In Pakistans Parlament wird momentan über die „Tradition“ der so genannten Ehrenmorde gestritten. Anlass dafür ist ein schrecklicher Vorfall in der südwestpakistanischen Provinz Belutschistan. Die Süddeutsche Zeitung schreibt:
In einem abgelegenen Dorf des Bezirks sind fünf junge Frauen bei lebendigem Leib begraben worden, weil sie angeblich Schande über ihre Familien gebracht hätten. Drei von ihnen waren noch nicht einmal volljährig, zwischen 16 und 18 Jahre alt. Alle fünf hatten ihren Wunsch kundgetan, einen anderen Mann zu heiraten als jeweils jenen, den ihre Familien für sie ausgewählt hatten.
Bewaffnete Männer führten sie auf ein Feld vor dem Dorf, stellten sie in eine Reihe und schossen auf sie. Dann wurden sie in einen Graben geworfen. Sie atmeten noch, als die Männer sie mit Steinen und Erde zudeckten.
Nun wird im Parlament gestritten, denn in Pakistan werden Hunderte Frauen jährlich getötet, weil sie sich gegen eine arrangierte Ehe wehrten oder vergewaltigt wurden, weil sie sich scheiden lassen wollten oder fremdgegangen sind. Die genaue Zahl der getöteten Frauen kennt niemand, denn viele Morde werden nicht gemeldet. Gleich zu Beginn der Parlamentsdebatte meldete sich ein Senator aus Belutschistan zu Wort und sagte:
„Wir sollten dieses Ereignis nicht politisieren und negativ bewerten, das sind jahrhundertealte Traditionen, und ich werde sie auch künftig verteidigen.“ Zehri fügte noch an: „Nur wer sich unmoralisch aufführt, braucht sich zu fürchten.“ Es brandete Protest auf im Senat. Eine pakistanische Zeitung schrieb danach in ihrem Kommentar: „Die pakistanische Gesellschaft wird noch immer von Männern dominiert; Frauen werden nicht wie Menschen behandelt.“
Der Bericht in der Süddeutschen endet mit dem traurigen, aber vermutlich leider wahren Satz: „In aller Regel aber ebbt die Aufregung über solche Taten nach kurzer Zeit wieder ab.“

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.