Schluss mit Genitalverstümmelungen!

von Susanne

„Kein Schnitt ins Leben“ heißt die neue Kampagne von Terre des Femmes – gegen weibliche Genitalverstümmelung. Weltweit wird alle elf Sekunden einem Mädchen die Klitoris und die Schamplippen abgeschnitten. Viele überleben dies nicht; und wenn sie überleben, leiden sie ein Leben lang unter Schmerzen, Unfruchtbarkeit, Infektionen; Sexualverkehr und Geburten sind für diese Frauen eine weitere Tortur.

„Auch in Deutschland ist dieses Thema allgegenwärtig“, sagt Angelika Bürkner von Terre des Femmes gegenüber ZDFheute.de. „Schließlich leben hier etwa 20.000 betroffene Frauen, davon sind etwa 4.000 junge Mädchen in naher Zukunft von Genitalverstümmelung bedroht.“

Terre des Femmes informiert: Die Begründungen, die zur Rechtfertigung dieser Praktik vorgebracht werden, sind unterschiedlich. Sie beruhen zumeist auf Mythen und Überlieferungen, der Unkenntnis biologischer und medizinischer Fakten oder dem Islam. In der Regel handelt es sich um eine gesellschaftliche Norm, deren Missachtung mit Ächtung bestraft wird. Vor allem geht es aber auch um die Kontrolle weiblicher Sexualität und Fruchtbarkeit im Rahmen männlicher Machtansprüche.

Hier könnt ihr für die Arbeit von Terre de Femmes spenden.




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Eintrag geschrieben: Montag, 24. November 2008 um 11:20 Uhr unter Gewalt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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24 Kommentare

  1. Peter sagt:

    Vor allem geht es aber auch um die Kontrolle weiblicher Sexualität und Fruchtbarkeit im Rahmen männlicher Machtansprüche.

    Ist dem wirklich so?

    Alles was man darüber liest deutet eher darauf hin, das es sich um ein tradiertes Initiationsritual handelt.

    Denn: Die Beschneidung wird von FRAUEN verlangt, von FRAUEN durchgeführt und eine Nichtbeschnittene wird von FRAUEN geächtet.

    Ich sehe nicht, das da Männer treibende Kraft dahinter wären. Terre de Femmes sollte sich nicht hinter „liebgewonnenen“ Feindbildern verstecken wenn es hier wirklich was erreichen will.

  2. Juli_K sagt:

    Peter, auch wenn Frauen diejenigen sind, die das alles ausführen und aufrechterhalten, kann es ein System mit männlichen Machtansprüchen sein. Ein Patriarchat wird auch nicht nur von Männern aufrecht erhalten, sondern immer auch von Frauen.

    Dein Kommentar ist leider Ausdruck deiner Ahnungslosigkeit. Bitte erst einmal mit historischen und kulturellen Machtsystemen auseinandersetzen und erst dann laut „Feindbild!!“ schreien. Danke.

  3. Matze sagt:

    Schließe mich Peter an:

    Wenn nicht erwähnt wird, dass es meist Frauen sind, die diesen „Brauch“ fortsetzen, aber dafür von MÄNNlichen Machtansprüchen geschrieben wird (wo gesellschaftliche oder meinetwegen auch patriarchalische Machtansprüche präziser gewesen wären), dann bleibt ein Geschmäckle.

  4. Matze sagt:

    Nachtrag: Auch westliche Frauen, die z.B. das Outfit oder die Tanzweise von anderen Frauen als „nuttig“ bezeichnen, sind selbst dafür verantwortlich zu machen, ohne, dass mehr oder weniger indirekt „den Männern“ die Schuld daran zugeschoben wird.
    Auch, wenn dieses Verhalten ein patriarchalisches System aufrecht erhält.

  5. Matze sagt:

    Nach-Nachtrag: Und eigentlich ist das Wichtige doch eh, dass weibliche Genitalverstümmelung aufhört, nicht die Frage, welches Geschlecht mehr Schuld an der Sache trägt.

  6. Lucie sagt:

    Natürlich spielt die Frage ein Rolle, welche gesellschaftlichen Gruppen und welches Denken an der Verstümmelung beteiligt sind bzw. diese beeinflussen, sei es nun „ausführend“ oder nicht. Um eine Veränderung zu erwirken, muss man ja an den zugrundeliegenden (patriarchalen) Überzeugungen ansetzen und diese aushebeln.

