Einträge mit dem Tag ‘Transsexualität’


“Mit Feminismus erwachsen werden” – die Blogschau

20. November 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 68 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Kathrin Ganz hat auf ihrem Blog I Heart Digital Life eine Liste von Podcasts von/mit Frauen* zusammengestellt. Davon inspiriert veröffentlichte auch Antje Schrupp einen Podcast zum Thema “Feminismus vs. Islam?”.

Die Informatikstudentin Melanie von Sideglance macht sich Gedanken darüber, ob sie überhaupt verallgemeinernd von Frauen in der Informatik sprechen sollte.

Schätzungsweise 90% der Fabrikarbeiter_innen in der chinesischen Elektronikindustrie, wo ein Viertel der heute weltweit verkauften Computer hergestellt werden, sind Frauen. Diese Industrie sorgt dafür, dass wir mit einer Vielzahl technischer Möglichkeiten ausgestattet und so feministische Debatten im Netz möglich werden. Angesichts dieser Realitäten wünscht sich das Missy Magazin feministische Debatten und Kampagnen zu den Arbeitsbedingungen in der Elektroindustrie. Denn: “Wir hängen alle mit drin – wir IT- und Kulturarbeiterinnen an diesem, die Fließbandarbeiterinnen am anderen Ende.”

Auf Sina’s Blog findet ihr einen Link zu einer “ehrlichen und realistischen Doku über drei Sexarbeiterinnen im mittleren Alter“.

Annina von Girls Can Blog stellt diese Woche Cathrin vor, eine Geschichtsstudentin, die von ihren Erlebnissen in Hanoi schreibt. Außerdem berichtet Annina über die Bloggerin und Journalistin Asmaa Alghoul aus Gaza, die eine Morddrohung erhalten halt – weil sie sich für die Rechte palästinensischer Frauen einsetzt (eine deutsche Version gibt es auf Ruhrbarone).

Marianna erinnert auf ihrem Blog Frau mit Bart an den heutigen Gedenktag für Transgender, die im letzten Jahr aus dem Leben gerissen wurden.

Leoni vom Mädchenblog hat ein gruseliges Stück Publikation ausgegraben: “How to cure a feminist”. Bäh!

Unsere Nadine schreibt auf ihrem Blog Medienelite vom “schönen Gefühl mit Feminismus erwachsen zu werden“.

Die Opalkatze verweist auf eine Rede der gerade frisch ernannten Verfassungsrichterin Susanne Baer auf dem Netzpolitischen Kongress der Grünen zum Thema: “Braucht das Grundgesetz ein Update? – Bürgerrechte im Internetzeitalter”.

Silke Meyer von 404 – Not Found macht auf ein Interview über Geschlechterverhältnisse im Internet und feministisches Bloggen aufmerksam, das Analyse und Kritik mit ihr durchführte.

Svenja von Svenja and the City ärgert sich über einen Arbeitskollegen, der sie noch immer mit “er” anspricht – obwohl sie seit fünf Jahren als Frau lebt.

Nele Tabler fragt auf ihrem Blog Karnele: “Frauen in Männerberufen und ganz besonders Lesben in Männerberufen – habt Ihr Erfahrung mit Mobbing? Wenn ja, welche? Und wie habt Ihr darauf reagiert?”


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Immer wieder der Griff in die Klischeekiste

12. November 2010 von Helga

In der neuen Serie „Einfach nur anders“ stellt die Süddeutsche seit kurzem Menschen, die aus verschiedenen Gründen am Rand der Gesellschaft stehen. So auch Transfrau Rebecca, Münchner Aktivistin bei Viva TS. Vermutlich um noch einmal zu betonen, dass „aus einem Mann eine Frau wurde“ greift der Artikel leider tief in die Klischeekiste:

Nur ihr Beruf ist eher männlich: Rebecca repariert Computer und Drucker. Aber zurück zu Wolfgang. Beim Schulanfang beneidet er als kleiner Junge die Cousine um das hübsche Kleid. Er spielt lieber mit Puppen als mit Bauklötzen.

