Einträge von Nadine


Nice Guy. Oder wie das Patriarchat unsere Beziehungs- und Begehrensformen einschränkt

12. Januar 2012 von Nadine
Dieser Text ist Teil 40 von 41 der Serie Meine Meinung

Was mich an Nice Guy, Friendzone und Pick-Up extrem nervt (neben der patriarchalen Anspruchshaltung, eine Frau* habe irgendwie die Bedürfnisse eines Typen zu befriedigen – wie auch immer sich diese Bedürfnisse artikulieren), ist der heterosexistische und androzentrische Gehalt an der Sache.

Offenbar kommt es vielen Typen nicht in den Sinn, dass es Menschen gibt, die einfach wenig mit Typen anfangen können, sie nicht begehren, sexuell attraktiv finden oder sonst wie mit ihnen sozial interagieren wollen. Das mag verschiedene Gründe haben (Gewalterfahrungen, Formulierung eigener autonomer Sexualität – Bisexualität, Asexualität, Homosexualität, Unlust, lieber Masturbation statt Körperlichkeit mit einem Typen) und diese werden einfach negiert. Stattdessen liegt der Fokus auf dem armen Mann, der keine Frau abbekommt.

Die meisten Menschen kennen das Gefühl, einen anderen Menschen zu begehren (muss ja nicht immer sexuell sein) und dieses Begehren nicht erwidert zu bekommen. Ich habe in meiner Jugendzeit ähnliche Erfahrungen gemacht. Ich habe mich schlecht und ungeliebt gefühlt, ich wurde depressiv (mag sicherlich auch mit anderen Faktoren zusammengehangen haben), zog mich zurück, ich entwickelte Hass und Wut (manchmal sogar Aggressionen) gegen die Person, die mich nicht wollte und stattdessen lieber mit diesem Vollpfosten durch die Gegend zog, der sie zudem schlecht behandelte. Ich wurde sogar von diesen Vollpfosten verspottet. Ich kenne also die Gedanken- und Gefühlswelt eines “Nice Guys”, obwohl ich eine Frau bin. Für viele der Macker, Sexisten und Machos unter den sogenannten Nice Guys mag das vielleicht nicht vorstellbar sein. Dass es außer ihrer egozentrischen und selbstverliebten Perspektive noch andere Erfahrungswelten gibt.

Ich denke, dass wir durch diese Erfahrungen lernen (können), wie sich partnerschaftliche, romantische Beziehungen, Liebe und Sex, Freund_innenschaften artikulieren können und dass zu einer erfüllten Beziehung zu einem oder mehreren Menschen (egal wie diese aussiehen) noch mehr gehört als Befriedigung eigener Bedürfnisse. Diese Erfahrungen sind kostbar, denn sie machen uns zu sozialen Wesen (selbst, wenn wir uns selbst als “beziehungsunfähig”, “asozial” oder “inkompetent” labeln).

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Selbermach-Sonntag (01.01.2012)

1. Januar 2012 von Nadine

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim Spielen Wir hoffen, dass ihr alle fröhlich ins neue Jahr gerutscht seid und wünschen euch ein gesundes und erfolgreiches 2012! Hier ist wie immer Platz für eure Gedanken und Links der letzten Woche.


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Homo- und Transsexualität? Laut FSK für 12-Jährige unzumutbar

2. Dezember 2011 von Nadine

Am kommenden Donnerstag kommt “Romeos” in die deutschen Kinos, ein Film über den transsexuellen Jugendlichen Lukas, der sich in Fabio verliebt. Der Film behandelt Homo- und Transsexualität und die Ausgrenzungserfahrungen, die Jugendliche machen, die es im heteronormativen System nicht so leicht haben. Ungeachtet dessen ist “Romeos” ein Film über Jugendliche für Jugendliche wie jeder andere Jugendfilm auch. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) sieht das allerdings anders und gibt “Romeos” erst ab 16 Jahren frei. In der Begründung für das Urteil heißt es:

