Mütter sollten ihre Möpse bedecken – jedenfalls wenn sie rechnen können

2. Januar 2012 von Hannah
Dieser Text ist Teil 35 von 35 der Serie Muttiblog

Am Prenzlauer Berg verstopfen Rinder die Gehwege, verstellen mit ihren Kinderwagen die Cafés und holen ihre unbedeckten Euter heraus, um ihre Kinder zu stillen. So steht es in einem Vorabdruck in der Taz von „Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter“ – ein soeben erschienenes Buch der Journalistin Anja Maier. Im Untertitel behauptet die Autorin über Edel-Eltern und ihre Bestimmerkinder zu schreiben. Tatsächlich sind ihr Feindbild aber die P-Berger Mütter. Obwohl ihre Fakten nicht stimmen, ihre Beschreibungen von altbekannten Klischees strotzen, erfährt sie erstaunlich viel Zuspruch. Warum dieser Mütter-Hass?

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Anja Maier spricht nicht selbst in dem Kapitel, das die Taz druckte, sondern lässt eine Kaffeehausbetreiberin über die schwäbischen „Rinder“ herziehen, die alles bio und antiallergisch wollten, ihre Kleinkinder zum Chinesisch-Unterricht schickten und ihre Ehemänner für all das zahlen ließen, weil sie selbst mindestens drei Jahre Babypause machten.

Die Tirade der Wirtin hat einen heftige Diskussion in der Kommentarspalte der Taz hervorgerufen und Betrachtungen des Problems in zahlreichen Zeitungen. Interessant daran ist, dass die meisten den Ost-West-Konflikt sehen: Alt-Ostberliner gegen zugereiste Schwaben. Nur wenigen fällt auf, dass die Beschreibung von Müttern als Rinder, die ihre Euter herausholen, wohl so ziemlich die übelste sexistische Beschimpfung von Frauen ist, die einem in den letzten Jahren jenseits von Mario Barth untergekommen ist. (weiterlesen …)


Facebook | |


Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre

4. Juli 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 34 von 35 der Serie Muttiblog

Die Frauenquote findet ja immer mehr AngängerInnen, wie es gerade so scheint. Auch meine Arbeitgeberin hat dieses Thema als etwas entdeckt, worüber man mal reden sollte und sich das Ziel gesteckt, bis 2015 30% Frauen in Führungs­positionen zu beschäftigen. Erreicht werden soll dieses Ziel mit mehr Kinder­betreuungs­möglichkeiten, flexibleren Arbeits­zeiten und Heim­arbeits­plätzen. Klingt erstmal toll und modern. Allerdings merkt man an den Maßnahmen sehr deutlich, wer sich das ausgedacht hat: weiße verheiratete Männer Mitte 50 mit durch­schnittlich 2.1 Kindern, die davon ausgehen, dass Frauen diejenigen sind, die Familie und Beruf vereinbaren müssen.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wegen der Wohnsitzproblematik blieb für uns letztendlich nur die Option „Betriebs­kinder­garten“. Aber auch dort sind die Plätze heiß begehrt und es be­durfte eines Wutausbruchs im Büro meines Chefs und mehrerer emotional sehr auf­ge­ladener Gespräche mit oberen Führungskräften, um nach einem Jahr Warte­zeit nun endlich ab Sommer das Kind an meinem Arbeitsort in den Kinder­garten schicken zu können und damit den Status „Wochenendmama zu beenden.

Jetzt haben diese Männer also erkannt, dass sie das Potential ihres Führungs­nachwuchses nicht voll ausschöpfen, weil ein Teil des Potentials ganz offen­sichtlich nicht beachtet wird. Und woran liegt das? Daran, dass die weiblichen High Potentials mit Kindern Beruf und Familie vereinbaren müssen. Da helfen wir denen doch mal ein bisschen und spendieren denen Kindergärten, flexible Arbeitszeiten und Heimarbeitsplätze. Nur: Die außertariflich Angestellten werden schon heute nicht nach Anwesenheitszeit bezahlt. Die somit bereits realisierten flexiblen Arbeitszeiten bedeuten in dem Zusammenhang hauptsächlich „Über­stunden sind mit dem Lohn bereits abgegolten“. Und auch der Laptop, Zugang von einem externen Internetanschluss via VPN zum Firmennetzwerk und der Blackberry gehören zum Standard, so dass das Arbeiten von zu Hause aus bereits jetzt schon problemlos möglich ist. Diese vollmundig versprochenen Maßnahmen, größtenteils bereits etabliert, werden wahrscheinlich einfach nicht reichen, solange die männlichen Konkurrenten eben nicht das Problem haben, Karriere und Familie zu vereinbaren. (weiterlesen …)


Facebook | |


Wie wär’s mit obligatorischem Vaterschaftsurlaub?

