Im Namen der Freiheit: Neun Jahre Afghanistan-Krieg

von Magda

Der Spiegel berichtet in einem aktuellen Artikel über ein Frauenhaus in Masar-i Sharif (Nord-Afghanistan) und gibt einen düsteren Einblick in die Situation afghanischer Frauen knapp neun Jahre nach Einmarsch der US-amerikanischen Truppen im Oktober 2001. Der so genannte „Krieg gegen den Terror“ und die im Rahmen dieses Krieges durchgeführte Operation Enduring Freedom („Operation andauernde Freiheit“) hat so einige ihrer hoch angepriesenen Ziele nicht erreicht. Die unter dem Deckmantel von Menschen- und ja, insbesondere Frauenrechten! – eingesetzte Strategie hat den Afghanerinnen, wenn überhaupt, nur theoretisch genutzt. Der systematischen Entrechtung der Frauen durch das Taliban-Regime (1996 – 2001) wurde zwar mit der neuen Verfassung von 2004 entgegengesteuert (sogar eine Frauenquote gibt es im Parlament), aber „es sind vor allem die Frauen in den Städten, die von den Entwicklungen profitieren“, so Reinhard Erös, Gründer der Entwicklungshilfe-Organisation „Kinderhilfe Afghanistan“, in einem Artikel der Sueddeutsche. Mehr als 85 Prozent der afghanischen Bevölkerung lebt allerdings in ländlichen Gebieten.

In unzähligen Interviews aus der Dokumentation Rethink Afghanistan (Teil 5: The Women of Afghanistan) wird deutlich, wie es um die Mehrzahl der afghanischen Frauen im Jahre 2010 steht: Die Frauenquote im Parlament von 25% ist zwar von der Verfassung vorgeschrieben, verhindert allerdings nicht, dass Kandidatinnen, die sich um ein politisches Amt bemühen, mit teils gewalttätigem Widerstand rechnen müssen. Unter dem Taliban-Regime wurden Afghaninnen bekanntlich zu Menschen zweiter Klasse. Eine Verbesserung ist aber auch heute und insbesondere in ländlichen Gebieten nicht festzustellen. Im Gegenteil: Hinzugekommen ist ein Krieg, der neben einer ungeheuerlichen Armut eine Vielzahl an neuen sozialen Problemen hervorbrachte. Selbstmordattentate waren noch vor der amerikanischen Invasion gänzlich unbekannt. Die Mehrzahl der Ehen wird erzwungen; Vergewaltigungen bleiben ungeahndet oder enden mit der Bestrafung des Opfers; häusliche Gewalt hat zugenommen und die Kindersterblichkeit ist unverändert hoch. Einige, wie Reinhard Erös, sprechen von einer Verschlechterung der humanitären Situation seit 2001. Der Human Rights Watch Bericht (2009) zum Thema Frauenrechte in Afghanistan skizziert ein trauriges Bild in allen gesellschaftlichen Bereichen, insbesondere in Bildung und Rechtssprechung.

Time Cover 08/2010: "Was passiert, wenn wir abziehen"

Die Situation der afghanischen Bevölkerung in dem nun offiziell teuersten und längsten Krieg in der Geschichte der USA findet weltweit Aufmerksamkeit: Auf dem August-Titel des US-Magazins Time prangte das Bild einer afghanischen Frau ohne Nase. Daneben war zu lesen: „Was passiert, wenn wir abziehen.“ Die 19jährige Bibi Aisha, die vor ihrem gewalttätigen Ehemann floh und der zur Strafe Nase und Ohren abgeschnitten wurden, gab diesem Krieg ein erschreckendes Gesicht. Die Überschrift ist angesichts der Realitäten in Afghanistan der reinste Hohn. Aishas Geschichte ereignete sich zu einer Zeit, in der amerikanische und auch deutsche Truppen schon jahrelang in Afghanistan stationiert waren. Weder die Militärpräsenz noch die unzähligen Hilfsorganisationen konnten die Lage der afghanischen Bevölkerung radikal verändern. Operation Enduring Freedom? Die Tatsachen sprechen dagegen.