  7. Matze sagt:

    Da diese Überzeugungen jedoch geschlechtsübergreifend sind …

  8. Peter sagt:

    @ Juli_K

    „Männliche Machtansprüche“ im Rahmen patriarchaler Systeme sind hier weder direkt noch indirekt Ursache für das kulturelle Phänomen der Genitalverstümmelung.

    Ebensowenig wie der Islam die Ursache ist.

    Das ist genau mein Punkt hier: Vor lauter „böses Patriarchat“ und „böse Männer“ wird der eigentliche Kern des Ritus nicht wahrgenommen. Und genau deswegen sind alle Kampagnen gegen die Genitalverstümmelung bisher in den Zielländern wirkungslos verpufft.

  9. Juli_K sagt:

    Es geht doch überhaupt nicht um die Frage, ob „Männer oder Frauen Schuld sind“ und das darf es auch nicht. Wie Matze schreibt, die Überzeugungen sind geschlechterübergreifend – eben eine Kultur. Aber Peter, du tust genau das: Du willst ein Geschlecht aus der Debatte rausnehmen. Wieso? Fühlst du dich angegriffen, weil du ein Mann bist? Wieso? Du kannst doch auch als Mann gegen patriarchalische Strukturen sein.

    Die Argumentation von Terre de Femmes ist historisch und kulturell begründet und begründbar und kein „Männer sind grundsätzlich Scheiße und Schuld“-Ansatz. Das solltest du bitte auseinanderhalten. Deine Kommentare sind Polemik. Auch deine Behauptung, dass die Arbeit von Menschenrechts- und Frauenrechtsgruppen in Sachen Genitalverstümmelung nichts gebracht hätten. Dem ist nicht so. Immer mehr Gemeinschaften verabschieden sich (langsam) von dieser Tradition.

    Und ansonsten vielleicht auch einfach mal was zum Thema lesen, z.B.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Beschneidung_weiblicher_Genitalien

  10. Matze sagt:

    @Juli_K: So, wie ich Peter verstanden habe, kritisiert er, dass Terre des Femmes anscheinend ein Geschlecht aus der Debatte rausnehmen will, und zwar dasjenige, das direkter involviert ist (beziehungsweise das weniger direkt involvierte stärker in den Vordergrund stellen will).

    An Terre des Femmes ist also die gleiche Frage zu stellen, die du an Peter stellst: Wieso?

  11. Juli_K sagt:

    Ich verstehe die Ausführungen von Terre de Femmes nicht so. Sie sagen nirgendwo, dass Frauen dieses System nicht unterstützen würden. Aber wenn die weibliche Sexualität unterdrückt wird (und das wird sie durch die Genitalverstümmelung), dann hat das was mit männlichen Machtansprüchen zu tun, sagen die von Terre de Femmes. Und das ist für mich nachvollziehbar.

  12. Matze sagt:

    Nur als Analogie: In viktorianischen Zeiten wurde männliche Sexualität (genauer gesagt, Onanie als Form als männlicher Sexualität) unterdrückt; das hatte auch nichts mit „weiblichen Machtansprüchen“ zu tun.

    Meiner Meinung nach sind es *gesellschaftliche* Machtansprüche an die Sexualität des Individuums, die von beiden Geschlechtern durchgesetzt werden. Dass vor allem die Männer „davon profitieren“ mag nachvollziehbar klingen, ist aber nicht ganz so offensichtlich, wie man oft meint. Und manchmal ist es einfach falsch.

  13. Frank sagt:

    Wenn „männliche Machtansprüche“, die scheinbar allgegenwärtig sind, auch wenn sie mir persönlich nicht öfter begegnet sind als „weibliche Machtansprüche“ und für mich Machtansprüche sowieso kein Geschlecht haben, für jeden erdenklichen Missstand verantwortlich gemacht werden, muss ich mich nicht persönlich angegriffen fühlen. Ich fühle mich überhaupt eher selten persönlich angegriffen.
    Trotzdem denke ich und nicht gerade wenige andere Männer auch:“Ach, die Leier schon wieder. Ihr mich auch….“

    Das hat Nichts damit zu tun, dass ich Genitalverstümmelung für eine grauenvolle Sache halte und einem Verbot(das es übrigens in den meisten afrikanischen Staaten de facto gibt) sofort zustimmen würde.

