Wenn es um die wirtschaftliche und berufliche Gleichstellung von Frauen geht, ist Deutschland ein vor Trägheit und Selbstmitleid triefendes Häuflein Elend, das seit Jahren nicht von der Stelle kommt. Das hat Barbara zuletzt beschrieben und das hat jetzt wieder eine Studie des DIW gezeigt: Die Aufsichtsräte Vorstände der 100 wichtigsten Unternehmen dieses Landes können einen Frauenanteil von peinlichen 2, 2 Prozent vorweisen. In den 200 größten Konzernen sind es insgesamt gerade mal 3, 2 Prozent.
Daran haben auch alle gut gemeinten Selbstverpflichtungen nichts geändert: Vor zehn Jahren haben Unternehmen einen Pakt mit der Bundesregierung beschlossen, das eklatante Missverhältnis der Geschlechter einzuebnen. Seitdem ist wenig bis nichts geschehen, denn, das darf man nicht vergessen. Deutschland ist nicht nur traurig, es hat auch die Hosen voll vor der großen, bösen und natürlich immer inkompetenten Quotenfrau. Immerhin raffte sich im letzten Wahlkampf die SPD auf, eine Quote für Aufsichtsräte einzufordern, aber wie wir alle wissen, hat am Ende doch die „Lass die Wirtschaft es selbst regeln“-Koalition die Wahl gewonnen.
Jetzt kommt die Nachricht, dass sich bald trotzdem etwas tun könnte. Die Rächerin der so genannten modernen Frau, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen hat in der neuesten Ausgabe des Manager-Magazins etwas für ihre Partei ganz Unerhörtes getan: Sie hat der Wirtschaft g-e-d-r-o-h-t. Die solle entweder in den nächsten fünf Jahren ihrer eigenen Selbstverpflichtung Folge leisten. Oder es gibt eben doch ein Gesetz. Der Wechsel im Ton könnte auch mit dem Druck, den die EU-Kommission langsam auf das größte MItgliedsland mit den schlechten Gleichberechtigungszahlen macht, zusammen hängen. Vielleicht hat Frau von der Leyen aber auch die Schnauze voll von „Es gibt einfach keine guten Frauen“ und „Die Frauen wollen diese Jobs nicht“ und anderen Lippenbekenntnissen. Zeit wäre es auf jeden Fall, auch wenn eine Maßnahme, die der so genannten Wirtschaft irgendetwas vorschreibt, mit der FDP wahrscheinlich sowieso nicht zu machen ist.

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