Die SPD-Politikerin Manuela Schwesig, Familienministerin in Mecklenburg-Vorpommern und im Schattenkabinett von Frank-Walter Steinmeier, hat der Taz ein interessantes Interview gegeben. Zum Beispiel spricht sie übers Frausein in der Politik und über Frauen in Führungspositionen:
Frau Schwesig, Sie sind die „optische Aufhellung von Steinmeiers Schattenkabinett“, so nannte es neulich ein Journalist. Fühlen Sie sich eigentlich ernst genommen?
Diese Bewertung zeigt doch sehr anschaulich, dass Männer und Frauen in unserem Land immer noch unterschiedlich behandelt werden. Frauen werden immer noch zu oft auf ihr Äußeres reduziert. Ich bin nicht wegen meines Aussehens, sondern wegen meiner Kompetenz ins Team Steinmeier berufen worden. Als Sozial- und Gesundheitsministerin in einem strukturell schwierigen Land trage ich bereits Verantwortung und bringe dort gute Dinge nach vorne. Ich weiß, was ich kann und was ich will.Aber es ärgert einen doch irgendwie, oder?
Sich darüber zu ärgern ist Energieverschwendung. Wichtig ist für mich, dass Frauen, wenn sie in Führungspositionen sind, nicht vergessen, wie schwer es war, gegen die noch vorhandenen Vorurteile dorthin zu kommen. Ich vermisse manchmal, dass Frauen in Führungspositionen auch ihrerseits Frauen fördern.Haben Sie da schlechte Erfahrungen gemacht?
Natürlich, wie die meisten anderen Frauen auch. Sehen Sie sich unsere Bundeskanzlerin an. Auch wenn sie in der Union ist, hätte sie doch was für die Frauen tun können. Aber sie übergeht ihr Frausein und macht keine offensive Frauenpolitik. Ich bin davon schon sehr enttäuscht.
Schwesig kritisiert ihre CDU-Konkurrentin, die ein Elternteilgeld für 28 Monate einführen will und wirft ihr vor, letztendlich doch nur die Entscheidung zwischen Beruf und Familie zu erzwingen und nicht beides vereinbar zu machen. Sie spricht über die Notwendigkeit eines gesetzlichen Anspruchs auf Ganztagsbetreuung und auch über die 40 Prozent-Quote, die die SPD in ihrem Wahlprogramm für deutsche Aufsichtsräte fordert:
Ist das für jemanden mit Ihrer Sozialisation – ohne Frauenbewegung und Quotendebatten – nicht etwas fremd?
Überhaupt nicht. Man sieht auch im Osten, dass Frauen trotz Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht automatisch in hohe Positionen kommen. Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen. Dafür brauchen wir verbindliche Regelungen und Zielvorgaben, zum Beispiel einen Frauenförderplan.(…)
Sind Sie Feministin?
Ich habe längst verinnerlicht, dass Männer und Frauen gleichberechtigt zusammen leben können. Deswegen muss ich das nicht betonen, aber mit dem Begriff kann ich schon gut leben.

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