Strickismus: Handarbeit im öffentlichen Raum

von Helga

In knapp einem Monat ist es wieder soweit, am 8. März gibt es diesmal auch einen runden Geburtstag: Der Internationale Frauentag wird 100 Jahre alt. In Österreich wird sogar gleich zweimal demonstriert und gefeiert, denn am 19. März 1911 demonstrierten in Wien 20.000 Menschen für Frauenrechte. Dieses Jahr wird es daher viele Aktionen geben, von denen wir Euch einige vorstellen wollen. Eine Initiative ist KnitHerStory. In einer Guerilla Knitting Aktion sollen selbstgestrickte Textilien an öffentlichen Dingen befestigt werden, die die Stationen der Wiener 20.000-Frauen-Demo länger sichtbar machen und auf den Kampf für Frauenrechte hinweisen sollen. Die Organisatorinnen Betina Aumair und Antonia Wenzl im Gespräch.

Straßenlaterne, deren Bein mit roten und grünen Strickbezügen umwickelt ist, darauf Schnecken und die Schrift: GO SLOW

Strickismus in Aktion, hier: „Go slow!”

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Wir sind als Strickistinnen schon seit längerem wollaktionistisch aktiv und beschäftigen uns damit, wer wie im öffentlichen Raum repräsentiert ist und wer nicht. Im Rahmen von genderraum wollten wir eine Aktion zu 100 Jahre internationaler Frauentag organisieren und daran sollten möglichst viele Frauen beteiligt sein. Die Idee für KnitHerStory haben wir dann bei einer gemeinsamen Wanderung entwickelt.

Wer steckt eigentlich dahinter?

Wir, Betina Aumair und Antonia Wenzl, sind die Organisatorinnen. Unterstützt werden wir von 10 Koordinatorinnen, darunter auch die Strickistinnen (das sind neben uns noch 3 weitere Aktivistinnen) und insgesamt 98 weiteren Frauen.

Wieso gerade Stricken?

Wieso nicht? Und natürlich auch, weil wir bemerkt haben, dass Stricken, wenn es zur Kommunikation im öffentlichen Raum eingesetzt wird ein sehr überraschendes, irritierendes und aufweckendes Potential hat. Außerdem wollen wir die weibliche Konnotation und Verortung im Privaten von textilen Techniken in Frage stellen und unterwandern.

Was passiert, wenn die Aktion vorbei ist?

Keine Ahnung. Die Leute werden hoffentlich stehen bleiben, sich wundern, darüber reden, irritiert sein, sich austauschen. Aus Erfahrung wissen wir, dass manche unsere Strickkunstwerke vermutlich mit nach Hause nehmen werden.

Was muss man außer Gestricktem noch mitbringen, um mitmachen zu können?

Interesse und Engagement für Frauenpolitik und -bewegung. Am 19. März in Wien sein können, Lust an Aktionismus und Interventionen im öffentlichen Raum.

Meine Strickkünste sind eher bescheiden, kann ich Euch trotzdem unterstützen?

Wie gut du Stricken kannst, ist nicht unbedingt ausschlaggebend für die Gestaltung eines Teils der Aktion. Es geht vor allem um Kreativität und Lust am Aktionismus. Das textile Kunstwerk muss nicht schön sein, es soll nicht Dekoration sein, sondern Symbol. Wer nicht aktiv mitmacht, kann uns mit „weitererzählen“ unterstützen und auf jeden Fall zur Demo für Frauenrechte am 19. März kommen!




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Eintrag geschrieben: Freitag, 11. Februar 2011 um 15:35 Uhr unter Aktivismus. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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4 Kommentare

  1. […] Interview über die Strickistinnen und Handarbeit im öffentlichen Raum gibt es bei der Mädchenmannschaft. Februar 12th, 2011 in Fundstücke | tags: Aktionen, Frauen, Gender, […]

  2. […] Betina Aumair und Antonia Wenzl haben die Knitting-Aktion KnitHerStory 2001 in Wien organisiert und beschreiben die Besonderheit des Urban Knittings so: „[Wir haben bemerkt], dass Stricken, wenn es zur Kommunikation im öffentlichen Raum eingesetzt wird ein sehr überraschendes, irritierendes und aufweckendes Potential hat. Außerdem wollen wir die weibliche Konnotation und Verortung im Privaten von textilen Techniken in Frage stellen und unterwandern.“ […]