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Eintrag geschrieben: Donnerstag, 9. September 2010 um 10:12 Uhr unter Gewalt. RSS 2.0. Weder Kommentare, noch Pings erlaubt.



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27 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Artikel! Das Titelbild der Times ist allerdings ganz schön manipulierend und ziemlich dreist. Natürlich ist es ein krasses Bild, suggeriert aber, dass es nur noch schlimmer wird und ja, berücksichtigt nicht, dass die Tat schon vollbracht wurde. Sehr unreflektiert.

  2. […] Gründe für den Krieg gegen die Taliban, ist es heute mehr als fragwürdig, ob sich für die Afghaninnen tatsächlich die Situation gebessert hat. Auf Nachfrage wurde ich an den einzigen Vortrag einer […]

  3. access denied sagt:

    Und ihr meint, vorher war es besser?
    Das was der Frau passiert ist, ist schrecklich, aber das passierte unter der Herrschaft der Taliban in vielfach größerer Form.

  4. Patrick sagt:

    Ja, aber es hat eben nicht wirklich durch die Verteidigung der Freiheit am Hindukusch aufgehört.

    Laurie Penny hat dazu auch geschrieben, wenn auch mit anderem Blickwinkel: The West must not use women’s rights to justify war

    Ich meine, gegen Saudi-Arabien führen wir ja auch keinen Krieg, oder?

  5. Red Riding Hood sagt:

    danke patrick. es ist mir absolut schleierhaft wie manche immer noch meinen können, dass dieser krieg wegen und gegen menschenrechtsverletzungen geführt wird. gegen wen „wir“ alles krieg führen müssten…

  6. Magda sagt:

    @access denied

    *wir* meinen erst einmal gar nichts.

    *Ich* stelle fest, dass der Einmarsch der amerikanischen Truppen – der gerade wegen des Kampfes „für Menschenrechte“ und „Demokratisierung“ international gerechtfertigt wurde – an der Situation der meisten Afghaninnen gar nichts geändert hat.

    Eher im Gegenteil: Viele Quellen weisen darauf hin, dass es Afghaninnen und selbstverständlich auch den Afghanen heute nicht besser geht bzw. in einigen Bereichen sogar Verschlechterungen eingetreten sind. Ein Kriegszustand ist für Zivilist_innen immer eine Verschlechterung der Lebenssituation – keine Überraschung. Und wir reden hier von 9 Jahren Kriegszustand!

    Ich behaupte übrigens nicht mit einer Silbe, dass die Taliban bessere Grundbedingungen für Frauen schafften (die Taliban sind auch übrigens nicht weg vom Fenster, sondern sehr wohl auch im aktuellen afghanischen Parlament vertreten. Die Regierung ist auch heute noch gut gefüllt mit konservativen Hardlinern). Ich konstatiere zum einen, dass es der Bevölkerung nicht besser geht. Und ich behauptete andererseits, dass der Krieg strategisch unter falschen Motiven geführt wurde, weil Frauenrechte sich relativ publikumswirksam als Motiv verkaufen lässt – natürlich nur, wenn es um vollbeschleierte Frauen geht. Dumm dann, wenn gerade in diesem Bereich wenig bzw. gar keine Verbesserung eintritt. Da bleibt eigentlich nur eins: Es entlarvt die Strategie als scheinheillig.

  7. mettskillz sagt:

    Stimmt. Und da „wir“ nicht gegen alle Krieg führen können und nicht gegen alle Menschenrechtsverletzungen vorgehen können lassen wir es lieber ganz? Krude Logik.

  8. Magda sagt:

    Die neun Jahre zeigen deutlich, dass in Sachen Menschenrechtsverletzungen minimale bis keine Verbesserungen eingetreten sind, obwohl Menschenrechte einer der Hauptmotive waren, überhaupt erst in Afghanistan einzumarschieren. Nach neun Jahren Krieg ohne sichtbare Verbesserungen muss leider konstatiert werden: Operation Failed Freedom.

