Die Weltwoche hat diese Woche eine Fingerübung in engstirnigem Sexismus veröffentlicht. In der Schweiz hat die Leiterin eines Unternehmens die Frechheit besessen, auf ihre Babypause zu bestehen. Und das in der Wirtschaftskrise, wo Wirtschaft das wichtigste der Welt ist! Empört sich Roger Köppel und fragt sich ganz ernsthaft: Darf eine Chefin in der Wirtschaftskrise einfach schwanger werden? Und begründet sein ausdrückliches NEIN damit, dass ein Firmenchef ja sicher auch nicht einen zweimonatigen Liebesurlaub nach Venedig machen dürfte. So zum Beispiel. Außerdem, und das ist wirklich mein absoluter Lieblingssatz in diesem Bouquet blumigster Metaphern: „Am Ende ist Wirtschaft wie Krieg: Armeen brauchen gute Generäle, die vor allem im Ernstfall verfügbar bleiben müssen.“
Da fragt man sich WTF? Gratuliere zu dem Wirtschaftsverständnis und viel Spaß damit, als männlicher Verantwortungsträger diese Sache zu einem glücklichen Ende zu führen. Immerhin, in Zukunft haben wir für jedes Mal, wenn einer Frauen als unlogisches Geschlecht bezeichnet, ein Textdokument als schlagenden Gegenbeweis.
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier macht sich auch Gedanken darüber, Frauen Veranwortung zu geben und hat versprochen, sein Kabinett zu 50 Prozent mit Frauen zu besetzen. Entschuldigung, wenn mich das nach der bisherigen Priorität, die der SPD-Vorstand Frauenpolitik eingeräumt hat, nicht unbedingt überzeugt. Laut Emnid käme die SPD aktuell auf 24 Prozent; ich sag auch immer, dass ich 100 Prozent weniger rauche, wenn ich gerade eh kein Bier trinken werde.
Bei bitchbuzz gibt es eine Linkliste mit den flickr-Seitem vieler junger Fotografinnen. Die Autorin des Textes findet diese Frauen besonders talentiert, ich finde, ihre Bilder sehen sich alle recht ähnlich. Alles Klamotten, Glanzeffekte, Hipsterposen. Können wir die Indie-Ästhetik nicht langsam mal ein bisschen revolutionieren?
Die berüchtigte Don’t ask don’t tell-Politik, die im US-Militär gegenüber Homosexuellen betrieben wird, gerät zunehmend in die Kritik. Aktueller Auslöser ist der Mord an einem jungen Marine, der für seine sexuelle Orientierung von seinen Kameraden wohl schon lange belästigt wurde. Er hatte es nicht gewagt, sich bei seinem Vorgesetzten über Drohungen und Angriffe seiner Kameraden zu beschweren. Vergangene Woche wurde die halbverbrannte, mit Schusswunden durchsiebte Leiche des 29-jährigen August Provost an einem Wachposten aufgefunden.DADT bedeutet, kurz gesagt, dass Soldatinnen und Soldaten sich zu ihrer sexuellen Orientierung nicht äußern dürfen. Wer sich offen als schwul oder lesbisch bekennt, wird entlassen. Mit dieser Politik wird dafür gesorgt, dass zwar einerseits Schwule und Lesben stillschweigend geduldet werden, sie aber andererseits trotzdem keinen Schutz vor Diskriminierung erhalten. Obwohl Barack Obama die DADT-Policy kritisiert hat, ist von seiner Regierung bisher nichts für eine Reform getan. Und nachdem das US-Militär eine Bastion der chauvinistischen Brutalität ist – was auch die immer wieder erschreckende Vergewaltigungsrate zeigt – wird es wohl noch sehr lange dauern, bis sich überhaupt etwas tut.
Übergewichtige Kinder leiden schon früh an negativer Selbstwahrnehmung, sind oft einsam und haben mehr Angst als normalgewichtige Kinder. Eine neue Studie zeigt, dass das eigene Gewicht für Kinder schon viel früher als angenommen zum Problem wird. Die Forschungsgruppe zeigte sich überrascht, dass auch kleine Jungen an ihrem Gewicht stark leiden. Trotzdem zeigen vor allem kleine Mädchen, die dick sind oder einen Hang zum Übergewicht haben, Verhaltensauffälligkeiten. Die Forscher führen dies vor allem auf das gesellschaftliche Stigma, mit dem die Kinder schon früh konfrontiert bzw. belegt werden, zurück.
Das Online-Spiel Evon ist nicht nur ein Riesenbetrug, sondern wohl auch so unbeliebt, dass die Betreiber verzweigeln: Anders lässt sich die abgrundtiefe Geschmacklosigkeit dieser Werbungen wohl nicht erklären:

Sarah Palin hat uns im letzten Jahr so oft in Besorgnis über die Welt versetzt, dass ihr Rücktritt und die (wirre) Begründung dafür durchaus von Interesse sind. Die einen erklären’s mit Mutterinstinkt, die anderen mit ihren Ambitionen auf die Päsidentschaftskandidatur 2012, wieder andere vermuten, dass es eigentlich nur darum geht, schonmal das Deck klar zu machen für den Riesensturm aus Skandalen, der auf sie zukommt. Die Diskussion um die geistige Zurechnungsfähigkeit, die ultimativen Motive und das Vorhandensein eines Masterplans von Bald-Ex-Gouverneurin Sarah Palin reissen, zumindest in den USA nicht ab. Wer ihre Rücktrittsrede noch nicht gesehen hat – muss das tun. Eine der gelungensten Realsatiren, die uns das Leben dieses Jahr beschert hat:
Hat Barack Oabama einer jungenBrasilianerin beim G8-Gipfel jetzt auf den wohlgeformten Hintern geguckt oder nicht? Medien diesseits und jenseits der Blogosphäre haben lange darüber diskutiert und sind jetzt zum dem Schluss gekommen: er hat, aber es ließ sich nicht vermeiden. Obama war in dem Moment, da der Fotograf abdrückte, gerade im Begriff der Dame hinter sich Hilfe beim Treppensteigen zu leisten. Kollege Sarkozy hingegen hielt keiner Frau den Arm und ließ sein Auge ohne Not wandern. Der Berlusconismus überträgt sich offenbar per Tröpfchen. Willkommen im Club der geschmacklosen Männer, willkommen in der Welt der Präsidenten.

Und zum Schluss, einfach so, zwei Lieder von Ladys, die den Pop wieder besser machen:
Lily Allen trällert den Homophoben, den Sexisten und den Rassisten ein fröhliches Lied in ihre hasserfüllten Gesichter: Fuck you very much!
Beth Ditto sagt uns, warum wir immer zusammenhalten müssen und ist dabei herrlicher denn je:

Schreibe einen Kommentar
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.