Einträge mit dem Tag ‘Quote’


Der Mindestlohn und die seriösen Wirtschaftsherren

1. November 2011 von Silviu
Dieser Text ist Teil 27 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

In Deutschland wird wieder über den Mindestlohn debattiert. Trotz des breiten Konsens’ wurde die Einführung einer allgemeingültigen gesetzlichen Regelung bislang blockiert, obwohl ein entsprechender Schritt einer Normalisierung der Situation gleichkäme: Kaum ein anderes EU-Land überlässt das dem Zufall. Die Argumente und Statistiken sind längst bekannt, ebenso die Tatsache, dass Frauen in den Niedriglohnsektoren überrepräsentiert sind. Und zu den Mindestlohngegnern gehören genau diejenigen, die sich vor einigen Monaten gegen die Frauenquote in den Vorständen der Unternehmen ausgesprochen haben, und zwar mit dem gleichen Argument: Selbstregulierung sei immer die bessere Lösung. Was dieses Argument wert ist, hat übrigens die Bankenkrise in eklatanter Weise gezeigt.

Die Reflexion über diese Debatte führt aber auch zu weiteren, grundsätzlicheren Fragen. Wie kann es sein, dass ein so offensichtlicher, einfacher und letztendlich sehr moderater Schritt so lange blockiert werden kann? Wieso genießt eine männerdominierte Minderheit eine unverhältnismäßige Deutungshoheit in der öffentlichen Debatte? Denn trotz billigen Verschwörungstheorien ist Deutschland keine Pseudodiktatur, die von einer kleinen Clique geherrscht wird. Wenn also diese altväterliche Stimme weiterhin den Kurs bestimmt, heißt es womöglich, dass der alte Trick („Hier spricht nicht der Phallus, hier spricht die Vernunft“) immer noch gut funktioniert. Die Äußerungen dieser älteren Herren stoßen also nicht auf die Empörung über wiederholte, krasse Lügen, die Privilegien rechtfertigen, sondern werden in vielen Kreisen als informierte Meinung wahrgenommen – oder zumindest als legitime, ernstzunehmende Diskussionsbeiträge. Konkret wird die Farce erst durch den Mythos der Wirtschaftskompetenz und Expertise besagter Männer möglich: Ein klassisches Autoritätsargument, das in den Jahren nach 2008 die Glaubwürdigkeit eines Halloween-Kostüms besitzt.

Darüber hinaus zeigt die Situation aber auch, wie wichtig die sogenannte „Intersektionalität“ ist: Dass nämlich „Frauenthemen“ immer in einem gesellschaftlichen Kontext zu verstehen sind, in dem gleichzeitig auch andere Dimensionen und Aspekte eine Rolle spielen.


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“Die EU-weite Quote wird kommen wie das Amen in der Kirche” – Kurz Notiert

16. März 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 97 von 153 der Serie Kurz notiert

Auch an der Elfenbeinküste gibt es seit Monaten blutige Proteste, nachdem es bei der Präsidentschaftswahl Anfang Dezember keinen Sieger gegeben hatte. Das Verfassungsgericht hatte dem Oppositionsführer Alassane Ouattara den Sieg aberkannt. Truppen des bisherigen Präsidenten Laurent Gbabgo haben nun sechs Teilnehmerinnen einer Frauendemonstration getötet.

FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin (FDP) sagt: “Die EU-weite Quote wird kommen wie das Amen in der Kirche”.

Auf linksnet findet ihr eine Debatte über Rassismus, Ressentiment und Islamkritik u.a. mit Birgit Rommelspacher.

Die LA Times berichtet von einem neuen Trend in Japan. Immer mehr Frauen wollen nicht mehr bei ihrer angeheirateten Familie begraben werden, sondern alleine oder nur zusammen mit ihrem Ehemann. Dies verlangt bisher die stark patriarchalische Tradition, für Frauen, die mit ihren angeheirateten Verwandten nicht zurecht kommen, bedeutet es aber „eine Form der ewigen Folter“ die sie nicht länger hinnehmen wollen.