  9. Nadine sagt:

    @mettskillz

    Und da “wir” nicht gegen alle Krieg führen können und nicht gegen alle Menschenrechtsverletzungen vorgehen können lassen wir es lieber ganz? Krude Logik

    Krieg und Menschenrechtsverletzungen stehen für dich in keinem Zusammenhang oder? Menschenrechte zu instrumentalisieren, um Krieg zu führen, halte ich für krude Logik. Was @Magda sagt!

  10. mettskillz sagt:

    Kriege und Menschenrechtsverletzungen stehen in keinem kausalen Zusammenhang, nein. Aber es ist zumindestens interessant, dass in erster Linie amerikanische Soldaten für Missstände in Afghanistan verantwortlich gemacht werden und nicht Taliban und andere Terroristen.
    Aber das ist halt immer die Frage – interveniert man in Konflikte und bei bestehenden Menschenrechtsverletzungen oder lässt man es sein. Tut man es, kommen absurde Vorwürfe wie hier zustande. Tut man es nicht ist es aber auch nicht besser wie man am Beispiel Darfur sieht.

  11. Nadine sagt:

    @mettskillz

    kriege sind menschenrechtsverletzungen. per se. für mich. dass es die zuvor in afghanistan auch gab, steht außer frage, denke ich. ist hier aber nicht der punkt.

    sondern: der krieg wurde damit gerechtfertigt menschenrechtsverletzungen in afghanistan zu unterbinden. geholfen hat es nicht. und ein paradoxon ist es für mich so oder so.

  12. mettskillz sagt:

    Der Krieg wurde nicht damit gerechtfertigt Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden. Der Krieg wurde von der UN legitimiert und wer sich auch nur ein kleines bisschen mit der UN-Charta auseinandersetzt weiß, dass Menschenrechtsverletzungen an und für sich kein Grund sind militärisch zu intervenieren.
    Operation Enduring Freedom ist die direkte Antwort auf die Anschläge vom 11. September und wird durch das Recht auf Selbstverteidigung legitimiert.

  13. Nadine sagt:

    Aber das ist halt immer die Frage – interveniert man in Konflikte und bei bestehenden Menschenrechtsverletzungen oder lässt man es sein.

    Operation Enduring Freedom ist die direkte Antwort auf die Anschläge vom 11. September und wird durch das Recht auf Selbstverteidigung legitimiert

    Was denn jetzt?! Recht auf Selbstverteidigung in Anspruch genommen oder Menschenrechte am Hindukusch verteidigt?
    Ich verstehe nicht so ganz, was du eigentlich mitteilen möchtest. Dass der Krieg in Afghanistan gerechtfertigt ist? Dass militärische Interventionen nötig sind, um Menschenrechte zu wahren oder besser Krieg als gar keine Intervention?

    Ich sehe das so, wenn diese Operation lediglich der Selbstverteidigung diente, hat sie mit Menschenrechten rein gar nichts zu tun. Kritik wie im Post berechtigt. Wenn auch andere Ziele eine Rolle spielten, müssen sich die USA daran messen lassen, was sie in 9 Jahren für Menschenrechte in Afghanistan getan haben und viel rausgekommen ist dabei leider nicht. Kritik wie im Post berechtigt.

    Ginge es einzig und allein um Menschenrechte wären NGOs und andere zivilgesellschaftliche Einrichtungen, UN und ansässige Vereine, etc wesentlich wirksamere Instrumente, um die dortige Bevölkerung vor Taliban und Terroristen zu schützen bzw. die Lage insgesamt zu verbessen. Niemand hat behauptet, man solle Menschenrechtsverletzungen einfach geschehen lassen, also argumentiere demnächst doch bitte ohne Unterstellungen.

  14. Magda sagt:

    @ mettskillz

    Aber es ist zumindestens interessant, dass in erster Linie amerikanische Soldaten für Missstände in Afghanistan verantwortlich gemacht werden und nicht Taliban und andere Terroristen.

    Wer macht das? Ich zitiere mich selbst

    Der systematischen Entrechtung der Frauen durch das Taliban-Regime (1996 – 2001) wurde zwar mit der neuen Verfassung von 2004 entgegengesteuert (…)

    Unter dem Taliban-Regime wurden Afghaninnen bekanntlich zu Menschen zweiter Klasse.