Mädchen spielen mit Puppen, Männer reparieren Computer. Scheinbar muss jeder einzelne Artikel über Transgender und Transsexualität die „typischen Verhaltensweisen“ aufzählen und dabei ignorieren, dass zunächst viele Cismenschen/Biofrauen/Biomänner Stereotypen nicht entsprechen. Aber auch Transgender geraten so unter Rechtfertigungsdruck und sehen sich manchmal gezwungen, Geschlechterklischees 150% zu erfüllen. Wer als Transfrau noch weite Hosen und Hemden trägt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie nicht eigentlich doch ein Mann ist. Daneben wird wieder einmal die Geschlechtsidentität mit der sexuellen Orientierung verwechselt.

Später, als Teenager, interessiert er sich nicht für Mädchen. Trotzdem geht er eineinhalb Jahre eine Beziehung ein. Als seine Freundin mehr will als nur Händchenhalten, kann er ihr das nicht geben.

Dabei hat die Frage, von welchem Geschlecht sich eine Person angezogen fühlt, nichts damit zu tun, welchem Geschlecht sie selbst sich zugehörig fühlt. Oder genauer: Es gibt auch schwule Transmänner und nicht jede Transfrau ist heterosexuell. Schließlich klingt die „Verwandlung“ selbst in diesem Artikel fast wie eine märchenhafte Reise.

Eineinhalb Jahre Probezeit als Frau also, das sah die Therapie vor. Danach ist es dann so weit. Wolfgang darf Hormone nehmen: Er erlebt Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahre gleichzeitig.

Schwangerschaft? Vielleicht noch Wiedergeburt? Dabei ist die Realität wenig märchenhaft. Bis heute müssen Transgender in Deutschland ihrer Fortpflanzungsfähigkeit adieu sagen, wollen sie nicht nur ihren Vornamen, sondern auch den Geschlechtseintrag ändern lassen. Ein Problem mit System: Weite Teile des deutschen Transsexuellengesetzes sind inzwischen als verfassungswidrig eingestuft worden, vieles verstößt gegen die Menschenwürde. Vor über einem Jahr sollten etwa laut Bundesverfassungsgericht schon die Zwangsscheidung gestrichen werden – passiert ist bis heute gar nichts. Wann, liebe Süddeutsche, berichtet ihr darüber?

(Vielen Dank an Leserin Christina für den Link.)


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Homo-Ehe, Alleinerziehende, Weltärztinnenkongress, LGBT im TV, Merkel, Transsexualität und Al-Jazeera

5. August 2010 von der Mädchenmannschaft
Dieser Text ist Teil 54 von 152 der Serie Kurz notiert

Gestern wurde entschieden, dass das kalifornische Verbot der Homo-Ehe diskriminierend sei und somit gegen die US-Verfassung verstößt (wir berichteten). Die Entscheidung tritt allerdings noch nicht in Kraft.

Spiegel online nennt Fakten zum Stand der Alleinerziehenden in Deutschland und ihrem Alltag. Interessant: 90 Prozent sind Frauen; der Anteil an alleinerziehenden Vätern sank seit 1996 um drei Prozent.

Über den Weltärztinnenkongress in Münster berichtete die Ärzte-Zeitung. Dort tauschten sich die Ärztinnen über Probleme, wie für Frauenkörper unpassende OP-Instrumente, und die möglichen Auswirkungen der „Verweiblichung der Medizin” aus. Auch die spezifischen Probleme in verschiedenen Ländern wurden angesprochen, so sterben etwa in Indien überdurchschnittlich viele Frauen durch Verbrennungen.

Feministing hat sich den GLAAD-Report zur Repräsentation von LGBT im US-amerikanischen Fernsehen angeschaut. Fazit: Es geht bergauf!

Ines Kappert in der taz über Merkel, die Flucht der CDU-Männer in die Wirtschaft, Privilegien und die Tabuisierung von Männlichkeit.

Der Freitag berichtet über Lea T, das erste transsexuelle Supermodel.

