Doing Gender am Mittagstisch

von Susanne

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat die Bedürfnisse und das Essverhalten von Frauen und Männern untersucht und miteinander verglichen. Dabei haben sie so allerlei Unterschiede festgestellt, glauben aber nicht an das Märchen, dass Frauen per definitionem und quasi schon in den Genen nun mal so und Männer nun mal ganz anders seien. Stattdessen:

Die unterschiedlichen Geschmäcker beim Essen und Trinken seien hauptsächlich auf traditionelle und soziale Strukturen zurückzuführen, glauben die Ernährungswissenschafter. Männer zum Beispiel äßen viel zu viel Fleisch. Sie hätten zwar einen erhöhten Bedarf an Eiweiß, weil sie mehr Muskeln hätten als Frauen, der Anteil an Fleisch in ihrer Kost sei aber bei Weitem zu hoch, sagen sie.

(…)

Männer hingegen essen kaum Obst, und wenn, dann verarbeitet, etwa im Apfelstrudel. Auch das liege eher an Traditionen, urteilen die Forscher. Die latente Ablehnung von Obst bei Männern lasse sich rein physiologisch nicht erklären. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Obstverzehr sei bereits in der Kindheit vorhanden und bleibe bis ins hohe Alter erhalten. Das Verhalten sei wohl hauptsächlich auf Erziehung zurückzuführen.

Vor allem beim Essen betreiben viele Menschen (unbewusst?) eine Art Geschlechterselbstvergewisserung. Damit sie sich als „richtige“ Frau fühlen, greifen die Ladys gern zu Salat, Joghurt und Schokolade. Ein „echter“ Mann zu Fleisch und fettigen Nahrungsmitteln. Das unterschiedliche Essverhalten ist weniger Ausdruck biologischer Tatsachen, sondern oftmals der Versuch, seine geschlechtliche Identität auszudrücken – kurz: Doing Gender.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 12. Dezember 2008 um 16:43 Uhr unter Uncategorized. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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8 Kommentare

  1. jj sagt:

    „Das unterschiedliche Essverhalten ist nicht Ausdruck biologischer Tatsachen, sondern oftmals der Versuch, seine geschlechtliche Identität auszudrücken.“

    „Sie hätten zwar einen erhöhten Bedarf an Eiweiß, weil sie mehr Muskeln hätten als Frauen, der Anteil an Fleisch in ihrer Kost sei aber bei Weitem zu hoch, sagen sie.“

    Auch hier gilt wohl wieder: Sowohl als auch.

  2. Susanne sagt:

    @ jj: Danke für den Hinweis. So absolut („…nicht Ausdruck…“) will ich es auch eher nicht formuliert haben (auch um die Diskussion in der Spur zu lassen, in der ich sie mir eigentlich vorstelle), deswegen jetzt „…weniger Ausdruck…“

  3. Erna sagt:

    ich wäre nie auf die idee gekommen dass das essverhalten von menschen irgendwie von genen beeinflusst wird… zumindest nicht in solch spezifischer form.
    Schon allein die werbung zeigt ja das joghurt, schokolade etc die zielperson frau als thema hat… bei fast food-werbung stehen dagegen eher männer im vordergrund (oder kinder aber das sind auch meist männliche wenn meine wahrnehmung mir da keinen streich spielt.)
    insgesamt ist ernährung (auch bei der unterscheidung gesund/ungesund oder zum beispiel wenn es darum geht neues auszuprobieren, fisch und meeresfrüchte zu essen,…) extrem von erziehung bzw modelling geprägt.
    das schöne daran ist dass man gesunde ernährung auch relativ leicht anlernen kann… *freu*

  4. Miriam sagt:

    Nach dem von euch verlinkten Beitrag auf Steffi’s Blog über Menschenrechte, hat sie über Mädchenportionen in der Kantine geschrieben:
    http://froehnergoodwin.blogspot.com/2008/12/keine-mdchenportionen-bitte.html

  5. Marie sagt:

    Dazu passt auch hervorragend die neue Burger King Werbung „Mancademy“. Selten so einen Mist gesehen….

  6. Susanne sagt:

    Wer ankucken will, was Marie meint:

  7. junaenmama sagt:

    @ Erna: Zur „Ehrenrettung“ der Frau gibts ja zum Glück noch unsere Heidi, die uns mit Werbung von Mc Blöd beglückt.

  8. Erna sagt:

    ach ja, die hätte ich auch fast vergessen… aber im grunde macht sie ja in erster linie für so speziellen schnickschnack wie ciabatta-brot, hühnchen und salat werbung.. so sachen die frauen eben essen… *ironie aus*