Bloggen: Ich bekomme was, also gebe ich was!

von Helga

In jeder Folge der WWW Girls stellen wir euch eine Bloggerin und ihr Weblog vor. Heute:

dT ~ dieTilde { ° ° }

Wie heißt du?
Maya

Seit wann bloggst du?
Ich habe im Jahr 2004/2005 schon mal ein Blog gehabt, das aber wieder eingestellt, weil ich wegen eines Haufens Probleme einfach keine Zeit und keinen Nerven mehr dafür übrig hatte. Anfang 2011 eröffnete ich ein Blog, in dem es um mein begonnenes Fernstudium ging. Da ich das aber zur Zeit auf Eis gelegt habe, liegt das brach. Mein jetziges Blog ist in der Form erst seit November 2011 online.

Drei Bloggerinnen mit weißen Laptops auf denen der Venusspiegel prangt, darum der Slogan - Feminists of the WWW: unite

(c) Frl. Zucker, fraeuleinzucker.blogspot.com

Warum hast du damit angefangen?
Die Gründe sind vielfältig. In erster Linie aus Lust am Schreiben und weil ich meine Musikbegeisterung ins ganze Netz hinausschreien wollte. Außerdem wollte ich endlich wieder aktiv partizipieren und das Internet nicht nur passiv konsumieren. Getreu dem Motto, ich bekomme was, also gebe ich was. Es ist mir außerdem wichtig, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Ich engagiere mich im Ehrenamtssektor, aber das hat mir nicht gereicht, also wollte ich ein Sprachrohr für das Netz und das ist jetzt mein Blog.

Worüber schreibst du?

Das ist ähnlich vielfältig. Und verändert sich auch ständig. Anfangs wollte ich nur über Musik, Literatur, Kunst und die immer noch sehr tabubehaftete Krankheit Depressionen schreiben (mit der ich seit ca. 20 Jahren lebe), außerdem meine eigene Prosa veröffentlichen, die sich im stillen Kämmerlein in den letzten 20 Jahren in meinem Schreibtisch angesammelt hat.

Aber irgendwie kam’s etwas anders.

Ich schreibe immer noch viel über meine geliebte Musik, aber seltener Prosa. Ich rege mich aber ab und zu über eine Reihe von Unsäglichkeiten auf. Und da ich das gerne auch den verantwortlichen Adressat_innen mitteile, dachte ich, das passt auch gut auf mein Blog, also sind auch feministische, sozialpolitische Themen dazu gekommen. Ich bin eine Anfängerfeministin, aber der Feminismus macht mein Leben schöner und darüber möchte ich auch schreiben.

Meine Rolle als Systementwicklerin gibt mir zusätzlichen Stoff, ich sehe mich da als eine Art Botschafterin: IT ist kein Zauberwerk, auch wenn es von vielen meiner Kolleg_innen so verkauft wird. Es ist auch kein fades Fachgedöns. Im Gegenteil, IT ist ein vielseitiger und kreativer Bereich, ein schöner, bei dem jede_r in unterschiedlichsten Formen mitmachen kann, das ist nichts, wovor Menschen Angst haben müssen, das haben sie aber oft. Aber let’s face it: Einen Computer zusammen zu bauen ist auch nichts anderes als Lego oder Modellbau.

Ich möchte mich in Zukunft darauf noch stärker fokussieren. Vielleicht einen Online-Programmierkurs für Interessierte ohne Vorkenntnisse starten oder generell IT-Themen für fachfremde Interessierte so aufbereiten, dass sie verständlich sind und Lust auf mehr machen. Die Fachpresse finde ich oftmals zu sehr dogmenbehaftet, sehr überheblich und langweilig und deswegen macht es auch mir oft keinen Spaß, die zu lesen.

Was dir ohne Internet nicht passiert wäre:
Ich hätte meine große Liebe und einige tolle Freundinnen nicht kennengelernt.

Wovon braucht das Internet mehr:
Generell: Mehr Klasse als Masse. Es braucht mehr Verantwortungsbewusstsein und generell mehr Bewusstsein dafür, dass das Netz kein emotions- und/oder rechtsfreier Raum ist. Wie im echten Leben auch, ist es im virtuellen Leben genauso wichtig, erst mal darüber nachzudenken, wie etwas ankommt, was man schreibt und das eben im günstigsten Fall, bevor man den Posting-Knopf gedrückt hat.