Sociological Images kommentiert die jahrzehntelange nature/nurture Debatte und plädiert mit einem interessanten Beispiel über Gehirne und Gewalttäter_innen für mehr Austausch der Vertreter_innen beider Richtungen.

Die Jungle World hat ein Interview mit Judith Butler u.a. über Antisemitismus, den Christopher Street Day und die politische Verantwortung von Homo-, Bi- oder Transsexuellen.

Ebenfalls in der Jungle World: In der Redaktion des arabischen Senders Al-Jazeera aus Katar erregt ein Streit um Dresscodes für Mitarbeiterinnen Aufsehen.

Am 25. Mai hatten die fünf Sprecherinnen ihren Rücktritt aus der Nachrichtenredaktion eingereicht (…). Anlass für ihren Schritt waren die neuen muslimischen Bekleidungsvorschriften, die männliche Chefs ihnen aufzuzwingen versucht hatten.


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Grüße aus der Blogosphäre

3. Oktober 2009 von Helga
Dieser Text ist Teil 11 von 158 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Die stadtpiratin hat “Bitterfotze” gelesen und macht sich äußerst lesenswerte Gedanken dazu.

Im VÄTER Blog geht es um die Fragen nach Vaterteilzeit. Wie gehen die Firmen, die Freunde, die Frauen mit Männern um, die sich mehr um ihre Kinder kümmern wollen?

Erinnert Ihr Euch noch an die Dove-Kampagne mit echten Frauen und dass wir mit den kleinen Mädchen über echte Schönheit sprechen sollen? What’s wrong with the zoo hat ein schönes Video gefunden: Talk to your daughter before Unilever does. (Vielen Dank an Sabine für den Link.)

Im maedchenblog entbrannte eine große Diskussion um die Frage, ob Feminismus und BDSM bzw. Sadomasochismus vereinbar seien.

Transsexuell oder transgender, lesbisch oder gynophil? Sexuelle Orientierung und Identität sind nicht das gleiche, werden aber oft verwechselt. Svenja-and-the-City klärt auf.

DieStandard.at berichtet über eine neue Studie, nach der der Gender Pay Gap ab dem ersten Job besteht. 60 Prozent des Unterschiedes lassen sich durch unterschiedliche Qualifikationen, Auszeiten etc erklären, der Rest lasse auf Diskriminierung schließen.

Die Blase drückt und keine Toilette in Sicht? Abhilfe schafft erstaunlicherweise der Griff in den Schritt. Luise Pusch über den Crotch Grab.

Zum Schluss noch ein TV-Hinweis: Morgen geht es in Mona Lisa (18 Uhr, ZDF) um Intersexualität, ein Thema, dass zuletzt durch Caster Semenya wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Mehr Informationen auf Zwischengeschlecht.info.

Für eine bessere Vernetzung der (weiblichen) Websphäre listen wir jede Woche auf, was unsere deutschspachigen Kolleginnen und Kollegen über die Woche so melden und tun. Wenn du selbst ein Blog zu Gender- und Feminismusthemen hast, sag unter mannschaftspost(at)web.de Bescheid.


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Wer wen küsst

26. Juni 2009 von Helga

Seit sich vor 40 Jahren in New York erstmals Homosexuelle in der Christopher Street gegen Polizeigewalt wehrten, ist in der vorher heterosexuellen, männlichen, weißen, christlichen cisgender Welt schon viel ins Rollen gekommen. Dass noch viel zu tun bleibt, erläuterte Jan Salloch in der Sueddeutschen. Er ist Vorstand und Organisator des Berliner Christopher Street Day, der morgen, am 27. Juni, zum 31. Mal gefeiert wird.

Es ist Schulterschluss in der Community geglückt, es gibt bei fast allen Veranstaltungen in Deutschland ein Kernthema: die Ergänzung des Artikels 3 im Grundgesetz um den Passus der sexuellen Orientierung. Gerade weil die sexuelle Identität nicht im Gleichheitsgrundsatz steht, bleiben uns viele Dinge verwehrt. Die Ergänzung würde uns auch vor politischen Veränderungen im Land schützen.

