Über Schuld oder Unschuld zu spekulieren, ohne das endgültige Urteil abzuwarten, das tun die Medien seit Wochen über den TV-Metereologen Jörg Kachelmann. Auch die ZEIT kaut den Vorwurf der Vergewaltigung ordentlich durch und spült ihn mit ein paar Schlucken Feminismus-Kritik runter.
Dabei steht für ZEIT-Autorin Sabine Rückert fest, dass Kachelmann auch bei einem Freispruch nicht länger den lustigen Wetteransager mimen könne, denn
Wer könnte dabei vergessen, dass der Mann vor der Wetterkarte mit dem Vorwurf einer Vergewaltigung kontaminiert ist? Oder dass er durch Gefühlskälte und Gewissenlosigkeit eine Frau in die äußerste Verzweiflung getrieben hat?
Interessant, dass die Journalistin die Motive der Anklägerin so genau zu beurteilen vermag. Auch wenn sie sich auf Aussageprotokolle und psychologische Gutachten bezieht, ihr Bericht zeichnet in erster Linie das Bild einer Frau, die auf den „Luftikus“ Kachelmann emotional reingefallen ist.
Dort wartete auch die blonde Simone aus Schwetzingen. Elf Jahre auf Stand-by, sich an Versprechungen klammernd, auf bessere Zeiten hoffend. Sie war 26 Jahre alt, als sie Kachelmann nach einem Interview ihre Visitenkarte gab, knapp 37 Jahre, als sie ihn anzeigte. Andere Frauen heiraten in dieser Lebensspanne, bekommen Kinder, bauen Häuser, gehen ins Ausland, machen Karriere. Bei Simone tat sich nicht viel. Sie saß in Schwetzingen und blieb ihm treu. Reduzierte sogar ihre Arbeitszeit bei dem Privatradio deutlich, um noch einfacher abrufbar zu sein.
Und sie ist nicht die Einzige, nein ganze Wagenladungen an sich-in-seinem-Glanz-sonnender Damen habe er geblendet. Was natürlich nicht seine Schuld ist, sondern die der Frauen:
Wartete Aschenputtel früher auf den Märchenprinzen, so verzehrt es sich heute nach dem Mann vor der Kamera. So manche Kachelmann-Freundin, die sich jetzt als sein Opfer fühlt, wird mindestens ebenso Opfer ihrer eigenen Sucht geworden sein, von seinem Glanz zu profitieren. Wer schönen Schein wollte, hat ihn von Kachelmann bekommen. Viel mehr gab es nicht.
Plötzlich kommt die „Liebesrache“ zur Sprache, die Verfolgung Kachelmanns durch „enttäuschte Frauen“ und schwupps wird noch die Bibel herbeigeholt, mit der Geschichte von der „Vergeltungssucht der zurückgewiesenen Frau“ aus dem 1. Buch Mose. Aber den Knaller bringt Rückert mit dem letzten Absatz ihres Artikels, in dem es doch eigentlich um die Frage ging, inwiefern es Kachelmann – den Nachweis seiner Unschuld vorausgesetzt – gelingen kann, seinen Ruf wiederherzustellen.
Die Akte Kachelmann ist deshalb auch ein Dokument weiblicher Selbsterniedrigung, in ihr stellen sich junge, attraktive Frauen unserer Zeit selbst dar wie die Mätressen eines Fürsten. Sie zeigt, dass 50 Jahre Feminismus zwar bewirkt haben, dass Männer sich heute bei Delikten gegen die weibliche Selbstbestimmung als wütende Strafverfolger betätigen, dass aber die Idee vom aufrechten Gang ganze Teile der Frauenwelt nicht erreicht hat.
Ja, also echt, sollen sich mal nicht so anstellen die Frauen…

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