Wer war… Betty Friedan?

von Magda
Dieser Text ist Teil 6 von 50 der Serie Wer war eigentlich …

Die US-amerikanische Publizistin, Mitbegründerin und erste Präsidentin der amerikanischen Frauenorganisation National Organization for Women (NOW) wurde am 4. Februar 1921 geboren und verstarb vor vier Jahren an ihrem 85. Geburtstag an Herzversagen.

Betty Friedan / Quelle: womenshistory.about.com

In den 1960ern und 1970ern, in denen sich feministische Theorien in der amerikanischen akademischen Welt etablierten, kritisierten viele FeministInnen wie Betty Friedan die auf der öffentlich/privaten Sphäre basierenden Ideologie, welche die Frau auf die Rolle der Hausfrau und Mutter und den Mann auf die Rolle des Familienernährers und Verdieners reduzierten. Obwohl Frauen seit mehreren Jahrzehnten wählen konnten, Zugang zu Universitäten und den meisten Berufen hatten, konnte man noch nicht von Gleichberechtigung der Geschlechter sprechen. Friedan erforschte mit ihrem Bestseller The Feminine Mystique (1963, „Der Weiblichkeitswahn“) das „Problem, das keinen Namen hat“ und resümierte, dass gleiche Ausbildungschanchen und berufliche bzw. ökonomische Eigenständigkeit der Schlüssel zur weiblichen Unabhängigkeit sei und somit die Gleichstellung von Mann und Frau gewährleiste.

KritikerInnen warfen Friedan vor, die Situation von wohlhabenden und weißen (Haus-)Frauen verallgemeinernd als Situation aller Frauen zu beschreiben. Probleme armer und/oder women of color und ihre Erlebnisse mit der Arbeitswelt und/oder Rassismus thematisierte sie kaum. Auch stand sie dem Einfluss lesbischer Frauen auf die Organisation NOW kritisch gegenüber.

Trotz der Kritik gilt Friedan als eine der wichtigsten TheoretikerInnen der akademischen und politischen Frauenbewegung der 1960er und 1970er Jahre.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 4. Februar 2010 um 10:00 Uhr unter Inspiration. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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5 Kommentare

  1. Patrick sagt:

    Ist NOW nicht auch eine Organisation gegen interventionistische Politik?

  2. Magda sagt:

    Da bin ich überfragt. Wie oben beschrieben, meine ich die National Organization for Women, kurz NOW.

  3. Patrick sagt:

    Ja, ich auch. :)

    Ich meine, NOW – die National Organisation for Women – wäre „egalitarian“ und wollte deshalb nur Gleichbehandlung vor dem Gesetz, keinen besonderen Schutz für Frauen in irgendeiner Art.

  4. Magda sagt:

    Ahhh, jetzt verstehe ich :).

    Da hast du Recht: NOW ist eine sich auf (im amerikanischen Sinne) liberale Grundsätze stützende Organisation, die sich primär mit gesetzlichen Fragen zur Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzt(e). Daher kam auch die Kritik, dass der Fokus auf rechtliche Veränderungen Ungerechtigkeiten relativ einseitig bekämpft bzw. lediglich bestimmte Ungerechtigkeiten beseitigt. In den letzten Jahrzehnten wurde die Agenda von NOW aber um bspw. Rassismus und Homophobie-Bekämpfung erweitert. Wie dies in der Praxis aussieht, ist schwer zu sagen: da müsste man die einzelnen „chapters“ in den unterschiedlichen Städten genauer analysieren.

  5. Thomas sagt:

    „Im Jahr 1966 gründete sie die National Organization for Women (NOW), deren erste Präsidentin sie bis 1970 war. Friedan war entgegen Vertretern anderer feministischer Strömungen der Ansicht, die Emanzipation der Frauen solle nicht gegen die Männer, sondern vielmehr mit den Männern durchgesetzt werden.“

    (aus Wikipedia)

    Ein interessantes Interview, finde ich :

    „Nachdem sie Anfang der achtziger Jahre wegen ihrer moderaten Linie zunehmend von radikalen Feministinnen kritisiert wurde, wandte sich Friedan, 73, einem neuen Thema zu: der Diskriminierung alter Menschen. Ihr Buch „The Fountain of Age“ („Mythos Alter“) wurde in den USA zum Bestseller.“

    http://www.frauennews.de/themen/friedan.htm

    „SPIEGEL: Also ein ewiger Krieg zwischen den Geschlechtern?

    Friedan: Nein, das nicht. Wir können das nicht gegen die Männer auskämpfen, nur gemeinsam mit ihnen. Wir brauchen Kindergärten, Teilzeitjobs, kürzere Arbeitszeit für Männer und Frauen. Wir sind da ja sehr rückständig in Amerika.“

    Kommt mir irgendwie vertraut vor.

    Und m.E. es wird Zeit, daß diese merkwürdigen mehrhundertjährigen historischen Geschlechteranimositäten ausbalanciert werden.