Einträge mit dem Tag ‘Beate Zschäpe’


NSU-Prozess, sexualisierte Gewalt und Sport ohne Schönheitszwang- kurz verlinkt

27. Juli 2017 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 356 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Artikel

Im NSU Prozess werden derzeitig die Plädoyers vorgetragen. NSU Watch fasst diese kritisch zusammen. Auf Twitter begleiten sie die Plädoyers live. Außerdem lassen sich kritische Einordnungen der Plädoyers beim Bloge Nebenklage NSU-Prozess nachlesen.

Fitnessstudio nur, wenn du keinen Migrationshintergrund (?) hast? Ja, sagt ein Studio in Güstrow und will mit diesem Ausschlussverfahren die Nutzer_innen schützen. Hengameh Yaghoobifarah schreibt in der taz über diesen Fall von racial profiling, Terrorangst und verkürzten Vorstellungen, von wem Gefahr ausgeht.

Die Gruppe W*orte richtet einen Mailverteiler ein zur Vernetzung und zum Austausch von und für Menschen, die in ihrer Kindheit/ Jugend sexualisierte Gewalt erleben mussten/ dies vermuten. Auf ihrem Flyer (Flyer Vorderseite/ Flyer Rückseite) erklären sie genauer ihre Ziele.

Die Yogalehrerin Dörte Kuhn sagt im NDR: Für Sport, aber ohne Schönheitszwang!

Respektvoller Umgang und eine umfassende medizinische Betreuung darf nicht von der Anzahl der Kilos abhängen, sagt Magda im Gespräch mit Nhi von Jäger & Sammler.

Preisgeld für männliche Skater sind 1500 Euro, für die Frauen gibt es einen 150-Euro-Gutschein: Claudia Gerauer kommentiert bei puls Sexismus beim Actionsport, wo die Unterschiede in den Preisgeldern nur ein kleiner Teil eines großen Problems ist. (Der Artikel ist aber auch nicht unproblematisch, wenn er sehr simplifizierend davon spricht, dass Männer und Frauen (und nur diese gibt es dort) nun mal auch anatomisch unterschiedlich gebaut sind.)

Eine Sommerlektüre gesucht? Wir haben viele, viele Vorschläge in unserer feministischen Bibliothek gesammelt! Eher Lust auf einen Film oder eine Serie? Da haben wir auch ein paar Vorschläge in unserer feministischen Videothek.

Englischsprachige Artikel

Deliciously Disabled: Ein wunderbares Fotoprojekt mit Andrew Gurza, ein „queer, curved and crippled male model„.

Das #NoJusticeNoPride-Kollektiv schreibt bei Medium über den „Trans Military Ban„.

Termine in Berlin, Bremen, Gersdorf, Halle, Merseburg, Würzburg:

30. Juli in Berlin: What about dark skinned…? – Treffen für dark-skinned Frauen zum Austausch über Colourism. (FB-Link)

2. bis 9. August in Gersdorf: Das Wer lebt mit wem? Camp lädt zu Diskussionen und Austausch rund um verschiedenste Zusammenlebensformen.

23. August in Berlin: Anlässlich des Internationalen Tages zur Erinnerung an den Versklavungshandel und an seine Abschaffung wird nun schon zum vierten Mal die (noch immer ausstehende) Umbenennung der kolonialrassistischen M*straße (fb-Link) in Berlin gefeiert.

7. bis 25. August in Bremen: Im August finden gleichzeitig die 20. Informatica Feminale und 9. Ingenieurinnen-Sommeruni statt.

21. September in Merseburg: Veranstaltung mit Mithu Sanyal: „Rape revisited. Warum wir über sexualisierte Gewalt sprechen, wie wir darüber sprechen„. (FB-Link)

29. September in Halle: Tagung zu „Was ist das für 1 Männlichkeit? Männlichkeiten zwischen Selbst- und Fremdbildern„. Anmeldung bis zum 11. September möglich.

Zur Mitte der Woche versammeln wir hier regelmäßig Links zu wichtigen Analysen, Berichten und interessanten Veranstaltungen. Was habt ihr in der letzten Woche gelesen/ geschrieben? Welcher Text hätte mehr Aufmerksamkeit verdient? Und was für feministische Workshops, Lesungen oder Vorträge stehen in den nächsten Wochen an?


