Einträge mit dem Tag ‘Krippen’


Krippen-Notstand als Gleichberechtigungskiller

19. Oktober 2010 von Adele
Dieser Text ist Teil 18 von 36 der Serie Muttiblog

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich würde mal behaupten, dass sich mein direktes soziales Umfeld in Hamburg nicht allzusehr in puncto Verdienst, Bildung und sozialem Status von meinen neuen Arbeitskollegen hier in NRW unterscheidet. Und doch gibt es einen ganz eklatanten Unterschied: In Hamburg kenne ich nur sehr wenige Familien, die das traditionelle Ein-Ernährer-Modell leben. So gut wie alle Frauen haben nach spätestens einem Jahr wieder angefangen in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten.

Nicht so in meinem neuen Kollegenkreis. 80 % der befragten Kollegen antworteten auf die Frage, wie sie das Problem Kinderbetreuung gelöst hätten, dass ihre Frau zu Hause sei.

In Hamburg gibt es ausreichend Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren und selbst Tageseltern werden dort von der Stadt gefördert, so dass man maximal 517 Euro (einkommensabhängig) für die Vollzeitbetreuung eines Kindes bezahlen muss. Anders in NRW. Dort hängt es sehr stark davon ab, in welcher Stadt bzw. Gemeinde man wohnt, wie viel Betreuungsplätze und wie viel finanzielle Förderung zur Verfügung stehen. Und das hat massive Auswirkungen darauf, wie viele Frauen in ihren Beruf verhältnismäßig zeitnah nach der Geburt eines Kindes wieder zurückkehren.

Die Jugendämter scheinen sich auch schlicht und einfach diesem Missstand ergeben zu haben und verwalten lediglich die allzu knappen Krippenplätze auf eine sehr bürokratische und wenig menschliche Art und Weise, immer mit dem Verweis darauf, dass es ja immer noch die Möglichkeit der Tageseltern gebe.

Für die Kommunen ist aber die Tatsache, dass sich so viele Familien nach wie vor dazu entscheiden, ihr Kind mindestens drei Jahre lang zu Hause von der Mutter betreuen zu lassen, eine sehr bequeme Lösung. Und nicht nur für die Kommunen, sondern auch für diese Familien. Man muss sich nicht um einen Krippenplatz bemühen, was in einen extremen Psychostress ausarten kann, wenn man dringend einen solchen Platz braucht, aber keinerlei Unterstützung durch das zuständige Jugendamt erfährt. Man muss sich nicht täglich koordinieren, wer das Kind in die Krippe bringt und wer es wann wieder abholt, wer dafür sorgt, dass abends was zu Essen auf dem Tisch steht und noch genügend im Kühlschrank ist für das Frühstück. Und die Frau kann sich sicher sein, dass sie für die Erledigung ihres Jobs von ihrem Kind bedingungslos geliebt wird (was sie im übrigen genauso wird, wenn sie nicht pausenlos um es herum ist) und muss sich nicht mit einem/einer fordernden ChefIn herumschlagen, die/der einen durchaus auch mal kritisiert.

Als ich Lisa Ortgies Buch „Heimspiel“ las, dachte ich noch, dass sie bei der Beschreibung der Betreuungssituation in Deutschland arg dick aufträgt um deutlich auf die Missstände hinzuweisen, aber mittlerweile ist mir bewusst, dass sie kein bisschen übertrieben hat und dass ich bis vor ein paar Monaten mangels persönlicher Betroffenheit einfach nicht über den Tellerrand von Hamburg und seinen paradiesischen Zuständen hinaus geschaut habe. Welche krassen gesellschaftlichen Auswirkungen diese Situation hat, wird mir nun bewusst, wenn ich mich mit meinen Kollegen unterhalte und ich merke, wie wichtig es ist, an dieser Stelle laut und deutlich zu sagen: NEIN, Frauen haben nach wie vor NICHT die gleichen Möglichkeiten wie die Männer in dieser Gesellschaft!!!


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Beeilt euch, sonst gibt es Krawall

15. Oktober 2010 von Susanne
Dieser Text ist Teil 6 von 11 der Serie Die Farbe Lila

Freundin P. spricht am Telefon wirr: „Ich habe heute mein Kind in einer Krippe angemeldet.“
Freundin P. ist kinderlos.
„Welches Kind denn?“, frage ich sie.
„Das Kind, das ich nächstes Jahr bekomme.“
Hat mir meine beste Freundin gerade mitgeteilt, dass sie schwanger ist? Und wenn sie jetzt schon einen Krippenplatz hat, in welchem Monat ist sie dann? Im vierten? Wo ist der Bauch?
„Herzlichen Glückwunsch?“, sage ich. „Freust du dich?“

„Total“, sagt Freundin P. und schaltet dann trotzdem in den Fluch-Modus: „Aber die Arschgeigen in der Politik gehen mir jetzt erst recht auf den Zeiger. Ich meine, ich melde mein Kind jetzt an, damit es in anderthalb Jahren eventuell einen Krippenplatz kriegt. Haben die noch alle Tassen im Schrank?“

Brauner Hintergrund mit 2 Bäumen und 3 Pilzen. Ein Wolf liegt blutend auf dem Boden. Im Vordergrund steht ein Mädchen mit lila Käppchen und einem blutigen Messer in der Hand. Es sagt: I don't need to be saved. I can do that myself.

(c) Frl. Zucker

Ich überlege, ob ich Freundin P. sagen soll, dass unsere Familienministerin Kristina Schröder erst neulich wieder in einem Interview gesagt hat, sie sei sehr zuversichtlich, wenn es ab 2013 erst einmal für jedes dritte Kleinkind einen Krippenplatz gäbe, sei die Welt in Ordnung, weil: der Bedarf gedeckt. Nein. Ich behalte diese Information mal lieber für mich. Ich will nicht, dass P.s Kind jetzt schon zu viel vorgeburtlichem Stress ausgesetzt wird. Es wird es im Leben mit seiner politisch-radikalen Mutter eh mal schwer genug haben.

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Krippenplätze? – Gibt es nicht!

13. Juli 2010 von Adele
Dieser Text ist Teil 22 von 36 der Serie Muttiblog

Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben und auch mit dem Arbeitgeber meines Mannes konnte eine Regelung getroffen werden, die es uns erlaubt, dass mein Mann seinen Job nicht aufgeben muss und die Familie trotzdem an meinen neuen Arbeitsort ziehen kann. Aber da haben wir die Rechnung leider ohne die Krippe gemacht…

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Der Ort, in den wir ziehen wollen, ist eine westdeutsche Großstadt und wie der Geschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Gerd Landsberg bereits im Januar feststellte, wird der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung für unter 3-jährige ab 2013 nicht erfüllbar sein. Man kann sich also vorstellen, wie die Situation im Jahre 2010 aussieht: katastrophal. Um das ganze noch ein wenig aussichtsloser zu machen, darf man sich nur für einen Krippenplatz in einer kommunalen Krippe anmelden, wenn man einen Wohnsitz in der Stadt hat. Da soll man also auf der einen Seite bitte so flexibel sein und bereit sein, jederzeit für den Job umzuziehen, und dann bekommt man solche Steine in den Weg gelegt. (weiterlesen …)


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