    Und vergesst endlich den Quatsch mit den männlichen Machtansprüchen. Unsere Machtansprüche sind nicht größer als eure(wenn nicht im Gegenteil: das Wort Macht höre weit öfter von Frauen) und an der Bildung von gesellschaftlichen Strukturen sind Frauen genauso beteiligt. Manchmal hab ich das Gefühl, dass ihr zwar viel über uns behauptet, aber wenig wisst :(

  14. Antje sagt:

    Der Wikipedia – Eintrag wird in seiner Neutralität bezweifelt. Ist zu bedenken. Mir erscheint er an einigen Stellen irgendwie rechtfertigend und verharmlosend.

    Mich erschrickt hier die Diskussion. Sie ist mal wieder bei den Männern angekommen (was ja an sich natürlich berechtigt ist). Ich erkenne an, dass es unterschiedliche Auffassungen zum Thema gibt und dass es kein einfaches Feind-Täter-Opfer-Kultur-Religion Schema als Erklärungsmodell gibt.

    Liebe Mädchenmannschaft, reagiere ich über? Lasse ich mich zu schnell provozieren? Ich bin so genervt davon, dass die Diskussionen von DiskutantInnen dominiert werden, die immer wieder den Blick auf ihren Gegenstand richten und die Diskussion aus meiner Sicht regelrecht reglementieren. Ich erlebe hier oft, dass sich die anderen rechtfertigen müssen.
    Es kann ja als Folie ganz hilfreich sein, gegen andere an zu argumentieren, ist auch eine gut Übung, um die Stichhaltigkeit der angebrachten bzw. eigenen Argumente zu überprüfen und zu reflektieren.
    Aber muss ich als Feministin, immer wieder hier in einem feministischen Blog festhalten, dass ich für eine Gleichstellung und umfassende Teilhabe von Frauen überall eintrete, unabhängig davon von wem oder was sie unterdrückt, ausgeschlossen und benachteiligt werden und das ich deshalb zu analysieren versuche, wie und warum FRAUEN von Männern UND Frauen unterdrückt werden.
    Ich weiß, dass dieses Thema schon oft besprochen wurde und ich werde es auch nicht noch einmal ansprechen, versprochen.

    Es grüßt
    Antje

  15. Peter sagt:

    @ Juli_K

    dann hat das was mit männlichen Machtansprüchen zu tun, sagen die von Terre de Femmes. Und das ist für mich nachvollziehbar.

    Und genau gegen diese einseitige Schuldzuweisung argumentiere ich hier.

    Auch der von Dir verlinkte Wikipedia Bericht geht da durchaus in diese Richtung. Zitat:

    In feministischen Kreisen ist die Beschneidung heute ein Synonym für die Unterdrückung der weiblichen Sexualität. Diese Einschätzung wird aber von einem Großteil der Frauen, die einen solchen Eingriff hinter sich haben, nicht geteilt.[28]

    Ich persönlich lehne generell alle fremdbestimmten Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit eines Menschen ohne medizinische Indikation ab, also auch die Genitalbeschneidung.

    Es handelt sich hier aber für mich weder um ein von Männern erzwungenes noch um ein aus patriarchalen Strukturen oder männlichen Machtansprüchen ableitbares Ritual.

    Sondern primär um ein tradiertes matrizentrisches Initiationsritual.

    Das macht es nicht besser, aber Terre de Femmes wäre für mich glaubwürdiger, wenn sie es endlich mal fertigbrächten dies genau so zu benennen.

  16. Anna sagt:

    @Antje:
    Nein, du reagierst nicht über.
    Ich lese hier schon den ganzen Tag mit und sehe manchen Kommentar auch sehr kritisch.

  17. Matze sagt:

    @Anna: Ich persönlich wäre sehr daran interessiert, welche konkreten Kritikpunkte du hast.

  18. Christian sagt:

    „Peter, auch wenn Frauen diejenigen sind, die das alles ausführen und aufrechterhalten, kann es ein System mit männlichen Machtansprüchen sein.“

    Es KANN, es muß aber nicht oder?

    Gründe, aus denen Frauen Frauen beschneiden lassen wollen sind ja durchaus denkbar. Den jungen und attraktiveren Frauen wird von den älteren Frauen die Lust am Sex genommen (da mti Schmerzen verbunden) und damit auch ein Teil ihrer Fähigkeit Sex als Vorteil auszunutzen. Die älteren Frauen hingegen haben ihre Stellung als Mütter etc, die sie nutzen können.

    Eine Beschneidung ist auch aus männlicher Sicht eine ziemlich bescheuerte Form einen Machtanspruch auszuüben. Schließlich sinkt damit die Möglichkeit Sex zu bekommen, insbesondere guten Sex. Für Frauen, die bereits beschnitten sind bieten sich hingegen durchaus Vorteile.