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Rechtsextreme Frauen: Analysen und Handlungsempfehlungen für Soziale Arbeit und Pädagogik

13. Dezember 2016 von Charlott
Dieser Text ist Teil 10 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

LehnertRadvan.indd Was sollte passieren, wenn eine Mutter, die in rechten Organisationen aktiv ist, sich im Kindergarten zur Elternsprecherin wählen lassen möchte? Wie damit umgehen, wenn eine Frau im Frauenhaus Unterstützung aufgrund von Gewalt in ihrer Beziehung sucht und dann Flyer zu rechten Veranstaltungen auslegt? Oder wie reagieren, wenn sich die Kollegin in der Hilfseinrichtung oder Student_innen der Sozialen Arbeit als der extremen Rechten zugewandt herausstellen? Diesen und weiteren Fragen wenden sich Esther Lehnert, Professorin für Geschichte, Theorie und Praxis Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Rechtsextremismus, und Heike Radvan, Leitern der Fachstelle „Gender und Rechtsextremismus“ der Amadeu Antonio Stiftung, in dem am 07. November erschienen Buch Rechtsextreme Frauen – Analysen und Handlungsempfehlungen für Soziale Arbeit und Pädagogik zu.

Auf gerade einmal 138 Seiten versuchen Lehnert und Radvan das Phänomen extrem rechte Frauen und Soziale Arbeit/ Pädagogik aus möglichst vielen Winkeln kritisch zu analysieren und Vorschläge für die Praxis zu unterbreiten. Als Rahmen für ihr Vorhaben, betten sie Soziale Arbeit/ Fürsorge kritisch historisch ein und zeigen auf, wie diese Arbeitsfelder verbunden sind mit der Herstellung von Differenz und wie sie beispielsweise während des Nationalsozialismus elementarer Teil der Durchsetzung und Erarbeitung rechter Ideologie waren (mit biographischen Beispielen zeigen sie zu dem Kontinuitäten bis weit nach 1945). Diese politische Einordnung zeigen sie als konträr stehend zu einer oft entpolitisierten Wahrnehmung Sozialer Arbeit – die auch in ihrer weiblich gegenderten Zuschreibung fußt. Gerade diese Wahrnehmung ist es auch nach Lehnert und Radvan, die dazu führt dass Sozialarbeiter_innen als rechte Täter_innen aus dem Blick geraten, oder dass in bestimmten Arbeitsfelder das Intervenieren bei rechten Haltungen von Personen, die auf sozialarbeiterische/ (sozial)pädagogischen Angebote zurückgreifen, als außerhalb der Zuständigkeit definiert wird. Dazu kommt, dass rechte Frauen sowieso häufig als wenig politisch kategorisiert werden.

In diesem Buch wird detailliert aufgeschlüsselt, wie Geschlecht und politische Wahrnehmung gekoppelt sind. Gezeigt wird dies auch am Beispiel von Beate Zschäpe, die bereits als Jugendliche regelmäßig Kontakt mit Sozialarbeiter_innen hatte, aber obwohl sie Gewalttaten verübte von diesen als „nettes Mädchen“ beschrieben wurde und als eine, die nur an den „Jungs der Szene“ interessiert gewesen sei. Lehnert und Radvan betonen, dass viele Frauen der extremen Rechten sich die entpolitisierte Wahrnehmung zu Nutze machen und strategisch einsetzen um Zugang zu/ Einfluss auf Gruppen zu gewinnen. Anhand von Fallbeispielen aus der langjährigen Beratungsarbeit der Autorinnen zeigen sie wie in verschiedenen Arbeitsfeldern (frühkindliche Pädagogik, Jugendarbeit, familienunterstützende Hilfen, Schutz vor häuslicher Gewalt, Pflege und Hochschulen) Frauen der extremen Rechten auftreten können (mal als Personen, die die Maßnahmen beanspruchen, mal als jene, die sie durchführen). Sie beschreiben und analysieren diese Situationen nicht nur, sondern entwickeln auch jeweils Handlungsvorschläge. Im Zentrum dieser steht, dass sich Soziale Arbeit/ Pädagogik als politisch engagiert verstehen muss und die Unterstützung von von Diskriminierung und Gewalt negativ betroffener Personen zentral sein muss.

Sehr gelungen machen die Autorinnen durchgehend deutlich, dass Handlungen der extremen Rechten nicht losgelöst gesehen werden können von breiteren rassistischen, ableististen, sexisistischen etc. Strukturen und Diskursen. Genau dieser Gedanke ist auch häufig Ansatzpunkt für Strategien – so fordern sie nicht nur dazu auf, rassistische Formulierungen niemals einfach stehen zu lassen, sondern warnen auch, dass Maßnahmen, die auf binären, biologistischen Geschlechtervorstellungen fußen, wichtige Ideologiepfeiler nicht hinterfragen und damit nicht langfristig wirksam sein können. Auch wird in dem Buch deutlich, dass Frauen der extremen Rechten als direkte und indirekte Empfänger_innen von sozialarbeiterischen Maßnahmen, als Sozialarbeiterinnen und als Studentinnen der Sozialen Arbeit auftreten und all diese Verknüpfungen gleichzeitig im Blick behalten werden sollten. Dies scheint wiederum nur möglich mit einer durchgehend kritisch-reflektierenden Auseinandersetzung mit Ideen der Fürsorge und Sozialen Arbeit, wie sie in dem Buch vorgeführt wird.

