Einträge mit dem Tag ‘Fotografie’


Die Forderung bleibt: Aufklärung im Fall Oury Jalloh! – kurz verlinkt

19. Oktober 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 365 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Artikel

Eines der großen Themen in dieser Woche war die Hashtag-Kampagne #metoo, in denen Betroffene von Übergriffen und sexualisierter Gewalt von ihren Erfahrungen berichteten oder mit einem #metoo signalisierten, dass sie zu den Betroffenen gehören. Charlott schrieb auf der Mädchenmannschaft einen Text mit der Frage: „Wichtige Aktion zur Sichtbarmachung oder Aktivismus-Sackgasse?„. Svenja von Feminismus im Pott erörterte „Warum nicht jede*r Betroffene #metoo posten kann„. Auch Hengameh befasste sich in der taz mit der Kampagne und verlagerte den Fokus von den Betroffenen auf die Ausübenden sexualisierter Gewalt: Wer ist hier die Hexe?

Am 12. Oktober wurden die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft Halle im Fall Oury Jalloh offiziell eingestellt. Ein offener Brief fordert Weiterhin die Aufklärung. Der Brief kann mitgezeichnet werden.

„Um für sein Kind eine Geburtsurkunde zu erstreiten, die der Lebensrealität von trans* Eltern entspricht, zieht ein Mann nun vor das Bundesverfassungsgericht.“, berichtet die Bundesvereinigung Trans*.

Die Kampagne „anders und gleich NRW“ in Trägerschaft der LAG Lesben in NRW e.V. erarbeitet derzeit die Broschüre „SAG WAS!“. Dazu gibt es vom 9. bis 30. Oktober eine Online-Umfrage zu Diskriminierungserfahrungen von LGBTIQ Personen in der Schule, bei der Arbeit, im Verein, eigenen Communities) und den Umgängen mit diesen.

Landesarbeitsgemeinschaft der Einrichtungen für Frauen- und Geschlechterforschung in Niedersachsen feiert ihr zehn-jähriges Jubiläum mit einer Veranstaltungstour von November bis Januar.

Für alle, die die Mädchenmannschaft auch auf die Ohren möchte, haben wir nun zwei Podcastformate. In Servicewüste Feminismus (RSS-Feed/ iTunes) sprechen wir monatlich über aktuelle Themen und feministische Interventionen und bei Bury Your Gaze (RSS-Feed/ iTunes) geht es regelmäßig um Serien, Filme und Fankultur.

Englischsprachige Artikel

Democracy Now spricht unter anderem mit Tarana Burke, die vor zehn Jahren den Hashtag #metoo einführte: „So, the movement, the work that I’m doing and this movement is really about survivors talking to survivors, right? “Me Too” is about letting—using the power of empathy to stomp out shame. And so, we need to keep talking about it, right? It doesn’t need to be—I mean, I appreciate the hashtag, and I appreciate the hashtag elevating the conversation, but it’s not a hashtag, right? It’s not a moment. This is a movement.“

Es gibt viele Gründe Gynäkologie-Besuche nicht besonders super zu finden, für viele gehört das Speculum sicher dazu. Wired schreibt über die Geschichte des Untersuchungsinstruments und Versuche es neu zu designen.

Jennifer Neal schreibt über ihre Erfahrungen als Schwarze Person in Berlin: „Germany likes to think of itself as a tolerant country. People of color and victims of hate crimes have a different experience.“

Transnational Queer Underground hat einen Fotowettbewerb ins Leben gerufen.

Termine in Berlin, Dresden, Dortmund, Leipzig, Wien:

19. bis 22. Oktober in Leipzig: Das 24. Meeting of Queer Lesbians* findet statt und es gibt über mehrere Tage ein volles Programm.

19. bis 22. Oktober in Dortmund: lauterglitzer – ein queerfeministisches spektakel. Über ein Wochenende gibt es Workshops, Kleidertausch, eine Stadtralley, Konzert und mehr.

21. Oktober in Dortmund: »Stand up and connect!« (Fb-Link) – Aktionstag für junge Queers of C-Link)

21. Oktober in Berlin: LesMIgraS bietet einen Selbstverteidigungsworkshop für BPoC und/oder trans*, nicht-binär, inter* Personen an. (FB-Link)

22. Oktober in Berlin: Noch ein Selbstverteidigungsworkshop. Dieses Mal für alle trans*, nicht-binär, oder inter* Personen. (FB-Link)

27. Oktober in Berlin: Wie organisieren wir uns gegen die AfD? Es diskutieren Mohamed Amjahid (Autor „Unter Weißen“, Zeit-Journalist), Fatma Aydemir (Schriftstellerin, taz-Journalistin), Enrico Ippolito (Kulturchef Spiegel Online) und Hengameh Yaghoobifarah (Missy Magazine, taz-Kolumnistin).

