In der neuen Serie „Einfach nur anders“ stellt die Süddeutsche seit kurzem Menschen, die aus verschiedenen Gründen am Rand der Gesellschaft stehen. So auch Transfrau Rebecca, Münchner Aktivistin bei Viva TS. Vermutlich um noch einmal zu betonen, dass „aus einem Mann eine Frau wurde“ greift der Artikel leider tief in die Klischeekiste:
Nur ihr Beruf ist eher männlich: Rebecca repariert Computer und Drucker. Aber zurück zu Wolfgang. Beim Schulanfang beneidet er als kleiner Junge die Cousine um das hübsche Kleid. Er spielt lieber mit Puppen als mit Bauklötzen.
Mädchen spielen mit Puppen, Männer reparieren Computer. Scheinbar muss jeder einzelne Artikel über Transgender und Transsexualität die „typischen Verhaltensweisen“ aufzählen und dabei ignorieren, dass zunächst viele Cismenschen/Biofrauen/Biomänner Stereotypen nicht entsprechen. Aber auch Transgender geraten so unter Rechtfertigungsdruck und sehen sich manchmal gezwungen, Geschlechterklischees 150% zu erfüllen. Wer als Transfrau noch weite Hosen und Hemden trägt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie nicht eigentlich doch ein Mann ist. Daneben wird wieder einmal die Geschlechtsidentität mit der sexuellen Orientierung verwechselt.
Später, als Teenager, interessiert er sich nicht für Mädchen. Trotzdem geht er eineinhalb Jahre eine Beziehung ein. Als seine Freundin mehr will als nur Händchenhalten, kann er ihr das nicht geben.
Dabei hat die Frage, von welchem Geschlecht sich eine Person angezogen fühlt, nichts damit zu tun, welchem Geschlecht sie selbst sich zugehörig fühlt. Oder genauer: Es gibt auch schwule Transmänner und nicht jede Transfrau ist heterosexuell. Schließlich klingt die „Verwandlung“ selbst in diesem Artikel fast wie eine märchenhafte Reise.
Eineinhalb Jahre Probezeit als Frau also, das sah die Therapie vor. Danach ist es dann so weit. Wolfgang darf Hormone nehmen: Er erlebt Pubertät, Schwangerschaft und Wechseljahre gleichzeitig.
Schwangerschaft? Vielleicht noch Wiedergeburt? Dabei ist die Realität wenig märchenhaft. Bis heute müssen Transgender in Deutschland ihrer Fortpflanzungsfähigkeit adieu sagen, wollen sie nicht nur ihren Vornamen, sondern auch den Geschlechtseintrag ändern lassen. Ein Problem mit System: Weite Teile des deutschen Transsexuellengesetzes sind inzwischen als verfassungswidrig eingestuft worden, vieles verstößt gegen die Menschenwürde. Vor über einem Jahr sollten etwa laut Bundesverfassungsgericht schon die Zwangsscheidung gestrichen werden – passiert ist bis heute gar nichts. Wann, liebe Süddeutsche, berichtet ihr darüber?
(Vielen Dank an Leserin Christina für den Link.)

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