Ein Absurditätenkatalog zum Thema Frauenquote
Wenn’s um die Quote geht, bittet mein Kopf häufig darum, nach bestimmten Argumenten gegen die Wand geschlagen zu werden. Vielleicht liegt’s an meinem Logikfaible oder an etwas anderem. Beurteilt selbst, hier mein „Best of“:
Platz 1: Terror!!!
Neulich im Gespräch mit einem SPD-Genossen fiel ich lachend von der Bank… zum Unverständnis meines Gegenübers, der mir gerade voller Ernst zu erklären versuchte, warum es in der SPD nur eine 40%-Frauenquote gäbe: „Weil sonst die Herren zuviel Terror machen.“
Das dies in einer Demokratie ein nicht besonders überzeugendes Argument ist, ist hoffentlich wenigstens für den Rest der Welt offensichtlich, denn wenn „Terror machen“ in einer Demokratie ein probates Mittel zur Durchsetzung wäre, könnten wir die Parlamente gleich dicht machen. Wir bräuchten nur einen Verwaltungsapparat, der misst, wer am lautesten schreit.
Platz 2: Testphase abgelaufen, Projekt gescheitert
Sehr schön ist auch das „Testphase abgelaufen, Projekt gescheitert“ Argument, zuletzt vernommen unter „Eine Erfolgsbilanz sieht anders aus.“ von Antje Schrupp.
Dieses Argument baut darauf auf, dass es einen festsetzbaren Zeitraum gibt, in der ein Projekt wie die Quote entweder nennenswerten Erfolg haben muss und falls nicht, auch keinen Erfolg mehr haben wird. Es mag Experimente geben, die sich in dieser Form auswerten lassen, aber gerade bei gesellschaftlichen Entwicklungen erscheint „vergangene Zeit“ ein unsicherer Faktor sein. Die Aufklärung ist dafür ein gutes Beispiel: Zwischen ihrem Beginn als geistige Bewegung und der Entkoppelung von Herkunft und Schulabschluss in der Gesellschaft liegen noch viele Jahre.
Weniger philosophisch ausgedrückt: Die von Antje Schrupp zugestandene Testphase von 30 Jahren Frauenquote bei den Grünen hätte ihres Erachtens inzwischen dazu führen müssen, dass die Quote zumindest weniger gebraucht wird. 30 Jahre verbraten jedoch nicht mal eine gesamte Generation, d.h. diejenigen die sie eingeführt haben, leben noch. Es gibt noch keine Generation die mit der Quote als Selbstverständlichkeit erzogen wurde und die politische Parteiführung übernommen hat. Dieser selbstverständliche Umgang damit ist jedoch gerade die Vorraussetzung, um zu dem Punkt zu kommen, dass quasi unbewusst geschlechtergerecht gewählt wird.
Kurz gefasst: Wer zum Teufel bestimmt den Testzeitraum? Eine Eintagsfliege?
Platz 3: Ist doch eh nur eine Minderheit…
Zu guter Letzt’ noch das „Machtscheiße-für-Wenige“-Argument. Ein gutes Beispiel ergab sich dafür auf der Podiumsdiskussion „Altfeministinnen – Jungfeministinnen. Wohin geht der Weg?“ in Gießen. Dort wurde unter anderem die Frage erläutert, ob aus feministischer Perspektive die Hebammenvergütungsfrage oder die Quote für Aufsichtsräte wichtiger ist. Abgesehen davon, dass ich diese Fragestellung für großen Bockmist halte – als müssten wir uns für eine Forderung entscheiden – war eine weit verbreitete Auffassung, dass es bei der Quote für Aufsichtsräte a) nur um „Machtscheiße“ handele und b) nur Wenige davon profitieren. Daher wäre die Hebammenvergütungsfrage relevanter.
Ob es nun Machtscheiße ist oder nicht und wie feministisch mit Machtscheiße umgegangen werden könnte, lasse ich hier mal bei Seite und beschränke mich auf „Profit für Wenige“.
Ich glaube, kein_e Feminist_in dieser Welt würde bezweifeln, dass es Feminismen auch um Gerechtigkeit bzw. Fairness geht und das Gerechtigkeit/Fairness sich nicht auf Mehrheiten beschränken kann. Wenn also Feministinnen gerechtere Gestaltungen unserer Gesellschaft für Minderheiten als weniger wichtig abtun – weil’s eben nur wenige Plätze im Aufsichtsrat gibt – flüstere ich mir beruhigende Worte zu. Sonst, fürchte ich, drückt mein Hirn den „Not-Aus“ Schalter.

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