4. April 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 33 von 35 der Serie Muttiblog

In Frankreich gibt es Überlegungen, verpflichtenden Vaterschaftsurlaub einzuführen. Ich hatte ja bereits den Kündigungschutz für werdende Väter gefordert, um Elternzeit für Väter zu vereinfachen. So weit zu gehen, verpflichtenden Vaterschaftsurlaub zu fordern, habe ich mich bisher nicht getraut. Ich hörte schon diese Stimmen, die die freiheitlich demokratische Grundordnung gefährdet sehen – durch solch einen staatlichen Zwang zur care-Arbeit. Aber Frauen werden auch gezwungen, wenn sie ein Kind zur Welt bringen, 18 Wochen lang ihrer Erwerbsarbeit nicht nachzugehen. Dies wird, zu Recht, als Errungenschaft einer fortschrittlichen Gesellschaft angesehen. Warum gönnen wir den Vätern denn nicht auch eine solche Auszeit, in der sie intensiv ihren Nachwuchs kennenlernen können?

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Hinzu kommt, dass solch ein verpflichtender Vaterschaftsurlaub wahrscheinlich auch ein Umdenken in den Köpfen der ChefInnen bewirken könnte. Folgende, tatsächlich erlebte Geschichte wäre dann hoffentlich anders gelaufen. (weiterlesen …)


Facebook | |


70.000 Euro für einen Trauschein?

7. März 2011 von Hannah
Dieser Text ist Teil 32 von 35 der Serie Muttiblog

Letztens sagte Sigmar Gabriel, er wolle das Ehe­gatten­splitting abschaffen, aber nicht gleich, irgend­wann mal. Von der FDP kam prompt die Antwort: Typisch, SPD will immer Steuern erhöhen.

Dann verebbte das Thema wieder – für mich unbegreiflich. Ich halte das Ehe­gatten­splitting neben Zwangs­abschiebungen und der Zusammen­arbeit mit fol­tern­den Geheim­diensten für einen der größten Skandale unserer Republik.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Das Ehe­gatten­splitting kettet Ehe­frauen ans Haus. Immer wenn sie nach der Baby­pause eine kleine Stelle auf­nehmen wollen, rechnen beide Ehe­partner nach und stellen fest, dass durch mehr zu zahlende Steuern von dem schönen Geld fast nichts übrig bleiben würde. Kommen dann noch Kinder­betreuungs­kosten hinzu, wird die Erwerbsarbeit der Frau zum puren Luxus, weil sie mehr kostet als einbringt. Na, da ist es doch besser nicht zu arbeiten.

Das prangern zwar viele an. Aber so ein richtiger Aufreger ist das Thema für die Meisten nicht. Besonders unbegreiflich finde ich diejenigen, die das Ehe­gatten­splitting verteidigen. Das sind doch in der Regel dieselben Leute, die Hartz IV-Empfänger dafür beschimpfen (dekadente Sozialschmarotzer), dass sie kühl nach­rechnen, ob es sich lohnt arbeiten zu gehen. Bei Eheleuten fördern sie aber diese Haltung.

Ich habe also meine Mutter gefragt, die immer erzählt, dass sie schon 1977 gegen das Ehe­gatten­splitting gekämpft hat.  Sie hat auch für die Quote gekämpft, gegen den §218 und für mehr Kitas. Da war die Frauen­bewegung einigermaßen erfolgreich. Beim Ehe­gatten­splitting hat sich aber so gar nichts getan. Warum habt Ihr da nichts erreicht, Mama?
(weiterlesen …)


Facebook | |


Guttenberg: Familie als Entschuldigung

28. Februar 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 31 von 35 der Serie Muttiblog

Dass Deutschland gerade den Verlust politischer Integrität in bisher un­be­kannten Aus­maß erlebt, ist ja bereits an genügend Stellen hin­länglich dis­kutiert worden. Warum ich die Causa Gutten­berg hier im Mutti­blog noch­mal aufgreife? Weil der Lügen­baron seinen absichtlichen Betrug u.a. damit rechtfertigt, dass er als junger Familien­vater mit dem korrekten Aus­arbeiten seiner Doktor­arbeit überfordert gewesen sei. Mein Mit­leid hält sich allerdings stark in Grenzen. Diesem Typen ist wirklich nichts zu billig. Aber es ist bestimmt der Feminismus schuld, dass ein Bundestagsabgeordneter, der gleich­zeitig auch noch Vater ist, einfach keine Ruhe mehr hat, seine Doktorarbeit sorgfältig aufzuschreiben und sich an die Regeln zu halten. Stattdessen steht er als moderner Vater unter dem Druck, auch für die Familie anwesend zu sein. Wie soll man da bitte noch den Überblick behalten?

