Samstagabendbeat mit Lady Saw

von Anna-Sarah

Ob eine sich selbst und ihre Sicht der Dinge in den Lyrics und im heteronormativen Kernfamilien-Setting des Videos nun zu 100% wieder findet oder nicht: Ich glaube, „Less than a Woman“ von Lady Saws 2007er Album „Walk Out“ ist der einzige Popsong, den ich kenne, in dem offen über Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und ungewollte Kinderlosigkeit gesungen wird – für viele Frauen*, letzteres wohl gerade auch für solche, die außerhalb (cis)heterosexueller Zweierbeziehungen lieben und leben, prägende Erfahrungen. Die Vielfalt dieser Erfahrungen und ihre Kontexte – wie zum Beispiel überkommene Familienbilder oder Verfasstheiten des Mutterideals, wie es an unterschiedliche Gruppen von Frauen* herangetragen wird – haben in der kommerziellen Popkultur genau so wenig Platz wie im öffentlichen Diskurs. Sicher, nicht alles davon wird in diesem Song hier verhandelt, zumindest nicht kritisch. Doch die so klare wie persönliche Botschaft der „Queen of the Dancehall“ an eine Welt, in der Weiblichkeit nach wie vor nahezu untrennbar mit Gebärfähigkeit und (möglichem) Muttersein verknüpft ist  –  als Protagonistin eines Genres, welches oftmals für seine konservativen bis reaktionären Geschlechterbilder in der Kritik steht:

Not having a child don’t make me less than a woman.


You see, what I am saying is this song is dedicated to all the females who have been trying to have children but never succeed. Some have miscarriage just like myself, but you know what, don’t give up … and don’t feel you are less than a woman because you don’t have a child ‚cause once you give you love to other children that counts. You know what I’m saying.

Wer es thematisch etwas, hm, leichter und dafür musikalisch etwas rougher möchte, kommt bei Lady Saw natürlich auch auf ihre_seine Kosten. Und muss dafür noch nicht mal das Album wechseln, sondern bloß ein bisschen vor oder zurück skippen.

Übrigens, a propos klare Botschaft: Mir fällt außer Lady Saws „Condom“ auch spontan kein anderer Song ein, in dem so explizit für die Verwendung von Kondomen geworben wird…




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Eintrag geschrieben: Samstag, 8. Dezember 2012 um 17:00 Uhr unter Kultur. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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3 Kommentare

  1. Helena sagt:

    Äh, doch da gab es mal ein Lied von Tic Tac Toe: „Leck mich am A, B, Zeh“ Das warb für die Benutzung von Kondomen.
    Zitat:
    „…und zieht sich jetzt dein Pillermann nicht sofort einen Gummi an, sag ich dir klipp und klar: dann bin ich nicht mehr da!…“

  2. resident_alien sagt:

    „Two become one“ von den Spice Girls erwähnt auch die Verwendung von Präsern.
    *nimmt Besserwissermütze wieder ab*
    Allerdings hört mensch zu dem Thema wirklich nix von Entertainern,deren Zielgruppe nicht unbedingt im BRAVO-Leseralter ist…

  3. MidiGrrrl sagt:

    Ohhh ich liebe lady saw, ob sexuell oder „conscious“