Durch die Vielzahl an Informationen und unterschiedlichen Herangehensweisen, gibt es in dem Buch einige Stellen, die sehr dicht sind, andererseits sind thematische Übergänge manchmal ein wenig abrupt und einige Gedanken werden etwas häufig wiederholt. Nichtsdestotrotz ist dies ein wichtiges und zugängliches Buch, welches nicht nur Personen, die direkt im sozial/pädagogischen Bereich tätig sind, Denkanstöße liefern kann.


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Förderung für Frauenprojekte, Strafanzeige gegen LaGeSo, Ava-DuVernay-Barbie – kurz verlinkt

10. Dezember 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 305 von 365 der Serie Kurz notiert

Deutschsprachige Beiträge

Die Förderungen zahlreicher Arbeitsmarkt-, Integrations- und Frauenprojekte laufen zum 31. Dezember 2015 aus. Darunter befinden sich auch alle Berliner Frauen-Existenzgründungsprojekte. Eine Petition der Gründerinnenzentrale richtet sich an die Berliner Senatorin Kolat mit der Bitte, dass sich der Senat damit befasst. Update von der Petitionsseite: „Wir haben gerade die Nachricht aus der Senatsverwaltung erhalten, dass eine Intermislösung gefunden ist. Ab 01.01.2016 geht es weiter. Vielen Dank für die Unterstützung!“

Die Stiftung „filia“ unterstützt Projekte, die Mädchen stark machen, mit bis zu 5.000€. Der Inhalt des Projekts muss etwas damit zu tun haben, dass Mädchen und Frauen frei von Gewalt leben können und dass sie in der Gesellschaft mitentscheiden. Die Projekte werden von Mädchen und/oder Frauen für Mädchen und junge Frauen gemacht. Bis zum 1. März 2016 nimmt filias Mädchenbeirat Anträge mit Ideen und Plänen für Projekte an.

„Du wünschst dir manchmal eine Superheldin? Eine, die Gewalt gegen Frauen verhindert? Du bist die Superheldin!“ Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (BFF) stellt seine Arbeit vor.

Die re:publica veröffentlicht wieder ein Call for Papers. Das diesjährige Motto ist TEN, da 2016 das 10. Jubiläum der re:publica gefeiert wird.

Mehr als vierzig Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte haben am Montag bei der Berliner Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Körperverletzung und Nötigung im Amt gegen Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin, und Franz Allert, Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin (LAGeSo) sowie weitere Verantwortliche eingereicht.

„Mit ihrer Erklärung versucht Frau Zschäpe sich aus der Verantwortung zu ziehen. Dieser Aussage glaube ich kein Wort. Meine von vornherein geringen Hoffnungen, dass mit dieser Erklärung endlich die genauen Umstände des Mordes an meinem Vater aufgeklärt werden, sind enttäuscht.“ – so die Nebenklägerin Gamze Kubasik über die medial groß angekündigte Aussage Beate Zschäpes im NSU-Prozess.

Englischsprachige Beiträge

Der Dozent Steve Locke berichtet von seiner jüngsten Erfahrung mit polizeilichem racial profiling in den USA: „I fit the description…“

Hoffenlich gibt es noch irgendwo eine heimliches Zusatzlager, denn die Ava DuVernay-Barbie, deren Erlös politischen Projekten zugute kommt, war am Montag innerhalb von Minuten ausverkauft…

[Inhaltshinweis: Rape Culture] „If Daniel Holtzclaw’s Victims Were White, Everyone Would Know His Name“: Bei The Root kommentiert Kirsten West Savali die Misogynoir, die das Gerichtsverfahren gegen Daniel Holtzclaw umgibt.

Termine in Berlin, Halle, Linz, Wien

Am 10.12. in Halle/Saale, 19:00 im Audimax: Was hat Präimplantationsdiagnostik mit Eugenik zu tun? Wie kam es in Deutschland zur Legalisierung dieses Diagnoseverfahrens? Und was sagt uns das alles über den aktuellen Stand der feministischen Kämpfe um reproduktive Rechte? Zu diesen und weiteren Fragen spricht die Politikwissenschaftlerin Dr. Susanne Schultz.

Am 12.12. und 13.12. in Berlin, Werkstatt der Kulturen: Dekolonisiert euch! Workshops und Performances zur Selbstreflexion und für kreatives Empowerment.

Am 16.12.in Berlin, Migrationsrat Berlin-Brandenburg, Oranienstr. 34: LGBT*I*Q Perspectives in Self-organised Resistance of Refugees in Berlin and Germany

Am 19. Januar in Linz, AK OÖ, 20.00 Uhr: Uraufführung des Stücks „Geheimsache Rosa Luxemburg.“ Die Wien-Premiere findet am 17. Februar im Theater Akzent statt. In der Bar&CO des Theaters Drachengasse ist das Stück von 29. Februar bis 5. März als Spielserie zu sehen.


