Eigentlich sollte heute ein Länderspiel der Frauen-Nationalmannschaft des DFB stattfinden. Gegen Schweden, in Dresden. Das Spiel wurde abgesagt, wegen „Aschewolke“. Ein anderer Gegner mit Anreise auf Schienen war auf die Schnelle nicht aufzutreiben. Höhere Gewalt – dazu gehören auch gefrorene Fußballplätze ohne Rasenheizung – ist ein Faktor, der den Frauenfußball hierzulande einschränkt, ein anderer sind die trotz Hype um die WM 2011 noch immer vorhandenen Vorurteile und Ressentiments.
Wie wenig Bewusstsein es für Sexismus im Fußball gibt, zeigt sich nicht bei großen Presseterminen, sondern eher im Kleinen. Zum Beispiel vor einigen Monaten in der ARD-Sportschau: dritte Liga, Männerfußball, Wacker Burghausen verliert zu Hause 1:6 gegen Heidenheim. Enttäuschende Leistung, katastrophales Ergebnis. Was sagt der Trainer Jürgen Press? In der zweiten Halbzeit hätte er „eine Mädchenmannschaft“ (!) auf dem Platz gesehen, nicht Burghausen. Wie Mädchen spielen, das heißt eben schlecht spielen, nicht genug Einsatz zeigen. Kommentiert das der Moderator? Nö. Warum auch, verstehen ja alle. Die dpa schreibt es in ihre Meldung, und der kicker hat seine Überschrift gefunden. Protest kam vom Blog Womensoccer.
Auf der Suche nach geeigneten Vergleichsworten, um eine wirklich schlechte Mannschaftsleistung adäquat zu beschreiben, war auch Sascha Kirschstein, Torwart von Zweitligist Rot-Weiss Ahlen. Nach einer Niederlage Anfang diesen Jahres (@football nerds: sorry, das genaue Datum ließ sich nicht mehr klären, und der Link zum O-Ton ist nicht mehr online) stellte er aufgebracht fest: „Wir haben gespielt wie … wie Muschis.“ Klar, gemeint waren Katzen, die können ja nicht kicken.
Ach und Überschriften, die sind nicht nur dem Kicker wichtig. Aus einem langen Interview mit Steffi Jones, Leiterin des WM-Organisationskomitees, und der Marketingverantwortlichen, Doris Fitschen, greift das Handelsblatt zielsicher die wirklich zentrale Botschaft heraus.
Edit: Das Handelsblatt ist zur Besinnung gekommen und hat erkannt, dass „Fußball ist kein Machosport“ ein besserer Titel ist als „Nacktfotos sind nicht vorgesehen“. Danke, Anna!

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