Wie hier werden sexuelle Orientierung und Identität oft synonym gebraucht, dabei schließt ersteres z.B. Intersexuelle oder Transgender aus, wie Medienelite.de erklärt:

Männer und Frauen, die jeweils auf ihr eigenes Geschlecht oder beides stehen, sind entweder schwul, lesbisch bzw. bisexuell. Genau das nennt man sexuelle Orientierung. Zumindest einen Teil davon – denn da gibt es ja noch die Heteros ^^

Sexuelle Identität, soziales Geschlecht oder auch Gender (=englisch, heißt übersetzt Geschlecht, bitte nicht verwechseln mit Frau/Mann, das ist im Englischen nämlich “sex”) genannt, bedeutet hingegen das Zusammenspiel von biologischem Geschlecht, meiner Annahme davon, sexueller Orientierung, Charakter, sozialer Interaktion, Kleidung, Verhalten, Aussehen, Mimik, Gestik – also alles, was mich als Person ausmacht. Was wiederum Transvestiten, Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle, etc. mit einbezieht.

Doch selbst wenn die sexuelle Identität mit ins Grundgesetz aufgenommen wird, dauert es wohl noch eine ganze Weile bis es wirklich keine Rolle mehr spielt, wer wen küsst und wie man dabei aussieht.


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Wann ist ein Mann ein Mann?

31. Oktober 2008 von Werner
Dieser Text ist Teil 7 von 29 der Serie Neues vom Quotenmann

Es gibt ja angeblich keine dummen Fragen – also wollen wir auch mal diese alte grönemeyerische Frage nicht weiter bewerten. Die Antwort auf solche Fragen kann aber sehr wohl dumm sein! Und genau so eine ist im Juli in der Taz erschienen. Arno Frank schrieb über den schwangeren transsexuellen Mann Thomas Beatie aus Amerika in einer solchen Art und Weise, dass sogar der Presserat eine Missbilligung aussprach – immerhin die zweithöchste Sanktion.

Quotenmann

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Und das in meinen Augen auch zu Recht! Denn von Transsexualität hat der Autor wohl eher wenig verstanden, sonst würde er nicht solche Vergleiche anstellen:

„Es mag ja sein, dass er sich das wünscht, viel Geld für Operationen ausgegeben und noch mehr Schmerzen erduldet hat. Ebenso gut hätte er sich aber auch statt der Brüste die Beine amputieren, sich Flossen annähen und ein Atemloch in den Rücken stanzen lassen können – um zu behaupten, er wäre fürderhin ein Delfin.“

Eine wohl genauso bescheuerte wie beschämende Gegenüberstellung. Menschen die überzeugt sind, eher dem anderen Geschlecht anzugehören, tun dies nicht wegen Operationen, sondern können jetzt dank Operationen und Geld auch dies ausleben – das hat nichts mit wünschen zu tun, sondern vielmehr mit sein. Es gibt eben nicht den Mann und auch nicht die Frau und es gibt Personen, die sich anders fühlen als sie geboren wurden. (Nebenbei: Das Bildungsministerium geht davon aus, dass zwei von 10.000 Neugeborenen Zwitter sind, die bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres „zwangs-geschlechtert“ werden.) Wenn der Autor sich darüber hinaus sogar noch zu Folgendem herablässt, muss schon gefragt werden, mit welchem Hass er sich hier über transsexuelle Menschen lustig macht:

„Der Kaiser trägt in diesem Fall nicht neue Kleider, sondern ein neues Geschlecht. Das mag ihm glauben, wer will, und derzeit glauben viele Menschen solchen Quatsch sehr gerne …“

Meist ist es eher ein harter denn ein leichter Weg, sich für diesen „Quatsch“ zu entscheiden. Aber der Autor weiß es natürlich am besten, was transsexuelle Menschen sind und er ist sich auch nicht zu schade, seine Abscheu am Ende des Artikels deutlich zu machen:

„Thomas Beatie ist kein Mann, sondern eine schrecklich verstümmelte Frau.“

Schade, dass Arno Frank es nötig hat, für andere zu entscheiden, ab wann ein Mann ein Mann ist.


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