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Ein deutsches Drama

22. Mai 2015 von accalmie

Zehn Menschen hat der selbsternannte „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) ermordet. Beim NSU-Bombenanschlag in Köln wurden 2004 mehr als zwanzig Menschen zum Teil schwer verletzt. Der NSU war nicht nur das „Trio“ Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, sondern (wurde unterstützt durch) ein Netzwerk (extrem) rechter Organisationen und Personen in der gesamten Bundesrepublik. Sowohl Ver­fas­sungs­schutz als auch Po­li­zei ver­schlei­ern nach wie vor ihre da­ma­li­gen Ver­bin­dungen zu und Wis­sens­stän­de vom NSU – Akten­schredder und systema­tische Ge­dächt­nislü­cken sei Dank. Der Prozess gegen Beate Zschäpe ist nicht ab­ge­schlos­sen. Prozess-/Untersuchungsausschuss-Zeug_innen ha­ben ei­ne ge­häuft ver­kürz­te Le­bens­er­war­tung. All das ist so un­fas­sbar wie es fass­bar ist in die­sem Land; all das er­klärt die Not­wendig­keit be­sonderer medialer Sorg­falt, von Re­flek­tion, von Ge­denken.

Nicht für das erste deutsche Fernsehen, denn das meinte seine letztjährige Ankündigung tatsächlich Ernst. Die ARD initiierte einen Fernsehfilm-Dreiteiler über den NSU – die Dreharbeiten sind bereits im Gange, wie die Berliner Zeitung berichtet:

Anna Maria Mühe (29) ist für die ARD in die Rolle der Rechtsextremistin Beate Zschäpe geschlüpft. Eine Sprecherin der Münchner Programmdirektion bestätigte am Donnerstag einen Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach die Dreharbeiten für einen ARD-Dreiteiler mit Mühe in der Hauptrolle über die Terrorzelle NSU bereits im Gange seien. Die Ausstrahlung ist für 2016 vorgesehen. Die Rollen der beiden toten Rechtsextremisten Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben Albrecht Schuch (29) und Sebastian Urzendowsky (29) übernommen.

Nochmal langsam: Man kann sich auf einen weiteren „Untergang“ freuen (und in der Tat ist auch noch ein Spielfilm in der Mache). Die ARD dramatisiert neonazistische Morde für das Sonntagabendkino der teutschen „Volks“-Seele. Vermutlich statt Tatort, vor Jauch (wo dann eine weiße männliche Innenminister-Runde darüber reden wird, wie man das alles nicht hätte wissen können, wie vereinzelt und isoliert „Rechtsextremismus“ sei, und dass man auch „Linksextremismus“ im Blick haben müsse, weil Autos.). Man muss ja auch mal die menschliche Seite extrem rechten Terrorismus‘ sehen, die Jugend, die Rebellion, die Suche nach („Volks“-)Gemeinschaft, die road trips. Vielleicht können sich Zuschauer_innen auch sicher wähnen, so nicht zu sein, sondern nur durch­schnitts­ras­sis­tisch.

Es scheint sich um ein Projekt aus und zur Täter_innenperspektive zu handeln – die Namen der eventuellen Darsteller_innen von NSU-Opfern werden erst gar nicht erwähnt. Ihnen und ihren Angehörigen wird die gleiche Individualität offenbar nicht zugestanden. Sie bleiben hier eine nicht näher benannte, entmenschlichte „Masse“, während wir die Menschen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos kennenlernen sollen, statt eine Dokumentation über jene, die politischen Dimensionen, die Untätigkeit deutscher Behörden, die Hintergründe des NSU und der (extrem) rechten Szene in diesem Land oder gar eine Würdigung der Leben der vom NSU Ermordeten zu sehen.

Die Widerlichkeit des ganzen ist schwer zu überbieten – dabei traut man Öffentlich-Rechtlichen nach diversen Blackface-Intermezzos ja schon Einiges zu. Die NSU-Morde, die Unfähigkeit über bewusste Ignoranz bis Unterstützung deutscher Behörden, den politischen Unwille zur Aufklärung oder gar Thematisierung der Menschenfeindlichkeit sowohl (extrem) Rechter und ihrer Anschlussfähigkeit, gar direkten Verbindungen zur „Mitte“ nun aber zum  Krimi-Dreiteiler zu verarbeiten, war schon jenseits des „teutschen Unterhaltungs“-Erdenklichen (in den Grenzen von…).

Die ARD freut sich sicherlich über Feedback: Melden kann man sich über das Kontaktformular, diese Kontaktadressen oder auf Twitter bei @DasErste.


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Bereute Mutterschaft, beredeter Widerstand und beeindruckende Schlagzeugerinnen – kurz verlinkt

9. April 2015 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 277 von 365 der Serie Kurz notiert

deutschsprachige Links

Radio-Feature mit drei Aktivistinnen zum Anhören: Riots not Diets? Fettaktivismus zwischen Intervention und Schutzraum.