[Der Film behandelt] ein schwieriges Thema, welches für die Jüngsten der beantragten Altersgruppe, die sich in diesem Alter in ihrer sexuellen Orientierungsphase befinden, sehr belastbar sein könnte. Das Thema selbst ist schon schwierig für 12- bis 13-Jährige und die Schilderung einer völlig einseitigen von Homosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen. Die explizite Darstellung von schwulen und lesbischen Jugendlichen und deren häufige Partner(sic!)wechsel können verwirrend auf junge Zuschauer(sic!) wirken, [...] Der Film spiegelt eine verzerrte Realität wider, die Kinder aufgrund keiner oder zu geringer Erfahrungen nicht erkennen können.

Oh mein Gott. Sie sind schwul. Sie sind lesbisch. Sie sind transsexuell. Sie haben Sex mit wechselnden Menschen. Und es kommen Heterosexuelle nur als Nebenfiguren vor. Wie verstörend. Wie unrealistisch. U.N.Z.U.M.U.T.B.A.R.

Anhand dieses kleinen Zitates ließe sich wunderbar der heterosexistische und transphobe Bias der Jugendkommission des FSK seitenlang herausarbeiten und dekonstruieren, am einfachsten geht das allerdings, wenn wir die Argumentationslogik einfach mal umdrehen:

[Der Film behandelt] ein schwieriges Thema, welches für die Jüngsten der beantragten Altersgruppe, die sich in diesem Alter in ihrer sexuellen Orientierungsphase befinden, sehr belastbar sein könnte. Das Thema selbst ist schon schwierig für 12- bis 13-Jährige und die Schilderung einer völlig einseitigen von Heterosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen. Die explizite Darstellung von heterosexuellen Jugendlichen und deren häufige Partner(sic!)wechsel können verwirrend auf junge Zuschauer(sic!) wirken, [...] Der Film spiegelt eine verzerrte Realität wider, die Kinder aufgrund keiner oder zu geringer Erfahrungen nicht erkennen können.

Zum Glück gibt es Filme wie “Romeos” und hoffentlich findet er an der FSK vorbei den Weg zu jungen Menschen unter 16 Jahren.


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Die Antwort auf alle “Mädchen”-Fragen: Mansplaining

18. November 2011 von Nadine

Auf jetzt.de erschien diese Woche ein Artikel zur immer wieder kehrenden Debatte, ob Frauen* sich Mädchen nennen sollen oder lieber nicht. Der Autor des Textes bezieht sich positiv auf Caroline Drucker, die sagt:

Wer sich Mädchen nennt, [...], macht sich bewusst klein.

Zweifelsohne wird “Mädchen” als Fremdbezeichnung genutzt, um Frauen* herabzusetzen oder Männer* als “unmännlich” zu beschimpfen. “Mädchen” ist auch im Kontext homophober Äußerungen zu finden. Um den Begriff seiner negativen Konnotation zu entziehen, gibt es zahlreiche Versuche ihn umzudeuten. Mädchen, Girl oder Grrrl werden als Selbstbezeichnungen ins Feld geführt. Drucker und auch der Autor halten das für Quatsch. Worte seien machtvoll und deshalb müsse frau sich diesen entziehen, wenn sie nicht herabgesetzt werden wollen.

Das bedient mal wieder altbekannte Muster: Emanzipatorische Selbstbezeichnungen werden ins Lächerliche gezogen, dominante sexistische (und homophobe) Diskurse nicht hinterfragt oder kritisiert. Stattdessen werden Betroffene mit Hinweisen und Ratschlägen konfrontiert, wie sie sich “richtig” zu verhalten haben. Wenn sie sich nicht daran halten, dann sind sie eben selbst schuld. Das Problem ist also nicht Sexismus oder Homophobie, die Zielgruppe von Kritik sind nicht jene, die sich sexistischer oder homophober Äußerungen bedienen, sondern die Betroffenen selbst.

