Wer war… Gloria Anzaldúa?

15. Mai 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 31 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Die mexikanisch-amerikanische Schrift­stellerin, Kultur­wissen­schaftlerin und Aktivistin Gloria Evangelina Anzaldúa wurde 1942 in Texas (USA) geboren und gilt als eine der populärsten Vertreterinnen der Queer Theorien und der Chicano/a-Literatur in den USA. Sie forschte ins­besondere zu den Ver­knüpfungen von Geschlecht, Kultur und Sexualität und prägte auf neue Art den Begriff ‚mestizaje’, welcher einen Zustand fernab eines binären entweder/oder Konzepts beschreibt und Raum für eine Viel­zahl an (wider­sprüchlichen) Identitäten schafft.

Anzaldúa, 1990, am Smith College. Quelle: flickr (K. Kendall) CC BY 2.0

Anzaldúa veröffentlichte zahlreiche Essays, Ge­dichte, Kurz­­geschichten und Kinder­­bücher, unter­richtete an verschiedenen Universitäten in den USA und war Mitherausgeberin der 1981 erschienenen Anthologie This Bridge Called My Back: Writings by Radical Women of Color, in der auch Audre Lorde vertreten ist.

Ein oft zitiertes Werk ist Borderlands / La Frontera: The New Mestiza (1987). In diesem Buch werden eine Viel­zahl an Grenzen thematisiert und über­schritten – literarische, spirituelle, sexuelle, sprach­liche sowie sozio-politische Grenz­ziehungen. Durch einen Mix aus mehreren Variationen von Englisch und Spanisch sowie die Verbindung von auto­biographischen und theoretischen Elementen werden so konventionelle Form-, Genre- und Sprach­kategorien in Frage gestellt. Aus diesem Buch stammt auch das berühmte Zitat von Anzaldúa: “Wild tongues can’t be tamed, they can only be cut out”, welches übersetzt so viel heißt wie: ”Wilde Zungen können nicht gezähmt, sondern nur rausgeschnitten werden”.

Kurz vor Erhalt ihres Doktor­titels an der University of California in Santa Cruz starb Gloria Anzaldúa heute vor acht Jahren im Alter von 62 Jahren.

Zum Weiterlesen: “Grenzen überschreiten - Chicanas schreiben im Spannungs­feld von Ethnie, Geschlecht und Sexualität” (PDF) von Rosa Zechner.

Für die Reihe “Wer war…” freuen wir uns über eure Vor­schläge oder auch Gast­blogger_innen, die ihre Lieblings­feminist_innen vorstellen. Vorschläge/Beiträge einfach an unser Kontaktformular senden.


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Simone de Beauvoir Memorial Day

14. April 2012 von Nadia
Dieser Text ist Teil 30 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Eine weiße, ältere Frau mit einem weißen Band in den Haaren und einem schwarz-weißen OberteilHeute vor 26 Jahren starb Simone de Beauvoir. Sie wurde 78 Jahre alt und hinterließ ein großes philo­sophisches Erbe, und daneben auch ein paar schöne Anekdoten (“Die deutsche Frau schminkt sich nicht!”) – und einige sind es wert, an dieser Stelle nochmal zum Besten gegeben zu werden.

Ich persönlich weiß gar nicht mehr, wann genau ich das erste Mal mal von de Beauvoir hörte, und was genau es war. Rein spekulativ würde ich den Philosophie­unterricht vermuten. Und ach, zu meiner Schande muss ich gestehen dass ich wohl zunächst auf irgendeine Dokumentation positiv ansprang, die de Beauvoir und Sartre porträtierte. De Beauvoir saß neben Sartre, wurde irgendwas gefragt, und baute dann – anstatt zu antworten – erstmal ewig lang ihre nächste  Zigarette. Und so kam eins zum anderen: Ein bisschen wurde de Beauvoir eine der vielen geistigen Muttis, die ich im Laufe meines Lebens verschliss, aber auch meine Herzpatin des Feminismus.

Im Studium verschmähte ich sie an manchen Tagen ein bisschen – wahrscheinlich, weil ich es zeitweise ein bisschen  frustrierend fand, in ihrem sehr literarischen Werk nicht wirklich Anknüpfpunkte für oder eine Basis der Empirie zu finden (ja, lacht nur, aber ich war halt jung damals). Ihr “Die Welt der schönen Bilder” half mir aber auf jeden Fall dabei, einen besonders nervtötenden Fabrikjob in einem Semester jener Zeit zu überstehen (All Hail meine First-World-Problems).

