Prävention zum Thema Vergewaltigung wird meistens als Frauensache behandelt. Die Botschaft geht dabei in die Richtung: „Pass auf dich auf“, „Geh nicht mit einem Fremden mit“, „Lass dir nichts in den Drink kippen.“ Sexuelle und andere Gewalt gegen Frauen wird meistens aus der Perspektive der Opfer oder der potentiellen Opfer besprochen. Sei wachsam und musstrauisch, lerne dich zu wehren und begib dich nicht in dumme Situationen ist die Botschaft. Sie ist wichtig und richtig, schreibt aber aber eben auch die Hauptverantwortung den potentiellen Opfern zu.
Seltsam eigentlich, denn für die überwältigende Mehrzahl der Vergewaltigungen sind weltweit Männer verantwortlich. Wenn man also möchte, dass weniger Männer auf die Idee kommen, eine Frau sexuell zu belästigen oder auszunutzen, muss man an deren Hemmschwelle arbeiten.
Genau das versucht eine neue Kampagne im kanadischen Edmonton. „Don’t be that guy“ heißt der Slogan – „Sei doch nicht dieser Typ“. Auf den Plakaten, die in der Stadt hängen, sieht man Frauen in verschiedenen Situationen, in denen sie hilflos oder zumindest auf ihre Begleitung angewiesen sind. So steht unter dem Bild einer offenbar völlig betrunkenen Frau, die halbnackt auf dem Sofa liegt: „Nur weil sie nicht nein sagt, sagt sie noch lange nicht ja.“ Die Kampagne ist deswegen so gelungen, weil sie die Betrachter_innen einlädt, sich in die Situation hinein zu denken, und die einfachen Rechterfertigungen, die so oft im Zusammenhang mit Vergewaltigungen auftauchen, mit einfachen Worten auseinander nimmt.
Alles in allem eine gute Idee – und eine willkommene Abwechslung. Denn hier wird ganz plakativ darauf aufmerksam gemacht, bei wem die Verantwortung in der Vergewaltigungstat liegt. Nämlich bei demjenigen, der antut. Das ist auch insofern relevant, wie auch leonie im mädchenblog schreibt, weil immer noch viel zu häufig Vergewaltigungen nicht angezeigt werden oder es nicht zu Verurteilungen kommt, weil das Opfer sich angeblich leichtfertig oder unangemessen verhalten habe.
Dass vor allem Männer damit zu tun haben, wenn sexuelle Gewalt an Frauen verübt wird: Vielleicht wäre dieser Ansatz auch ein guter Programmpunkt für all die neuen Männerforen und Jungenreferate, die in diesem Jahr aus dem Boden geschossen sind.
Via Jezebel

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