Grundsätzlich ist es jedoch so, dass sich keine_r Sexismus und Homophobie entziehen kann. Wir verhalten uns alle auf unterschiedliche Weise dazu, ob wir wollen oder nicht. Aneignungs- und Umdeutungsversuche sind _ein_ Versuch, kritisch mit Unterdrückungsmechanismen umzugehen. Ob das innerhalb machtvoll wirkender Diskurse immer von Erfolg gekrönt ist, ist die eine Sache, obliegt aber erstmal der Deutungshoheit von Betroffenen, die diese Selbstbezeichnungen verwenden. Die andere Sache ist jener unreflektierte Umgang mit Sexismus, den Caroline Drucker und der Autor des Textes an den Tag legen.

Und als ob das nicht schon zynisch genug wäre, reicht am Ende noch ein kurzer Blick auf die Sprechposition, die den jetzt.de-Artikel durchzieht: ein Mann, der Frauen* vorschreibt, wie sie Sexismus entgehen können. Indem sie einfach seinen “schlauen” Anweisungen folgen. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes: Herrlich!

Weitere Artikel zum Thema:
Revolutionäre Mädchen
Die Mädchendiskussion – Folge 173945
Frau, Fräulein, Mädchen?


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„Und warum ist das Interessanteste an einer militanten Rechtsextremistin ihr Liebesleben?“

16. November 2011 von Nadine

Heute erreichte uns ein Hinweis auf den Offenen Brief des Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus zur Berichterstattung über die Rechtsextremistin Beate Zschäpe. Sie war lange Zeit in einer neonazistischen Untergrundorganisation tätig, die unter anderem für mehrere rassistisch motivierte Morde und zahlreiche Banküberfälle verantwortlich zeichnet. Skandalös an diesem Fall ist derzeit vor allem die Rolle der ermittelnden Behörden sowie des Verfassungsschutzes, da die Gruppe über Jahre unbemerkt agieren konnte. Beate Zschäpe stellte sich vor mehr als einer Woche der Polizei, Aussagen von ihr zu den Vorfällen und der Organisation selbst gibt es noch keine. Trotzdem sind die Medien voll mit Spekalutionen über die Rechtsextremistin, die angeblich nur eine Mitläuferin gewesen sei. Besonders interessieren sich die Medien aber für das Sexualleben von Beate Zschäpe sowie ihre Beziehungen zu den anderen Tätern.

Das Forschungsnetzwerk dazu:

“Aus unserer Perspektive wird hier das übliche Klischee von der unpolitischen Frau unreflektiert reproduziert. [...] Frauen haben nach dieser Logik zum einen keine politische Überzeugung und wenn, dann keinesfalls eine so gewalttätige wie die rechtsextreme. Frauen gelten immer noch als das ‘friedfertige’ Geschlecht. Wenn überhaupt, dann erscheinen Frauen in der Szene nur als sexualisierte Anhängsel denkbar.”

Besonders problematisch an dieser Verharmlosung sei vor allem die Wirkmächtigkeit dieser sexistischen Grundannahme: Rechtsextreme Frauen geraten gar nicht erst in den Fokus der Ermittlungsbehörden, weshalb sie weitestgehend unbehelligt blieben. Hinzu kommt, dass die Präsenz von Frauen in der rechtsextremen Szene diese auch nach außen weniger bedrohlich und gewaltvoll erscheinen lasse. Das Forschungsnetzwerk warnt deshalb eindringlich vor der sexistischen Verharmlosung rechtsextremer Frauen und fordert Medienschaffende und Wissenschaftler_innen auf,

“in diesem und anderen Fällen rechtsextreme Frauen als das zu sehen und darzustellen, was sie sind: mutmaßlich rassistische, menschenverachtende Täterinnen. Die Verharmlosung der Rolle von Frauen im Rechtsextremismus spiegelt nicht nur sexistische Stereotype wider, sie verharmlost auch die rassistische und antisemitisch motivierten Taten selbst.”

