Neue politische Ideen – dank des Internets

von Helga

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

PALACSIK.wordpress.com

Wie heißt du?
sAn

Seit wann bloggst du?
Seit Ende 2007 – also schon ne Weile. Aber ich fühl mich noch immer fast wie am ersten Tag – neugierig, unsicher, belanglos und trotzig.

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Wegen eben genau dieser Gefühlslagen.
Naja, ins Netz bin ich schon vorher eingestiegen – 2001. Ich hab für eine Regionalgruppe der Globalisierungskritiker_innen die Webseiten erstellt und gepflegt und dabei schon einiges über social software gehört und war fasziniert davon. Ich mag Konzepte, die Selbstorganisation, Partizipation, Transparenz und gemeinsames Arbeiten fördern.
Später in der Uni arbeitete ich mit anderen Kommiliton_innen viel zu Wissen, Macht und Diskriminierung auf unterschiedlichen Ebenen (Geschlecht, Rasse, Klasse & Behinderung). Dabei entstand das Genderwiki – ein Fachwiki der Frauen- & Geschlechterforschung. In diesem Rahmen habe ich mich dann intensiver mit dem Web2.0 auseinandergesetzt und irgendwann musste ich das ganze eben auch mal ganz persönlich ausprobieren und fand das bloggen adäquat.

Worüber schreibst du?
Ich weiß nicht genau – nicht viel von dem, was ich eigentlich schreiben möchte – mich hat das Internet nicht befreit. Gut, wenn ich mir meine Tags so anschaue, schreibe ich wohl hauptsächlich über mich, Diskriminierung & Emanzipation, Feminismus und anderes politisches, wie das bedingungslose Grundeinkommen oder Spezizismus. Meist eher informierend, als polarisierend oder aktiv meinungsbildend. Was mir halt im Web so begegnet und mir auf meinem Weg fair – vegan – feministisch – antirassistisch – sozial-ökologisch bedenkenswert und hilfreich erscheint. Ich schreibe für meine Freund_innen. Und damit eine Stimme mehr gegen menschenverachtende Standards und Verstandeslagen existiert, denn es gibt so oft nur eine (sichtbare) Position. Ich will also Vernetzen und Kräfte bündeln – mehr werden.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Ohne das Internet wäre ich wohl ein eher diffus politischer Mensch geworden. Tageszeitungspolitik und Institutionen sind mir ein Graus, was mich vor dem Internet zu dem Schluß brachte, ich sei kein politischer Mensch. Das Internet hat mich eines besseren belehrt. Hier habe ich viele politisch aktive Menschen, auch fern ab des konventionellen Politikverständnisses getoffen, die mir bei meiner politischen Willensbildung geholfen haben.

Ach und … ich habe im Umfeld des Internet beobachten können, dass die These von der Ungleichbehandlung keine überspitzte Erfindung von „männermordenden“ Feminist_innen ist, sondern Realität und das auch diese Feminist_innen nicht gefeit sind vor eben diesem stereotype-geleiteten Ungleichbehandeln.

Wovon braucht das Internet mehr?
Ein ökologisch-nachhaltiges und Faires Bewußtsein, also green & fair IT. Damit meine ich nicht nur Bestrebungen energieeffizientere Technik zu entwickeln und regenerative Energien zu nutzen, sondern auch die Auseinandersetzung mit der Hardware des Internets. Die Branche funktioniert nach dem Wegwerfprinzip bei einer enormen technologischen Entwicklungsgeschwindigkeit. Viele wissen nicht, oder besser wollen nicht wissen, dass die Produktion, Nutzung und Verschrottung von Rechenanlagen mit gravierenden sozialen und ökologischen Folgen verbunden sind. Unter dem Teppich der „fortschrittlich-sauberen“ Computerindustrie finden sich so einige Dreckhaufen. Die Arbeits- und Lebensbedingungungen in den Billiglohnländern und Sonderwirtschaftszonen sind menschenunwürdig – angestellt sind dort übrigens vorwiegend junge Frauen. Einige Stichworte dazu – Arbeitsrechtverletzungen, unzureichender Arbeitsschutz, sexuelle Übergriffe. Auch bei der Herstellung von Rechenanlagen sträuben sich einer die Haare – Ressourcenverschwendung, Unmengen von Giftstoffen, die Umwelt, Arbeiter_innen und Anwohner_innen beeinträchtigen und das bisher ungelöste Elektroschrott-Problem.
Ansätze und Ideen zur Aufklärung und Verbesserung des Status quo gibt es bereits – so zum Beispiel die PC Global-Kampagne.

Ach und Barrierearmut und Usability – ich bin zwar keine Expert_in dafür, aber da ist vorallem seitens öffentlicher Institutionen noch einiges zu erledigen – Standard & Leitfäden gibt’s genug.

Frauen im Web sind/haben…
Ich mag Frauen und deren spezifische Blicke auf die Welt, daher sind (u.a.) Frauen im Web für mich etwas bereicherndes und bevorzugtes.

Deine tägliche Web-Lektüre
Ich beginne mit meinen Blog-Abos, z.b. Der Schwarze Blog, Genderplanet, einschlägige feministische Blogs (u.a. die mädchenmannschaft), Telepolis, Heise und Zeit-Wissen. Von da aus geht’s queernetzein, wohin mich die Links so tragen.




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Eintrag geschrieben: Montag, 12. Oktober 2009 um 9:02 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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