28. Oktober in Berlin: „Queerness, Cosmo-politics & Magical Feminism in Central Asia“ – ein Workshop mit Ruthie Jenrbekova. Anmeldung bis zum 24. Oktober (FB-Link)

29. Oktober in Berlin: Queer migration and artistic practices. Workshop mit Saltanat Shoshanova. Anmeldung bis zum 24. Oktober. (FB-Link)

4. November in Berlin: „Being queer with wrinkles, white hair and always sexy?„. Veranstaltng mit AnouchK Ibacka Valiente für QTIBPOC. Anmeldung bis zum 31. Oktober. (FB-Link)

5. November in Berlin: „SPECKtakulär – Ein Körperpositiver Workshop„. Anmeldung bis zum 31. Oktober. (FB-Link)

6. bis 27. November in Berlin: Die erstmals im Abgeordnetenhaus von Berlin gezeigte Ausstellung „L’Chaim – Auf das Leben“ der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus porträtiert den Alltag von Jüdinnen und Juden, die Berlin heute als ihre Heimat bezeichnen und das Leben der Stadt mitgestalten. Am 6. November wird die Ausstellung eröffnet (Anmeldung bis 01. November). Danach ist sie zum 27. zu besichtigen.

6. bis 27. November in Berlin: Where love is illegal. Fotografien von Lesben, Schwulen, Queers und trans Menschen aus Tunesien unterstützt von der Heinrich-Böll-Stiftung.

16. November in Wien: Mareice Kaiser liest aus ihrem Buch Alles inklusive. Aus dem Leben mit meiner behinderten Tochter.

18. November in Berlin: Statt Frankfurter Buchmesse doch viel lieber Queeres Verlegen, eine Buchmesse queerer Verlage und publizierender Menschen in Berlin mit Buchständen, Lesungen und Diskussionen.

22. November in Dresden: „Lesbe, Lesbe, Lesbe. Ein Wort mit Kampfpotential, mit Stachel, mit Courage“ – Zur Entwicklung und Repression der Lesbenbewegung in der DDR.

30. November in Berlin: Gemeinsam_getrennt gekämpft: Feminismen in DDR & BRD. Veranstaltung mit Sanchita Basu und Stefanie-Lahya Aukongo.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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„Camerawoman“ – gute Idee, enttäuschende Umsetzung

19. Juni 2015 von Hannah C.

“Ein Magazin, das Frauen, die Dinge tun, im Fokus hat – geil!”, dachte ich, als zum ersten Mal von “Camerawoman” hörte.
Frauen als fotografierende Personen anzuerkennen – Frauen als fotografisch arbeitende Personen anzuerkennen – Frauen als mit Maschinen arbeitende Wesen anzuerkennen: viele Formate tun sich damit schwer.
In der Fotografie herrscht noch immer das generische Maskulinum, obwohl nicht zuletzt die Smartphonefotografie für einen so einfachen Zugang zur Licht-und Bilderfängerei sorgte wie nie zuvor.

Neugierig und erfreut ging ich also in einen Kiosk und suchte nach der Zeitschrift. Sie stand zwischen Heften, die sich mit Bildbearbeitung, Kamera- und Computertechnik befassen und wirkte, aufgrund des klassischen Coverfotos einer weißen normschönen Frau*, so deplatziert, wie es nur gehen kann.
Der Grund dafür flatterte mir aus dem Heft auch direkt vor die Füße: “Bitte platzieren Sie Camerawomen neben Brigitte, Joy und Jolie.”.

“Äh – what?”, ich hielt den Zettel hoch und grinste den Verkäufer an.
Wir kamen ins Gespräch. Er hatte die Zeitschrift unter “Technik” abgelegt, “weil – geht doch um Technik! Ich weiß zwar nicht, wieso das jetzt noch extra für Frauen sein muss … Aber naja, Frauen gehen ja vielleicht anders an Motive ran und …”.
Leider hatte ich keine Zeit für ein Feminismus 101, das Gespräch blieb mir aber hängen, denn sowohl im Editorial von “Camerawoman” als auch im Crowdfundingvideo erzählen Männer, wie Frauen fotografieren. Sagen Männer, dass Frauen es ja nicht so mit der Technik hinter der Fotografie haben und intuitiver an die Sache heran gehen, nachdem sie erst sagen: “Wow, es gibt Frauen, die anspruchsvoll, professionell, gerne fotografieren.”.

Wie also angeblich so speziell eine Kamera nutzende Personen dazu bringen, ein Magazin zu kaufen, dass ihre gern ausgeübte Freizeitbeschäftigung im Fokus hat? ManN macht ein spezielles Magazin in einem von dieser Zielgruppe (angeblich) bevorzugtem Format. Bei Frauen, die von Knöpfen, Zahlen und Wissenschaft (laut misogynem Stereotyp) schnell zu überfordern sind, erschien offenbar die Sparte “Lifestyle” als sinnig.

Tatsächlich werden geneigte Lifestyleleserinnen* eher Zugang zu “Camerawoman” finden, wenn sie neben Brigitte, Bärbel und Paula liegt, sie (und andere Personengruppen) werden aber weiterhin nicht an den Punkt  kommen von sich zu denken, dass ihre Fotografiererei auch ein Handwerk ist. Arbeit. Eine aktive, selbstermächtigende Handlung. Es bleibt aufrecht erhalten, dass die Nutzung einer Kamera von einer Frau ein schmückendes Accessoire ist oder Spielerei auf Instagram, wie sie gerade hip ist.

Doch schlägt man das Heft auf, steht man vor auch einem begrüßenswertem Novum: eine Zeitschrift, in der alle Fotostrecken von Frauen sind und die Portraits von Frauen, die als Fotografin arbeiten und mit der Fotografie Kunst erschaffen enthält.
In Punkto Sichtbarkeit von Frauen kann man also nicht pauschal klagen – sehr wohl aber über die Sichtbarkeit von Frauen (die nicht weiß und/oder nicht normschön und/oder behindert sind und/oder sich selbst gar nicht als Frau bezeichnen und/oder keine als weiblich kategorisierten Körper haben).