Wer sich zu Frauen im Rechtsextremismus informieren will, kann sich das Buch des Forschungsnetzwerkes zulegen oder diesen Vortrag als PDF nachlesen.


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Selbermach-Sonntag (5.11.2011)

6. November 2011 von Nadine

Sepiabild eines kleinen Mädchens beim SpielenDer November ist da! Jede Menge Zeit und Gelegenheit, es sich daheim mit den leckersten Sachen gemütlich zu machen und uns eure Aufreger und Freudentränen der vergangenen Woche mitzuteilen. Ob Artikel oder ein nettes Gespräch, im Selbermach-Sonntag ist ausreichend Platz für eure Gedanken.

Wir freuen uns wie immer über Eigenlob und neue spannende Blogs.


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Identitäten, Erklärbär_innen und antiqueere Tendenzen – die Blogschau

5. November 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 132 von 142 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

In ihrem letzten Gastbeitrag für das Missy Magazine macht sich Sideglance ein paar Gedanken zum Netzfeminismus.

Charlott von Afrikawissenschaft echauffiert sich über die vielen Alltagsrassismen, besonders über “lustige” Halloween-Kostüme.

Kiturak ärgert sich über Facebook und die fehlende Anonymität, trotz Pseudonym.

Kathrin Ganz macht die Erklärbärin und erläutert, warum es zu einfach ist, sich immer auf die Existenz von Erklärbär_innen zu verlassen.

Riot Grrrl Hamburg findet klare Worte für die sexistischen und rassistischen Werbeplakate der Biermarke Astra.

Comicblogs sind wohl gerade Trend. Chicks on Comics ist ein Gemeinschaftsblog von neun Comiczeichnerinnen und wechselnden “guest chicks”.

Die Arte-Dokumentation “Meine Seele hat kein Geschlecht” über das Leben von vier Trans*männern hat laufmoos seziert und kommentiert.

Bei High on Clichés kann mensch den erschütternden Alltag von Mareike nachlesen: Rassistischer Normalzustand in Deutschland.

Puzzlestücke hat sich sehr persönlich und ausführlich über Identitäten Gedanken gemacht.

Die neue Podcast-Folge von Previously, dem Magazin zu (nicht nur) us-amerikanischen Qualitäts-TV-Serien mit Ms. Gouldy, Lola Loop und Irmgard Lumpini ist erschienen. Transkripte zu den einzelnen Teilen gibt es auf der Hauptseite.

Auch der Haufen von Heiter Scheitern war wieder fleißig: Die neue Folge widmet sich antiqueeren Erscheinungsformen und begibt sich auf die Suche nach Solidarität. Die Mädchenmannschaft wünscht dem Dreiergespann außerdem alles Gute zum dritten Podcast-Geburtstag!

Zum Schluss ein wichtiger Terminhinweis: Noch heute und morgen Nächste Woche Freitag bis Sonntag könnt ihr in Berlin gegen Genitalverstümmelungen protestieren, berichtet Zwischengeschlecht. Am Donnerstag gibt’s zudem einen Infoabend im Haus der Demokratie und Menschenrechte.


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Eine Welt ohne Vergewaltigungen…

19. Oktober 2011 von Nadine

…stellt sich Peter Praschl im SZ Magazin vor (Triggerwarnung!):

Sex ist endlich friedlich. Ein Vergnügen zwischen freien Menschen, kein Mittel, einen anderen zu beherrschen. Er findet nur statt, wenn zwei (oder wie viele auch immer) es wollen. Um einander zu genießen, Lust zu machen, zu trösten, Babys zu zeugen, egal. Aber nicht mehr gegen eines anderen Menschen Willen. Ein Nein ist ein Nein. Man muss nicht einmal groß darüber reden, man merkt es auch so.

