6000 Dollar wollte Anita Sarkeesian für ihr neues Feminist Frequency-Videoprojekt über Frauen in Computerspielen – fast 160.000 Dollar hat sie am Ende bekommen, von rund 7000 Unterstützer_innen. Nach 24 Stunden war ihr ursprüngliches Ziel erreicht, nach wenigen Tagen auch ihre schnell hinzugefügten Bonusziele. Damit kam leider auch der Shitstorm, über den wir letzte Woche schon kurz berichteten.
In diversen Foren organisierte sich Widerstand. Dass sich eine Frau erdreistete und auch noch die langweilige, eindimensionale und klischeebehaftete Darstellung von Frauen in Computerspielen analysieren wollte, war zuviel. Die YouTube-Kommentare, über die Sarkeesian sich auf Twitter schon lange auslässt, wurden noch einmal richtig mit Hasskommentaren überschwemmt, ihr YouTube-Kanal als „Terrorismus“ gemeldet. Außerdem wurde ihre Wikipedia-Seite verunstaltet, damit die Google-Suchergebnisse eklig und die Ergebnisse von beidem als „Trophäen“ zurück durch die Foren gereicht.
„Business as usual“ mag sich die erfahrene Feministin denken und leider ist das auch allerorten zu beobachten. Auch in Deutschlands Medien ist das Thema angekommen, aber die FAZ kann leider trotzdem nicht auf den Hinweis, Sarkeesian sei gar keine bittere Radikalfeministin, verzichten. Als ob das irgendwas ändern würde. Wäre der Shitstorm dann ok? Oder zu erwarten gewesen? Auf der Wikipedia-Gendergap-Mailingliste wird noch mal ausführlich diskutiert, ob die Trolle nicht vielleicht recht hätten und ihr Eintrag gar nicht relevant war (Ergebnis vor Wochen bereits: Sie erfüllt die Relevanzkriterien schon länger.) Dabei erkannte immerhin eine Person, dass Frauen oft durch die Relevanzkriterien hindurch fielen. Damit endete aber das Nachdenken über die Frage, wie und wer Geschichte schreibt und wie Frauen strukturell benachteiligt sind.
Wie wichtig eine kritische Betrachtung von Frauenfiguren in Computerspielen ist, zeigt dann noch einmal der Reboot der Lara Croft-Reihe. Der unglaublich groteske Körperbau ist weg, dafür bekommt sie eine unglaublich groteske Hintergrundgeschichte: um die Beschützerinstinkte der Spieler(_innen?) zu wecken, müssen sie sich als Lara Croft gegen eine versuchte Massenvergewaltigung wehren… Laut Produzent Ron Rosenberg konnte man(n) sich mit dem Sexobjekt Croft nicht allzu sehr identifizieren. Statt daran zu arbeiten, bedient sich Crystal Dynamics nun der „Damsel in Distress“, also der zu beschützenden, etwas hilflosen Frau. Eines der Themen, die Sarkeesian aufgreifen will!
Dennoch bleibt Hoffnung. Sarkeesian hatte schon lange vor dem Shitstorm viel Geld gesammelt und sich durch die Kackscheiße nicht klein kriegen lassen – nicht zuletzt dank unglaublicher internationaler Unterstützung. Ihre Wikipediaseite wurde rasch gesperrt und gegen Vandalismus geschützt. Die Berichterstattung in den USA war deutlich besser und hat explizit den Sexismus benannt, der am Werk war. Think Progress machte sich Gedanken, wie Männer sich in Diskussionen verhalten könnten. Wenn jetzt noch die Gamesindustrie auf die Kritik hören würde und bessere Spiele macht…


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