Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat die Bedürfnisse und das Essverhalten von Frauen und Männern untersucht und miteinander verglichen. Dabei haben sie so allerlei Unterschiede festgestellt, glauben aber nicht an das Märchen, dass Frauen per definitionem und quasi schon in den Genen nun mal so und Männer nun mal ganz anders seien. Stattdessen:
Die unterschiedlichen Geschmäcker beim Essen und Trinken seien hauptsächlich auf traditionelle und soziale Strukturen zurückzuführen, glauben die Ernährungswissenschafter. Männer zum Beispiel äßen viel zu viel Fleisch. Sie hätten zwar einen erhöhten Bedarf an Eiweiß, weil sie mehr Muskeln hätten als Frauen, der Anteil an Fleisch in ihrer Kost sei aber bei Weitem zu hoch, sagen sie.
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Männer hingegen essen kaum Obst, und wenn, dann verarbeitet, etwa im Apfelstrudel. Auch das liege eher an Traditionen, urteilen die Forscher. Die latente Ablehnung von Obst bei Männern lasse sich rein physiologisch nicht erklären. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern beim Obstverzehr sei bereits in der Kindheit vorhanden und bleibe bis ins hohe Alter erhalten. Das Verhalten sei wohl hauptsächlich auf Erziehung zurückzuführen.
Vor allem beim Essen betreiben viele Menschen (unbewusst?) eine Art Geschlechterselbstvergewisserung. Damit sie sich als „richtige“ Frau fühlen, greifen die Ladys gern zu Salat, Joghurt und Schokolade. Ein „echter“ Mann zu Fleisch und fettigen Nahrungsmitteln. Das unterschiedliche Essverhalten ist weniger Ausdruck biologischer Tatsachen, sondern oftmals der Versuch, seine geschlechtliche Identität auszudrücken – kurz: Doing Gender.

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