datenmaterial die erste wirklich detaillierte Karte hat dann aber doch eine Frau erstellt: Marie Tharp. Mental Floss zeichnet ihre Geschichte nach und wie sie an den Grundfesten der Geologie rüttelte.

Egal welche Krankheit eine dicke_fette Person hat und wie sie behandelt werden könnte, erst einmal abnehmen lassen? Ja, es gibt Mediziner_innen die so etwas empfehlen. Dances With Fat nimmt die Empfehlung auseinander.

MTV stellt 12 neue queere Hip Hop Acts vor.

Ein neues Album der isländischen Sängerin Björk erscheint und in einem Interview hat sie erstmal sehr ausführlich über den im Musikbusiness erlebten Sexismus gesprochen. Feministing greift diese Aussagen in einem Artikel zu Björk und überhaupt „mansplaining“ auf. Slate nimmt die Aussagen als Anlass, um Zitate von weiteren Künstlerinnen (so unterschiedliche wie Solange Knowles, Grimes und Taylor Swift) zusammenzustellen.

Celebrating the Love between Queer Women of Color – In 25 Gorgeous Photos!“ – präsentiert Everyday Feminism.

Bei Flavorwire zerlegt Judy Berman Jonathan Chaits Artikel im New York Magazine, der „Political Correctness“ als Einschränkung der (linksliberalen) Meinungsfreiheit bezeichnete.

Termin in Berlin:

04. Februar in Berlin, ab 19.00 Uhr: Lesung und Filmvorführung mit der simbabwischen Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga.


Facebook | |



Anzeige