    Es gibt in diesem Text keine „Good vs. Evil“ Argumentation, gerade um jene dichotome Weltsicht aufzubrechen, die rhetorisch von Bush kultiviert wurde und bekanntlich zu völlig undifferenzierter Berichterstattung führte. Da liegt wahrscheinlich auch dein Denkfehler: Genau diese Sichtweise unterstellst du mir – unbegründet.

    Operation Enduring Freedom ist die direkte Antwort auf die Anschläge vom 11. September und wird durch das Recht auf Selbstverteidigung legitimiert

    Das ist eine völlig unkritische Auseinandersetzung mit Krieg, Kriegsrecht und Menschenrechten im 21. Jahrhundert.

  15. namename sagt:

    1. krieg an sich und in jedem falle abzulehnen lehne ich ab – in blick auf die deutsche geschichte. manchmal sind militärische interventionen richtig.
    2. und die westlichen soldaten mit taliban gleichzusetzen oder sogar als schlimmer darzustellen halte ich für falsch (so klingt der post auf jeden fall).

  16. Helga sagt:

    @namename Ob westliche Soldaten oder die Taliban „schlimmer” sind, kann kaum jemand beurteilen, der nicht beides erlebt hat. Nach den Skandalen um Foltergefängnisse um versehentliches Töten von Zivilisten, könnte es nun einen Skandal um absichtliches Töten von Zivilisten geben.

  17. access denied sagt:

    Eine recht komische Debatte, welche hier geführt wird. Es scheint, als wäre die Entäuschung, dass ein Krieg nicht wegen Menschenrechten ggeführt wurde, die Antriebsfeder dieses Artikels. Dazu fällt mir spontan ein Zitat von Marx ein:

    “Dieses Luftreich des Traums, das Reich des ‚Wesens des Menschen’, halten die Deutschen den andern Völkern mit gewaltigem Selbstgefühl als die Vollendung und den Zweck der ganzen Weltgeschichte entgegen; auf jedem Felde betrachten sie ihre Träumereien als schließliches Endurteil über die Taten der andern Nationen, und weil sie überall nur das Zusehen und Nachsehen haben, glauben sie berufen zu sein, über alle Welt zu Gericht zu sitzen und die ganze Geschichte in Deutschland ihr letztes Absehen erreichen zu lassen. Daß dieser aufgeblasene und überschwengliche Nationalhochmut einer ganz kleinlichen, krämerhaften und handwerkermäßigen Praxis entspricht, haben wir bereits mehrere Male gesehen. Wenn die nationale Borniertheit überall widerlich ist, so wird sie namentlich in Deutschland ekelhaft, weil sie hiermit der Illusion, über die Nationalität und über alle wirklichen Interessen erhaben zu sein, denjenigen Nationalitäten entgegengehalten wird, die ihre nationale Borniertheit und ihr Beruhen auf wirklichen Interessen offen eingestehen.“

    Oder anders gesagt, weder die USA, noch die BRD sind in Afghanistan wegen Menschenrechten. Die USA haben sogar ganz klar gesagt, dass sie Al Quaida ausschalten wollen. Wem war das nicht von Anfang an klar. Meint hier jm., die Bundeswehr wäre im Kosovo wegen Menschenrechten? Es geht um den Krieg gegen den Terror und um Ausdehnung der Einflussphäre.
    Der positive Effekt, den die Ausschaltung des Talibanregimes hatte, war, dass dort z.B. Schulen für Mädchen eine weitere Verbreitung gefunden haben. Diese werden später ihre Töchter ebenfalls zur Schule schicken usw. In 30 Jahren könnte sich, analog zum Iran, eine gebildete Frauenschicht ausgebildet haben, die sich (wie gerade im Iran und eben anders als in Pakistan oder Saudi Arabien, wo es diese Schicht nicht gibt) nicht mehr mit den Zumutungen eines nach der Scharia ausgerichteten Systems abfinden wollen. Das aber nur, wenn die westlichen Armeen dort noch über Jahrzehnte bleiben.

