Einträge mit dem Tag ‘Kinderlosigkeit’


Samstagabendbeat mit Lady Saw

8. Dezember 2012 von Anna-Sarah

Ob eine sich selbst und ihre Sicht der Dinge in den Lyrics und im heteronormativen Kernfamilien-Setting des Videos nun zu 100% wieder findet oder nicht: Ich glaube, „Less than a Woman“ von Lady Saws 2007er Album „Walk Out“ ist der einzige Popsong, den ich kenne, in dem offen über Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten und ungewollte Kinderlosigkeit gesungen wird – für viele Frauen*, letzteres wohl gerade auch für solche, die außerhalb (cis)heterosexueller Zweierbeziehungen lieben und leben, prägende Erfahrungen. Die Vielfalt dieser Erfahrungen und ihre Kontexte – wie zum Beispiel überkommene Familienbilder oder Verfasstheiten des Mutterideals, wie es an unterschiedliche Gruppen von Frauen* herangetragen wird – haben in der kommerziellen Popkultur genau so wenig Platz wie im öffentlichen Diskurs. Sicher, nicht alles davon wird in diesem Song hier verhandelt, zumindest nicht kritisch. Doch die so klare wie persönliche Botschaft der „Queen of the Dancehall“ an eine Welt, in der Weiblichkeit nach wie vor nahezu untrennbar mit Gebärfähigkeit und (möglichem) Muttersein verknüpft ist  –  als Protagonistin eines Genres, welches oftmals für seine konservativen bis reaktionären Geschlechterbilder in der Kritik steht:

Not having a child don’t make me less than a woman.


You see, what I am saying is this song is dedicated to all the females who have been trying to have children but never succeed. Some have miscarriage just like myself, but you know what, don’t give up … and don’t feel you are less than a woman because you don’t have a child ‚cause once you give you love to other children that counts. You know what I’m saying.

Wer es thematisch etwas, hm, leichter und dafür musikalisch etwas rougher möchte, kommt bei Lady Saw natürlich auch auf ihre_seine Kosten. Und muss dafür noch nicht mal das Album wechseln, sondern bloß ein bisschen vor oder zurück skippen.

Übrigens, a propos klare Botschaft: Mir fällt außer Lady Saws „Condom“ auch spontan kein anderer Song ein, in dem so explizit für die Verwendung von Kondomen geworben wird…


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Sind Kinderlose unsolidarisch?

20. Februar 2012 von Jennifer

Mit schöner Regelmäßigkeit vermelden die deutschen Medien: In Deutschland werden zu wenig Kinder geboren. Und weil das so sei, sei die auch Rente künftig noch weniger sicher. Anschließend lassen sich beinahe schon Wetten darauf ab­schließen, ob nach dieser Meldung auch wieder folgende Idee diskutiert wird: Wenn es immer weniger Kinder gibt, die später mit ihrer Arbeit die RentnerInnen durchbringen, – warum sollen dann nicht diejenigen, die sich jetzt so egoistisch weigern, künftige Einzahler in die Rentenkassen zu zeugen, dafür zahlen?

Zuletzt waren es einige CDU-Abgeordnete, die diesen kalten Kaffee wieder aufgewärmt hat. Sie schlagen vor, dass Kinderlose über 25 Jahre eine „solidarische Demo­graphie-Rücklage“ zahlen sollen. Klar, der Begriff „Solidarität“ darf natürlich nicht fehlen – ebenso wenig wie der Hinweis, dass auch das Bundes­ver­fassungs­gericht bereits im Jahre 2001 gefordert habe, die Belastung von Familien zu ver­ringern. Ja, wenn das Bundesverfassungsgericht das richtig findet, wie könnte man als Kinder­loseR dann dagegen sein?

Die Abgabe soll den jüngsten Plänen zufolge übrigens ein Prozent des Einkommens betragen. Ach so: Mit einem Kind wären Väter und Mütter nicht aus dem Schneider, aber sie bekommen immerhin die Hälfte der Demographie-Rücklage erlassen. Laut einem Bericht in der Print-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung hat die Gruppe aus­gerechnet, dass durch diese Abgabe zweistellige Milliardenbeträge in die Sozial­ver­sicherungen fließen könnten.

Davon abgesehen, dass Kinderlose, zumindest wenn sie berufstätig sind, ziemlich hohe Steuern zahlen (und zwar oftmals mehr als etwa Verheiratete, die vom Ehegattensplitting profitieren beziehungsweise wo ein Elternteil – meist die Mutter – maximal Teilzeit arbeitet) und dass Menschen ohne Kinder bei der Pflege­ver­sicherung schon jetzt einen um 0,25 Prozentpunkte höheren Beitrag leisten – ist es denn nicht mal langsam gut mit dem andauernden gegeneinander Ausspielen von Lebensentwürfen?

Denn darauf läuft es doch immer wieder hinaus: Hier die opferbereiten Eltern, die zugunsten ihrer Kinder finanzielle Einbußen in Kauf nehmen und auch in Sachen Selbstverwirklichung zurückstecken müssen (Wie? Die Erfüllung eines Kinder­wunsches hat nichts mit Selbst­ver­wirk­lichung zu tun, sondern dient ausschließlich der Art­erhaltung – und eben der sicheren Rente?). Dort die ach so hedonistischen Kinderlosen, denen ein Balg nur die Karriere und den dritten Kurzurlaub vermiesen würde. (mehr …)


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