Apropos Sichtbarkeit von Frauen. Scheinbar wurde bei der Magazinkonzeption nicht bedacht, dass weiße lächelnde normschöne Frauenkörper sehr gern als Dekoelement in der Werbung benutzt werden. So ist ein störendes Element in “Camerawoman”, das zwischenzeitlich nicht zu erkennen ist, wann man gerade eine der vielen mehr oder weniger gut passenden Werbeanzeigen bzw. Produktplatzierungen betrachtet.

Inhaltlich bietet Camerawomen meiner Ansicht nach wenig, was nicht auch über andere Wege erfahrbar ist. Die besten Tipps zur abwechslungsreichen Urlaubs-Heimtier-Food-Stilllife- etc. etc. etc. – Fotografie finden sich heute auch in anderen Lifestylemagazinen, auf YouTube und nicht zuletzt in Blogs, die die Fotograf_innen selbst führen.
Tatsächlich sind es Portraits von Fotograf_innen und ihren Arbeiten und Arbeitsweisen, die mich persönlich noch am ehesten dazu verleiten, eine gedruckte Zeitschrift zu kaufen, denn Frauen*, die Dinge tun sind praktisch unsichtbar.

Sicherlich wird “Camerawoman” ihre begeisterten Leser_innen finden, weil die Fotografie von je her erfreut und fasziniert und der Zugang relativ leicht ist.
Eine Zeitschrift, die eine Veränderung der bestehenden Stereotypen über Frauen, die fotografieren, einläutet, ist sie (derzeit) hingegen nicht.
Im Gegenteil.
Nicht nur die peinlichen Bemühungen der Redaktion auf gar keinen Fall irgendwie im Entferntesten feministisch zu wirken – unter anderem mit einer Referenz auf big old Alice -, sondern auch der ausgebliebene Versuch bestehende Formate wie “Camera” (ein eher ungegendertes Fotomagazin) einfach so zu konzeptionieren, dass sie inklusiver werden, sprechen dafür.

Schade.
5€, die auch ein neuer Farbfilm hätten sein können.


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Beratung für Frauen mit Behinderung, Zwangsheterosexualisierung, Björk und Musik-Biz-Sexismus – kurz verlinkt

28. Januar 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 270 von 365 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links
Mädchen und Frauen mit Behinderungen erfahren besonders häufig Gewalt. Aus diesem Grund wird gerade die Internetplattform suse-hilft.de aufgebaut, auf der – möglichst barrierefrei – nach Informationen und Ansprechpersonen recherchiert werden soll: „Wo finde ich bei mir in der Nähe eine Therapeutin, die Gebärdensprache oder Leichte Sprache kann? Wo finde ich eine Anwältin, die sich mit dem Thema auskennt? Welche Selbstbehauptungstrainerin in der Nähe macht Kurse auch für behinderte Frauen?“ Das Projekt benötigt noch Geld und kann über betterplace.org unterstützt werden.

Das Oberlandesgericht in Celle hat abgelehnt, dass in einer Geburtsurkunde der Eintrag „inter“ oder „divers“ geführt werden kann.

Homofeindlichkeit und Zwangsheterosexualisierung in der Therapie, Fall 472136127: Nun zog ein Betroffener vor Gericht, berichtet die taz.

Noch bis zum 01. März können bei filia. die frauenstiftung Projektideen zur Mädchenförderung eingereicht werden, um Gelder von bis zu 5000€ zu erhalten.

Der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde hat einen Offenen Brief zur M-Straße in Berlin, Dieter Hallervorden und kolonialrassistischen Kontinuitäten verfasst.

Das LOTTA-Magazin gibt „Stichworte zur Gründungsgeschichte“ der NPD, die 2015 im 50. Jahr besteht.

englischsprachige Links

Wenn Schauspieler die gleichen nervigen Fragen beantworten müssten wie Schauspielerinnen (Kleid, Haar, Make-Up, Gewichtsabnahme…), dann würden die sich wundern: Kevin Spacey hat sich gewundert.

Als Geologen in den 1950ern anfingen den Meeresboden des Atlantiks mit Sonargeräten zu vermessen, durften Frauen nicht mit auf die Boote (weil sie natürlich Unglück brächten). Aus dem Datenmaterial die erste wirklich detaillierte Karte hat dann aber doch eine Frau erstellt: Marie Tharp. Mental Floss zeichnet ihre Geschichte nach und wie sie an den Grundfesten der Geologie rüttelte.

Egal welche Krankheit eine dicke_fette Person hat und wie sie behandelt werden könnte, erst einmal abnehmen lassen? Ja, es gibt Mediziner_innen die so etwas empfehlen. Dances With Fat nimmt die Empfehlung auseinander.

MTV stellt 12 neue queere Hip Hop Acts vor.

Ein neues Album der isländischen Sängerin Björk erscheint und in einem Interview hat sie erstmal sehr ausführlich über den im Musikbusiness erlebten Sexismus gesprochen. Feministing greift diese Aussagen in einem Artikel zu Björk und überhaupt „mansplaining“ auf. Slate nimmt die Aussagen als Anlass, um Zitate von weiteren Künstlerinnen (so unterschiedliche wie Solange Knowles, Grimes und Taylor Swift) zusammenzustellen.

