Letzten Donnerstag hat sich das US-amerikanische Repräsentantenhaus und der Streitkräfte-Ausschuss des Senats für die Aufhebung des 1993 unter Bill Clinton initiierten Gesetzes “Don’t Ask Don’t Tell” (DADT) ausgesprochen. Die Initiative, die unter anderem auch vom US-Verteidigungsminister Robert Gates unterstützt wird, soll noch im Juni dem gesamten Senat zur Abstimmung vorgelegt werden.
Die DADT Richtlinien untersagen dem Militär einerseits, Soldaten und Soldatinnen nach ihrer sexuellen Orientierung zu fragen („Don’t ask“), verbieten homo- bzw. bisexuellen Soldat_innen allerdings auch, ihre sexuelle Identität während des Dienstes öffentlich zu machen (“Don’t Tell”). Damit befindet sich die USA momentan noch in „guter“ Gesellschaft mit u.a. Nordkorea, dem Iran und der Türkei. Die geplante Aufhebung dieses Gesetzes wird insbesondere von Demokrat_innen und Homosexuellenverbänden begrüßt.
Angesichts der Tatsache, dass die US-Armee durch die Kriege im Irak und in Afghanistan nicht nur unter einem zunehmend schlechteren Ruf sondern auch unter enormen Rekrutierungsmangel leidet, liegt die Annahme nahe, dass die Aufhebung von DADT auch einem anderen Zweck dient: Das Militär braucht Nachwuchs und sieht sich somit gezwungen, ein attraktiverer Arbeitsplatz zu werden.
Lockerungen von Bestimmungen zum Dienst an der Waffe sind keinesfalls neu in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Wie viele andere Länder litt auch die USA unter sinkenden Rekrutierungszahlen, woraufhin immer mehr Bereiche für Frauen geöffnet wurden – obwohl diese bis heute nicht in direkten Kampfhandlungen (direct combat) erlaubt sind. Besonders seit der Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht für Männer 1973 stieg die Anzahl der Soldatinnen stetig.
Trotz der Eingliederung von Frauen in die Armee verringerten sich die insgesamten Rekrutierungszahlen kontinuierlich, so dass neue Anreize geschaffen werden mussten: So wurden mehr Rekrut_innen ohne High School Abschluss zugelassen, Altersgrenzen für Neu-Bewerber_innen nach oben geschraubt und Prämien erhöht, was das Militär in Zeiten von Wirtschaftskrise und hohen Arbeitslosenzahlen insbesondere für ökonomisch weniger Privilegierte attraktiver machte.
So scheint auch die aktuelle Diskussion um die Aufhebung von DADT nicht zufällig. Dass DADT eine diskriminierende und homophobe Praxis darstellt, ist dem politisch korrekten Establishment sicherlich ein Dorn im Auge. Zentral sei hier wohl aber insbesondere die Tatsache, dass DADT zu einer Flut an unehrenhaften Entlassungen geführt hatte – seit Inkrafttreten der Regelung ungefähr 13.000 – wobei der bloße Verdacht auf Homosexualität ausreicht, um Soldaten und Soldatinnen aus dem Dienst zu entlassen. Die Aufhebung von DADT bekämpft demnach insbesondere die Rekrutierungsschwierigkeiten der Armee: Unehrenhafte Entlassungen von homosexuellen Soldaten und Soldatinnen kann sich das Militär in Kriegszeiten einfach nicht mehr leisten.

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