Der Zweiwochendienst stellt die neue Datenbank „Gender Medizin“ vor. Mediziner_innen und interessierte Laien finden dort aus rund 10.000 Studien aufbereitete Daten zu Geschlechterdifferenzen bei Krankheiten.

In einem Interview mit DerStandard wirft die Informatikerin und Professorin an der Abteilung für Gender und Diversitätsmanagement Edeltraud Hanappi-Egger einen Blick auf hartnäckige maskuline Stereotype und die Systematik der Diskriminierung.

Die für Samstag, 19. März 2011, geplante Demo in Wien auf der Wiener Ringstraße (wir berichteten) steht unter dem Titel “AUS! Aktion Umsetzung. Sofort”. Ziel ist es, 20.000 Teilnehmerinnen auf den Ring zu bringen, so die Plattformsprecherin Petra Unger bei einer Pressekonferenz.

Laut der Berliner Zeitung muss sich jede dritte erwerbstätige Frau in Deutschland mit einem Niedriglohn begnügen: Insgesamt seien 68 Prozent aller Niedriglöhner_innen Frauen.

Auf F-Bomb lest ihr einen sehr guten Überblicksartikel zu Vergewaltigungsmythen und rape culture.

In ihrer Diplomarbeit „Caprasik – Verwickelt“ stellt Ayse Tasci die Vielfalt der Kopftücher vor. Um einmal nachzudenken, wessen Kopf eigentlich darunter steckt.

Auf Womanist Musing erklärt Loretta Ross, wann die Bezeichnung Women of Color zum ersten Mal benutzt wurde (inklusive Transkript).

Schließlich noch der Hinweis auf eine Online-Studie von Julia Trulley im Rahmen ihrer Abschlussarbeit: Es geht um Frauenzeitschriften und Wirtschaftsthemen.


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Burka- und Sexverbote: Die Woche im Rückblick

9. Februar 2011 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 93 von 153 der Serie Kurz notiert

Laut jetzt.de plant Hessen, die Vollverschleierung im öffentlichen Dienst zu untersagen. Auslöser dafür ist eine Angestellte der Stadt Frankfurt, die mit Vollverschleierung im Bürgeramt arbeiten wollte, mittlerweile aufgrund der Restriktionen das Arbeitsverhältnis beendet hat.

Die pakistanische Schauspielerin Veena Malik kämpft unterdessen für das Recht muslimischer Frauen, die Kleidung zu tragen, die sie tragen wollen – ob Burka oder Jeans. Sie selbst wurde schon beschimpft, nachdem sie sich in Shorts öffentlich zeigte, so die Daily Mail.

Jessica Valenti, eine der Gründerinnen von feministing.com, verabschiedet sich von Feministing und wird sich in Zukunft um andere Projekte kümmern.

Auf ichschwoersdir findet ihr ein interessantes Video zum ökonomischen Ist-Zustand von Frauen weltweit.

Queer.de berichtet von einem menschenverachtenden Gerichtsurteil in Großbritannien, welches einem 41-Jährigen aufgrund eines “zu niedrigen” Intelligenzquotienten Sex verbietet. Daraufhin musste er eine Beziehung zu einem anderen Mann beenden. Das Gericht erlaubte dem Verurteilten in zwei Zimmern seiner Sozialwohnung zu onanieren.

Das Bitch Magazine ließ uns in der vergangenen Woche unsere Vorstellungen über Porno und Körper überdenken und ermutigt, sich einen sogenannten Fat Porn anzusehen. Warum? Weil dicke Menschen selten mit den Attributen erotisch und sexy assoziiert werden.

Amira El Ahl beleuchtet für die Welt die Arbeit der ägyptischen Frauen während der Proteste gegen das Mubarak-Regime: “An den Zugängen zum Tahrir-Platz lässt sich die resolute Art der ägyptischen Frau wunderbar beobachten. Angst scheinen die Frauen hier nicht zu kennen. Hausfrauen, Studentinnen und Intellektuelle, Verschleierte und Unverschleierte stehen Wache und schrecken vor keiner Handgreiflichkeit und lautstarken Auseinandersetzung zurück, um für Ordnung und Sicherheit auf dem Platz zu sorgen.”