Celebrating the Love between Queer Women of Color – In 25 Gorgeous Photos!“ – präsentiert Everyday Feminism.

Bei Flavorwire zerlegt Judy Berman Jonathan Chaits Artikel im New York Magazine, der „Political Correctness“ als Einschränkung der (linksliberalen) Meinungsfreiheit bezeichnete.

Termin in Berlin:

04. Februar in Berlin, ab 19.00 Uhr: Lesung und Filmvorführung mit der simbabwischen Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga.


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Mein „drittes Auge“

21. Januar 2015 von Hannah C.

Sich ein Bild von der Welt zu machen, kann bedeuten zu einer inneren Haltung, einer Meinung zu kommen. „Wie stehe ich eigentlich zu…?“, „Was halte ich eigentlich von…?“
Um sich selbst verorten zu können, brauchen manche Menschen mehr, manche weniger ganz aktive Besinnung darauf, worum es ihnen im Leben geht.

Ich wusste sehr lange nicht, ob ich überhaupt leben kann.
Weiterleben nach über 20 Jahren Gewalt – “Wozu denn? Vielleicht habe ich schon alles gesehen, gefühlt, gemacht, wozu ich überhaupt geboren wurde.”, habe ich gedacht.
Ich hatte keine eigenen Bilder vor Augen, die diese Gewalterfahrungen ausgeblendet haben. Damals habe ich das Haus nur verlassen, um zum Supermarkt oder zur Therapie zu gehen.

Als Übung sollte ich mal versuchen meine Wege zu erfassen. Was sehe ich eigentlich, wenn ich das Haus verlasse? Was gibt es zu sehen, zu hören, zu fühlen?
Diese Übung war für mich schwieriger als erwartet, weil ich nach dem Ablaufen, nie greifen konnte, was ich gesehen hatte. Ich spürte, dass ich mich auf diese Dinge konzentriert hatte, aber Worte oder Beschreibungen dafür waren so sehr weg, dass ich keine Erinnerungen daran konstruieren konnte, die ich hätte teilen können.

So fing ich an pro Weg 3 Fotos zu machen. Einfach nur „Kamera hoch“ und „klick“.
Ich hielt mich an der Herausforderung fest, mitzuteilen, was mir auf dem Weg lag und stellte sie neben meine Angst.
Beim Betrachten der ersten 3 Fotos hatte ich den Eindruck, dass irgendwas nicht stimmte. Mein Bild von der Szene war nicht so, wie sie die Kamera für mich machte. Ich sah Schrift, wo ich keine vor meinem inneren Auge hatte.

Meine Augenärztin teilte mir mit, dass mein linkes Auge mal verletzt gewesen sein muss.
Es ist blind.

Kurze Zeit später las ich einen Artikel, der sagte, dass Menschen, die mit Depressionen leben (eine der häufigsten Folgen von Gewalterfahrungen), meist einen Grauschleier auf Szenen wahrnehmen. Ich rutschte in eine Phase, in der ich dachte: “Ich werde mir dieses neue Leben und die Welt, wie sie heute ist, niemals ‚richtig‘ in den Kopf bringen können. Ich bin kaputt.”.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnd dann kam NakNak*.
Meine quirlige, weiche, flinke, neugierige, wache, liebevolle Hütehündin, die Spaziergänge bei jedem Wetter super findet und sich auf meinen Fuß setzt, wenn ich Angst bekomme. Sie hat meine Welt erweitert und ist Teil des Welt-Bildes geworden, das ich mir zu erschaffen versuchte.
Ich begann sie zu fotografieren.

Makroaufnahmen ihrer Pfoten, ihrer Krallen, ihrer Zunge, den kleinen Fisselhaaren um ihre Ohren herum, entstanden.
Ich machte Aufnahmen der Fellwollmäuse, die nun über das Laminat meiner Wohnung glitten und machte Photoshopkunst aus dem Muster, das ihre Sabberflecken auf den Ärmeln meiner Jacke hinterließen. Ihr Futter, ihr Spielzeug, meine Schuhe mit Schlammpanzer um die Sohle.

Die Kamera wurde mein drittes Auge.
Sie ist nie ein Ersatz für mein blindes Auge geworden, oder die Steigerung meines anderen. Sie war und ist für mich nur das Auge, das auf eine Art sehen kann, wie es meine nicht (mehr) können.

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Falsche Körper? Falsche Welt! – kurz verlinkt

22. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 259 von 365 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Charlotte Wiedemann schreibt in der taz über den Wert weißen Lebens vor dem Hintergrund internationaler Geflüchtetenbewegungen, IS, Syrien, Irak, Ebola und den Weltkriegen: „Syrien und Irak: Die Toten in ein und derselben Region sind von ganz unterschiedlicher Wertigkeit – je nachdem, welches Verhältnis der Westen zu den Mördern hat. […] Wer auf einer Weltkarte sieht, welche Länder die meisten Flüchtlinge aufnehmen, könnte glauben: Der Wert des Lebens gilt mehr außerhalb von Europa.“

„Polemiken gegen den „Genderismus“ und „political correctness“ sind nicht neu, zeugen aktuell jedoch davon, wie ein aggressiver Antifeminismus versucht, politisch an Einfluss zu gewinnen“: Der Beitrag „Antifeministische Allianzen“ des Antifaschistischen Infoblatts ist nun auch online verfügbar.