    Achja, ein Kumpel von mir, der für eine NGO unten ist, hat sich als erstes eine Knarre besorgt. Und da ist er keine Ausnahme. Wer meint, auf das Militär dort unten verzichten zu können, irrt.

  18. Magda sagt:

    @ access denied

    Es scheint, als wäre die Entäuschung, dass ein Krieg nicht wegen Menschenrechten ggeführt wurde, die Antriebsfeder dieses Artikels.

    Bräuchte ich sonst noch etwas, vielleicht dein OK, um einen Text zu schreiben?! Deine Arroganz nervt tierisch.

    Deine Belehrungen von Marx über die von dir ach-so-klar skizzierte Situation in Afghanistan sind leider auch nichts anderes als anmaßend. Danke, die Fakten sind auch mir bekannt. Und noch eine Tatsache: Jahrzehntelanges Leid der afghanischen Bevölkerung, amerikanische Unterstützung der Mudschahiden und nun Kampf gegen die Taliban hat zu wenig bis keinerlei Verbesserung der humanitären Situation geführt. Und trotzdem wird der Krieg publikumswirksam an die Medien verkauft à la „Wir öffnen Schulen für Mädchen“. Deine Mutmaßungen über die Zukunft in Afghanistan in allen Ehren, aber sie sind unbelegt. Ach ja, der Krieg gegen Terror war ja auch nicht so erfolgreich. Sondern hat neuen Terror gesät.

    Mal ganz davon abgesehen, dass es für dich anscheinend ok ist, in ein Land einzufallen und dann neun Jahre wenig bis keine Resultate zu produzieren. Die Gründe dafür sind selbstverstänlich vielfältig, aber die Argumentation, da einfach noch ein paar Jahrzehnte drin zu bleiben und „mal zu gucken“ ist ein bisschen naiv – genauso wie ein kompletter Abzug aller Truppen übrigens. Aber das ist ein anderes Thema.

  19. access denied sagt:

    „Deine Arroganz nervt tierisch.“
    Ich glaube eher, Du bist sauer, weil Du Deine Thesen, bzw. Deine Motive auf dem Prüfstand siehst und das nicht vertragen kannst. Scheint mir, als hätte ich da treffsicher den empfindlichen Nerv getroffen.

    Vom Irak hat auch jede/r gesagt, dass es ein Fehlschlag wäre. Heute, ein entstehender Parlamentarismus, eine Abkehr von der Gewalt, schlicht eine vielversprechende Zukunft.

  20. Red Riding Hood sagt:

    @access denied:

    „Die USA haben sogar ganz klar gesagt, dass sie Al Quaida ausschalten wollen. Wem war das nicht von Anfang an klar. Meint hier jm., die Bundeswehr wäre im Kosovo wegen Menschenrechten? Es geht um den Krieg gegen den Terror und um Ausdehnung der Einflussphäre.“

    danke, dass du es zumindest noch anhängst: ausdehnung der einflusssphäre.

  21. Magda sagt:

    @ access denied

    Aha, wenn keine Argumente mehr da sind, wirst du persönlich. Langweilig. Und du wirst es kaum glauben, aber ich bin es als Bloggerin gewöhnt, auf dem Prüfstand zu sein, nur selten mit so viel treffsicherer Arroganz meiner Mitdiskutant_innen. Du sprichst in deinen Kommentaren nichts neues an, eigentlich nur der übliche Kram: „Es ist ok, überall einzumarschieren, wir haben die Weisheit ja mit Löffeln gefressen. Und wenn es den Menschen dann nach neun Jahren Krieg nicht besser geht, tja, die Taliban hätten es ja auch nicht besser gemacht.“

    Update

    @ access denied

    Danke fuer deinen Hinweis, dass ich da Jahreszahlen verwirrt habe. Aber nicht in dieser Art und Weise. Ich bitte dich um mehr Sachlichkeit in deinem Diskussionsstil. Provokation, Beleidigungen etc. brauchen wir hier nicht.

