Terrorismus klingt nach Islam und Selbstmordattentaten? In der Huffington Post schreibt Shannyn Moore über eine andere, stetig wachsende Bedrohung für die amerikanische Gesellschaft: der christlich fundamentalistische Terror.
Pastor Steven Anderson von der Faithful Word Baptist Church in Tempe (Arizona, USA) beispielsweise wünscht dem US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama den Tod, weil dieser sich für Abtreibungsrechte einsetzt. Anderson besuchte nie eine Universität, kann aber über 100 Kapitel der Bibel und die Hälfte des neuen Testaments auswendig, denn das Wort Gottes sei die Säule der Wahrheit und nicht etwa eine weltliche Universität. Auf der Homepage der Kirche gibt man freimütig zu, dass man sich nicht schämt „altmodisch, unabhängig, und fundamental“ zu sein.
CNN berichtete Ende August über die stetig wachsende Gefahr eines christlich fundamentalistisch motivierten Attentats auf Obama und zitierte eine von Anderson’s Hasspredigten, in der dieser seinen Wunsch, Barack Obama tot zu sehen, mit Bibelstellen wie dem Psalm 58 rechtfertigte. Im Psalm 58 wird beschrieben, wie Gott allein der Richter dieser Welt sei und es dem Menschen nicht zustünde, selbst zur richten. Jene, die dies doch wagen, werden mit Gottes Strafe rechnen müssen. Eine Abtreibung wäre ein Eingriff in Gottes Plan und dessen VerfechterInnen müssten demnach bestraft werden.
So heißt es in einem Teil des Psalms beispielsweise:
Laß sie, wie Wasser fließt, zerfließen!
Ihr Pfeil zersplittre in der Hand,
wenn sie ergrimmt den Bogen spannt,
und eh sie noch zu morden schießen,
laß sie, die sich im Stolze blähn,
wie Schnecken schmelzen und zergehn!
Auf diesen Psalm verweisend rechtfertigt Anderson seine Aussage, Obama hätte den Tod verdient, folgendermaßen:
„Why should Barack Obama melt like a snail? Why should Barack Obama die like the untimely birth of a woman? Why should his children be fatherless and his wife a widow, as we read in this passage? Well, I will tell you why. Because, since Barack Obama thinks it is OK to use a salty solution, right, to abort the unborn, because that’s how abortions are done, my friend, using salt — and I would like to see Barack Obama melt like a snail tonight (…) I am going to pray that he dies and goes to hell.“
(zu deutsch: „Warum sollte Barack Obama wie eine Schnecke schmelzen? Warum sollte Obama sterben wie die vorzeitige Geburt einer Frau? Warum sollten seine Kinder vaterlos und seine Frau zur Witwe werden, wir wir dies in dem Absatz lesen? Nun, ich werde euch sagen, warum: Weil Obama denkt, es sei ok eine salzige Lösung zu benutzen, um ein Ungeborenes abzutreiben, weil so Abtreibungen durchgeführt werden, meine Freunde, mit Salz – würde ich gerne sehen, wie Obama heute Nacht wie eine Schnecke schmilzt (…) Ich werde dafür beten, dass er stirbt und zur Hölle fährt.“)
Barack Obama, dessen Abstimmungsprotokolle darauf hinweisen, dass er im Zweifelsfalle für das Recht auf Abtreibung einsteht, ist demnach Verfechter der Roe v. Wade Grundsatzentscheidung des Obersten Gerichtshofes, welches 1973 Schwangerschaftsabbrüche unter das Recht auf Privatsphäre stellte. Gesetzliche Abtreibungsverbote der einzelnen amerikanischen Bundesstaaten sind im zweiten Trimester nur eingeschränkt und im dritten Trimester ohne Beschränkung möglich, wohingegen die ersten drei Monate der Schwangerschaft der Privatssphäre der Frau unterliegen und somit ein Schwangerschaftsabbruch möglich ist. Anstatt allerdings öffentlich zu betonen, dass Abtreibung das Recht einer jeden Frau (und ihres/ihrer Partner/in) sei, steht Obama insbesondere für präventive Maßnahmen wie Verhütung und eine angemessene Aufklärung in Schulen.
Pastor Anderson und seine drastischen Aussagen sind keinesfalls ein Einzelfall. So gab es gerade in letzter Zeit enormen Aufwind christlicher FundamentalistInnen, was mit dem Mord am Abtreibungsbefürworter Dr. George Tiller, der Abtreibungen auch noch nach dem ersten Trimester durchführte, einen seiner traurigen Höhepunkte erreichte (feministing berichtete). Auch in Deutschland sind christlich-fundamentalistische GegnerInnen von Abtreibung auf dem Vormarsch. Mit ihren 1000 Kreuze für das Leben organisiert der Bundesverband Lebensrecht immer wieder Schweigemärsche „um der ca. 1000 Kinder zu gedenken, die an einem gewöhnlichen Werktag in Deutschland abgetrieben werden“ und erinnern uns daran, dass Abtreibungsrechte auch heute noch verteidigt werden müssen.
Danke an unsere fleißige Leserin Anne für den CNN Link!

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