Den Aktivist_innen in der Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin droht wieder eine Räumung, berichtet heute ganz aktuell die taz. Eine Pressemitteilung der Bewohner_innen findet ihr auf asylstrikeberlin.

englischsprachige Links

Alok Vaid-Menon schreibt bei MTV über das Aufwachsen in einer Gesellschaft, die nur genau zwei Geschlechter zu lässt, wenn eine_r selbst keinem dieser Geschlechter angehört: „This is not a story about being born in the wrong body. This is the story of being born in the wrong world. This is the story of being told who we are without our consent.“

Die US-amerikanische Spielentwicklerin Brianna Wu schreibt über die Hass- und Mobbingkampagne #gamergate gegen sie und andere profilierte Gamerinnen – und beschreibt, welche massiven Anstrengungen die Hater unternehmen, um diese Frauen persönlich zu schädigen, nicht „nur online“, sondern auch im „realen Leben“.

Bei Dazed gibt es ein Interview mit der finnischen Fotokünstlerin Liu Susiraja.

Mae Carol Jemison, die erste afroamerikanische Astronautin, hatte vorige Woche Geburtstag. Zu diesem Anlass twitterte Afropunk das Video der Keynote, die Jemison im Frühjahr auf der Women of Color Task Force Conference gehalten hatte.

Jezebel berichtet über „die erste und bisher einzige“ Trans*frau bei der New Yorker Feuerwehr, Brooke Guinan, und ihren Einsatz gegen Diskriminierung.

Anlässlich der australischen National Week of Deaf People (nationalen Woche der gehörlosen Menschen) berichtet Sarah Kienbort im Guardian über die Vorteile von Gebärdensprachen und die Erfahrungen, die sie als hörende Mutter einer gehörlosen Tochter macht.

In Dänemark, so ist bei Gay As Us nachzulesen,  haben neue Richtlinien die medizinische Situation für trans Personen verschlechtert.

Beim Guardian schreibt Chimamanda Ngozi Adichie über ihren Weg zu einem feministischen Selbstverständnis.

Termine in Berlin, Mannheim

Berlin: Elektronischer Donnerstag im Schwuz – your local girl gang! (Facebook-Link)

Mannheim: Am 25.November findet die Protestkundgebung „Reclaim the Night – Wir fordern die Nacht zurück“ (Facebook-Link) statt.


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Rassistische Gesetze, „gleichgeschlechtliche“ Ehe, Nobelpreisgewinnerinnen – kurz verlinkt

8. Oktober 2014 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 257 von 365 der Serie Kurz notiert

Heute feiern wir die 250. Ausgabe unserer wöchentlichen Reihe „Kurz Verlinkt“ – Glitzerkonfetti :)!!!

deutschsprachige Links

Was machen Frauen auf der Bühne? Ganz klar: lieben! Um dann meistens ruckzuck zu sterben (Drama) oder zu heiraten (Komödie), während es anderen überlassen bleibt, sich an der Welt aufzureiben. Warum eigentlich? Die Debüt-­
Arbeiten von drei Nachwuchsregisseurinnen geben scheppernde Antworten auf die dröhnende Frage, wer warum welche Rolle spielt – nicht nur im Theater. Am 18., 20., 21. und 22. Oktober 2014 in Berlin im Ballhaus Naunynstraße.

Das Rollstuhlfräulein sucht im Bereich Social Media einen Job in einem Unternehmen in Bochum und Umgebung, das barrierefrei ist.

Angsichts der jüngst bekannt gewordenen Gewalttaten gegen Geflüchtete stellt die taz fest: „Das Bürgertum führt die Situationen herbei, in denen Gewalt ausgeübt wird, und zeigt dann auf die, die es zu diesem Zweck rekrutiert“.

Hendrik Cremer legt anhand von Rechtsnormen und Gesetzen in der BRD dar, warum verdachtsunabhängige Personenkontrollen nicht nur rassistische Polizeipraxis nach sich ziehen (racial profiling) und Rassismus gesamtgesellschaftlich stabilisieren, sondern auch bereits ihre festgeschriebene gesetzliche Legitimation im Kern rassistisch ist.

Am 3. Oktober wurden zwei Kneipen und deren Besucher_innen in Bonn von extrem rechten „Fußballfans“ angegriffen.

#FergusonIsEverywhere: Jamie Schearer, Julius Franklin und Tahir Della von der ISD haben mit dem Freitag über Racial Profiling und alltägliche Diskriminierung in Deutschland gesprochen.

Die Süddeutsche berichtet aus den USA: Über­ra­schend hat es der Su­preme Court ab­ge­lehnt, über die Recht­mäßig­keit sog. gleich­ge­schlecht­licher Ehen in fünf US-Bundes­staaten zu ent­scheiden – da­durch blei­ben die Gesetze und somit die bestehenden Ehe(möglichkeite)n dort in Kraft.

Über die ak­tuel­le Aus­stel­lung der süd­afri­kani­schen Foto­grafin_Akti­vi­stin_Profes­sor­in Za­ne­le Mu­ho­li be­rich­tet (in ei­nem mittel­guten Ar­ti­kel) die Augs­bur­ger All­gemei­ne – siehe auch weiter unten unsere Termine.