Auf prospect.org wird eine neue Initiative vorgestellt, die erstmalig Zahlen zusammenträgt, in welchem Umfang sich Transgender Diskriminierung ausgesetzt sehen.

Ebenfalls auf prospect.org stellt Autorin Ann Friedmann die Frage, warum wir rechtliche Abstufungen im Hinblick auf Vergewaltigungen nicht akzeptieren, die im Bereich von Abtreibungen hingegen schon.

Sonia Sotomayor, die erste Latina im US-amerikanischen Supreme Court (wir berichteten), sprach auf einer Veranstaltung in der University of Chicago über ihre Arbeit gegen Diskriminierung und ihre Rolle als Repräsentantin der sogenannten Triple Oppression von Race, Class und Gender.

News.at berichtet vom Fall einer 27-Jährigen aus Nigeria, die nach jahrelanger Zwangsprostitution in Österreich in ihr Heimatland abgeschoben wurde. Die Täter sind weiterhin auf freiem Fuß.

Geschlechtersegregation im Internet: “Der digitale Graben verläuft auch zwischen Männern und Frauen, viele Kommentarbereiche im Netz sind in Männerhand. Für Projekte zur Mitbestimmung ist das ein Problem”, konstatiert die ZEIT.

Das Satire-Magazin Extra 3 hat sich in die Niederungen des Frankfurter Bankenviertels begeben und Banker zur Frauenquote befragt.

Queer/feministische Termine für diesen Monat findet ihr in unserer Übersicht für Februar, die ihr gern in den Kommentaren weiter ergänzen dürft. Wir suchen übrigens für den kommenden Monat wieder queer/feministische Partys, Proteste, Lesungen, Filme, Aktionen… Veranstaltungshinweise könnt ihr über unser Kontaktformular an uns senden, auf unsere Facebook-Wall posten oder per Twitter an @grrrls_team schicken.


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Die Frauenquote? Ein Satz mit X!

2. Februar 2011 von Anna

Wir reden uns die Köpfe heiß, Die Zeit ruft den anscheinend unvermeindlichen “Zickenzoff” aus (den der Artikel in der ersten Version auch in der Überschrift stehen hatte), Familienministerin Schröder ist sowieso dagegen und die FDP meint gar, eine Quote sei verfassungswidrig.

Kanzlerin Merkel sah wohl heute die Notwendigkeit, für Ordnung zu sorgen und sprach ein Machtwort:

“Es wird keine gesetzliche Quote geben”, ließ Merkel über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert verkünden.

lesen wir in der taz. Und weiter:

Diese sei nicht durchsetzbar. Stattdessen wolle die Kanzlerin der Wirtschaft noch einmal Zeit geben, um Fortschritte zu erzielen. Dies dürfe aber nicht auf den “Sankt-Nimmerleins-Tag” verschoben werden.

Da sich dieser aber bekanntermaßen nicht datieren lässt, hat Merkel mal wieder das gemacht, was sie am besten kann: Schwammig bleiben, den Koalitionspartner nicht verschrecken und keinesfalls eine eigene Haltung zeigen.

Nach drei aufregenden Tagen heißt es also für uns: back to normal.


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Reden wir doch mal über die Männerquote!

1. Februar 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 30 von 48 der Serie Meine Meinung

Seit etwa zehn Jahren gilt die so genannte “freiwillige Selbstverpflichtung” für Unternehmen, die dem Zwecke dient, den Frauenanteil in Führungspositionen zu steigern. Diese Selbstverpflichtung sei, laut Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), “krachend gescheitert”. Sie fordert, dass eine gesetzliche Quote her müsse - jetzt! – die in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden soll (wir berichteten).

Ein kurzer Blick in die Statistiken bringt Klarheit in den undurchsichtigen Wirtschaftssumpf: In den Vorständen der deutschen Unternehmen ist der Frauenanteil sage und schreibe zwei Prozent. Das ist ein Witz. Aber weil wir uns so an die Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte gewöhnt haben, hilft hier vielleicht mal ein Perspektivwechsel, um dem Thema etwas mehr Brisanz zu verleihen.

