Ob Zeitschriftenregal oder Fernsehprogramm, allerorten wird frau gerade wieder an „den Sommer“ erinnert. Also all das, was Frauen nun zu erledigen und ihre Weiblichkeit zu konstruieren haben. Ein paar Kilos verlieren, Füße pflegen, Cellutites bekämpfen – und die Körperbehaarung entfernen. Beine, Achseln und Intimbereich, manchmal sogar die Arme. Alles was unterhalb des Kopfes nicht flauschig ist, muss weg!
Doch muss das wirklich? Und was passiert, wenn frau es lässt? Emer vom Vagenda Mag hat den Selbsttest gemacht und rasiert sich seit einem Jahr nicht mehr (mehr auf Deutsch bei diestandard.at). Sie beschreibt eindrücklich, wie sehr sich der Druck zur Haarentfernung eingebrannt hat, wie schwer es ist, ihre behaarten Körperteile wirklich öffentlich zu zeigen – obwohl die meisten Reaktionen positiv waren.
Fast den gleichen feministischen Selbstversuch habe ich letztes Jahr auch gestartet und seitdem meine Beine nicht mehr rasiert. Allerdings mit etwas anderen Ausgangsbedingungen, denn in meiner Familie war weibliche Körperbehaarung kein Thema. Bei meinen ersten Versuchen fragte man sich verwundert, warum ich das denn mache. Andere Freundinnen wurden dagegen von ihren Eltern angehalten, sich zu rasieren, bis hin zur Bikinizone (der alten, die nur umfasste, was aus dem Bikini rausguckt). Am Ende hat sich dann die Vorgabe zur enthaarten Frau in unseren Köpfen durchgesetzt. Insgesamt habe ich noch nicht einmal die Hälfte meines Lebens irgendwas enthaart, doch dagegen anzugehen, hat sich als erstaunlich schwer erwiesen.
Dass der letzte Sommer recht kühl und verregnet war, hat es mir bisher leicht gemacht, Beine und Achseln zu verstecken. Die wenigen Male in Shorts habe ich immerhin keine Kommentare bekommen. So hoffe ich einerseits für diesen Sommer auf mehr Sonne, andererseits frage ich mich, welche Reaktionen ich dann zu erwarten habe. Neulich ertappte ich mich bei dem Gedanken, jetzt immer die Fußnägel zu lackieren. Quasi als Ausgleichshandlung, die beweist, dass ich mich durchaus um mein Äußeres kümmere und weiblichen Konventionen entspreche. Bewußt wurde mir dabei wieder einmal, wie zeit- und geldaufwändig eigentlich Weiblichkeit ist. Rasierer, Rasierschaum, Creme… Und das alles, ohne zwangsläufig gut für den Körper zu sein. Im Gegenteil: Zumindest meine Beine sind weniger trocken, weniger gereizt und eingewachsene Haare gibt es auch keine mehr.
Nach einem Jahr halte ich nun fest, dass der größte Feind in meinem Kopf sitzt. Allerdings erhält er jeden Tag massive Unterstützung aus all den Zeitschriften, Webseiten und Fernsehsendungen, die mir nur haarlose Frauen zeigen und die besten Wege, genau so auszusehen.

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.