In einem eindringlichen Artikel beschreibt er treffsicher den derzeitigen Zustand einer Gesellschaft, die durch rape culture und sexualisierte Gewalt bestimmt ist und in der (meistens) Frauen beständig um ihre Integrität und körperliche Unversehrtheit fürchten müssen. Charmant an Praschls Ausführungen ist neben der offenkundigen Solidarität mit Betroffenen auch das Einnehmen einer zurückhaltenden Perspektive, die Erfahrungen nicht bewertet, sondern diese aus dem Blickwinkel eines (offenbar) heterosexuellen Partners/Freundes/Bekannten spiegelt:

Beim Zuhören wurde einem immer ganz klamm. Auch, weil man sich halbwegs ausrechnen konnte, um wie viel klammer ihr in dieser Situation gewesen sein musste. Im Blick, mit dem sie es erzählte, stand die Erinnerung an eine Einsamkeit, die Angst machte. Oh Gott, sagte man, tut mir leid, sehr viel mehr fiel einem nicht ein. Ist lange her, sagte sie, doch man sah ihr an, dass das nicht stimmte, dass es nie lange genug her sein würde.

Praschl nennt die (heterosexuell)männliche Erfahrungswelt in einer von vergewaltigungsverharmlosenden Gesellschaft “Sicherheitsprivileg”:

eine Welt, in der sexuelle Gewalt ein Abgrund ist, von dessen Existenz sie zwar wissen, in dessen Nähe das eigene Leben aber nie kommt.

Was der Besitz eines solchen Privilegs, das vielen anderen verwehrt bleibt, in der Konsequenz bedeutet, darüber wünscht sich der Autor mehr Reflexion. Denn das wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt.


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Theorie für alle und umsonst!

18. Oktober 2011 von Nadine

Das Wintersemester an den Hochschulen hat begonnen und damit auch eine ganze Reihe an Ringvorlesungen und Diskussionsrunden an den Unis zu Gender Theorie, Feminismus und Queer Studies. Die Veranstaltungen sind in der Regel kostenfrei und stehen auch Nicht-Student_innen offen. Was im deutschsprachigen Raum so los ist, erfahrt ihr im Folgenden. Wenn ihr noch Links zu öffentlichen Veranstaltungen habt, dann schreibt sie in die Kommentare.

Basel (Schweiz)

Universität: “Familie zwischen Wandel und Persistenz. Chancen und Probleme

Berlin

Humboldt-Universität: “Geschlecht in Wissenskulturen“, u.a. zu Mutterschaft, Dekolonialität und Geschlecht im Netz, Wissensproduktion, Männlichkeit(en).

Freie Universität: “Die Zukunft von Gender“, u.a. zu De/Naturalisierungen im Sport, Identität vs. Subjekt, sexuelle Differenz, Pornografie, Queere Perspektiven auf Ökologie, Stand und Zukunft der Geschlechterforschung.

ICI: “The Subtle Racializations of Sexuality: Queer Theory, the Aftermath of Colonial History, and the Late-Modern State“, u.a. zu Staatsbürgerschaft, Heteronormativität in der Erwerbsarbeit, Aktivismus von subordinierten Gruppen.

Bielefeld

Universität: “Gender Studies interdisziplinär“, u.a. zu Reproduktionsarbeit, Krieg, sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, Migration.

Bremen/Oldenburg

Hochschule für Künste/Carl von Ossietzky Universität: “Un/verblümt. Queere Ästhetiken und Theorien in Kunst, Design und Musik“, u.a. zu Gaga Feminismus, Drag, Postkoloniale Kritik, sexualisierte Gewalt, Queer/LGBT-Filmfestivals.

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Feminismus mit oder ohne Männer? Falsche Frage!