Im Laufe der Zeit stieß ich auf ein paar schöne Geschichten rund um de Beauvoir, und die schönsten teile ich heute mal mit Euch, auf dass es auch Eure Anekdoten werden können (oder zumindest sowas wie de Beauvoir-Gossip). Here we go: (weiterlesen …)


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Wer war… Adrienne Rich?

4. April 2012 von Magda
Dieser Text ist Teil 29 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Die US-amerikanische feministische Dichterin und Autorin Adrienne Rich wurde 1929 geboren und ver­starb vor einer Woche im Alter von 82 Jahren. Rich begann bereits im Kindes­alter Gedichte zu schreiben. Ihre Gedichte und Essays handeln von Unter­drückung, lesbischer Liebe, Mutter­schaft, Krieg und die Rolle von Frauen in einer männlich dominierten Welt.

Adrienne Rich (rechts) mit den Schriftstellerinnen Meridel Le Sueur (Mitte) und Audre Lorde (links). Quelle: flickr (K. Kendall) CC BY 2.0

Anfang der 1950er Jahre heiratete Rich den Harvard-Ökonom Alfred Conrad, mit dem sie drei Söhne bekam. Wegen einer An­stellung ihres Mannes an einem College in New York zog die Familie in die Groß­stadt, wo Rich aktiv wurde in der Anti­kriegs-, Frauen- und Bürger_innen­rechts­bewegung. Die Ehe hielt knapp zwei Jahr­zehnte, eine Trennung erfolgte 1970. Im gleichen Jahr nahm Conrad sich das Leben – ein schwerer Schick­sals­schlag für Rich.

Wenige Jahre später erschien ihr bekanntes Gedicht­band “Diving Into The Wreck”, welches bis heute als Meister­werk der feministischen Literatur gilt. Von 1976 bis zu ihrem Tod lebte sie in einer Partner­schaft mit der jamaikanischen Autorin Michelle Cliff. Ihr Essay “Zwangs­heterosexualität und lesbische Existenz“ (1980) sowie ihre Liebesgedichte an Frauen, z.B. die ”Twenty-One Love Poems” (1977), machten sie zu einer Identifikations­figur in der lesbischen Bewegung. In den Jahr­zehnten bis zu ihrem Tod unterrichte Rich an renommierten US-amerikanischen Universitäten und war weiter­hin politisch aktiv. So weigerte sie sich gemein­sam mit anderen Dichter_innen im Februar 2003 aus Protest gegen den Irak-Krieg an einem Symposion des Weißen Hauses zum Thema Poetry and the American Voice teil­zunehmen.

Adrienne Rich verstarb am 27. März 2012 in Kalifornien (USA).

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Remember Samira Bellil

7. September 2011 von Nadia
Dieser Text ist Teil 28 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Ein Plakat mit dem Foto einer jungen Frau mit dunklen Haaren und einer roten Mariannenmütze, darunter die Schrift: Pour moi Marianne, c'est une insoumise ouvrant le cheminSamira Bellil: Die junge Streetworkerin aus einem Pariser Vorort, Gewaltopfer, Autorin und Anfang des Jahrtausends für einige Jahre Symbolfigur der französischen Frauenbewegung. Heute jährt sich ihr Todestag zum siebten Mal.

Ein bisschen zu-guttenberge ich mich heute selbst, weil ich im letzten Jahr bereits an anderer Stelle einen kurzen Bellil-Nachruf verfasst habe. Und aktuell scheint es mir jedoch, dass es nicht schaden kann, auch immer wieder an die Personen zu erinnern, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Kampf gegen sexuelle Gewalt aufgenommen haben. Und Samira Bellil gehörte definitiv dazu.

