Saudi-Arabien führt Frauenwahlrecht ein

von Magda

Im März riefen einige Frauen aus Saudi-Arabien die Revolution aus, nun gibt es über­raschende Neuig­keiten: Der saudische König Abdullah hat vor Kurzem ent­schieden, dass nun auch Frauen bei den Kommunal­wahlen ihre Stimme abgeben und sich als Kandidatinnen auf­stellen lassen können. Die kommenden Wahlen, die bereits diese Woche statt­finden, müssen allerdings noch ohne Wählerinnen aus­kommen: Die Neu­re­gelung tritt voraus­sichtlich erst ab 2015 in Kraft. Laut ZDFheute hatte sich der 88-jährige Monarch Abdullah, der über das Königreich Saudi-Arabien herrscht, während seiner nun sechsjährigen Regent­schaft immer wieder für „vor­sichtige gesell­schafts­politische Re­formen“ aus­ge­sprochen.

Bislang haben Frauen in Saudi-Arabein keinerlei politisches Mit­sprache­recht. Sie dürfen ohne Be­gleitung eines männlichen Ver­wandten nicht das Haus ver­lassen, werden für viele Berufe nicht zu­ge­lassen und auch das Auto­fahren ist ihnen nicht er­laubt, so N24 und ZDFheute. Erst im Mai wurde Manal al-Sharif, die die Kampagne „Frauen ans Steuer“ ins Leben rief, verhaftet, weil sie selbst ein Auto fuhr.

Aber: Auch Männer können erst seit 2005 und nur bei Kommunal­wahlen ihre Stimme ab­geben. Wie­viel Ein­fluß die Wahlen in Saudi-Arabien haben, ist also frag­lich, denn die Hälfte der Minister wird ohnehin vom König er­nannt.

Mehr zum Thema hat die West-Östliche Diva.

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Eintrag geschrieben: Dienstag, 27. September 2011 um 11:11 Uhr unter Rechtsprechung, Zeitgeschehen. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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8 Kommentare

  1. Irene sagt:

    > dass nun auch Frauen bei den Kommunal­wahlen ihre Stimme abgeben und sich als Kandidatinnen auf­stellen lassen können

    Mit Einverständnis des Vormunds, oder?

  2. Magda sagt:

    @Irene

    Leider habe ich bisher nichts dazu gefunden, nur in einem Beitrag war davon die Rede, dass der Widerstand wohl nicht so groß sein wird, wenn Frauen das Recht zum Wählen bekommen (größer wäre der Widerstand wohl, wenn das Fahrverbot aufgehoben werden sollte):

    As for the right to drive, Omar said it has a vocal opposition that is much less so for voting rights. „There are very few people who would deny or use a religious argument against the right for a woman to vote. It’s clearly within the Islamic jurisprudence — almost all Islamic countries with the exception of Saudi Arabia exercise the right to vote for women.“ (via)

    Meine Vermutung: Das Recht zu wählen steht über dem Recht eines männlichen Verwandten, dies einer Frau zu verbieten. Aber: Wie das in der Praxis aussieht, weiß bis jetzt wohl niemand.

  3. franca sagt:

    „dürfen ohne Be­gleitung eines männlichen Ver­wandten nicht das Haus ver­lassen“ – im N24 Artikel steht davon nichts

    aber laut dieser quelle: http://tinyurl.com/5vbusl9 dürfen sie ohne männliche begleitung das land nicht verlassen

  4. Magda sagt:

    @franca

    stimmt, das stand nicht bei N24, sondern im ZDFheute Artikel.

  5. franca sagt:

    stimmt – sorry, da hatte ich nicht richtig geschaut… bin seit dem ich das hier gesehen habe: http://www.youtube.com/watch?v=IEETb3SOuc4&feature=relmfu

    immer davon ausgegangen, dass ihnen das zumindest erlaubt sein müsste, da ein befürworter der driving ban aufhebung zum schluss davon spricht, dass er es besser fände, wenn seine frau „unabhängig von ihm als ehemann oder einem taxifahrer“ ihre einkäufe erledigen könnte – wenn ohnehin immer ein männlicher vormund dabei sein müsste, könnte ja auch der fahren… vielleicht liegt aber da auch der grund für den größeren widerstand gegen die aufhebung des driving ban – weil er nur in verbindung mit einer aufhebung der ausgeh-regel sinn macht…

  6. Irene sagt:

    Um das rauszufinden, müsste man sich wohl den Kopf der Fundis zerbrechen.

  7. Katharina sagt:

    Schade, dass ihr nicht erwähnt, dass fast zeitgleich eine der Autofahrerinnen zu 10 Stockhieben verurteilt wurde … Das wirft doch ein bestimmtes Licht auf diese „Gnade“. Werft Ihnen einen Brocken hin (der ja ohnehin eher symbolisch ist), dann sind sie vielleicht still. Und wenn immer noch nicht, gibt’s eben den Stock.

  8. Irene sagt:

    Die Berichterstattung über diese Ölscheichokratie scheint mir allgemein sehr rücksichtsvoll und gelassen, wenn man sie mit Artikeln über andere Diktaturen vergleicht. (Oder auch nur mit skandalisierenden Artikeln über Israel.)

    Wenn das Land den Ölhahn zudreht, ist ja Schluss mit günstigen Flugreisen. Da zeigt man doch lieber Respekt.