Um das Aussterben des deutschen Volkes doch noch zu verhindern, hat nun auch die Bertelsmann-Stiftung eine Untersuchung zum Thema Familiengründung vorgelegt. Dieses mal geht’s um die jungen (15 bis 42 Jahre alten) Männer! Zur Entwarnung: mehr als 90 Prozent der Befragten wünschen sich ein Kind. Gerettet sind wir jedoch noch nicht, denn knapp die Hälfte kann nach eigenen Angaben auch ohne Kinder glücklich werden. Ansonsten ist nichts Neues zu erfahren, nur dass alte Rollenklischees die Sicht junger Menschen dominieren.

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de
Die befragten Männer sehen sich immer noch als Versorger: Für 57,2 Prozent kommt die Gründung einer Familie erst in Frage, wenn er sie ernähren kann. Dass die Partnerin beruflich etabliert ist, ist nur für 18 Prozent wichtig. 95 Prozent der befragten Männer sehen ihre Pflicht darin, der Familie ein Heim zu bieten, 94 Prozent betrachten es als ihre Aufgabe, den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen.
Überraschen wird das wohl niemanden. Solange die ungerechte Bezahlung am Arbeitsmarkt und ein neoliberales Konsumdenken (mehr Geld = glücklicher) vorherrschen, wird „der Mann“ automatisch in diese Rolle hinein erzogen. Die Zeit der Erziehung wird karrieremäßig nur als Verlust betrachtet. Frauen verdienen prinzipiell weniger, erst Recht, wenn sie Erziehungsurlaub genommen haben. Dem Vater bleibt gar nichts anderes übrig als den Ernährer zu geben. Schließlich will jeder ja nur das Beste für das Kind und das – so lehrt es uns die Gesellschaft – bekommt es nur, wenn möglichst viel Geld in der Kasse ist.
Neu ist laut Bertelsmann-Stiftung, dass sich die Väter nun „auch in der Betreuung engagieren“ (rund 94 Prozent) und „sich Zeit für das Kind nehmen“ (rund 80 Prozent) wollen. Die Hälfte der Nicht-Väter will auch den Beruf in der Zeit nach der Geburt zurückstellen – laut der BZgA Untersuchung „männerleben“ (2004), tritt in der Realität genau das Gegenteil ein: Der Mann arbeitet nach der Geburt eines Kindes tendenziell mehr als vor dem ersten Kind. Beides ist logisch. Wer würde schon angeben, möglichst wenig Zeit mit dem Kind verbringen zu wollen? Wenn Mann dann aber erst mal der alleinige Ernährer ist, lastet die gesamte finanzielle Verantwortung auf seinen Schultern. Er muss im Beruf bestehen – ein Versagen wäre fatal. Würden beide Elternteile arbeiten und sich um das Kind kümmern, könnte auch der Mann das Ganze entspannter angehen.
Unterm Strich nicht viel Neues, außer dass Männer schon wollten, aber es doch nicht tun – sei es nun, eine Familie zu gründen oder sich Zeit für das Kind zu nehmen.
Fraglich bleibt für mich beim Lesen solcher Papiere immer wieder, was damit bezweckt werden soll. Dass sich der Mann immer noch als Ernährer sieht, kann doch – wie oben bereits beschrieben – nicht überraschen. Über Lösungsmöglichkeiten, oder was die Männer wirklich vom Gründen einer Familie abhält, erfährt man kaum etwas bis gar nichts. Kein Wort zu Ganztagsbetreuung im Kindergarten oder Hort, noch nicht mal eines zu Betreuungsmöglichkeiten im Allgemeinen. Ob es vielleicht gerade das Bild des hart arbeitenden und meist abwesenden Ernährers ist, das abschreckt, wird nicht weiter erfragt.
Sinnvoller und interessanter fände ich es zu erforschen,
– warum Ganztagsbetreuung in Deutschland immer noch so einen schlechten Ruf hat;
– wie moderne Arbeitszeitmodelle, die es beiden Elternteilen erlauben sich beruflich zu verwirklichen, aussehen könnten und
– wie wir diese Gesellschaft dazu bringen, endlich das Erziehen von Kindern als produktive Arbeit, und somit auch aus Sicht der Männer und der Wirtschaft als wertvoll, zu begreifen.
Gerade letzteres wäre wichtig – denn erst dann werden die Ernährer bereit sein, zu Hause zu bleiben und die Firmen Erziehungsurlaub nicht mehr mit Gehaltseinbußen bestrafen.

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