Blogs können schützen, gleichzeitig leben Blogger_innen gefährlich. Diese Ambivalenz zeigt sich gerade in Syrien. Dort ist gestern Amina Arraf verschwunden, die das Blog A Gay Girl in Damascus betreibt. Sie hatte in der letzten Zeit von dem sich zuspitzenden Kampf berichtet – inklusive der Auflistung an Sicherheitsmaßnahmen, die sie inzwischen vor dem Freitagsgebet in der Moschee mit ihrem Vater durchführte.
So schrieben sich die beiden gegenseitig ihre Namen auf den Rücken, um identifiziert werden zu können, sollten sie getötet werden. Auch für den Fall, dass sie gefangen genommen und gefoltertet würde, hatte sich Amina Maßnahmen überlegt.
Aus der abstrakten Gefahr ist nun Wirklichkeit geworden. Auf dem Weg zu einem Treffen wurde Amina von drei jungen Männern mit Waffengewalt entführt, wie ihre Cousine nun auf dem Blog postete. Sollte Amina etwas zugestoßen sein, wird sie weitere, von ihr vorbereitete Beiträge posten. Bisher hat ihre Familie aber noch Hoffnung, dass sie „nur“ im Gefängnis gelandet ist.
Über Facebook und Twitter verbreitete die Nachricht sich gleich in Windeseile und erreichte innerhalb kurzer Zeit auch bekannte Medien. So sammelt inzwischen die Facebookseite Free Amina Arraf die internationalen Berichte. Ob sich das syrische Regime davon beeindrucken lässt, ist natürlich fraglich. Unliebsame Stimmen unter den Teppich zu kehren und dann unbehelligt davon zu kommen, ist aber auf jeden Fall deutlich schwieriger geworden.

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