Ob Titelbilder von Fernsehzeitschriften oder Werbeplakate für Elektronikfachhandel, alles wird verkauft mit Frauenkörpern. Schlanken Frauenkörpern wohlgemerkt. Wie frau einen solchen bekommt, steht dann im Frauenmagazin daneben. In Wien leistet seit über einem Jahr eine Frauengruppe Widerstand – die ARbeitsGEmeinschaft dicker Weiber.

Wie kam es zur Gründung der ARGE Dicke Weiber?
Als engagierte dicke Frauen und Lesben schlossen wir uns zusammen, um gemeinsam auf die zunehmende Diskriminierung aufgrund des Gewichts hinzuweisen. Wir sind tief betroffen und wütend über den immensen Druck, der auf dicke Menschen ausgeübt wird, und wir wollen uns gegen diesen Schlankheitsterror wehren. Wir wollen mit unserer selbstorganisierten Initiative dicken Frauen und Mädchen Mut machen, uns politisch mit dem Thema auseinandersetzen und Aktionen durchführen.
Wie sieht Euer Engagement konkret aus?
In Anlehnung an “Fat Liberation Movement” in den USA, wo schon in den 1970er Jahren “Fat Activist”-Gruppen entstanden, wollen wir mehr sein als reine Selbsthilfe. Wir verstehen uns als Teil einer weltweiten Dickenbewegung, die angetreten ist, die Dickenfeindlichkeit in dieser Gesellschaft zu beenden. Unsere Strategien dazu sind: Stärkung des Selbstbewusstseins, Selbstermächtigung, politische und persönliche Reflexion und Auseinandersetzung sowie Öffentlichkeitsarbeit, Aktivismus und jede Menge Spaß. Konkret treffen wir uns zweimal im Monat zum persönlichen Erfahrungsaustausch in der Gruppe, wir organisieren Veranstaltungen wie Diskussionen und Filmabende, schreiben Texte, produzieren und sammeln dickenfreundliches Bildmaterial, sind bei Frauendemos mit Redebeiträgen und Transparenten präsent (8. März und 25. November) und vieles mehr.

Was habt ihr schon erreicht?
Die Stärkung des Selbstbewusstseins ist bei jeder einzelnen Frau, die mitmacht, wirklich augenfällig und spürbar. Viele von uns gehen nach langer langer Zeit wieder schwimmen, tragen keine alles verhüllenden Kleidungsstücke mehr, wehren sich gegen Beschimpfungen und dickenfeindliche Äußerungen und schenken sich selbst endlich (wieder) den Respekt und die Liebe, die wir uns solange vorenthalten haben. Dies ist ein sehr wichtiger erster Meilenstein, denn ohne Selbstbewusstsein ist es als dicke Frau so gut wie unmöglich „Dickenpolitik“ zu machen.
Wer kann bei der ARGE Dicke Weiber mitmachen?
Diese Frage ist eine der häufigsten Fragen, die uns gestellt werden. Unsere Antwort darauf lautet, jede Frau, die sich selbst als dick begreift und deren Leben vom Thema »Dick-Sein« geprägt wurde, ist herzlich willkommen. Wesentlich ist, wir sind keine Abnehmgruppe und auch keine Therapiegruppe für sogenannte Essstörungen. Wir sind eine feministische Initiative dicker Frauen.
Was kann ich tun, wenn ich nicht dick bin, aber Euch unterstützen möchte?
Auch diese Frage hören wir öfter. Auf unserem Weblog machen wir dazu folgende Vorschläge:
– sage nein zu dickenfeindlichen Äußerungen und Strukturen,
– organisiere eine feministische Veranstaltung und lade uns ein,
– mache Werbung für die ARGE Dicke Weiber,
– spende Geld oder deine künstlerische Arbeit,
– übersetze unsere Texte in deine Muttersprache,
– sei mit mindestens einer dicken Frau befreundet,
– usw.
Die ARGE Dicke Weiber trifft sich jeden zweiten und vierten Freitag eines Monats um 17 Uhr im Autonomen FrauenLesbenMädchenZentrum in Wien. Im Internet zu finden unter argedickeweiber.wordpress.com und auf Facebook.

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