Im Spiegel schreibt Eva Menasse gerade über die aktuelle Debatte zur Präimplantationsdiagnostik. Nach all dem Gerede über (vermeintliche) Tabubrüche in der letzten Zeit stellt sie fest:
[…] über Fehl- und Totgeburten und ihre Folgen redet man nicht. Es ist ein Tabu. Man redet in dieser Gesellschaft auch nicht darüber, dass man die Hilfe der Reproduktionsmedizin in Anspruch nehmen muss, wenn man auf normalem Weg keine Kinder bekommen kann. Das alles sind „Frauensachen“, die umgehend „weggesteckt“ werden müssen, das haben andere doch auch geschafft.
Die Qualen der Frauen in den Mühlen der Reproduktionsmedizin spricht sie daher explizit an.
Ich weiß, wovon ich spreche. Ich war in den vergangenen sieben Jahren sechsmal schwanger und habe zum Glück ein gesundes Kind. Die anderen fünf Male endeten, nackt unter dünnem Hemd, auf gynäkologischen Operationstischen. Eileiterschwangerschaften, Fehlgeburten, schwarze Löcher, Tränen, Depressionen.
Ich wollte das nicht öffentlich machen, weil ich es, wie so viele andere Frauen, insgeheim und unabweisbar für meine eigene, höchst private Schande hielt. Doch wenn es vor 39 Jahren genützt hat, dass Frauen sagten, „Wir haben abgetrieben“, dann nützt es vielleicht heute, wenn Frauen sagen: Ja, ich bin auch so eine, die Schwierigkeiten mit dem Kinderkriegen hat. Und deshalb lasse ich mir helfen.
Leute, es ist 2010. Zeit, bei drängenden Fragen weibliche Perspektiven aus dem stillen Kämmerchen zu holen, zu respektieren und bei Entscheidungen zu beachten.

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