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ich stelle mir gerade eine alleinerziehende Mutter vor, die zwischen ihrem Job am Tag, Kinder versorgen und dem Putz­job am Abend, damit es finanziell überhaupt irgendwie geht, ganz aus Ver­sehen nach sorgfältiger Auswahl der Lebensmittel im Super­markt vergisst, das ein oder andere Teil aufs Band zu legen. Kann ja mal passieren, mit den Ge­danken noch bei der Arbeit, die Kinder quengeln, da kann man doch mal was vergessen, wer will denn da so kleinlich sein?

Ich kenne einige Mütter und Väter, die neben ihrem Vollzeitjob noch ihre Doktorarbeit schreiben. Müssen die es jetzt auch nicht mehr so genau nehmen? Oder all die Mütter und Väter, die neben dem Beruf studieren, eineN MeisterIn, TechnikerIn, oder sonstige Fortbildungen machen? Können diese Menschen sich in Zukunft, wenn sie beim Abschreiben erwischt werden, darauf berufen, dass Job, Familie und Weiterbildung einfach zuviel waren? Sollten wir Karl Theodor zu Guttenberg dankbar sein, dass er klar gemacht hat, welch extremer Druck auf dreifachbelasteten Vätern lastet? Oder sollten wir Beifall klatschen, weil dem vielbeschäftigten Herrn Minister seine Familie wichtiger zu sein scheint, als jegliche Integrität?

Ich finde es einfach billig, dass ein Mann seine dreisten Betrügereien damit ent­schuldigt, dass die Familie ihn so sehr gefordert habe. Wieviele Frauen (und auch Männer) in Deutschland leisten täglich Übermenschliches, um den ganz normalen Wahnsinn zwischen Job und Familie zu meistern und kommen dabei nicht auf die Idee, geltende Regeln zu vergessen?

Und schlussendlich frage ich mich, ob wir diese Art von modernen Vätern brauchen. Die ihren Kindern im großen Stile vermitteln, dass man sich, wenn die Be­weise für ein Fehl­verhalten erdrückend werden, nur so tun muss, als handele es sich um eine Lapalie, für die man sich ein kleines bisschen ent­schuldigen muss – dann hat das Fehl­verhalten keine ein­schneidenden Konsequenzen.


Facebook | |


Kompetente Väter

14. Februar 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 30 von 35 der Serie Muttiblog

Ist man als Mutter mal für fünf Minuten weg, bringt der Vater aus Versehen das Kind um. Was so absurd klingt, scheint in unserer Gesellschaft eine gängige Annahme zu sein. Anders kann ich mir ein paar bemerkenswerten Erlebnisse der letzten Zeit nicht erklären.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Mein Mann ist derzeit viel mit dem Kind alleine unterwegs. Neulich ließ ihn eine ältere Dame beim Aussteigen aus dem Bus wissen, dass sie ihn beobachtet habe. Er mache das ganz vorzüglich mit dem Kind, eine Frau könne es nicht besser machen.

Ärgerlich finde ich im Zug die Durchsage „Liebe Fahrgäste, aufgrund von hohem Fahrgastaufkommen bitten wir Sie, freie Sitzplätze nicht mit Gepäckstücken zu blockieren. Fahrgäste mit Sitzplatz werden gebeten, diesen gegebenenfalls älteren Reisenden oder Müttern mit Kleinkindern anzubieten“. Diese Durchsage habe ich in den letzten 4 Monaten, seit ich jeden Beginn des Wochenendes in vollen Zügen genieße, schon mehrmals gehört. Sie steht also offensichtlich so im Handbuch, Väter mit Kleinkindern existieren scheinbar nicht.
(weiterlesen …)


Facebook | |


Ist pink schwul?

31. Januar 2011 von Adele
Dieser Text ist Teil 29 von 35 der Serie Muttiblog

Wenn man dem einjährigen Sohn eine pinke Jacke anzieht, dann kann man sich sicher sein, dass man plötzlich für sehr viel Gesprächsstoff auf dem Spielplatz sorgt. Das geht sogar so weit, dass das Kind nicht mehr erkannt wird, weil es plötzlich als Mädchen wahrgenommen wird. Mindestens aber wird man gefragt, warum man ihm um alles in der Welt eine pinke Jacke anziehe.

Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Ähnliche Nachfragen provoziert man, wenn man in der Drogerie einfach ins Regal greift und zufällig ein rosa Schnullerband erwischt. Ob ich Probleme mit der Farbwahrnehmung hätte wurde ich beispielsweise schon gefragt. Die Nachbarn meiner Schwiegereltern waren sogar so nett und haben uns ein blaues Schnullerband geschenkt, das sie noch von ihrem Sohn übrig hatten. Als unser Sohn am nächsten Tag wieder mit seinem rosa Schnullerband bei den Nachbarn aufkreuzte, wurde dies von ihnen leicht konsterniert angemerkt. Die absurd anmutende Unterhaltung wurde dann von meinem Mann zu einem jähen Ende gebracht: „Vielleicht ist er ja schwul.“ Über den Schock in den Augen der Nachbarn amüsieren wir uns heute noch.


Facebook | |


Auf Mutti ist kein Verlass

10. Januar 2011 von Erna
Dieser Text ist Teil 28 von 35 der Serie Muttiblog

Ich bin untröstlich: Am 3. März 2010 schrieb ich meinen letzten Mutti-Blog-Beitrag. So war das nicht geplant. Aber so ist es gekommen. Auf Mutti Erna ist leider kein Verlass.
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Wenn ich heute hier sitze und darüber nachdenke, was los war, bin ich nicht ganz sicher. Es war eine Anhäufung mehrer Faktoren, die ineinander spielten.

1. Die Themen. Auf einem feministischem Blog über das Muttisein zu schreiben impliziert immer, über das Muttisein irgendwie auch aus einer feministischen Perspektive schreiben zu wollen. Nicht, dass mir das schwer gefallen wäre. Ich hatte eine Liste, auf der ich viele Themen gesammelt hatte, die ich ansprechen wollte. Zum Beispiel die Rolle des Vaters. Oder die geschlechtsspezifische Codierung von Babys, damit man auch auf 100m Entfernung sieht, ob es sich um einen Jungen oder um ein Mädchen handelt. Ich wollte aber auch und vor allem über das Thema “Zufriedenheit und Mutterglück oder Bitterfotze?” schreiben. Dieses Thema wühlte mich aber innerlich so sehr auf, dass ich es nicht fertig brachte, darüber zu schreiben. Ich habe es stattdessen einfach verdrängt.

2. Die Abwechslungsthematik. Wenn frau den lieben langen Tag nichts anderes im Kopf hat, als Kümmern und Muttisein, dann ist es schwer erträglich, dass auch noch die Schreiberei sich mit diesem Thema befassen soll. Irgendwie hatte ich vom Muttisein einfach ein bisschen den Overkill, wollte wenn schon, dann ein bisschen Abwechslung reinbringen. Fand es deprimierend, diese Rolle auf nahezu allen Ebenen meines Daseins einnehmen zu sollen. Das hatte ich mir vor der Geburt auch anders vorgestellt. In meiner Vision von einem Muttiblog war ich selbstbewusst und zufrieden mit dem Leben als feministische Mutter. Das war ich aber nicht. Zu sehr bestimmte nur das Muttersein mein Leben. Mir dürstete es nach “echter” Abwechslung. Natürlich kam ich mir deswegen auch noch schlecht vor.

3. Der Frust. Die Bitterfotze war unerwartet oft Bestandteil meines Mutterlebens. Ein halbes Jahr war ich einfach “nur zuhause”. Denn leider musste mein Liebster sich einen neuen Job suchen und wie das so ist: keine Möglichkeit Elterzeit zu nehmen im ersten halben Jahr. Freie Wirtschaft eben. Dafür bin ich nicht gemacht! Ich lenkte mich mit allerhand Aktivitäten ab, angefangen beim Sport (zwei Mal pro Woche), über das Kochen (jeden Tag ein neues leckeres Gericht ausprobieren) bis hin zu einem unstillbaren Bedürfnis viel Zeit im Freien zu verbringen, da es dort dem Baby viel besser ging als drinnen – und damit eben auch mir. Der Frust war irgendwann so groß, dass ich noch während ich stillte wieder anfing mit Rauchen (natürlich nur abends, nach der “letzten Brust”), da ich unbedingt ein Laster als “Ventil” für meinen Frust brauchte! Das Gefühl, dass alle Leute um mich herum einfach sorgenlos ihr Leben weiterlebten, während ich auf dem Abstellgleis geparkt mit meinem Baby an der Brust stand, es bereitete mir keine Freude. Ich bekam eine Migräne und zwischen dem Liebsten und mir entspann sich der klassische postnatale Beziehungsstress. (weiterlesen …)