Die Geschichte von Samira ist die eines kurzen Lebens, geprägt von Freudlosigkeit und Gewalt: 1973 wird sie in Algier geboren, ihre Kindheit und Jugend verbringt sie in einem Pariser Vorort. 14 Jahre alt ist sie, als sie von drei jungen Männern vergewaltigt wird:

“Hier beginnt nun eine Geschichte, die für das Opfer Samira ein unendlich scheinender Leidensweg, für die Täter hingegen nur ein Alltagsdelikt ist. Die Täter bleiben jahrelang ungestraft auf freiem Fuß, für Bellil hingegen beginnt eine Lebensphase, in der sich ihre Gewalterfahrung vervielfacht: Im Viertel als Freiwild abgestempelt und von der eigenen Familie als schändliches Subjekt verstoßen, richtet sie fortan die selbst erlebt Gewalt gegen andere und sich selbst. Erst Jahre später gelingt es ihr, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen: Sie gewinnt mit Mitte zwanzig einen Schadensersatzprozess. Im Bewusstsein, dass ihre innere Zerstörung nicht bezahlt werden kann, schreibt sie ihr Buch [Anm.: „Dans l`Enfer des Tournantes"]. Sie widmet es allen Frauen, die ähnliches erlebt haben: „Für meine Leidensgenossinnen im Elend. Damit sie wissen, dass man herauskommen kann.”

„Dans l`Enfer des Tournantes” (übers.: „Durch die Hölle der Gewalt“) bricht dabei radikal mit dem Lebensbericht als Opfererzählung: Bellil schrieb vielmehr einer Ankageschrift, in der sie eine Gesellschaft, die Täter deckt und Opfer nicht ernst nimmt, anprangert. Ihr Engagement gegen sexuelle Gewalt war dabei konsequent: Sie wurde Mitgründerin und prominente Unterstützerin der bekannten Bewegung „Ni putes ni soumises“, stellte sich in Interviews immer wieder den leidigen Fragen nach ihrer Lebensgeschichte um auf die Folgen sexueller Gewalt aufmerksam zu machen und war darauf bedacht, gerade auch gemeinsam mit Männern gegen sexuelle Gewalt zu kämpfen.

In Talkshows und bei öffentlichen Debatten nutzte sie jedwede Gelegenheit, ihre Gesprächspartner_innen souverän zu korrigieren: Ich erinnere mich, dass sie in einer Sendung mal von einem jungen Gast gefragt wurde, was denn nun “falsch an Gang Bangs” sei. Ohne mit der Wimper zu zucken entgegnete sie: “Als erstes, Junge, kriegst du das jetzt mal auf die Reihe. Ich wurde Gang-vergewaltigt. Okay?”

Gelobt wurde ihre Ehrlichkeit und ihre Bereitschaft, ungeschönigt über ihre Erlebnisse und ihren Umgang damit zu sprechen; Samira Bellil wehrte sich damit gegen den üblichen Opfer-Diskurs, gegen Scham, gegen Konventionen im Umgang mit sexuellen Viktimisierungen – fast schon bis zur Selbstaufgabe. “I cannot carry this violence forever”, sagte sie einmal – und doch legte sie in ihrem kurzen Leben vor allem die Priorität darauf, ihre Geschichte für die Frauen zu opfern, denen es nicht ähnlich ergehen sollte.

Ein Kampf gegen Windmühlen, für kurze Zeit. Ihr Bild hing eine zeitlang vor dem französischen Parlament – als eine der zwölf “Mariannen” ausgewählt, deren Gesichter Frankreich repräsentierten. Und, wenn man so will: Sie repräsentiert es auch noch heute.


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600. Geburtstag von Jeanne d’Arc

6. Januar 2012 von Nadia
Dieser Text ist Teil 27 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Ein bis heute ungebrochener Mythos, allerdings auch angereichert mit ordentlich Pathos: Die “Retterin Frankreichs”, die auf dem Scheiterhaufen landete und 450 Jahre später vom Vatikan heilig gesprochen wurde, feiert heute ihren 600. Geburtstag – auf die Rezeption ihres Lebens blickend findet man auch ein Allerlei aus Jungfrauenwahn, Nationalmythos und der Faszination für Frömmigkeit. In vielen Texten zum Phänomen wird latent verklärt der Rückblick auf ein sagenumwobenes Leben gewagt:

“Auf Befehl unseres Herrn” trägt sie bereits Männerkleidung und Waffen und zieht schließlich mit zehntausend Mann gen Orléans, das sie am 7. Mai, im weißen Harnisch, mit einer kleinen Streitaxt bewaffnet und auf einem schwarzen Kampfross sitzend, von den Engländern befreit. Am 17. Juli wird Karl VII. in Reims in der Kathedrale von Notre Dame gekrönt. Die wundersame, unwahrscheinliche und steile Karriere der Jeanne d’Arc hat ihren Höhepunkt erreicht. (Quelle: fembio)

Mit ordentlich Schmalz zwischen den Buchstaben verfasste auch der Historiker Jules Michelet in seiner “Großen Geschichte Frankreichs” seinen Johanna-Lobgesang: “Der Retter Frankreichs konnte nur eine Frau sein. Frankreich selbst war Frau, es hatte die Wendigkeit und auch die liebenswerte Zartheit, das anrührende Mitgefühl einer Frau ( … ) Jene, die widerständig sind und so bis zum Ende ihr Ziel verfolgen, sie sind die wahrhaft Auserwählten.”

