Immer wieder toll zu sehen, wie sich die Herren der Schöpfung zur weiblichen Berufsrealität äußern. Vergangene Woche war es Weltwoche-Chefredakteur Roger Köppel, der bei mir morgens schon den ersten Kotzreiz auslöste und nun tönt es ähnlich absurd aus der britischen Kaufhauslandschaft.
Dem Observer erzählte Marks & Spencer-Geschäftsführer Sir Stuart Rose, Frauen hätten es total gut im Job und absolut faire Bedingungen.
„Girls today have never had it so good, right?“ said Rose. „Apart from the fact that you’ve got more equality than you ever can deal with, the fact of the matter is that you’ve got real democracy and there really are no glass ceilings, despite the fact that some of you moan about it all the time.“
Gut, dass der Observer da einige Zahlen entgegen setzen kann:
The Fawcett Society, which campaigns for gender equality, says that women make up just 9% of directors of the UK’s top 100 companies, 19% of MPs in parliament, 7% of senior police officers, 23% of civil service top management, 9% of editors of national newspapers and 18% of trade union general secretaries or equivalent.
Und Frauen um die 30 verdienen sieben Prozent weniger als Männer, Frauen um die 40 sogar 20 Prozent.
Aber Sir Rose sieht auch keine Probleme in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder gar die Diskriminierung von Schwangeren und Müttern.
„Childbirth is a biological fact,“ he said. „Women have children: I can’t help that. But I know lots of women who have got two or three kids – Nicola Horlick is a good example – there are many girls in here [Marks & Spencer] who have got two kids who come to work.“
Nur gut, dass die Marks & Spencer-Girls ihre Arbeitsplätze nicht in die Schweiz verlegen, um die Führungsetagen im Sturm zu nehmen. Dort treffen sie nämlich auf Macho-Meinungsmacher wie Roger Köppel, die durchaus so ihre Probleme mit weiblichen Führungskräften haben:
Aber auch Frauen müssen sich den ungeschriebenen Gesetzen des Unternehmertums unterwerfen, wenn sie an der Spitze stehen möchten. Wie die Männer zahlen sie einen Preis dafür. Vermutlich ist ihr Preis noch höher. Auf ein Kind zu verzichten, um sich stattdessen für den Erfolg der Firma hinzugeben, ist eine Alternative, bei der die meisten Frauen zugunsten des Kindes entscheiden würden. Das ist verständlich und einer der Hauptgründe dafür, warum auch führungstechnisch hochbegabte Frauen freiwillig auf die Führungsposition verzichten.
Nee, gläserne Decken gibt es gar nicht, nur welche aus Beton.
Danke an Nicole für den Tipp!

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