In Colorado Springs tötete am Freitag ein Mann drei Menschen und verletzte neun weitere in einer Planned Parenthood Klinik. Eine Tat, die sich einreiht in eine Geschichte von Angriffen gegen Personen und Organisationen, die Abtreibungen vornehmen oder Menschen bei diesen unterstützen. Eine Tat die zum einen im Zusammenhang der konkreten Kampagne gegen Planned Parenthood, welche seit Monaten läuft, zu sehen ist und auch im allgemeinen Kontext all jener Rhetoriken, Gesetzgebungen und Debatten, die Abtreibungen verdammen und Körper, die nicht cis-männlich sind, regulieren wollen. (Und dies ist natürlich auch kein us-amerikanisches Phänomen.)
In Online-Auseinandersetzungen rund um die Morde wurde wieder einmal deutlich, was „Pro Life“/ „Lebensschutz“ eigentlich bedeutet. Es ist eine Ideologie, in der ein Fötus sehr viel wert hat, die austragende Person hingegegen gar keinen, aber darüber hinaus auch wiederum hingenommen wird, wenn schwangere Personen (und ihre Föten) bei Angriffen auf Abtreibungskliniken sterben. Es geht nicht um Kinder (von denen sechs allein durch dieses Attentat ein Elternteil verloren), sondern um Kontrolle.
Und in der medialen Darstellung? Da schrieb die New York Times in einem langen Portrait zum Täter, er sei ein „sanfter umherziehender Einzelgänger, der hin und wieder gewaltätig gegenüber Frauen und Nachbar_innen, die er kannte, wurde“. Und auch wenn das „sanft“ (gentle) mittlerweile aus dem Text herausredigiert wurde, so bleibt die Grundtendenz doch erhalten: (Wieder einmal) wird ein weißer männlicher Attentäter stärker „vermenschlicht“ als dies sogar bei Schwarzen Opfern von Gewalt üblich ist.
The Times has now removed "gentle" btw pic.twitter.com/MmiuT1TVJA
— Jack Mirkinson (@jackmirkinson) November 29, 2015
Das Einzelgänger-Narrativ ist eines, welches Journalist_innen und Politiker_innen mit Vorliebe herauskramen, wenn es um die Einschätzung von Attentaten ausgeführt von weißen, christlich-säkularen Männern geht. Und dies ist nicht nur ein Erzählung, die eine Lebensgeschichte des Täters zentriert, welche eventuell sogar nich Mitleid erregen soll, sondern vor allem eine, die die Tat außerhalb von Machtverhältnissen und größeren Zusammenhängen rückt. Getötet hat dann eine Person, die keineswegs beeinflusst wurde von sexistischen/ rassistischen/ etc. Denkmustern und Teil einer größeren Gruppe mit eben solchen Vorstellungen ist, sondern eine Person, die „eigensinnig“ ist, vielleicht etwas „verwirrt“. Diese Ausflüche, zu denen auch gehört, dass bei solchen Taten die Motive zumeist als unklar beschrieben werden, tragen zu eben jenem gesellschaftlichen Klima bei, in dem solche Morde ausgeführt werden.
Zum Weiterlesen bei der Mädchenmannschaft:
Utøya. Drei Jahre. (Charlott)
Alle* Leben sind gleichwertig: Ein Notizzettel voller Gedanken (Hengameh)
Ein deutsches Drama (accalmie)
Terroranschlag: Was das Patriarchat versäumt hat (Nadia)
Einzelfall Elliot Rodger. Oder: Wieder sexistisch motivierte Morde. (Charlott)

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