Es braucht ein Weniger an der Äußerung persönlicher Aversionen und Dingen, die das Thema verfehlen. Es geht mir nicht um Meinungsbeschneidung, sondern, dass man die Dinge, die man liest nicht gut finden muss, aber das auch nicht jedes Mal mitteilen muss, wenn es so und so nichts zur Sache tut.

Wenn ich klassische Musik nicht leiden kann, dann sollte ich kein Album dieses Genres „rezensieren“ oder mich auf einem Portal aufhalten, das sich dem Genre verschrieben hat. Wenn ich im Web nach einer Lösung für mein Problem mit meiner Linux-Plattform suche, möchte ich nicht darüber aufgeklärt werden, dass Windows besser ist. Wenn mir das Blog xyz.de nicht gefällt, ja, meine Güte, dann surfe ich es einfach nicht an.

Frauen* im Web sind…
Wunderbar natürlich. Mit coolen Ideen und tollen Blogs. Wie im Leben jenseits von Bits und Bytes auch.

Deine tägliche Web-Lektüre:
Täglich vielleicht nicht, aber neben den üblichen Verdächtigen wie Zeit Online und Der Freitag: Missy Magazine, Spex, das Blog der Ethikbank, die Webseite von urgewald e. V. und natürlich euer Portal, die Mädchenmannschaft.

Es gibt bei der Süddeutschen eine Serie, in der regelmäßig junge Fotograf_innen vorgestellt werden, da habe ich schon tolle Entdeckungen gemacht.

Ganz großartig finde ich Livemocha, ein Sprachenlern-Portal, auf dem ich neben der Möglichkeit, mit Muttersprachler_innen Sprachen zu lernen immer wieder tolle interessante Menschen aus aller Welt kennenlerne und damit sozusagen in einem ständigen interkulturellen Dialog sein kann, wenn ich das möchte. Das finde ich einfach wunderbar.

Ich lese außerdem gerne die Blogs von Sarah Riedeberger, Kathrin Wessling, Ninia LaGrande und Elisabeth Rank, weil ihre Texte regelmäßig eine wohlige Gänsehaut bei mir erzeugen und einfach fantastisch sind.

Auch dem Gemeinschaftsprojekt „Eine gemischte Tüte Leben bitte“ statte ich oft einen Besuch ab, ein tolles Projekt von zwei ganz fantastischen jungen Frauen, eben schon genannter Sarah und Sofia, das sich mit Aufklärung um und mit Depressionen und Suizid beschäftigt und sich mit Sicherheit über jede_n neue_e Besucher_in freut.

Holyfruitsalad! ist für mich – nicht nur – als Katzenfreak ein Muss und außerdem malt Simon Tofield die schönsten Katzen-Comics und-Karrikaturen der Welt.

Tipps und Bewerbungen für die WWW Girls an post(at)maedchenmannschaft.net.




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Eintrag geschrieben: Montag, 19. März 2012 um 9:23 Uhr unter Netz(kultur). RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. […] einem von mir regelmäßig gelesenen Blog, wurde erst neulich unter der Überschrift “Ich bekomme was, also gebe ich was” das Bloggen selbst zum Thema gemacht. Selbst zu schreiben anstatt nur mitzulesen heißt (einmal […]

  2. dieTilde sagt:

    Ich habe mein Blog heute aus persönlichen Gründen eingestellt. Noch verlinkte Artikel sind über eine Weiterleitung aber nach wie vor an anderer Stelle verfügbar. Dankeschön für Erwähnung, Werbung und Interview (ja, ich weiß, viel zu spät, ich bin da chronisch nachlässig).

  3. Magda sagt:

    Liebe dieTilde,

    schade :( Aber ich freue mich auf Beiträge an anderer Stelle von dir!

  4. dieTilde sagt:

    @Magda
    Dankeschön. Für die Femgeeks schreibe ich ja sowieso weiter und der Rest wird sich zeigen.

    Was ich nachträglich und korrektiv zum Interview hinzufügen möchte:

    Ich lese Holyfruitsalad! nicht mehr, da sie einen extrem rassistischen Beitrag veröffentlicht hat, auf dem auch extrem rassistische Kommentare zugelassen wurden.

  5. Bäumchen sagt:

    Wow … hab den Artikel gefunden und hab jetzt eine gerötete Stirn vom Facepalmen.