Zum „Schutz“ gefoltert: Brustbügeln in Kamerun

von Magda

Ein heißer Stein wird gegen die Brust eines Mädchens gepresst – in der Hoffnung, dass ihre Brüste aufhören zu wachsen und so nicht das „Objekt männlicher Begierde“ werden. Diese grausame Praxis, die neben Infektionen und Verbrennungen auch Fehlbildungen der Brust zur Folge haben kann, soll junge Mädchen in Kamerun „schützen“. Mit der wachsenden Zahl an Mädchen, die eine Schule besuchen und so nicht mehr ständig unter der Aufsicht ihrer Eltern stehen, wächst auch die Angst vor Teenagerschwangerschaften oder sexuellen Missbrauch. Da die Zahl der Vergewaltigungen und frühen Schwangerschaften in Kamerun stetig zunimmt, versuchen insbesondere weibliche Verwandte – zumeist die Mütter – die Brüste junger Mädchen und somit ein Zeichen der sexuellen Reife „wegzubügeln“. Ein Viertel aller Kamerunerinnen sind davon betroffen, überwiegend in den christlichen Regionen im Süden Kameruns.

In einem Bericht von der Tagesschau über das so genannte „Brustbügeln“ heißt es

Brustbügeln – eigentlich eine sehr alte Methode. Früher glaubte man fälschlicherweise, dass die Mädchen dann genug Milch für ihre Kinder produzieren würden. Eine Studie der deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) zeigt, dass mit dieser grausamen Praxis erst seit ein paar Jahrzehnten vor allem das Erwachsenwerden hinausgezögert werden soll. Nicht nur in Kamerun sollen mehrere Millionen Mädchen betroffen sein, sondern auch in Togo, Benin, Nigeria und Äquatorialguinea.

Über die grausame Praxis berichtet auch current.com (englisch)

Danke an Lotta für den Link.




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Eintrag geschrieben: Montag, 26. Juli 2010 um 8:56 Uhr unter Gewalt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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6 Kommentare

  1. Thomas sagt:

    Wieder mal ein erschreckender skandalöser Bericht aus der Retorte geschlechterhierarchischer Fehlentwicklungen.
    Bestrafung der Unschuldigen und der potentiellen Opfer. Es ist für mich schockierend!

  2. access denied sagt:

    Wusste ich noch nicht.
    Was Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt erdulden müssen, ist mir zutiefst zuwider.
    Wenn Leute dann fordern, solche Vorgänge aufgrund „kultureller Eigenarten“ zu akzeptieren, machen sie sich mitschuldig an solchen Verbrechen.

  3. undisputeddumb sagt:

    Es wäre schon interessant, zu wissen welche „Vorgänge“ du meinst, u. vlt. auch welche Leute. Das Gegenteil geht nämlich auch nicht, etwa wenn z.B. du oder ich aus Deutschland heraus von den Kameruner, die, nun ja, schon ein souveränen Staat haben, meinen, etwas fordern zu können.
    Kulturelle Eigenarten zu akzeptieren, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit und kein „Verbrechen“.

  4. E. sagt:

    @undisputeddumb
    kulturelle Eigenarten steht übrigens in Anführungszeichen
    und access denies schreibt _solche_ Vorgänge, deswegen gehe ich einfach mal davon aus dass ähnlich grausame Praktiken wie Brustbügeln gemeint sind.

    So ein bisschen eigenständiges Denken/Lesen muss man anderen doch zutrauen können.

  5. access denied sagt:

    „Kulturelle Eigenarten zu akzeptieren, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit und kein “Verbrechen”.“

    Derlei „Eigenarten“, die nichts anderes sind als barbarische Riten, resultierend aus einer rückständigen, mysthisch verklärten Weltsicht, meistens gepaart mit der Sicherung der exklusiven, sexuellen Verfügbarkeit der Töchter durch die Familie, bin ich nicht bereit zu akzeptieren. Das sind Verbrechen, nichts anderes.

  6. Thomas sagt:

    Der Begriff „Kulturelle Eigenarten…“ ist ein sehr facettenreicher :

    „…gerade die abendländiche Christenkultur, also die sogenannte Zivilisation, entwickelte ein ganzes Toparsenal des Schreckens….“

    (Quelle : Streifzüge, Aus: Franz Schandl, Der postmoderne Kreuzzug, 28.12.2007)

    Wenn man diese Umstände vor diesem Hintergrund der kulturellen „Werte“ beleuchtet, von denen auch unsere Hemisphäre zu Genüge betroffen war, dann stellt man meist fest, daß die Betroffenen meist nicht um ihre Meinung gefragt wurden, ob sie diese Ansicht teilen.

    Ich kann mir persönlich auch nur schwer vorstellen, daß die jungen und noch unmündigen von ihren Eltern abhängigen Mädchen in Kamerun zum Brüstbügeln engagiert nachfragen.