Frauen, die ihren beruflichen Werdegang wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen unterbrochen haben, sich neu orientieren oder auf einen Wiedereinstieg vorbereiten möchten, können im Rahmen des Berliner Projekts „Medienkompetenz und Work-Life Balance – Wiedereinstieg für Frauen“ an einem Einzel-Coaching teilnehmen.

„„So genau wollten wir das gar nicht wissen“ – Geschlecht, Schuld und Abwehr in der Berichterstattung über Beate Zschäpe“ untersucht Charlie Kaufhold beim Feministischen Institut Hamburg.

Nicht jede Mutter ist glücklich mit ihrer Rolle und manche würden – wenn sie denn die Zeit zurückdrehen könnten – sich gegen Mutterschaft entscheiden, doch darüber sprechen ist gesellschaftlich nicht akzeptiert. Die Süddeutsche Zeitung berichtet über ein Studie der Soziologin Orna Donath.

dieStandard porträtiert Irma Schwager, eine Wiener Kommunistin, die als Teil der französischen Widerstandsbewegung Wehrmachtsoldaten durch Gespräche und Flugblätter von der Falschheit des Krieges zu überzeugen versuchte und damit ihr Leben auf das Spiel setzte.

englischsprachige Links

Charles Onyango-Obbo kommentiert in der New York Times al-Shabaabs Terrorangriff auf die Garissa-Universität in Kenya, bei der 148 Menschen getötet wurden. Bei Twitter erinnern unter dem Hashtag #147NotJustANumber (bezugnehmend auf die zuerst veröffentlichte Anzahl Ermordeter) Familien, Freund_innen und Kommiliton_innen an die Opfer.

„I’m thinking about the fat people who were able to show love to themselves and in turn, show me how to love myself“: queering the game of life plädiert für dicke_fettes, queeres Self-Empowerment und Sichtbarkeit als Protestzeichen gegen öffentlich zelebrierte Dickenfeindlichkeit.

Purvi Patel wurde nach einer Fehlgeburt zu insgesamt 41 Jahren Haftstrafe wegen Fetizids und Kindesmisshandlung verurteilt. Bei RH Reality Check findet ihr Hintergründe zu diesem Fall und könnt eine Protestpetition unterschreiben.

Bei TheToast trägt Cate Burlington Dinge zusammen, die Kollegen (in ihrem Tech Umfeld) zu ihr sagten, und kommentiert diese. Die Sprüche sind wie zu erwarten eine Ansammlung hetero_sexistischer Klischees, aber Burlingtons Anmerkungen sind so pefekt, dass man sie sofort gern zur neuen besten Freundin hätte.

Magda fragte hier bei der Mädchenmannschaft einmal „Wie viele Schlagzeugerinnen kennst du?„, für alle, die da immer noch lange überlegen müssen, gibt es nun den richtigen Artikel bei Grimy Goods: „The 20 Best Female Drummers — by all means, badass„.

Qualifizierst du dich für den „Fat Bitches Club„? Dances With Fat hat eine Liste erstellt.

französischsprachige Links

Am 8. März wurden in Peking neun feministische und LGBT-Aktivist_innen festgenommen, weil sie bei einer Aktion auf sexualisierte Übergriffe aufmerksam machen wollten. Fünf sind immer noch im Gefängnis, berichtet Yagg.

Termine in Berlin

10.-12. April, Berlin: Specs On – International Feminist Art Music Festival.

18. April, Berlin: Pempamsie: Ein Workshop für Schwarze Mütter mit Sharon Dodua Otoo (mit Anmeldung).


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Rechtsextreme Frauen in der medialen Berichterstattung – Eine Diskussionsveranstaltung

10. November 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 9 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

Übermorgen, am 12. November, werden in München ab 19 Uhr die Soziologinnen Jasmin Siri und Heike Radvan von der Amadeu Antonio Stiftung und die Soziologin Nergis Denli zu „Übersehen und unterschätzt: Rechtsextreme Frauen in der medialen Berichterstattung“ diskutieren. Die Veranstaltung findet in der Galerie Kullukc statt und wird vom BayernForum der Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert. In der Einladung heißt es:

Meist wird Rechtsextremismus in der Öffentlichkeit mit gewaltbereiten Männern gleichgesetzt. Rechtsextremen und gewaltbereiten Frauen wird dagegen kaum Beachtung geschenkt. Frauen, die sich in der neonazistischen Szene engagieren, werden häufig mit ihren rechtsextremen Positionen und den entsprechenden Motiven ihres Handelns übersehen.

Beate Zschäpe ist hierfür ein aktuelles Beispiel. In der medialen Berichterstattung unmittelbar nach Bekanntwerden der Taten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) wurde häufig davon ausgegangen, dass Zschäpe lediglich „die Freundin von“ einem der männlichen Gruppenmitglieder gewesen sei.