Zwischenzeitlich vergessen, wurde die Erinnerung an Jeanne d’Arc vor allem literarisch unter anderem durch Voltaire und Schiller wieder ins öffentliche Bewusstsein gerufen – im 19. Jahrhundert schließlich wurde Johanna zum französischen Nationalmythos erklärt. Bis heute reißen sich verschiedene Strömungen und Institutionen um erfolgreiche Instrumentalisierungen: Die Kirche schätzte  ihre Frömmigkeit, die liberalen Republikaner strichen ihren Mut gegenüber dem Herschaftssystem vor, im Zweiten Weltkrieg war sie die Symbolfigur für den Widerstand gegen die deutsche Besatzung und für die extreme Rechte in Frankreich ist Jeanne d’Arc heute eine Ikone. Interessant bleibt also nicht nur ihr Leben und Wirken, sondern auch die Art und Entfaltung der öffentlichen Bewunderung für Jeanne d’Arc.


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Wer war… Fanny Lewald?

24. März 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 26 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Fanny Lewald, geb. Markus, wurde heute vor 200 Jahren am 24. März 1811 in Königsberg als ältestes von neun Kindern geboren. Sie war eine deutsche Schriftstellerin und setzte sich für Frauenrechte ein.

Fanny Lewald (Wikimedia Commons)

Fanny Lewald (Wikimedia Commons)

Bis zum 14. Lebensjahr besuchte Fanny eine Privatschule, danach war ihre Ausbildung offiziell beendet – ein Universitätsstudium blieb ihr verwehrt. Fanny verließ die höhere Töchterschule, um sich mit Handarbeit, Hausarbeit und Klavierspielen auf das Leben einer Ehefrau und Mutter vorzubereiten – so wie ihr Vater es wünschte.

Schon als Kind spürte Fanny antisemitische Ressentiments; mit 19 Jahren trat sie formal zum protestantischen Glauben über. Ein Jahr später nahm die gesamte Familie den Namen Lewald an, wohl in der Annahme, dadurch nicht mehr sofort als “jüdisch” erkennbar zu sein.

Ab 1840 wurde Lewald schriftstellerisch tätig und veröffentlichte bis zu ihrem Tod Dutzende von Romanen, Märchen, Briefe und autobiographische Schriften, teils anonym, aus Rücksicht auf die Familie. Als 34jährige zog sie nach Berlin und versuchte durch das Schreiben ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

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Wer war… Helen Thompson?

17. März 2011 von Verschiedenen
Dieser Text ist Teil 25 von 31 der Serie Wer war eigentlich …
Schwarz-weiß Bild von Helen Bradford Thompson-Woolley in einem ovalen Rahmen

Bild über feministvoices.com

Thompson, Helen Bradford (1874-1947), aus Chicago (Illinois, USA), der Vater war Schuhmacher, wuchs als eines von drei Geschwistern auf. Durch einen exzellenten Schulabschluss gewann sie ein Stipendium für die University of Chicago. Während ihrer Studienzeit dort wurden ihr Stipendien für Psychologie und Physik angeboten, von denen sie das Erstere wählte und 1897 ihren Bachelor, 1900 ihren – ausgezeichneten – Ph.D. in Psychologie an der Universität von Chicago erlangte. Ihre Dissertationsschrift veröffentlichte sie 1903, 1905 erschien sie in deutscher Sprache [vgl. Lesetipp].

