In der taz gibt es heute ein sehr interessantes Interview mit Familiensoziologe Hans Bertram. Es geht um Familie, Frauen und Männer. Um alte Rollen, neue Visionen, einen anderen Arbeitsmarkt und eigentlich alles, was eben so wichtig wird, wenn erst einmal Kinder da sind.
Auf die Frage, was in Deutschland schief läuft, warum sich nur so wenig Männer für die Erziehung entscheiden, antwortet Bertram:
„Die Mehrzahl der jungen Männer hält an dem typischen Ernährermodell fest. Es gibt einfach noch zu viele Gratifikationen für das alte Modell. Bleiben sie dabei, geht es der Familie finanziell gut – und sie sind angesehen. Es gibt im Augenblick noch wenig Anreize für Männer, für das Kind da zu sein. Die Männerrolle ist stark davon abhängig, dass die Männer gegenüber Frauen gerne attraktiv sind.“
Auch die Frauen halten demzufolge viel zu sehr an diesem alten Modell fest:
„Die wollen den erfolgreichen, berufstätigen Mann. Wenn man sich das Heiratsverhalten anguckt, die heiraten eher nach oben in die sozialen Positionen hinein.“
Und:
„Wir haben unglaublich viel darüber nachgedacht, wie eine moderne Frauenrolle aussehen könnte, wie sie Fürsorge für Kinder und auch für Alte mit ihrer Berufskarriere in Übereinstimmung bringen kann. Aber das Interessante ist, dass wir nie über die Männer reden.“
Aber was tun? Bertram:
„… das, was die Norweger machen. Da bleiben nur die Aktiengesellschaften an der Börse, wo mindestens 40 Prozent beiden Geschlechtes drin sind.“
Und:
„… wir müssen dafür sorgen, dass Frauenberufe genauso gut bezahlt werden wie Männerberufe. Und wir müssen irgendwie sicherstellen, dass die Wertigkeit der Fürsorge für andere genauso wichtig ist wie der ökonomische Erfolg. Solange es unterschiedliche Gehälter und schlecht beleumundete Fürsorge gibt, ist ein fairer Aushandlungsprozess faktisch ausgeschlossen.“
Es ist wirklich erstaunlich, dass in der Kürze eines solchen Interviews so viel Gehalt liegen kann. Also bitte das ganze Interview lesen, lohnt sich!
(Bild von Schoenswetter)

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