Heute bleibt zum dritten Mal auf dieStandard.at die Kommentarfunktion abgeschaltet. Bis auf weiteres soll das nun jeden Dienstag so sein. Wir haben Ina Freudenschuß aus der Redaktion gefragt:
Warum?
Über eine Möglichkeit, dem Verfall der Diskussionskultur in unseren Foren entgegenzuwirken, haben wir redaktionsintern schon lange nachgedacht. Die Foren im Online-Standard sind ja bereits gefiltert, das heißt, ein guter Teil der Postings auf derStandard.at und dieStandard.at werden von den RedakteurInnen vor dem Freischalten durchgelesen. Leider ist dieses System aus unterschiedlichen Gründen sehr mangelhaft. Bei einer Klausur im Frühling dieses Jahres kamen wir dann auf die Idee, das forum zeitweise aufzuheben und die Geschäftsführung war einverstanden.
Werden sich misogyne Kommentatoren dann nicht einfach an den anderen sechs Tagen der Woche umso stärker produzieren?
Der Effekt, dass sie an den anderen Tagen umso mehr posten, ist bisher nicht eingetreten. Aber natürlich ändert ein Tag nicht alles an der Gesamtsituation. Ziel der Aktion ist es, eine Sensibilisierung in Gang zu setzen. Und es geht uns darum, die zwischenzeitliche diskursive Macht einiger weniger Frauenfeinde im Forum zu durchbrechen.
Wie sind die Reaktionen?
Das Echo ist sehr positiv. Insbesonders LeserInnen, die gar nicht oder kaum posten, haben uns wissen lassen, dass sie die Aktion unterstützen und dass sie unsere Beweggründe teilen. Viele sprachen sich auch dafür aus, die Foren auf dieStandard.at ganz aufzugeben. Die Negativ-Poster haben offenbar noch nicht den Feedback-Button entdeckt. (Lacht.)
Besteht bei einem solchen Schritt nicht die Gefahr, dass die Frauenbewegung als wenig diskussionsbereit wahrgenommen werden könnte?
Also nachdem, was uns in den vergangenen Jahren schon alles vorgeworfen wurde, fürchten wir uns vor diesem Argument nicht mehr. Ich denke, mit „Diskussionsbereitschaft“ hat das, was sich zwischenzeitlich in öffentlichen Foren abspielt, nicht viel zu tun. Die Art von Öffentlichkeit, wie sie durch allgemein zugängliche Foren entsteht, stellt ja ein Novum dar, weil Menschen in ihr massenhaft und noch dazu (fast) anonym ihre Meinung kundtun können. Insofern wäre es in meinen Augen falsch, darin einen Ort zu sehen, wo unverfälscht und repräsentativ die „gesellschaftliche Meinung“ zum Ausdruck kommt.
Glauben Sie, dass Diskussionen zum Thema Emanzipation im Internet generell problematischer sind als im direkten Gespräch?
Die Möglichkeit, sich anonym über Themen wie Gleichberechtigung oder auch Antirassismus unterhalten zu können, führt sicher zu Problemen. Offenbar hat das Internet hier aufgrund seiner Möglichkeiten eine Art Ventilfunktion übernommen, à la: „Hier können wir unter dem Deckmantel der Anonymität noch sagen, was sonst schon überall verboten ist.“ Das Internet bietet einerseits die Möglichkeit, über sogenannte „Randthemen“ weitläufig zu berichten, andererseits löst sie aber auch die schon erwähnten Probleme aus.
Mehr über den kommentarfreien Dienstag auf dieStandard.at könnt ihr hier lesen.

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