Vanessa Tuttlies, Vollkornbäckerin und Wiwi-Studentin, hat an die Vorsitzende der ARD Monika Piel einen öffentlichen Brief geschrieben, in dem sie ihren Ärger über die sexistischen Werbespots für die ARD-Sportschau äußert. Diesen veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung.

Sehr geehrte Frau Intendantin Piel,
voller Entsetzen habe ich die aktuelle Werbung der Sportschau „Männer waren schon immer so“ für die kommende Bundesliga wahrgenommen. Danach stellt sich die Frage, weshalb mit „großem Trara“ der Frauenfußball vor allem während der Frauen-WM in Deutschland promotet und Mädchen als Spielerinnen beworben werden, wenn dann in einem Werbespot für die ARD-Sportschau Frauen (wieder einmal) in einer verobjektivierenden Art dargestellt werden, die man schlicht und einfach nur als sexistisch bezeichnen kann. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen Bildungsauftrag, der oft genug an anderer Stelle ausfällt. Das ist eine Form der Ausladung an Mädchen und Frauen aus dem Fußball, die ihren „Zweck“ nicht verfehlen dürfte. Da hilft es auch nicht, dass das Männerbild ebenfalls von vorgestern ist – auch eine Form von Sexismus.
Noch einmal: Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen Grundversorgungs- und Bildungsauftrag, der Dank Quotendiktat bestenfalls noch in der Nacht realisiert wird. Was solche Frauen- und Männerbilder zur „demokratischen Ordnung ebenso wie für das kulturelle Leben“ beizutragen haben, wird das Geheimnis der MacherInnen der Werbung für die Bundesliga bleiben.
Es bleibt zu hoffen, dass es der ARD in Zukunft gelingen wird, Männer und Frauen im Fußball angemessen darzustellen. Es kann eigentlich nicht so schwer sein, mehr als nur sexistische Sehgewohnheiten zu bedienen. Und: Es handelt sich nicht um eine witzige Anekdote, dass viele Frauen gerne und begeistert Bundesligaspiele anschauen. Es ist die Realität, und die ARD sollte langsam aus der Steinzeit in die Gegenwart ankommen.
Mit freundlichen Grüßen,
Vanessa Tuttlies

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