Heute ist es endlich so weit: Der Roman „Bitterfotze“ von Maria Sveland erscheint im Buchhandel (und ihr könnt fünf Exemplare gewinnen – siehe unten).
Der Titel macht neugierig: Was hat es damit auf sich? „Bitterfotzig“, so nennt sich Svelands Ich-Erzählerin Sara, wenn sie strukturelle Ungerechtigkeiten, die sie aufgrund ihres Geschlechts oder aufgrund ihrer Mutterrolle erfahren muss, nicht einfach mit einem zuckersüßen Lächeln hinnimmt und so tut, als sei alles in bester Ordnung, wie das von den meisten Frauen erwartet wird. Indem sich Sveland selbst so betitelt, nimmt sie herablassenden Männer-Urteilen in kluger Voraussicht ihre Munition, wie sie im Interview mit dem Verlag Kiepenheuer & Witsch erzählt, wo das Buch erscheint:
„Sowohl »verbittert« als auch »Fotze« sind beides Wörter, die von Männern genutzt werden, um Frauen und Mädchen zu diffamieren. Ich habe erwartet, dass man mich und mein Buch genauso abstempeln würde, da das ja immer passiert, wenn Frauen sich nicht der Norm entsprechend verhalten. Ich habe mein Buch also so genannt, damit es niemand anderes tut.“
Sveland greift die Wut und Verzweiflung im Bauch vieler junger Frauen selbstbewusst auf. Sie seziert akribisch den scheinbar normalen und wenig aufregenden Alltag einer Mutter, geht zurück in die Vergangenheit, in die Kindheit der Tochter eines abwesenden und tyrannischen Vaters, der auf seine ewig kochende und putzende Frau wenn er einmal da war nichts als Psychoterror ausübte. Sveland lässt die Leserschaft mit den Augen eines kleinen Mädchens zuschauen, wie die Mutter alles erträgt und sich in einen Putzzwang völlig zurückzieht, auch für die Tochter unerreichbar. Wenig später lässt die Autorin ihre LeserInnen in die Haut einer erwartungs- und hoffnungsvollen Jugendlichen schlüpfen, die es für selbstverständlich hält, ebenso wie ihre männlichen Altersgenossen wild herum zu probieren. Den Stempel der „Hure“ trug sie alsbald auf ihrer Stirn.
Im weiteren Verlauf schlüpfen wir mit ihr in die Rolle einer jungen Frau, die sich verliebt und eine Beziehung versucht – mit mäßigem Erfolg: Der Kerl treibt uns schon beim Lesen völlig in den Wahnsinn, weil er seinen Kontrollwahn nicht im Griff hat und über-anhänglich ist. Und als Sara mit ihrer Arbeit als Journalistin immer wieder gegen die verhärtete Wand aus mittelmäßig arbeitenden Männern rennt, die sie ignorieren oder herabwürdigen, platzt uns irgendwann komplett der Kragen. Deswegen applaudieren wir begeistert, wenn Sara ihren bescheuerten Kollegen am Ende bloßstellt, indem sie für alle laut hörbar erklärt: „Dennis hat mir gerade erzählt, dass er früher zu thailändischen Prostituierten gegangen ist, und das hat mir nicht gefallen“.
Ja, das Buch nimmt seine LeserInnen gefangen. Man beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen, wofür man Sveland nur sehr dankbar sein kann. Scheinbar unauffällige Alltags-Situationen werden entlarvt: Es ist nicht das persönliche Problem einer Frau, wenn sie mit der Kinderbetreuung überfordert ist. Nein, es ist ein strukturelles Problem, ein gesellschaftlicher Irrglaube an Gleichberechtigung, der sich darin manifestiert, dass Frauen weiterhin von riesigen Schuldgefühlen geplagt werden, wenn sie sich die gleiche Freiheit herausnehmen, wie Männer es ohne mit der Wimper zu zucken machen. Die Schuld, die Last, die Verantwortung – zum Großteil geschultert von Frauen und immer noch zu wenig von Männern – zeigen sich an den Stellen, an denen Sveland vermeintlich kühle Statistiken zitiert. Männer sind innerhalb einer Ehe psychisch gesunder, als als Single, bei Frauen ist es genau umgekehrt. Zufall? Daran glaubt Sveland nicht, sie sieht eine Menge gesellschaftliche Strukturen und Normen, die zu solchen Double Standards führen, sie ist Feministin:
„Feminismus heißt, dass man sich der ungerechten Strukturen zwischen Frau und Mann bewusst ist. Davon gibt es auch heute noch viele. Und natürlich sollte es nicht nur bei dem Bewusstsein bleiben, sondern man muss auch dagegen kämpfen. Für mich ist Feminismus keine private Meinung, sondern eine politische Haltung. Ich persönlich habe viele Jahre lesen, diskutieren, analysieren und nachdenken müssen, bis ich diese Haltung auch wirklich begründen konnte und nun weiß, wie uns Machtverhältnisse beeinflussen. Am meisten kämpfe ich gegen die Ignoranz und Leugnung von Diskriminierung – denn sie sind die ärgsten Feinde des Feminismus.“ (aus einem Brigitte.de-Interview von Susanne)
Am Ende ist das Buch dennoch vorsichtig optimistisch. Geschlechtergerechtigkeit in Beziehungen ist eben keine Selbstverständlichkeit, sie auszuhandeln eine anstrengende Aufgabe für jeden gemeinsamen Tag.
Erschienen bei KiWi Paperback, 272 Seiten, 8 Euro 95.
Eine Leseprobe aus „Bitterfotze“ gibt’s hier.
– Interview mit Sveland auf kiwi-verlag.de
– Susanne interviewte Sveland für Brigitte.de
– Rezension von Dirk Knipphals auf taz.de
– Rezension von Heide Oestreich auf taz.de
Gewinnen!
Mit freundlicher Unterstützung des Verlages Kiepenheuer & Witsch haben wir etwas zu verlosen: Schreibt uns bis Montag, 12 Uhr eine Mail an gewinnen(at)maedchenmannschaft.net und ergattert eines von fünf Exemplaren von Maria Svelands „Bitterfotze“!
Nachtrag:
Hier kannst du nachsehen, wer gewonnen hat.
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