In der Jungle World stellen Eike Sanders, Ulli Jentsch und Felix Hansen, Mitarbeiter des Antifaschistischen Pressearchivs und Bildungszentrums Berlin (apabiz), ihr neues Buch „Deutschland treibt sich ab“ vor und geben Antworten zur Bewegung der antifeministischen „Lebensschützer_innen“.

„Eine gerechte Gesellschaft sollte anders aussehen“: der Bayrische Rundfunk interviewt Anne Wizorek zu ihrem Buch „Weil ein #Aufschrei nicht reicht.“

Frauen helfen Frauen e.V. sammeln in Mecklenburg-Vorpommern gerade Unterschriften für einen „Zugang für alle!“ zum Beratungs- und Hilfenetz in Fällen häuslicher und sexualisierter Gewalt.  3.000 Unterschriften werden noch gebraucht. Am 25.11.2014 ist eine Demo dazu in Schwerin geplant – siehe weiter unten bei den Terminen.

englischsprachige Links

Wie US-Bundes­staats­ge­setze konsti­tu­tio­nel­le Ab­trei­bungs­rech­te aus­he­beln, berichtet Andrew Rosenthal in der New York Times.

Die Sängerin Mary Lambert schreibt auf ihrer Website über grenzüberschreitende Fans und Interviewer_innen, eigene (sexualisierte) Gewalterfahrungen und Retraumatisierung.

„A Her­story of the #BlackLivesMatter Move­ment“ und über die Ver­ein­nah­mung von Theorie­bil­dung und Akti­vis­mus schreibt Ali­cia Gar­za bei The Femi­nist Wire.

Buzzfeed porträtiert die chinesisch-US-amerikanische Schauspielerin Anna May Wong. So fähig sie in ihrem Beruf war, so häufig wurde sie nur als „exotische Lotusblume“ besetzt, und selbst dann konkurrierte sie mit weißen Schauspielerinnen in Yellowface.

Kein Nobelpreis ist für besonders hohe Frauenanteile bekannt, aber um den Nobelpreis für Physik ist es besonders schlecht gestellt. In den letzten 50 Jahren gewann keine einzige Frau. Slate stellt einige vor, die es verdient hätten.

Termine in Berlin, München, Ulm und Schwerin (mehr …)


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Wegweisende Journalistinnen, Flucht aus Eritrea und feministische Vernetzung – Kurz verlinkt

4. Dezember 2013 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 222 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Hooray, ein neues Musik-Projekt in Berlin für junge Musikerinnen oder welche, die es werden wollen: Lauter Mädchen. Den nächsten Workshop (Body-Percussion – Facebook-Link) gibt’s voraussichtlich im Januar.

Mädchenmannschafts-Autorin Sabine Mohamed hat bei der NZZ eine wichtige Reportage über flüchtende Menschen aus Eritrea geschrieben.

Das Feministische Netzwerk Heidelberg hat nun eine Facebook-Seite.

Die polnische Menschenrechtsaktivistin Elżbieta Szczęsna setzt sich gegen Homophobie ein. Jetzt erhielt sie den Respektpreis des Berliner Bündnisses gegen Homophobie. neues deutschland berichtet und weist ebenfalls daraufhin, dass Homophobie auch weiterhin in Deutschland ein tiefgreifendes Problem ist. (Hinweis: Gewalt, die von der Polizei ausgeht, wird in dem Artikel leider bagatellisiert.)

Ebenfalls bei neues deutschland: „Hinweise auf noch mehr Morde durch Neonazis„.

Englischsprachige Beiträge

Michelle Obama sei ein feministischer Albtraum, schrieb Michelle Cottle in der vorletzten Woche. Bei Salon.com antwortet Brittney Cooper und zeigt auf, welche historischen/politischen Realitäten in dieser Kritik (durch weiße Feminist_innen) unsichtbar gemacht werden und schließt: „I do think black feminists can wish for more from this first lady, while still being attentive to the minefield of historical and contemporary ideas that she is being forced to navigate.“

Melissa Harris-Perry hat eine Leseliste zu Schwarzem (us-amerikanischen) Feminismus zusammengestellt.

Stand-Up Comedian Aamer Rahman erklärt nochmal das Problematische an der Idee von „umgekehrtem Rassismus“ („reverse racism“):

Bei iVillage fasst Ragen Chastain all die kleinen Aussagen zusammen, die viele Menschen täglich treffen und mit denen sie zum body shaming beitragen.

Lisa Wade schreibt bei Sociological Images über die die ikonischen Bilder des Fotographs Lennart Nilsson, die er von (abgetriebenen) Föten machte und wie diese Bilder genutzt wurden und werden.

„First, there is no naturalized gendered body.“, beginnt dieser kurze Text, der in wenigen Sätzen aufzeigt, wie alle Körper immer modifiziert, verändert und dabei vergeschlechtlicht werden.

Die International Women’s Media Foundation verlieh in diesem Jahr ihren Preis für Courage im Journalismus an Nour Kelze, Edna Machirori, Bopha Phorn und Najiba Ayubi. Ms. Magazine hat die drei letzteren getroffen und zu ihren Erfahrungen interviewt.