  22. Fairfis sagt:

    @Access Denied:

    Die Amerikaner haben vielleicht gesagt, dass Sie zum Ausschalten von Al Quaida in Afghanistan einmarschiert sind, aber das ist ähnlicher Blödsinn, wie dass Sie wegen Massenvernichtungswaffen in den Irak einmarschiert sind. Guerilla-Netzwerke wie Al Quaida schlägt man nicht mit konventionellen Angriffskriegen, das weiss die Welt nicht erst seit Vietnam. Viel weniger Blödsinn ist, dass einerseits eine unvorstellbare Menge an Steuergeldern zufälligerweise den besten FreundInnen von George Bush zufielen (Rüstungsbetriebe, der Militärisch-Industrielle Komplex, wie es so schön heisst) und andererseits die Bodenschätze von Irak und die strategischen Logistischen Ressourcen von Afghanistan in absehbarer Zeit nicht für den Iran und nicht für China nutzbar sind.
    Das heisst also, dass die Vereinigten Staaten, Grossbritannien, Deutschland, Italien, Polen usw. nicht nur die Menschenrechte als Ausrede missbrauchen wenn Sie ihren Angriffskrieg in Afghanistan rechtfertigen, sondern das auch die ursprüngliche Begründung (Verteidigungsfall usw). totaler quatsch ist. Dass also vielmehr die Opfer vom Anschlag in New York auch noch als fadenscheinige Ausrede für die Rechtfertigung eines schon länger geplanten militärischen Engagements der westlichen Demokratien im mittleren Osten ist.
    Es sind also nicht nur a) weder die ursprüngliche Begrüundung (Verteidigung) noch die heutige Story vom beschützen der armen Frauen bewusste Täuschungen sondern b) und das ist das was der Beitrag herausarbeitet, auch nicht de facto Resultate des militärischen Engagements. Selbst das Argument: „Naja, vielleicht wird der Krieg nicht aus den richtigen Gründen geführt, aber er hat wenigsten gute Resultate, daher sollte man ihn fortsetzen“ ist also de facto falsch. Den „positiven Effekt“ den Du verzapfts gibt es eben, wie der von Dir kritisierte Beitrag ja gerade gut begründet ausführt, eben nicht. Ich habe für Dich die Stelle extra nochmal kopiert:

    „Eine Verbesserung ist aber auch heute und insbesondere in ländlichen Gebieten nicht festzustellen. Im Gegenteil: Hinzugekommen ist ein Krieg, der neben einer ungeheuerlichen Armut eine Vielzahl an neuen sozialen Problemen hervorbrachte.“

    Afghanistan steht damit nur als jüngstes Beispiel in der Langen Reihe von Guatemala über Korea, Iran (Mossadeqs sturzt wird nicht von wenigen AnalystInnen als die amerikanische Ursünde im mittleren Osten bezeichnet), Vietnam, Osttimor, Kongo, Haiti, Afghanistan (80er), Irak (80er, 90, 00er) zu Jugoslawien, Libanon, Sudan, Somalia usw. bei denen westliche Demokratien mit öffentlichen Geldern Kriege führten oder finanzierten, Besatzungstruppen entsendeten und/oder sonstige Militäraktionen durchführten, bei denen grosse Mengen an Zivilisten starben, grosse Menge von Steuergeldern von unten nach oben umverteilt wurden, Märkte für private Konzerne gesichert wurden und schlussendlich keine Verbesserung der Lage für die betroffenen Gesellschaften resultierte.