Wenn wir die Frauenquoten-Debatten mal für eine Minute ruhen lassen und darüber nachdenken, warum die von der Leyens und Schröders dieser Welt noch nie die eigentlich viel dramatischere  Quote – die Männerquote – thematisiert haben, merken wir schnell: Eine Männerquote von 98% in den deutschen Vorständen könnte keine der Ministerinnen plausibel erklären, ohne über die Strukturen des Arbeitsmarktes, Diskriminierung, Sexismus und nicht zuletzt das verlässliche Old Boys Network zu sprechen. Aber das wäre ja unbequem. Dann würde es ja nicht mehr nur um Quoten gehen. Dann müssten wir uns gesamtgesellschaftlich die Frage stellen, ob wir so leben und arbeiten wollen. 50 – 60 Stunden die Woche unter Erfolgsdruck schuften? Familienfeindliche Strukturen? Eine nach einer männlichen Erwerbsbiographie ausgelegten Arbeitswelt? Nicht sehr attraktiv, mit oder ohne Quote.

Ja, die unionsgeführten Ministerien für Arbeit und Familie debattieren nun endlich über die Frauenquote. Aber: Wenn selbst die CDU sich zu Frauenförderung äußert, sollte man hellhörig werden. Und besonders auf die Argumentationslinien achten.

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Statt handeln lieber das Umfeld verbessern

19. Januar 2011 von Barbara
Dieser Text ist Teil 12 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.


Hatte das vergangene Jahr doch schon viel Traurigkeit mit dem Thema “Quote” verbunden, das in der aktuellen Bundesregierung einfach keine richtige Lobby hat, wenn es um Frauenpolitik geht, bringt das neue Jahr gleich noch mal einen Dämpfer.

Nicht Deutschland, nein das Nachbarland Frankreich führt nach Norwegen und Spanien eine Frauenquote für die Spitzenpositionen in den Unternehmen ein. Unternehmen, die bisher keine Frau an der Spitze haben, müssen innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten des Gesetzes (übrigens: ein Vorschlag der konservativen Regierungsmehrheit) eine Frau berufen. Innerhalb von sechs Jahren sollen 40 Prozent der Verwaltungsratsposten mit Frauen besetzt werden. Und wer es bis dahin immer noch nicht geschafft hat, muss sogar mit kleinen Strafen rechnen.

So wird in naher Zukunft neben den vielen französischen Aufsichtsräten auch jede Menge französische Aufsichtsrätinnen geben (können wir gleich mal üben, dieses Wort auch in unseren Sprachgebrauch zu integrieren, auch wenn es beim ersten Aussprechen vielleicht noch komisch klingen mag). Und das harte Klima in der Wirtschaft könnte sich tatsächlich in ein angenehm temperiertes Gleichberechtigungs-Durchatmen verwandeln – ist die Spitze eines Unternehmens geschlechtergerecht, bleibt ja mehr als Hoffnung für den Rest. Doch die FAZ klebt an diesen Gerechtigkeitsvorstoß gleich wieder das Vorurteil der ungeliebten Quotenfrau (scheinbar ist dort immer noch nicht klar, was eine solche Quote bedeutet, nämlich dass bei gleicher Eignung eine Bewerberin bevorzugt wird, solange bis es eben 40 Prozent Aufsichtsrätinnen gibt):

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Vertrauen ist gut, Quote ist besser

8. Dezember 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 11 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Schon mal was vom “Corporate Governance Kodex” gehört? Diese Erklärung existiert seit knapp zehn Jahren und ist der neue alte Weg in eine Zukunft voller Chancengleichheit. Der Kodex verlangt nämlich, die in Deutschland geltenden Regeln für Unternehmensleitung und -überwachung transparent zu machen. Damit das Vertrauen in die Unternehmensführung deutscher Gesellschaft gestärkt wird. Damit nationale und internationale Investoren ein gutes Gefühl haben, wenn sie ihr Geld in deutsche Unternehmen stecken. Das Bundesjustizministerium hat diesen Kodex im Februar 2002 verabschiedet und hängt immer noch daran.