Nach dem Klick: Termine in Basel und Berlin:

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Lesben und Schwule in Ostberlin, Rassismus zu Halloween, Klage gegen Karl Lagerfeld – kurz verlinkt

30. Oktober 2013 von der Mädchenmannschaft

Beiträge auf Deutsch

Jeder sechste Mensch in Deutschland ist armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Frauen und Alleinerziehende.

Filiz Demirova, eine Romni, berichtet bei radioeins über ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus.

Auch ein Leben mit einer schweren Erkrankung kann glücklich, lebenswert sein. Ein besonderes Beispiel hierfür ist Hannelore Setter gewesen, die am 10. Oktober im Alter von 79 Jahren in ihrem Krankenhausbett gestorben ist. 60 Jahre hatte sie dort verbracht.

Wie viel zählt das Leben eines geflüchteten Kindes in einem Asylbewerber*innenheim in Deutschland? Für viele anscheinend erschütternd wenig, wie Familie Petrovic auf bittere weise feststellen musste. Ihr Sohn Leonardo wäre vor zwei Jahren aufgrund der unterlassenen Hilfeleistung mehrerer Personen beinahe gestorben. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage eingereicht.

In der Schweiz wird gerade ein diskriminierender Rückschritt diskutiert: ein explizites Ehe-Verbot für homosexuelle Paare.

Ein Mann zeigt Angestellten der Deutschen Bahn gegenüber Zivilcourage – und wird dafür von ihnen rassistisch beleidigt, weil er Schwarz ist. Später stellt sich heraus: Der Mann ist der Landtagsabgeordnete Daniel Mack. Und plötzlich tut der DB alles furchtbar leid.

„Out in Eastberlin“ – ein neuer Kinofilm berichtet über das Leben homosexueller Personen in der DDR. Hier findet ihr den Trailer.

Ein blondes Kind lebt bei einer Roma-Familie – und sofort schreiben große europäische Medien von Kindesraub. Keno Verseck berichtet auf SPON von der Geschichte dieses antiromaistischen Ressentiments (siehe auch die englischsprachigen Links weiter unten).

Karl Lagerfeld äußerte sich mal wieder diskriminierend über dicke Menschen und insbesondere dicke Models und hat dafür nun – yeah! – eine Klage am Hals.

Hier könnt ihr für die Kampagne „Dritte Option“ spenden.

Beiträge auf Englisch

Eine vermeintliche Kindesentführung durch ein Roma-Paar fand medial große Beachtung und Anteilnahme – anders als die  Fälle, in denen Kinder aus rassistischen Gründen gewaltsam von ihren Familien getrennt werden. Discipline and Anarchy schreibt über den rassistischen Bias in Entführungsdiskursen (siehe auch die deutschsprachigen Links weiter oben).

Sexualisierte Ausbeutung und Gewalt stellten einen Grundpfeiler des Systems der Sklaverei in den Staaten der heutigen USA (und sicher genauso anderswo) dar. Akiba Solomon bespricht für Colorlines, in wiefern der Film „12 Years A Slave“  einen wichtigen, oftmals vernachlässigten Teil der Geschichte der  rape culture offen legt.

Wäre es nicht so ernst im echten Leben, könnte man inzwischen von einem regelrechten Krimi sprechen:  Ein Gericht hat das geradezu gewaltsam durchgesetze Anti-Abtreibungsrechte-Gesetz in Texas für verfassungswidrig erklärt.

Vitamin W berichtet über das Fotoprojekt „Alone Time“ von JJ Levine: Indem gezeigt wird, dass ein und derselbe Körper jegliches Geschlecht überzeugend verkörpern kann,  sollen herrschende Normvorstellungen über die zweigeschlechtliche Rollenverteilung in Frage gestellt werden.

Halloween steht vor der Tür und damit leider auch immer wieder Leute in Blackface oder Redface – wer nach wie vor nicht mitbekommen hat, das sowas rassistische Kackscheiße ist, geht ziemlich ignorant durchs Leben, hält Awesomely Luvvy fest. Inklusive praktischer Entscheidungsgrafik!

Queer-Gerechtigkeit bedeutet mehr als schwule weiße Männer, die mit ihren Beziehungen an die Öffentlichkeit gehen, erklärt Audrey bei Autostraddle.

Termine in Berlin, Mülheim an der Ruhr, Bochum und Bielefeld (mehr …)


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Das legendäre „Kissing Sailor“-Foto bildet Gewalt ab, keine Romanze

12. Oktober 2012 von Anna-Sarah

Dieser Text ist eine – um einige  Anmerkungen und Links erweiterte – Übersetzung eines Beitrags, der vor einigen Tagen auf feministing.com erschien. Für den Beitrag gilt eine Content-Warnung für sexualisierte Gewalt, ebenfalls für die verlinkten Texte, in denen auch das genannte Foto abgebildet ist.

Wir alle haben dieses Bild wohl schon gesehen. Seitdem es 1945 aufgenommen wurde, ist es in zahllosen Magazinen und Zeitungen abgebildet gewesen. Als ein Zeugnis seiner Allgegenwärtigkeit listete Buzzfeed es vor ein paar Wochen an der Spitze seiner „50 romantischsten Fotos aller Zeiten“ auf.

Doch was zeigt und verkörpert es wirklich?

Wie wir nun erfahren, zeigt das Bild mitnichten einen romantischen Moment zwischen Liebenden, sondern eindeutig einen Akt sexualisierter Gewalt.