    Nun funktioniert das in der Theorie in Demokratien schlecht. Auch heute noch ist es schwierig Mehrheiten für einen Plan zusammenzubekommen der in etwa so lautet: Einige von uns werden sterben, viele von denen werden sterben, das ganze wird die öffentliche Hand Milliarden kosten, welche Private Anteilseigner von Rüstungsbetrieben einstecken und am Ende wird es keine Stabilisierung der Lage geben sondern vielmehr die Grundlage für den nächsten Einsatz geschaffen. Daher sagt man sowas nicht, sondern stellt Bilder von verstümmelten Frauen aufs Titelblatt und lügt was von Menschenrechten oder Antiterror-Kampf oder Massenvernichtungswaffen etc. Bei Dir scheint das offensichtlich zu funktionieren. Du bist bereit unsere Steuergelder weiterhin für Waffen, Sicherheitsfirmen, Komplotte, gezielte Tötungen (also Attentate) einzusetzen, obwohl sie nicht nur unethisch sind, sondern eben auch keine Vorteile bringen. Damit bist Du nicht etwa realistisch, pragmatisch, aufgeklärt oder wie auch immer Du dich gerne sehen möchtest, sondern schlicht erfolgreich verarscht. Du gibts Dein Geld (und unseres) gerne Leuten, die Dich über den Tisch ziehen.

    Deine Behauptung Irak schaue in eine vielversprechende Zukunft ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht der hundertausende von Menschen und ihren Angehörigen, die in den letzten 7 Jahren aufgrund der Invasion starben, sondern zeugt offensichtlich auch von einer totalen Unkenntnis der Lage. Für die nächsten zwei Dekaden stehen im Irak nur zwei Optionen offen: a) Unterdrückung demokratischer Wahlen (das wird gerade probiert) inklusive Fortsetzung der auch jetzt ja anhaltenden Gewalt (7+ Tote pro Tag durch Selbstmordattentate. Pro Tag, wie Du das als vielversprechende Zukunft verkaufen willst, ist mir unerklärlich) oder b) Schiitische Mehrheiten und enge Kooperation mit dem Iran. Resultat von b) wird wohl die Spaltung des Iraq sein, eine Intensifierung des schiitisch-sunnitischen Konflikts und ziemliches Kopfweh für Ankara, dass als Nato-Mitglied aber wohl die eine oder andere Bombe zur Eindämmung eines unabhängigen Kurdistans schmeissen werden darf.
    Was Du im übrigen einfach ignorierst ist, dass die Gleichstellung von Frau und Mann durch die Invasion Jahrzehnte zurückgeworfen wurde und das in dieser Hinsicht die Zukunft gar nicht vielversprechend ist. Im Irak der Baath-Partei waren die Frauen und Mädchen freier als die Hilfswerke und die „internationale Community“ sich das je für Afghanistan zu erträumen wagen. Ob aber nun die radikalen oder gemässigten Schiiten, ob nun CIA-Sunnit 1 oder 2 in Zukunft die starke Rolle in Bhagad spielen wird: Emanzipation wird nicht hoch auf ihrer Liste stehen (und ob Dus glaubst aber nicht, auf der Baath-Liste stand sie ganz oben).

    Aber ich gebe Dir Recht, Arroganz ist vielleicht nicht die zutreffende Kritik für Dich. Ignoranz scheint für mich schon eher das richtige Wort, denn Fakten scheinen Dich nicht all zu sehr zu kümmern, es reicht ja, dass Du die Sache der Mächtigen vertrittst (und die haben ja bekanntlich immer Recht).

  23. Fairfis sagt:

    Sorry, AmerikanerInnen natürlich, wie konnte ich nur Condi vergessen.

  24. Christoph sagt:

    Für alle, die nicht müde werden, die Entwicklung Afghanistans nur schwarz zu malen und das internationale Engagement als Kriegstreiberei und generell unproduktiv darzustellen, habe ich hier mal den Link zur Seite des ehemaligen grünen Bundestagsabgeordneten Winnie Nachtwei gepostet. http://www.nachtwei.de/index.php/articles/976

    Der Mann ist mit Sicherheit der fähigste Kenner des Einsatzes aus den Reihen unserer Parlamentarier. Die Seite ist zwar mies formatiert usw., die Texte lohnen sich aber alle.

    In der Rubrik „Better News aus Afghanistan“ listet er regelmäßig erfreuliches aus dem wilden Land am Hindukusch auf.

    Ach ja. Kleine Frage an alle die die imperialistische Politik und den Kampf um Einflusssphären verdammen. Wer soll denn die Rolle der USA lieber einnehmen? China?

  25. Nadine sagt:

    @Christoph

    ääh. Niemand?!