Das Thema Frauen am Arbeitsplatz gehört definitiv zu den Top 3 der geschlechterpolitischen Debatte, vor allem unter dem Aspekt der Karrierefrage. Dass weibliche Arbeitnehmer in Deutschland ca. 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen, ist weithin bekannt – wirklich gemacht wird dagegen allerdings nichts. Genauso durchbesprochen ist die Frage, warum Frauen es so selten auf Spitzenpositionen schaffen. (Was übrigens nicht nur in semi-glamourösen DAX-Unternehmen so ist, sondern auch in den meisten Supermarktfilialen.)
Die Begründungen dafür sind mannigfaltig. Die meisten Frauen können sich auf die Ur-Drei der Arbeitsplatzbenachteiligung verständigen:
– mangelnde Familienfreundlichkeit der Unternehmen und Chefs, die in einer weiblichen Mitarbeiterin statt Talent immer nur die Eierstöcke leuchten sehen
– männliche Seilschaften ganz im Allgemeinen, die sich nur gegenseitig aufnehmen, fördern und Gehaltserhöhungen machen
– die schlichte Tatsache, dass Frauen höchst selten überhaupt auf diese Positionen gebeten werden
Und dann gibt es noch die Psycho-Argumentation, die im Prinzip darauf hinaus läuft, dass Frauen sich in ihren Jobs nicht durchsetzen können, weil Mädchen die hohe Tugend des Nettseins so dermaßen intensiv gepredigt bekommen, dass sie auch dann nett sind, wenn es völlig fehl am Platze ist. Weil Frauen lieber beliebt als angesehen sein wollen, getrauen sie sich nicht, auch mal ein bisschen robuster vorzugehen, hin und wieder „Nein“ zu sagen und bleiben so oft an den Fleiß- bzw. Dreckarbeiten hängen. Damit zusammenhängend sind sind sie oft auch nicht in der Lage, angemessene Gehälter zu fordern, weil der Tugendzwilling von Nett ja bekanntlich Bescheiden heißt.
Daher die Schlussfolgerung: Frauen müssen eben einfach ein bisschen aggressiver auftreten, sich auch mal in der Konferenz verbal die Eier kraulen und dem Chef klar machen, wie wichtig sie sind, dann läuft das schon. Und wenn sie völlig anders sozialisiert sind, dann heißt es eben: Überwinde dich selbst oder konzentriere dich auf Kinder und Hobbys, denn das ist doch auch etwas schönes. Und im Übrigen viel wichtiger als doofe Stresskarriere. Familienmanagerin ist auch eine gesellschaftlich höchst bedeutsame Aufgabe!
Dieses Argument ist leider lediglich eine Steilvorlage ist für die grundsätzliche Einschätzung so mancher, dass Frauen an ihrer Misere irgendwie auch echt selbst schuld sind und sich endlich an den rauhen Wirtschaftswind (und der ist eben von Gottes und Kapitalismus Gnaden her männlich) gewöhnen sollten. Daraus folgt dann ganz schnell die Folgerung, dass viele Frauen auch einfach nicht Karriere machen wollen, weil sie eben ganz andere, weichere Werte hätten. An profaner Macht, gutem Geld und all den materiellen Dingen liege ihnen nun mal nicht so viel. Hauptsache, ein schönes Paar Schuhe ist hin und wieder drin, nicht wahr, Lääyy-diiies? Dazu kann ich nur sagen: Entschuldigung, aber ich kenne keine Frau, die es viel wichtiger findet, für die gleiche Arbeitszeit Tausend Euro weniger zu verdienen, als von ihren Chefs für eine besonders billige Arbeitskraft gehalten zu werden. Und ich glaube auch nicht, dass der Spiegel oder irgendein anderes Medium eine auftreiben wird.
Diese ganze Diskussion über das soziale Verhalten von Frauen muss einfach aufhören, denn sie führt uns alle nur in eine Falle ohne Handlungsperspektive. Ein sehr guter und sehr deprimierender Artikel auf AlterNet zeigt, warum: Denn alle Studien zu dem Thema zeigen, dass Frauen es einfach nicht richtig machen können. Sind sie zu nett, werden sie übergangen. Sind sie betont selbstbewusst/aggressiv, findet man sie anstrengend und – sie werden übergangen oder geschnitten. (Übrigens ein gutes Beispiel für dies Phänomen scheint Staatsanwältin Lichtinghagen zu sein, die gerade von ihrer Behörde vertrieben wird.) Und einfach nur kompetent zu sein, wie das v.a. von jungen Frauen immer geglaubt wird, reicht offenbar auch nicht.
Als stolzes Mitglied im Club Killing with Kindness bin ich zwar der Ansicht, dass Nettsein nicht gleich Schwachsein ist. Ich glaube, man kann mit einer strategischen Mischung aus Freundlichkeit, Bestimmtheit und der Kunst, Dinge auch mal nicht zu tun, schon etwas erreichen- aber ich spreche mich gern in zehn Jahren wieder, soviel, tja, Bescheidenheit muss sein.
Wovon ich aber immer mehr überzeugt bin, ist, dass wir auf der Basis von sozialpsychologischen Erkenntnissen herzlich wenig für die Gleichberechtigung erreichen können. Da muss erstmal Politik her. Darüber müssen wir reden, nicht über fehlgeleitete Persönlichkeitswandlungen. Liebe Leser_innen, was sagt ihr?

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