Eine Londoner Feministin hat mit dieser Beobachtung allerhand Aufruhr auf Facebook und in der Blogsphere verursacht. Die als Leopard bekannte Bloggerin zitiert aus dem Bericht der auf dem Foto abgebildete Frau, Greta Zimmer Friedman, über ihr Erlebnis und schreibt:

“Die meisten von uns sind vertraut mit diesem Bild. Aufgenommen am Times Square am V-J Day 1945 wurde es zu einem derjenigen Bilder mit dem stärksten Symbolcharakter in der amerikanischen Geschichte, denn es symbolisiert den Jubel und Überschwang, die am Ende des zweiten Weltkrieges im ganzen Land spürbar waren.

Habt ihr auch das Gefühl, dass irgendetwas nicht so ganz stimmt?

Ganz anders als bei einem Kuss eines liebenden Paares waren George und Greta völlig Fremde füreinander. Wie erfahren, dass George betrunken war und Greta nichts von seiner Anwesenheit ahnte, bis sie sich in seinen Armen befand, mit seinen Lippen auf ihren… Es liegt eigentlich auf der Hand, dass das, was George getan hatte, ein sexueller Übergriff war.“  [Hervorhebungen von feministing.com übernommen]

Ein näherer Blick auf das betreffenden Bild zeigt bekräftigende Details, die eine_r_m bei genauerer Betrachtung den Magen umdrehen: das Grinsen auf den Gesichtern der Matrosen im Hintergrund; der feste Griff in dem er die körperlich kleinere Frau festhält, so dass sie nicht entkommen könnte, selbst wenn sie es versuchen würde; die geballte Faust der Frau und ihr steifer Körper.

Wenn es ein besseres Symbol dafür geben sollte, wie verkorkst unsere Vorstellungen von Sex und Romantik sind,  so fällt es mir jedenfalls nicht ein.

Einerseits zeigt es, dass wir weit gekommen sind – zumindest hoffe ich inständig, dass in der heutigen Welt zumindest der ein oder andere Alarm ausgelöst würde, wenn man auf der Straße eine_n Fremde_n ohne deren_dessen Einverständnis küssen würde, wenn es nicht sogar die strafrechtliche Verfolgung nach sich ziehen würde, die es verdient (meine Hoffnungen werden genährt durch das Vorhandensein so mancher Stimmen und großartiger Organisationen, die gegen die Kultur des street harassment anarbeiten). Andererseits leben wir nach wie vor in einer Welt, in der, wie Leopard klarmacht, „die Tatsache, dass dieses allseits beliebte Foto eine Abbildung sexualisierter Gewalt  und nicht von Leidenschaft ist, eine unbequeme Wahrheit darstellt, und diese zu benennen, eine als pedantische Miesmacherin dastehen lässt.“

Großartig übrigens auch der Nachfolgebeitrag von Leopard auf Crates and Ribbons, in welchem sie die häufigsten Einwände, die ihr in der Masse an Kommentaren zu ihrem Artikel begegnet sind, aufgreift und die darin enthaltenen Missverständnisse und Fehlschlüsse aufzeigt. Außerdem hat sie noch zwei weitere Fotos gefunden, die in der genannten Situation entstanden sind.

Eine weitere Einordnung der Ikonographie gibt es bei Sociological Images.

 


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„Das Leben finden, bevor es dich einholt“

27. Februar 2012 von Helga
Dieser Text ist Teil 94 von 115 der Serie WWW Girls

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

A Wonderful Dream

Wie heißt du?
Raika

Seit wann bloggst du?
Eigentlich noch gar nicht so lange – seit März 2010.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Um meinen Kopf frei zu kriegen. Oft sind mir Dinge sehr lange durch den Kopf geschwirrt und ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Manche gehen in solchen Situationen joggen, für mich hat es nur geholfen es aufzuschreiben. So kam es dazu, dass ich es einfach ins Internet schrieb. Anfangs war’s kaum öffentlich, zumindest hatte ich nicht herum erzählt, dass ich blogge.

Worüber schreibst du?
Über vieles was mich beschäftigt. Es sind immer noch die Dinge, die nicht aus meinem Kopf wollen. Trotzdem ist sehr viel Musik dazu gekommen, besonders isländische. Wenn ich die Zeit habe, mache ich Fotos und stelle diese dann auf mein Blog. Gerade erst zum Jahresanfang habe ich mit dem Project 365 begonnen, bei dem ich jeden Tag ein Foto mit einer Geschichte oder Zeilen poste, die am besten dazu passen. Ein genaues Thema habe ich nicht – der gemeinsame Nenner bin ich und ist meine Sicht auf die Welt.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Bei unserem Hochschulradio hatte ich eine Zeit lang viele Sendungen gemacht – ohne das Internet würde ich wohl heute immer noch in die Region um Mittweida senden ohne zu wissen, wie es überhaupt bei anderen ankommt. Nicht nur von Freunden habe ich Rückmeldungen bekommen, sogar neue Leute habe ich kennen gelernt, die mir schon oft geholfen haben. Die müssen eigentlich keine Rücksicht nehmen, wenn sie mich kritisieren, sie können es einfach alles frei raus sagen. Das ist schön – hoch lebe das Internet für diesen hervorragenden Backchannel!

(mehr …)


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