6. Oktober 2011 von Nadine
Dieser Text ist Teil 18 von 18 der Serie Grundsatzfragen

Ich wohnte neulich als Diskussionsteilnehmerin einer Veranstaltung bei, auf der unter anderem die Frage vor feministischem Publikum erörtert wurde, ob sich Feminismus mit Männern organisieren bzw. solidarisieren solle. Eine ziemlich alte Streitfrage, an der sich auch heutzutage die feministischen Geister scheiden. Je nach feministischer Politik wird sie sich mit guten Argumenten anders beantworten lassen. Ob Männer feministisch aktiv sein sollen, steht dabei nicht zur Debatte. Richtig so, denn der Kampf gegen (Hetero)Sexismus, Trans*phobie, Rassismus und andere Herrschaftsverhältnisse ist einer, der alle angeht, auch wenn Menschen unterschiedlich von unterdrückerischen Strukturen betroffen sind.

Vielmehr ging es während der Veranstaltung darum, Erfahrungen über feministischen Aktivismus, seine Organisierung und die Arbeit einzelner Gruppen auszutauschen. Dabei gilt es zunächst zu unterscheiden, von welcher Position diese Frage gestellt wird. Während der Slutwalks war von Journalist_innen öfter die gleiche Frage zu hören. Die Implikation ist relativ eindeutig: Antifeministische Klischees der “männerhassenden Emanzen” sollen bitte nicht gefüttert werden. Feminismus heute muss sexy sein und männerfreundlich (was viele wohl unter “modern” verstehen). Aber warum eigentlich?

Spannend an dieser Fragestellung, die der zuweilen antifeministische oder feministisch uninformierte Mainstream an Feminist_innen richtet, ist das zu Grunde liegende männerzentrierte (und gleichermaßen heteronormative) Denken. Die Gunst der Männer als Norm, an der sich der Erfolgsgrad feministischer Bewegungen messen ließe?! Mal abgesehen davon, dass Feminismus noch immer mit Politik von Frauen für Frauen gleichgesetzt wird, verwundert es angesichts fortwährender feministischer Kämpfe, warum gerade die Männerfrage immer wieder in den Mittelpunkt gerückt wird. Als ob es im Feminismus nichts Wichtigeres gäbe, als die Befindlichkeiten einer dominanten Gruppe zu berücksichtigen.

In feministischen Kontexten diskutiert es sich da schon auf ganz anderem Niveau. Hier geht es darum, Frauen/Lesben/Trans*-Schutzräume (FLT*) neben offenen Gruppen zu etablieren, Netzwerke auf- bzw. auszubauen, auf bestehende (autonome) Strukturen zurückzugreifen und diese womöglich von innen heraus zu verändern, um feministischen Aktivismus auf breitere Füße zu stellen. Dennoch machte es auf der Veranstaltung den Eindruck, als sei es “cooler” in männeroffenen Gruppen zu arbeiten, als seien Schutzräume für FLT* überkommen, unnötig und teilweise einer breiten Solidarität sogar hinderlich.

Nach einigem Überlegen kam ich zu dem Schluss, dass es reichlich zynisch ist, darüber zu diskutieren, ob Männer mitmachen sollen/dürfen, solange feministischer Aktivismus nach wie vor anderen marginalisierten Gruppen den Zugang verwehrt oder die eigene homogene Zusammensetzung nicht mal bemerkt. Zumal es sich in einer männeroffenen Gruppe als Feminist_in auch nicht immer leicht arbeitet, wie feministische Aktivist_innen aus Wien vor kurzem mit scharfen Worten anprangerten.

Sollte nicht vielmehr darüber diskutiert werden, wie Feminismus möglichst inklusiv gestaltet werden kann unter besonderer Berücksichtigung der Repräsentation verschiedenster Gruppen und entgegen etablierter Machtstrukturen? Dann ließe sich nämlich sehr leicht feststellen, dass die Männerfrage nach wie vor unter weißen, heterosexuellen, cis- (und anderen normgerechten) Maßstäben besprochen wird und es nicht um die Bekämpfung der mitunter eigenen Dominanzkultur geht. Die Männerfrage positiv zu beantworten, bedeutet für Feminismus also nicht, per se selbstkritisch zu sein, sondern sich (auch) unter mehrheitsgesellschaftliche Erwartungen zu assimilieren.


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