Wir diskutieren: Welche Rolle spielen stereotype Rollenbilder in der Gesellschaft, die dafür Sorge tragen, dass Verfassungsschutz, Polizei oder Jugendsozialarbeit rechtsextreme Täterinnen unterschätzen und übersehen? Und wie wirken sich diese auf die mediale Berichterstattung aus? Wird in der Türkei anders über rechtsextreme Frauen berichtet als in Deutschland?

Anmeldung per Email an bayernforum(at)fes.de.

Zum Weiterlesen:


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„Rechtsextreme Frauen – übersehen und unterschätzt“ – Eine Broschüre

21. Juli 2014 von Charlott
Dieser Text ist Teil 6 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

13011_orgImmer noch läuft der sogenannte NSU-Prozess u.a. gegen Beate Zschäppe, wobei diese in der letzten Woche ihren AnwätInnen das Vertrauen entzogen hat. Wie sich das Verfahren weiterentwickelt ist somit gerade noch schwerer abschätzbar. Fest steht aber, dass Zschäpe und Helferinnen in den vielen Jahren der Aktivitäten des NSU auch deswegen nicht aufflogen, weil die Ermittler_innen rechtsextreme Frauen unterschätzen.

Anfang Mai hat die Fachstelle für Gender und Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung die Broschüre „Rechtsextreme Frauen – übersehen und unterschätzt. Analysen und Handlungsempfehlungen“ veröffentlicht, die sich mit diesem Phänomen und den Folgen auseinandersetzt. Die Publikation ist das Ergebnis eines einjährigen Projekts und fasst auf etwas mehr als sechzig Seite wichtige Erkenntnisse zusammen.

In einem ersten Kapitel gehen Heike Radvan und Henrike Voigtländer der Frage nach, wie (rechtsextreme) Frauen wahrgenommen werden. So analysieren sie eingangs, woher das Bild der „friedfertigen“ Frau stammt und zeigen dabei auch auf, wie Forschung zur Schaffung dieses Stereotypes beigetragen hat. Weiterhin erklären sie, wie in der geschichtswissenschaftlichen Untersuchung der NS-Zeit Frauen häufig als »unbeteiligte Zeitgenossinnen« oder Opfer konstruiert bzw. ausgeblendet wurden. Diese Mechanismen galten dann auch für rechtsextreme Frauen nach 1945, wie Radvan und Voigtländer deutlich machen. Das zweite Kapitel von Heike Radvan und Naemi Eifler schließt in der Chronologie dann an und betrachtet genauer „Frauen in Gruppierungen der extremen Rechten nach 1989“. Dabei zeigen die Autorinnen, wie rechtsextreme Frauen sich im „sozialen Bereich“ engagieren, als Kaderfrauen aktiv sind oder sich in autonomen Gruppen einbringen. Nach diesen beiden großen Überblickskapiteln widmet sich Ulrich Overdieck den „Rechtsterroristinnen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“. Dabei blickt er zum einen in die 1980er auf die »Deutschen Aktionsgruppen« (DA), der »Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands« (VSBD) und der »Wehrsportgruppe Hoffmann« (WSG Hoffmann), sowie in die aktuellere Zeit mit der »Schutzgruppe« der »Kameradschaft Süd« aus München.

Im Anschluss widmen sich die Autor_innen noch einmal konkreten Fallbeispielen, zum ersten der „Fallgeschichte 1: Beate Zschäpe“ und dann der „Fallgeschichte 2: Nadja Drygalla Der Umgang mit Rechtsextremismus in Sportvereinen“. Dabei wird immer wieder deutlich wie stereotype Bilder dazu führen, dass Frauen entlastet oder erst gar nicht groß betrachtet werden. Abschließend werden dann „Defizite im Umgang mit Aussteigerinnen aus der rechtsextremen Szene“ aufgezeigt und Handlungsempfehlungen für Justiz, Zivilgesellschaft und Medien ausgesprochen.

Mehr zu diesen Themen inklusive weiterführender Literaturhinweise gibt es auch in unserer eigenen Artikelreihe „Gender und Rechtsextremismus„.


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Die Rollen autonom organisierter rechter Frauen (2)

10. Juni 2013 von accalmie
Dieser Text ist Teil 5 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

[Dieser Text ist der zweite Teil zu autonom organisierten, extrem rechten Frauen. Den ersten findet Ihr hier.]

Oft kommt die Frage auf, ob rechte Aktivist­innen das „Image“ der Rechten nicht auf­polierten, angesichts dessen, dass viele Menschen zwar („männlich“ konnotierte) physische Gewalt ablehnten, aber immer wieder fest­gestellt werden kann, wie (gesamt­-)gesell­schaftlich verankert und eben kein Randphänomen gruppen­be­zogene Men­schen­feind­lich­keit ist, und somit anschlussfähig für extrem rechte Positionen. Auch die Frage, ob der Akti­vismus extrem rechter Frauen (eventuell un­freiwillig) ein Zeichen einer „Frauen­emanzi­pation von rechts“ sein könne, wurde in den letzten Jahren vermehrt gestellt.

