Die Europawahl steht quasi schon mit zum Klopfen erhobener Hand vor der Tür – und das heißt auch Parteien-Werbungen an jeder Ecke und in den meisten Medien. So erwarten eben auch all jene, die Printmedien erwerben, besonders großformatige Sprüche und Partei-Logos zwischen all den Artikeln.
Keine Aussnahme bildet da die taz. Und sicher sind auch meine Ansprüche an diese Publikation nicht die größten, dafür erinnere ich mich gut genug beispielsweise ans letztjährliche tazlab und was folgte. Trotzdem hat die taz ja weiterhin bestimmte Ansprüche an sich und an diesen sollte sie sich auch testen lassen.
Am Wochenende nun veröffentlichte die taz eine Anzeige der Partei „Alternative für Deutschland“, in der diese kokettierte: „In irgendeine Ecke stellt man uns ja immer. In der hier waren wir aber noch nie. Wir sind anders als Sie denken.“ Dass diese Partei für eine menschenverachtende, rassistische, hetero_sexistische Politik einsteht, lässt sich nicht zuletzt bei der taz selbst in vielen Artikeln nachlesen (oder beispielsweise in der Expertise “Keimzelle der Nation? Familien- und geschlechterpolitische Positionen der AfD” bei der Friedrich-Ebert-Stiftung). Von Leser_innen darauf angesprochen, verwies der Twitteraccount der taz auf einen drei Jahre alten Artikel. Dieser solle die „Erklärung“ liefern.
Was ich aus dem Text ziehe? a) Da Werbeeinnahmen von jeher nur einen geringen Anteil des Einkommens der taz ausmachen, sind sie auch nicht überlebensnotwendig. Folglich hing nicht der Fortbestand der taz an der AfD-Anzeige. b) Die taz druckt nicht alle angebotenen Anzeigen ab, denn: „Wir haben uns festgelegt, dass wir sexistische, rassistische und kriegsverherrlichende Anzeigen ablehnen.“ Im Umkehrschluss muss das dann wohl heissen, dass die AfD nicht unter sexistisch und rassistisch fällt, schließlich wurde die Anzeige ja gedruckt. Damit reiht sich die taz neben andere Mainstream-Medien ein, die versuchen die AfD möglichst „neutral“ zu behandeln und so deren politisches Programm immer auch mit-legitimieren.
Und natürlich selbst, wenn a) nicht der Fall wäre, so bliebe doch die Frage: Was ist eine „linke“ Zeitung wert, die Platz macht für Rechte?

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