Im Oktober 2008 forderte eine Initiative, bestehend aus Führungskräften aus der Region Nürnberg, die Aufsichtsräte mit einer Quote von 40 Prozent Frauen zu besetzen. Morgen wird die Berliner Version der Nürnberger Resolution offiziell an SPD-Parteichef Franz Müntefering und die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ursula von der Leyen, übergeben. Dabei sein werden Erstunterzeichnerinnen wie Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit, Aufsichtsrätin und Senatorin für Justiz in Berlin und Hamburg a.D., sowie Karin Schubert, Rechtsanwältin und Justizministerin a.D. und meine Wenigkeit.
Anke Domscheit, Führungskraft in einer internationalen Softwarefirma, Mitglied des Managerinnennetzwerkes EWMD und Koordinatorin für die Berliner Resolution:
„Die aktuelle Krise zeigt uns, dass wir nicht auf die Kompetenzen von Frauen in den Topetagen verzichten können. Mit mehr Frauen in den Kontrollgremien verbessert sich die Corporate Governance und damit auch der Umgang mit Risiken. Männernetzwerke, die sich durch eine enge Verflechtung von Vorstands- und Aufsichtsratsposten auszeichnen, sind ein Umfeld, in dem Risiken eher gegenseitig gedeckt als gemanaged werden. Das kommt die Weltwirtschaft gerade teuer zu stehen.“
Die Initiative ist überparteilich und hat UnterzeichnerInnen jeder demokratischen politischen Couleur.
Weitere Forderungen der Nürnberger Resolution sind:
- eine gesetzliche Verankerung von Qualitätsstandards für Mitglieder in Aufsichtsräten
- Aufbau und Weiterentwicklung einer zentralen Datenbank, in die sich geeignete Kandidatinnen für Aufsichtsratspositionen eintragen können
- ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, unter anderem zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen
Es gibt viele gute Gründe, den Frauenanteil in den Kontrollgremien der Aktiengesellschaften zu erhöhen: Nicht zuletzt erzielen Großunternehmen mit einem überdurchschnittlich hohen Frauenanteil im Top-Management deutlich höhere Renditen als der Branchendurchschnitt, wie eine Studie von McKinsey nachwies. Forschungen der London School of Economics zeigten auf, dass Innovation dort am ehesten möglich wird, wo Teams gemischt sind. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von Prof. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D., Renate Schmidt, MdB und Irmingard Schewe-Gerigk, frauenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90 Grüne.

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