Facebook | |


Ellenbogenkapitalismus im Schlafzimmer

30. November 2010 von Adele
Dieser Text ist Teil 27 von 35 der Serie Muttiblog

In seiner Focus-Kolumne erklärt uns Uli Dönch, warum die Frauen-Quote feige und falsch ist:
Wer das Phänomen verstehen wolle, müsse tiefer graben. Das dann folgende ist tatsächlich auf einem Niveau unterhalb der Grasnarbe… Natürlich sind die Frauen man wieder selbst schuld, wenn sie nicht bereit sind 65 bis 70 Stunden in der Woche zu arbeiten, dann wird das halt nix mit dem Vorstandsposten. Was schließen wir daraus? Man muss nur 70 Stunden in der Woche arbeiten, und übermorgen ist man im Vorstand eines DAX-30-Unternehmen, ist also ganz einfach.
Frau in High Heels und Bluse, Minirock und Leggins, die eine Aktentasche, Pfanne und Staubwedel mit drei Armen hält, sowie ein Baby in einem kleinen Wagen hinter sich herzieht

(C) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Der Aufsichtsratschef der Commerzbank Klaus-Peter Müller fragt im Interview zu Recht, wieviel Frauen tatsächlich für solche Posten zur Verfügung stünden. Die Schlüsse, die Dönch daraus zieht, sind natürlich Quatsch.

Zuerst einmal sind ein paar Vorstandsposten, die mit Frauen besetzt sind, zwar ein nettes Symbol, aber sind nur für einen verschwindend geringen Teil der weiblichen Bevölkerung erreichbar oder erstrebenswert. Das gilt im übrigen ebenso für den männlichen Teil der ArbeitnehmerInnen. Auch die wenigsten Männer haben einen Posten im Vorstand (70 Stunden die Woche zu arbeiten, scheint also doch nicht zu reichen…). (weiterlesen …)


Facebook | |


Die „genuin weibliche Kompetenz“

28. April 2010 von Katrin
Dieser Text ist Teil 26 von 35 der Serie Muttiblog

Liebe LeserInnen, dies ist eine freundliche Übernahme: Weil Mutti Erna momentan viel Stress und wenig Zeit zum Bloggen hat, übernehme ich diese Ausgabe unserer Serie „Mutti-Blog“. Ich habe nämlich auch ein Mutti-Thema, das mich seit Samstag beschäftigt:

Am Freitag besuchte ich die Tagung “Deutschland sucht den „Super-Papa“. Impulse für eine moderne Väterpolitik“ in Köln, wo ich auf dem Eröffnungspanel zusammen mit Thomas Gesterkamp und Sven Lehmann über Männlichkeiten, Väter und Feminismus diskutierte. Als ich am Samstag daraufhin in meinen Twitter-Account schaute, erblickte ich einen Tweet, an mich gerichtet, mit folgendem Inhalt: „@DieKadda: Wir Frauen sollten stolz auf unsere exklusive generative Kompetenz sein. Schluss mit der Entwertung genuin weiblicher Leistungen.“ Dieser Tweet beschäftigte meine Gedanken für die Einschlafphasen der letzten zwei Nächte und ich muss einfach etwas dazu sagen.

Als erstes las ich diesen Tweet meinem Mann vor und fragte ihn, was er dazu meine. „Wahrscheinlich will sie dir damit sagen, dass du stolz auf deine Gebärfähigkeit sein sollst.“ Für mich ist das aber etwa so absurd, wie stolz darauf zu sein, Deutsche zu sein. Zu meiner Gebärfähigkeit habe ich nämlich nichts beigetragen. Sie wurde mir in die Wiege gelegt. Ausgesucht habe ich sie mir nicht. Mein Mann fand den Vergleich seltsam und fand, dass es schon etwas anderes sei, als stolz darauf zu sein, Deutscher zu sein. Immerhin sei Schwangerschaft und Gebären ja auch eine Leistung. Also drehte ich die Gedanken weiter, um dem Grund näher zu kommen, warum ich finde, dass ich auf meine „exklusive generative Kompetenz“ nicht stolz sein kann. Ich landete bei der Kuh auf der Weide: Auch sie hat diese „exklusive Kompetenz“ und kommt aber nicht nur, weil sie eine Kuh ist, nicht auf die Idee, stolz darauf zu sein. Sie macht das eben, weil das die Natur sich so ausgedacht hat. Niemand bewundert sie groß dafür. Sie wird statt dessen noch ausgebeutet und gibt uns ihre – eigentlich exklusiv dem Kälbchen zustehende – Milch ab. (weiterlesen …)


Facebook | |



Anzeige