Auch wenn es extrem rechten Frauen­gruppen grund­sätzlich und nahe­zu aus­schließ­lich um die Propa­gierung extrem rechter Ideo­logie geht, wird sowohl in der GDF als auch in anderen auto­nomen Frauen­gruppen die Frage nach einer „Auf­wertung“ der (als deutsch definierten) Frau und ihrer Rolle in einer imaginierten/propa­gierten „Volks­ge­mein­schaft“ immer wieder thematisiert. Aus­gehend von der bio­logisti­schen und he­tero­sexisti­schen An­nahme, dass „Mann und Frau […] eine sich er­gän­zende Ein­heit“ seien – so schrieb die GDF noch vor drei Jahren unter dem Ressort „Frauentum“ -, vertritt z.B. die GDF ein dichotomes Geschlechterbild: Männer und Frauen besäßen angeborene, spezifische Charaktereigenschaften und Verhaltensmerkmale, die komplementär seien und aufgrund einer „genetischen Veranlagung“ sich „immer wieder durchsetzen“ würden. Das sei „auch gut so,“ denn „diese elementaren Eigenschaften“ dienten „dem Gesetz der Natur- nämlich dem Zusammenleben und Fortbestehen der Art.“

Die GDF bleibt somit nationalsozialistischer Ideologie treu und sieht den „Wert der Frau“ in „der Fähigkeit der Reproduktion“ begründet, den sie als den „weiblichen Beitrag zur Erhaltung des Volks“ versteht. Gleichberechtigung, Emanzipation, Feminismus – für die Mehrzahl rechter Frauengruppen sind das „marxistische“ Konzepte, die die „Verwirklichung als Frau und Mutter, die höchstes Glück bringt“ zunichte machten. Der „Mädelring Thüringen“ meint in Gleichberechtigungskämpfen gar einen „absichtlich heraufbeschworenen Geschlechterkonflikt“ zu erkennen, aus dem „so genannte Emanzen“ hervorgingen, „welche sich durch kranke Wert­vor­stellungen“ einer „Multi­kulti­ge­sell­schaft“ nähr­ten. Es ist auch kein Zufall, sondern knüpft bereits rhetorisch an die geschlechterbild-reaktionäre, nationalsozialistische Ideologie des „Bund Deutscher Mädel“ an, dass eine große Anzahl extrem rechter Frauengruppen das Wort „Mädel“ in ihrem Namen trägt (und gewisse Traditionen wie „Heimatkunde“ fortgeführt werden, z.B. in der GDF). (mehr …)


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Die Rollen autonom organisierter rechter Frauen (1)

3. Juni 2013 von accalmie
Dieser Text ist Teil 4 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

[Dies ist der erste von zwei Teilen eines Beitrags zu autonom organisierten, extrem rechten Frauen. Unter „autonom organisiert“ werden hier Personen und Gruppen verstanden, die unabhängig von Parteistrukturen/-institutionen aktiv und organisiert/vernetzt sind. Nähe zu oder (indirekte) Unterstützung durch die NPD (PDF) bestand/besteht dennoch bei einigen „autonomen“ rechten Organisationen.]

„Ich bin nicht nur ein Anhängsel meines Freundes, sondern […] eine Kämpferin für Deutschland“ – so ließ sich vor elf Jahren ein Mitglied der „Mädelschar Deutschland“ zitieren, als Beate Zschäpe mit dem NSU bereits mordend durch die Republik zog.

Wie Charlott gezeigt hat, schließen sich Frau*sein und Rechtsextremismus (PDF; siehe auch die in Charlotts Beitrag verlinkte kritische Definition) nicht nur nicht aus, sondern zu „Geschlecht“  gibt es zum einen ausgeprägte Rollenvorstellungen in rechten Gruppierungen, zum anderen dient „Geschlecht“ als strategisches Mittel zum (Propaganda-)Zweck und führt somit auch zu Widersprüchen zwischen einer reaktionären Geschlechterideologie und gleichzeitigem Aktivismus rechter Frauen. Während die NPD einen Frauenanteil von etwa 27 Prozent hat und trotz eigener Frauenorganisation, dem 2006 gegründeten „Ring Nationaler Frauen“ (RNF, momentan unter dem Vorsitz der Diplom-Schauspielerin Ingrid Schüßler), männlich* dominiert bleibt, sind autonome Gruppen extrem rechter Frauen (oder mit substanzieller Mitwirkung jener) keine Neuerscheinung.