Denn nach diesem Vertrauen in die Unternehmen spricht sich Thomas Fischer, der Mann für den Bereich Chancengleichheit im Bundesfamilienministierium, neuerdings aus, so etwa auf einer Veranstaltung des Deutschen Juristinnenbunds. Das heißt aber auch, dass künftig nur mehr der Wunsch nach Vertrauen, nach Offenheit, nach Transparenz, der beruflichen Gleichberechtigung helfen soll. Und keine Quote, die etwa von den Aufsichtsräten deutscher Unternehmen aus die Chancen von oben nach unten ohne Geschlechter-Benachteiligung verteilt. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP vom 26. Oktober 2009 war noch von einem “Stufenplan” die Rede, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen: (weiterlesen …)


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Kurz notiert: Männergesundheitsbericht, Ehegattensplitting und der Fall Caster Semenya

3. Dezember 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 64 von 153 der Serie Kurz notiert

Bereits im Sommer hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass das lediglich für heterosexuell lebende Ehepartner_innen geltende Ehegattensplitting gegen die Grundrechte verstößt, solange Lebenspartnerschaften von dieser Regelung ausgeschlossen werden. Nun musste die schwarz-gelbe Koalition eine erneute Niederlage ihrer steuerrechtlichen Diskriminierung gegen homosexuell lebende Verpartnerte hinnehmen, berichtet der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland. Am Donnerstag waren die so genannten ehebezogenen Gesetzesregelungen und deren Erweiterungen auf Lebenspartnerschaften auch Thema im Bundestag.

Mit Sexismus für Tierrechte! Die neue Kampagne der Tierschutzorganisation PETA ist ein Fall vor die Klospülung, befindet bitchmagazine.org.

Eine Studie des Deutschen Juristinnenbundes zu Frauen in Führungsebenen hat herausgefunden, dass Männer  nach wie vor lieber unter sich bleiben wollen und Frauen den Zugang in ihre Netzwerke versperren. Nicht die oft unterstellte fachlich unzureichende Qualifikation oder das “weibliche Verhalten” sei schuld, dass elitäre Männerzirkel weiterhin bestehen bleiben, sondern Mentalitätsmuster und Ignoranz unter Managern, schreibt die taz.

Im Fall Caster Semenya (wir berichteten) gibt es Neues: Der internationale Leichtathletikverband hat eine Regelung für „Störungen der sexuellen Entwicklung“ beschlossen. Wie die aussehen soll und ob das Betroffenen hilft, ist aber noch unklar.

Einen sehr schönen Kurzfilm zum Thema Homophobie im Amateurfußball drehten Niko Schleicher und Dino Bernabeo.

Aus dem Abseits – Ein Film über Homosexualität im Amateurfußball from Dino B on Vimeo.

Die FAZ erläutert noch einmal den Männergesundheitsbericht und erklärt, warum es heute nicht mehr ausreicht, bei Männerkrankheiten an die Prostata zu denken.

Bei der neuen Telefonhotline zu sexuellem Missbrauch haben sich in kurzer Zeit über 5.000 Betroffene gemeldet, berichtet die taz. Diese zweifeln auch an dem Engagement des ebenfalls von der Bundesregierung neu ins Leben gerufenen Runden Tisches Kindesmissbrauch – zu einer Betroffenenanhörung erschien nur die Hälfte der Mitglieder, einen festen Platz für die Betroffenen gibt es außerdem nicht.

Krankenkassen müssen Menschen mit Zisidentität nur Eingriffe zahlen, die einen „regelhaften Zustand“ herstellen, berichtet die Ärztezeitung. Zisidentität ist eine Ausprägung von Transsexualität bzw. Transgender, bei der nur teilweise geschlechtsangleichende Operationen gewünscht sind. Aus diesem Grund handelte es sich bei der von einem_r Kläger_in gewünschten Klitorisvergrößerung nicht um die „Anpassung an das andere Geschlecht“, sondern um die Herstellung eines „subjektiven Idealbildes“, die nicht übernommen werden muss.