Thompson folgte einer Einladung nach Europa, wo sie zunächst ein Jahr in Berlin, dann ein Jahr in Paris ihre Forschungen vorantrieb. Anschließend kehrte sie in die USA zurück und lehrte am „Mount Holyoke College“ (South Hadley, Massachusetts), 1902 wurde sie dort Direktorin eines neu gegründeten Psychologischen Labors. 1905 heiratete sie in Japan P. G. Woolley, beide gingen auf die Philippinen, wo sie ihre Forschungen betrieben; 1907 gingen sie nach Thailand, 1908 zurück in die USA, wo sie sich in Nebraska niederließen, bevor sie später nach Ohio (Cincinnati) und nachfolgend nach Detroit (Michigan) umzogen. In den USA setzte Thompson-Woolley ihre experimentellen psychologischen Untersuchungen fort, sie führte u.a. groß angelegte Studien mit Jugendlichen während der Adoleszenz durch und betätigte sich in der Frauenrechtsbewegung (Mitglied und Vorsitzende der „Ohio Woman Suffrage Association“); 1921 wurde sie stellvertretende Direktorin der „Merrill-Palmer-School“ (Detroit, Michigan), 1925 nahm sie einen Ruf zur Rektorin des „Institute of Child Welfare Research“ an der Columbia University in New York an. Eine psychische Erkrankung zwang sie dazu, ihre Stellung 1930 aufzugeben; von 1930 bis zu ihrem Tod lebte sie bei einer ihrer beiden Töchter in Havertown (Pennsylvania). Vgl. Milar, 2004.

Entnommen aus (mit freundlicher Genehmigung von Autor_in und Verlag): Voß, Heinz-Jürgen (2010): Making Sex Revisited – Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive. Transcript, Bielefeld, S.370.

Weiterführende Quelle – gedruckt: Milar, K. S. (2004): Breaking the Silence: Helen Bradford Thompson Woolley. In: Dalton, T. C., Evans, R. B. (Hrsg.): The Life Cycle of Psychological Ideas. Understanding Prominence and the Dynamics of Intellectual Change. Kluwer Academic / Plenum Publishers, New York, S.301-328.

Weiterführende Quelle – online:
http://web.sau.edu/WaterStreetMaryA/helen_woolley.htm

Lesetipp: Thompson, H. B. (1905 [engl. 1903]): Vergleichende Psychologie der Geschlechter. Experimentelle Untersuchungen der normalen Geistesfähigkeiten bei Mann und Weib. Autorisierte Übersetzung von J. E. Kötscher. A. Stuber’s Verlag (C. Kabitzsch), Würzburg.

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Wer war die Erfinderin des Frauentages? Clara Zetkin!

8. März 2011 von Magda
Dieser Text ist Teil 24 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Die Politikerin, Feministin, Sozialdemokratin, Kommunistin und Ikone der proletarischen Frauenbewegung Clara Zetkin, geb. Eißner, gilt als Initiatorin des Internationalen Frauentages, der heute seinen 100. Geburtstag feiert.

Clara Zetkin (1857-1933), ca. 1930

Die junge Clara Eißner, geboren 1857 im sächsischen Wiederau, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Die Tochter des Dorflehrers und einer Hausfrau konnte durch die Beziehungen der Mutter als eine der ersten deutschen Frauen eine Ausbildung zur Lehrerin erhalten und besuchte Seminare der Frauenrechtlerin Auguste Schmidt in Leipzig. Dort traf sie auf eine Gruppe sozialistischer Student_innen und ihren späteren Lebensgefährten Ossip Zetkin, ein russischer Revolutionär und Sozialist.

Als Ossip Zetkin des Landes verwiesen wurde, folgte ihm die 26jährige Clara Eißner nach Paris. Sie nahm zwar seinen Namen an, heiratete ihn aber nicht. Sie bekamen zwei Kinder und lebten in bescheidensten Verhältnissen, unterstützt von Freund_innen, die sich ebenfalls politisch engagierten. Während ihrer Pariser Jahre arbeitete Zetkin als Journalistin und Übersetzerin. Als Zetkins Lebensgefährte schwer erkrankte, pflegte sie ihn bis zu seinem Tode 1889.

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Wer war… Ella Baker?

14. Dezember 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 23 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

Ella Baker war Journalistin, Lehrerin und in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung aktiv, die Mitte des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt hatte. Diese verstand sich als Befreiungsbewegung der afroamerikanischen Bevölkerung und war besonders in der Bekämpfung von gesetzlich verankerter Diskriminierung von Schwarzen erfolgreich.