  19. Angela sagt:

    Die Terre des Femmes Aktionen sind berechtigt. Auch in Deutschland. denn auch hier wird beschnitten.
    Von den männlichen Diskutanten vermisse ich hier das Einfühlen auf einen anderen Kulturkreis. Die Argumentation von TdF ist richtig.

    In den Ländern in denen beschnitten wird gibt es keine gleichberechtigten Geschlechter. Frauen haben gar keine Rechte. Nicht mal die auf sich selbst.

    Vor knapp zwei Jehren kam ein Film ins Kino (auch ins Deutsche-kaum wahrgenommen), gedreht von einem afrikanischen Regisseur. „Moolaade“ heißt der Film. Der zeigt recht anschaulich, was es mit Beschneidung, Aberglauben und Männerherrschaft auf sich hat.

    http://www.filmstarts.de/kritiken/40570-Moolaad%E9-Bann-der-Hoffnung.html

  20. Juli sagt:

    @ Christian:

    Schließlich sinkt damit die Möglichkeit Sex zu bekommen, insbesondere guten Sex.

    Also echt, wie naiv wird denn diese Diskussion hier noch? Der Mann will eine jungfräuliche Frau und die wird ihm garantiert, indem er eine bekommt, deren Geschlecht in Kindertagen beschnitten und zugenäht wird!

    Hier geht es nicht um Sexualität in unserem Sinne!

    Für Frauen, die bereits beschnitten sind bieten sich hingegen durchaus Vorteile.

    What the hell are you talking about? (Schau dir mal eine Doku zum Thema an oder lies dir mal ein paar Berichte durch und du schreibst nie wieder solchen Sch…)

    Also ich bin aus diesem Thread raus. Das ist so ein wichtiges Thema und wie es hier besprochen wird, ist nicht mein Ding und mir auch zu blöd. Antje hat es schon gut auf den Punkt gebracht. Aber vielleicht können wir an anderer Stelle noch mal vernünftig drüber sprechen.

  21. Anna sagt:

    Christian, auch ich möchte dir dringend raten, dich mal anständig mit diesem Thema zu beschäftigen. Dein Posting zeugt von ziemlicher Unwissenheit und Verharmlosung plus wenig vorhandenem Einfühlungsvermögen für Kulturen abseits der westlichen Denke.

    Ich finde es mehr als schade, dass ausgerechnet so ein Thema so instrumentalisiert wird von einigen Diskussionsteilnehmern (diesmal ohne Binnen-I). So wird es nämlich unmöglich, über die Gründe zu sprechen, warum es ja wirklich Frauen sind, die Beschneidungen durchführen, warum es Mütter sind, die ihre Töchter zu den Beschneiderinnen bringen. Warum also Frauen ein Ritual (und damit – und das ist der Knackpunkt – ein System) aufrecht erhalten, das ihnen selber schon so viel Leid zugefügt hat.

  22. Christian sagt:

    Eine jungfräuliche Frau auf diese Weise sicherzustellen ist dennoch bescheuert. Da wäre es aus männlicher Sicht günstiger auf das Jungfernhäutchen abzustellen.
    Ausserdem ist beschneiden nicht gleich zunähen. Das Beschneiden der Klitoris und der Schamlippen garantiert keine Jungfräulichkeit.

    Was sind denn eurer Meinung nach die Gründe für die Frauen an der Tradition festzuhalten und die Beschneidung als Fest zu feiern?

  23. Miriam sagt:

    Ausserdem ist beschneiden nicht gleich zunähen. Das Beschneiden der Klitoris und der Schamlippen garantiert keine Jungfräulichkeit.

    Aha… Spätestens jetzt würde ich dir empfehlen, aus der aktiven Diskussion auszusteigen, du kannst dich nur noch lächerlich machen bei soviel Unwissenheit…
    Wikipedia:
    Typ III: Verengung der Vaginalöffnung mit Bildung eines deckenden Verschlusses, indem die kleinen und/oder die großen Schamlippen beschnitten und zusammengefügt werden, mit oder ohne Entfernung des äußerlich sichtbaren Teils der Klitoris (Infibulation).
    Trifft zwar „nur“ auf 10 % der Genitalverstümmelungen zu, aber es wird gemacht!

  24. Miriam sagt:

    Ups… der letzte Satz ist von mir, nicht aus der Wikipedia, sollte also nicht kurziv sein…