Andere Länder, andere Mieslinge

von Meredith

Hier ein Schmankerl aus der letzten Debatte zwischen den beiden Kandidaten für die US-Präsidentschaft, Barack Obama und John McCain. Sie wurden nach ihrer Position zum Thema Abtreibung gefragt. Aus europäisch-deutscher Perspektive ist das absurd, aber traditionell eines der wichtigsten Themen in der US-Politik – neben Waffenrecht und gleichgeschlechtlicher Ehe („God, Guns and Gays are what decides the election“, wie ein beliebter Spruch besagt).

Obama beschrieb seine Agenda zu dem Thema und betonte dabei, dass ihm „women’s health“ besonders wichtig sei, und dass ein Schwangerschaftsabbruch im Falle der Gesundheitsgefährdung der Mutter vom Gesetz geschützt werden müsse.  (Zur Erklärung: Es gibt in diversen US-Bundesstaaten immer wieder Versuche, Abtreibungen sogar bei Vergewaltigungen und auch im Falle der Gefahr für die Mutter zu verbieten. VP-Kanidatin Sarah Palin lehnt Abtreibung in jedem Fall ab.)  Kaum ein derart profilierter Politiker hat sich in den USA jemals so dezidiert zur Gleichberechtigung und zu Frauenrechten bekannt wie er.

McCain, der offenbar schon zu diversen Gelegenheiten demonstriert hat, dass er zutiefst misogyn ist, zeigt an diesem Abend, was er von dem Gesundheitsschutz für Frauen hält: Er setzte Gesundheit in Luft-Anführungszeichen und beschrieb Obamas Position als radikal. Ein furchterregendes Zeichen für die Gesellschaftspolitik, die Amerikanerinnen und Amerikaner erwarten dürfen, falls sie doch noch McCain-Palin wählen:

Einen ausführlichen Kommentar zu dem Thema gibt es bei Jezebel.




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Eintrag geschrieben: Freitag, 17. Oktober 2008 um 13:28 Uhr unter Uncategorized. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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7 Kommentare

  1. Sonja sagt:

    „Health“ wird McCain so einige Stimmen kosten, hoffe ich. Die sogenannte „Gesundheit“ der Mutter… urgh.

  2. Judith sagt:

    Ich weiß nicht, wie vielen Menschen in den USA Roe v Wade ein Herzensanliegen ist – auf der einen wie auf der anderen Seite.
    Aber „Gesundheit“ von Frauen in Anführungszeichen zu setzen, könnte selbst auch bei Leuten, denen das ganze Abtreibungsthema eigentlich wurscht ist, zu Sympathieverlusten führen. Armer Kerl.
    Irgendwie macht er auf mich oft so einen schrecklich hilflosen Eindruck. So eine ungeschickte und unsichere Körpersprache. Palin bewahrt zumindest das Gesicht während sie Müll redet. Wie auch immer. Wenn McCain-Palin wirklich gewinnen, dann..nene, soweit denk ich nicht.

  3. jj sagt:

    Auf der anderen Seite hat McCain aber das Maximum an Befürwortung von Roe vs. Wade gezeigt, das ein republikanischer Präsidentschaftskandidat zeigen kann, er sagte explizit „I’m a federalist“ und daß er keinen „litmus-test“ für Richter am Supreme Court habe. Ich bin dezidiert pro Obama, und ich finde es absurd, daß die USA keine vernünftige Debatte zu dem Thema haben, aber McCain ist in der Sache wohl so weit der politischen Mitte zuzurechnen, wie es bei Republikanern nur möglich ist. Fakt ist doch: Ein Demokrat darf nicht öffentlich kritisch zum „women’s right to choose“ Stellung nehmen, selbst wenn er/sie anderer Meinung ist, und ein Republikaner darf nicht dafür sein. Daraus in einem Präsidentschaftswahlkampf auf persönliche Positionen der Politiker zu schließen ist kaum möglich.

  4. SoE sagt:

    Erst hat er gesagt, er wolle keinen Litmustest haben, um dann später noch mal nachzuschieben, dass er denke, eine Befürwortung des Beibehaltung von Roe vs. Wade wäre für ihn Zeichen, dass der Richter nicht qualifiziert sei. Es ist inzwischen auch völlig egal, was McCains persönliche Meinung ist. Spätestens mit der Benennung von Palin hat er wirklich jede seiner ursprünglichen Positionen an den traditionellen Teil der GOP verkauft. Maverick no more!

  5. jj sagt:

    Judith,

    „Ich weiß nicht, wie vielen Menschen in den USA Roe v Wade ein Herzensanliegen ist – auf der einen wie auf der anderen Seite.“

    Absurderweise hat Meredith Recht – Guns God and Gays – Obama hat echt Schwein, daß es gerade eine Wirtschaftskrise gibt. Aber ich denke, man sollte durchaus auch anerkennen, daß das ein moralisches Thema ist, zu dem man gespaltener Meinung sein kann, wenn man mal akzeptiert, daß andere Menschen vielleicht nicht nur unmoralische, selbstbezogene Positionen haben, sondern aus ihrer Sicht valide Gründe für ihre Meinung – das gilt für beide Seiten. Es gibt einfach zwei Rechtspositionen, die hier miteinander abgewägt werden müssen, dann kommt man zu Regelungen wie in Europa (und der ggw. Situation in den USA), oder eben nicht, dann kommt man zu einer Debatte wie in den USA – und jetzt wohl auch mal wieder in Spanien, denn da ist gerade ein holländisches Schiff außerhalb der 12-Meilen-Zone vor Anker gegangen, das Abtreibungen nach niederländischem Recht anbietet.

    Hier mal ein interessantes Video „The real difference between liberals and conservatives“ (Jonathan Haidt, Ted conference):

    http://blog.ted.com/2008/09/the_real_differ.php

  6. jj sagt:

    SoE, stimmt. Aber das klang für mich so, als ob er gerade realisiert hat, was er da eigentlich gerade gesagt hat, oder ob er seine Berater im Hinterzimmer stöhnen gehört hat ;) Kampagnen sind Kampagnen. Keine Ahnung, was McCain als Präsident machen würde. Aber er hat ja schon mit der Rede an Falwells Uni demonstriert, daß er bereit ist, zu tun, was zu tun ist, um eine republikanische Mehrheit zu bauen. Geht halt nicht anders. Der wirkliche Riss in der amerikanischen Gesellschaft läuft mitten durch die republikanische Partei. Und wenn die ökonomischen Konservativen nicht so viel Angst vor einer Umverteilung von weiß zu schwarz hätten (also: Socialism), wären sie Demokraten und im Süden wären die Republikaner das, was die Demokraten vor der Bürgerrechtsbewegung gewesen sind. Präsident würde ein Republikaner dann aber nicht mehr werden…

  7. […] Die Ablehnung der Abtreibung ist in USA nicht nur Sache der Mieslinge, sondern mindestens auch der Mieslinginnen… was dann wohl wieder ein großes Stück Kuchen […]