Es gibt viele theoretische Texte und Gedanken zu männlicher Geschichtsschreibung. Praktisch demonstriert wird diese Theorie gerade in einer Bildstrecke bei Spiegel Online mit dem Titel: „Spanischer Jubel: Kinderspielplatz in Kiew“. Nach dem Sieg des EM Fußballfinales der Männer gestern hatten einige Mitglieder der spanischen Mannschaft ihre Kinder auf den Rasen geholt, um dort mit ihnen zu feiern. Kleine Mädchen und Jungs liefen in Trikots der spanischen Nationalmannschaft über den Platz und … halt, schrieb ich „Mädchen“? Wen interessieren denn die Mädchen, wenn es um Fußball geht?
Spiegel Online zumindet schonmal nicht. In den Bildunterschriften besagter Klickstrecke, die sich hauptsächlich um die beiden Kinder von Fernando Torres dreht, wird dessen Tochter konsequent ausgeblendet. Genauso wie die anderen kleinen Mädchen auf dem Platz:
Dann betrat die nächste Generation das Spielfeld: Torres setzt seinen Sohn auf dem Rasen ab.
heißt es da und
Natürlich trägt Junior das Trikot der spanischen Nationalmannschaft.
Und ab ging’s zum Jubeln in den Strafraum. Der kleine Herr Torres kennt die Laufweg schon ganz genau. Zielsicher steuerte…
… er das Tor an. Ein künftiger Goalgetter?
Im Tor tollten später auch andere Jungs herum.
Auf den Bildern ist Torres‘ Tochter genauso deutlich abgebildet wie sein Sohn.
„Die Frau ist nicht der Rede wert“, so betitelt Luise F. Pusch eines ihrer Bücher. Wie Recht sie doch hat.
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Update: Spiegel Online hat dann doch irgendwann reagiert:
Oha. Das war uns gar nicht aufgefallen… Jetzt haben wir es geändert. Danke für den Hinweis.
Wie es passieren kann, dass so etwas „nicht auffällt“ wurde jedoch nicht erläutert.

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