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Hilfe, mein Hirn stirbt!

9. November 2010 von Stephanie
Dieser Text ist Teil 12 von 12 der Serie Frauen bewegen

Ein Absurditätenkatalog zum Thema Frauenquote

Wenn’s um die Quote geht, bittet mein Kopf häufig darum, nach bestimmten Argumenten gegen die Wand geschlagen zu werden. Vielleicht liegt’s an meinem Logikfaible oder an etwas anderem. Beurteilt selbst, hier mein „Best of“:

Platz 1: Terror!!!
Neulich im Gespräch mit einem SPD-Genossen fiel ich lachend von der Bank… zum Unverständnis meines Gegenübers, der mir gerade voller Ernst zu erklären versuchte, warum es in der SPD nur eine 40%-Frauenquote gäbe: „Weil sonst die Herren zuviel Terror machen.“
Das dies in einer Demokratie ein nicht besonders überzeugendes Argument ist, ist hoffentlich wenigstens für den Rest der Welt offensichtlich, denn wenn „Terror machen“ in einer Demokratie ein probates Mittel zur Durchsetzung wäre, könnten wir die Parlamente gleich dicht machen. Wir bräuchten nur einen Verwaltungsapparat, der misst, wer am lautesten schreit.  (weiterlesen …)


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Generationen-Gerechtigkeit

13. Oktober 2010 von Barbara
Dieser Text ist Teil 9 von 13 der Serie Der F-Blick in die Politik

In dieser Kolumne werden die politischen Aktivitäten der Bundesregierung rund um das Reizthema “Frauenpolitik” kritisch betrachtet, das sich zumeist hinter der Familienpolitik verstecken muss.

Es ist über zwei Jahre her, dass sich die Bundesregierung zu einem neuen Gesetz für die Regelung des Unterhalts durchgerungen hat. Dieses Gesetz besagt, dass Unterhalt an den Ex-Mann oder die Ex-Frau nur gezahlt werden muss, bis das gemeinsame Kind drei Jahre alt ist. Gerade erst hat die damalige Bundesjustizministerin die Neuregelung verteidigt: “Das Gesetz funktioniere in der Praxis ‘grundsätzlich gut’, sagte Brigitte Zypries. Doch tatsächlich ist das Gesetz gerade in der Praxis deutlich ungerechter als in der Theorie.

Vor zwei Jahren empfand ich die Neuregelung des Unterhaltsrechts als Förderung der finanziellen Eigenständigkeit von Frauen. Es ist richtig, Frauen zu ermuntern, einen eigenen ökonomischen Zugang zu unserer Gesellschaft zu haben. Naiv betrachtet hätte diese Ermunterung vielleicht sogar ein erster Weg aus der Welt des Ehegattensplittings sein können. Doch inzwischen ist mir klar geworden, dass ich damals nur als Vertreterin meiner eigenen Generation gedacht habe. Und dass Frauen, die vielleicht zwanzig, dreißig Jahre älter sind als ich, ganz anders dazu stehen. Für sie bedeutet dieses Gesetz, dass eine Frau, die während ihrer Ehe Hausfrau war (das sind derzeit 5,8 Millionen Frauen in Deutschland, hat die Soziologin Jutta Almendinger in ihrem neuen Buch “Verpasste Potenziale?” ermittelt), nach der Scheidung automatisch von Hartz IV alimentiert werden muss. Denn – Hand aufs Herz: Welche 50-Jährige, die 15 Jahre aus dem Beruf raus ist und sich nachmittags um ihre Teenager-Kinder kümmern muss, kriegt noch einen Job in dem Bereich, für den sie sich vor ihrer Auszeit qualifiziert hat? Realistisch betrachtet sind ihre Chancen äußerst gering. Und dass sich mit einem Teilzeitjob an der Kasse eine Familie nicht wirklich ernähren lässt, versteht sich von selbst. 1,8 Millionen Frauen möchten gerne den Hausfrauen-Job an den Nagel hängen, so Almendinger, und wieder aushäusig arbeiten. Ich wünsche ihnen, dass sie das schaffen.

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