Ella Baker (ellabakercenter.org, via Creative Commons)

Ella Baker (ellabakercenter.org, via Creative Commons)

Ende der 1930er Jahre begann Baker in der Bürgerrechtsorganisation National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) als Sekretärin zu arbeiten. Die NAACP setzte sich bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts für die Rechte von Afroamerikaner_innen in den USA ein. Baker wurde als erste Frau Präsidentin eines NAACP-Zweigverbands, arbeitete mit namhaften Aktivist_innen wie Martin Luther King Jr. oder W.E.B du Bois (Mitbegründer der NAACP) zusammen und war maßgeblich an der Ausbildung von Bürgerrechtler_innen wie Rosa Parks beteiligt.

In Zeiten strikter Trennung zwischen Weißen und Schwarzen arbeitete Baker an der Ausweitung basisdemokratischer Strukturen und setzte insbesondere auf lokalen Aktivismus. In ihren zahlreichen Reisen durch die Südstaaten rekrutierte sie unzählige neue Mitglieder, sammelte Spenden und half bei der Gründung lokaler NAACP-Gruppen. Die Einbindung von Frauen und jungen Menschen lag ihr besonders am Herzen, da ihr Kampf für die Rechte von Afroamerikaner_innen eng geknüpft war an eine Enthierarchisierung und die Inklusion von Mädchen und Frauen. Baker war aktiv an der Etablierung von studentischen Gruppen wie Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC) beteiligt, die gewaltfreien Protest zum Beispiel in Form von Sitzblockaden organisierten.

Ihre letzten Jahre verbrachte Baker in New York, wo sie in sozialistischen Organisationen und diversen Frauengruppen aktiv war. Ella Baker verstarb gestern vor 24 Jahren an ihrem 83. Geburtstag.

Die beeindruckende Aktivistin regte die A-Capella-Gruppe “Sweet Honey in the Rock” zu einer musikalischen Widmung an (Video und Text nach dem Sprung).
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Wer war… Rosa Parks?

25. Oktober 2010 von Magda
Dieser Text ist Teil 22 von 31 der Serie Wer war eigentlich …

„Die einzige Sache die mich ärgert, ist, dass wir so lange mit dem Protest gewartet haben.“ (Rosa Parks über den Montgomery Bus Boycott)

Rosa Parks und Dr. Martin Luther King jr. (ca. 1955) via Wikimedia/Commons

Rosa Parks und Dr. Martin Luther King jr. (ca. 1955) via Wikimedia/Commons

Die US-amerikanische Bürgerrechtlerin Rosa Parks (geboren Rosa Louise McCauley) kam am 4. Februar 1913 in einer ländlichen Gegend in Alabama zur Welt. Rosa und ihr Bruder wurden von ihrer Mutter, einer Lehrerin, allein groß gezogen und lange Zeit zu Hause unterrichtet. Parks begann als Näherin zu arbeiten und heiratete mit 19 Jahren Raymond Parks, ein Friseur, der in der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) aktiv war. Die NAACP ist eine Bürgerrechtsorganisation, die seit 1909 bis heute für die Rechte von Afroamerikaner_innen in den USA kämpft.

In den Südstaaten herrschte zu der Zeit noch eine strikte Trennung zwischen Weißen und Schwarzen im öffentlichen Bereichen wie Toiletten, Restaurants und den öffentlichen Verkehrsmitteln. Als sich Rosa Parks an einem Dezembertag im Jahre 1955 weigerte, ihren Platz für einen weißen Mann frei zu machen, wurde sie verhaftet und später zu einer Geldstrafe verurteilt.

Martin Luther King jr., damals ein noch relativ unbekannter Prediger, organisierte mit unzähligen Aktivisten und Aktivistinnen den berühmten Montgomery Bus Boycott. Die von den Afroamerikaner_innen organisierten Fahrgemeinschaften in privaten Autos führten zu enormen finanziellen Verlusten für die Verkehrsbetriebe. Der über ein Jahr lang anhaltende Protest endete mit dem Urteil des US-amerikanischen Supreme Courts, das die Segregation in den Bussen beendete.

Parks war keinesfalls eine ältere müde Dame, die sich spontan dazu entschied, die rassistische Segregationspolitik herauszufordern. Ihr Handeln erwuchs aus jahrelangem aktiven Engagement in der Bürgerrechtsbewegung. Bereits seit 1943 arbeitete sie ehrenamtlich als Sekretärin für die NAACP.

Gestern vor fünf Jahren verstarb Rosa Parks mit 92 Jahren.

Lesetipp: Belinda Robnett (1997): „How Long? How Long? African American Women in the Struggle for Civil Rights.“ Oxford University Press.


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