Wurden in den 1980er Jahren extrem rechte Frauengruppen noch meist als Rekrutierungs- und Propagandamittel von Männern gegründet (z.B. die „Deutsche Frauenfront“ und die Frauenschaft der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei„, die beide Mitte der 1990er Jahre aufgelöst bzw. verboten wurden), begannen autonome rechtsextreme Aktivistinnen in den 1990er Jahren sich selbst zu organisieren. Bemerkenswert hierbei ist sowohl der quantitative Anstieg politisch aktiver Rechtsextremistinnen als auch die qualitative Neuerung innerhalb jenes Aktivismus, eigene Gruppen zu gründen und deren Interessen nach außen zu Vertreten.

antifa

Quelle: SamChills.

Wie zum Bei­spiel Kir­sten Döhr­ing und Re­na­te Feld­mann beschrieben, war der zwi­schen 1990 und 1991 ge­grün­de­te Skin­girl Freun­des­kreis Deutsch­land (SFD) die er­ste ei­gen­stän­di­ge Rechts­ex­tremist­innen­gruppe, die bun­des­weit or­ga­ni­siert war. Ziel des SFD wa­ren je­doch kei­ne ei­genen „Aktio­nen;“ im Mittel­punkt stand der An­spruch, extrem rechte Frauen noch stär­ker zu po­li­ti­sieren und ihnen Zu­sammen­halt zu bieten. Zu die­sem Zweck fan­den so­genannte „ge­mein­schafts­för­dern­de“ Treffen statt, und im SFD-Mit­tei­lungs­blatt „Wal­küre“ wur­den Tex­te zu deutschem Brauch­tum, „Ger­ma­nen­tum“, Ge­schichts­re­vi­sionisti­sches und „Mutter und Kind“ ver­öffent­licht. Wo­durch der SFD sich daher auszeichnete, war sein besonderer Grad der Vernetzung: es fanden kontinuierliche Treffen und „Schulungen“ statt, Rundbriefe wurden verschickt und der SFD unterhielt internationale Kontakte. 2000 löste sich die Gruppe aufgrund eines drohenden Verbots selbst auf; die Spaltung des SFD führte jedoch zur Neu-/Anschlussgründung anderer (extrem) rechter Frauenorganisationen. (mehr …)


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Warum rechte Frauen weniger wahrgenommen werden

27. Mai 2013 von Charlott
Dieser Text ist Teil 2 von 10 der Serie Gender und Rechts(extremismus)

Zum Beginn dieser Reihe in der letzten Woche warf ich eine Reihe von Fragen auf. Einigen will ich heute etwas näher auf den Grund gehen: Welche Bedeutung haben eigentlich Frauen in rechten Netzwerken? Wie bringen sie sich ein? Und aus welchen Gründen werden sie oftmals übersehen, werden ihre Taten kleingeredet?

Dass rechte Frauen oftmals nicht – oder viel zu wenig – wahrgenommen werden, ist keine neue Erkenntnis. So stand in der Ausgabe März/April 1995 des Antifaschistischen Infoblatts:

Entgegen der These, daß Faschofrauen nur wegen ihrer >>Macker<< rechts sind, versuchen wir die Arbeit von Drahtzieherinnen und Kaderfrauen zu dokumentieren. Wir versuchen herauszufinden, welche Positionen Frauen innerhalb der Rechten anhand der ihnen definierten Rolle übernehmen (Einsatz im Bereich Anti-Antifa, als Kundschafterinnen bei Antifa-Demos, als Flugblattverteilerin, in sozialen Bereichen z.B. in Tarnvereinen für Eltern drogenabhängiger Kinder) bzw. welche sie übernehmen, weil sie es wollen und dafür kämpfen.

Schon allein anhand dieser Aufzählung kann erahnt werden, dass es nicht wenige rechte Frauen gibt, die auf unterschiedlichste Art und Weise in rechte Netzwerke eingebunden sind, diese mitragen und auch gestalten. Es liegt also nicht daran, dass es nur wenige aktive Frauen gibt, dass sie nicht_wenig wahrgenommen werden. Grund für den verstellten Blick sind sexistische Gesellschaftsstrukturen.

„Die Freundin von…“

Bereits im Antifa-Blatt wird als erstes die These genannt, dass Frauen als die Anhängsel ihrer „Macker“ gesehen werden. Und bis heute werden Frauen häufig lediglich als „Freundin/Frau von…“ beschrieben und wahrgenommen. Es ist nur vorstellbar, dass Frauen in der Szene sind, weil sie Beziehungen zu rechten Männern führen. Sie werden kaum als eigenständige Akteurinnen gesehen und somit ihre Tätigkeiten zum Erhalt und Ausbau der extremen Rechten unsichtbar gemacht. Die Bezeichnung von Beate Zschäpe als „Nazibraut“ ist da eines der aktuellsten, aber bei weiten nicht das einzige Beispiele. Mit diesem Label versehen werden natürlich auch Taten anders bewertet oder einige überhaupt nicht betrachtet.

(mehr …)


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